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Comics online (1): Das Leben ist kein Ponyhof

Sarah Burrini lebt in Köln und zeichnet gerne Elefanten, obwohl sie noch nie auf einem geritten ist. Mit Christopher unterhielt sie sich über Bondage, Pferdemädchen und ihren Online-Comic "Das Leben ist kein Ponyhof".

Sarah Burrini

In meiner Grundschulklasse gab's einige Mädchen, die nachmittags immer in den Reitstall zum Voltigieren gegangen sind. Hast Du das auch gemacht?


Sarah Burrini:
Oh Gott! Nein. Ich habe überhaupt nie etwas mit Pferden oder Ponys zu tun gehabt.

Warum heißt Dein Webcomic dann "Das Leben ist kein Ponyhof"? Es spielt ja sogar ein Pony mit!


Zu meiner Verteidigung kann ich sagen, dass das Pony zuerst da war. Dann war ich lange Zeit auf der Suche nach einem passenden Titel. Irgendwann stolperte ich über diesen Spruch und fand ihn sehr passend. Das Leben spielt den Figuren in meinem Comic ja schon ganz schön mit. Und das Wort Pony kam auch noch vor...

Das Leben ist kein Ponyhof

Welcher Begriff ist eigentlich korrekt? Ist "Das Leben ist kein Ponyhof" ein Webcomic? Oder ein Online-Comic? Ein Comic-Blog? Gibt es da Unterschiede?


Darüber streitet sich auch das deutsche Comicfachbegriffgremium. Die sind aber gerade sehr mit dem Wort "Graphic Novel" beschäftigt. Ich kann das nicht so genau beantworten. Ich benutze immer den Begriff "Webcomic", bin aber auch mit "Comic" oder "Comicstrip" sehr zufrieden. Ich glaube, zwischen den Begriffen "Webcomic" und "Online-Comic" tut sich nicht viel. Allein der "Comic-Blog" hat für mich etwas Tagebuchähnliches wie Blog eben von Logbuch kommt. Beetlebum ist für mich ein Comic-Blog. Was nicht bedeutet, dass es kein Webcomic sein darf. Hach, am Ende zählt doch nur, ob man gut findet, was man da liest.

Kinoerlebnis

Du kommentierst die einzelnen Beiträge Deines Webcomics immer. Da liest man zum Beispiel, "Das Leben ist kein Ponyhof" sei "semiautobiografisch". Was meinst Du damit?


Das heißt, dass ich mich bei vielen Strips an den Erlebnissen in meinem eigenen Leben orientiere. Die Figur der virtuellen "Sarah" hat sehr viele Überschneidungen mit meinem realen Ich. Das "semi" in "semiautobiografischen" bezieht sich aber nicht nur auf den Elefanten, das Pony und den Pilz, die in meiner Comic-WG leben, sondern auch auf einige Erlebnisse in den Comicstrips, die ich persönlich NICHT erlebt habe. Zum Beispiel die Strips zum Thema "Blind Date". Da reichten mir die Erfahrungsberichte von Freunden.

Wer spielt denn mit? Magst Du die Hauptfiguren kurz vorstellen?


Also die absoluten Hauptfiguren sind Sarah, mein virtuelles Ich, auch Comiczeichnerin. Dann Ngumbe, der leicht phlegmatische Elefant, der gerne so gut Trompete spielen würde wie sein Idol Miles Davis. El Pilzo, ein hitzköpfiges Sporengewächs mit Hang zu waghalsigen Aktionen, deren Ziel oft die eigene Bereicherung ist. Außerdem ist er ein mexikanischer Wrestler. Dann kommt noch Butterblume, das schweigsame Pony, das nicht immer so knuddelig ist, wie es scheint, und eine Mafia-Vergangenheit hinter sich hat, die erst noch aufgedeckt werden wird.
Blind Date

War Butterblume nicht irgendwie auch in der Bondage-Szene..?


Stimmt, das hatte ich unterschlagen. Er hat auch einen Freund. Ich nehme an, das sind noch Überbleibsel aus seinem langjährigen Knastaufenthalt.

Wie gelingt es Ngumbe, Trompete zu spielen? Ich meine, er ist ein Elefant und hat keine Finger... Wäre es nicht naheliegender...? Rüssel und so...?


Es gibt so viele Elefanten in der Unterhaltungsbranche, die allein durch ihren Rüssel trompetenähnliche Töne erzeugen wollen. Das ist einem anspruchsvollen Dickhäuter wie Ngumbe nicht genug. Er möchte das Instrument beherrschen. Dass man dazu Finger braucht, hat ihn bei seinem Ehrgeiz nie gestört.

Wenn Du schon nie Voltigieren warst: Bist Du wenigstens schon einmal auf einem Elefanten geritten?


Wow, das wäre bestimmt wunderschön!!! Nein, leider nicht. Aber vielleicht frage ich im Kölner Zoo mal nach. Die bekommen bestimmt nie solche Anfragen.

Tststs... Sarah, ich beginne langsam, an Deiner sachkundigen Kompetenz für so einen Comic zu zweifeln. Wie sieht's denn mit Pilzen aus?


Da kenn ich mich aus! Ich habe zwei Jahre lang in einer Wohnung mit Schimmelpilz gewohnt. Der konnte aber nicht sprechen. Jedenfalls damals noch nicht…

Ritual

Normalerweise besteht jeder Deiner Strips aus vier Panels. Findest Du es nicht extrem schwierig, auf so knappem Raum einen Gag zu platzieren?


Ach, die richtig tollen Stripzeichner schaffen das sogar schon in dreien. Eigentlich braucht man ja nur: Einleitung, Aktion, Reaktion. Probleme habe ich eher, wenn ich versuche, nebenbei eine Story in den vier Panels unterzubringen.

Also muss die Story oft hinter dem Gag zurückstehen?


Ich glaube, es ist oft eher umgekehrt. Wenn ich eine bestimmte Story weitererzählen möchte, dann vernachlässige ich dafür manchmal die Pointe. Dann bin ich zwar immer etwas panisch, weil ich denke: "Ojeojeoje. Ob die Leser das mögen?" Aber ich mache es trotzdem.

Gibt es bei Deinen Figuren Entwicklungen zu beobachten? Verändern sie sich im Laufe der Geschichte?


Ja, ich denke, es wäre sehr langweilig, wenn das nicht so wäre. Ngumbe beispielsweise ist zwar immer noch ein eher phlegmatischer, unfröhlicher Typ. Aber durch seine eigene Storyline, in der er um seine große Liebe kämpfen musste, hat er auch seine, äh, emotionale Seite entdeckt. Ich hoffe, dass ich den Charakteren im Laufe des Comics noch mehr Tiefe verleihen kann.

Weißt Du noch, wann "Das Leben ist kein Ponyhof" online gegangen ist?


Dank meiner Nummerierungstechnik kann ich es Dir auf den Tag genau sagen: am 18. Mai 2009.

Wieviele Episoden gibt es inzwischen?


Es gibt inzwischen 137 Strips und einige Gaststrips, deren genaue Zahl ich gerade nicht sagen kann.

Wann und wie regelmäßig schaffst Du es, einen neuen Strip online zu stellen?


Es gibt inzwischen jeden Montag und Donnerstag einen neuen Strip. Und bis jetzt habe ich das auch immer eingehalten. Wenn ich in Urlaub war, gab es Gaststrips, die ich stattdessen gezeigt habe.

Wer sind denn Deine Leser? Gibt es Feedback?


Es gibt zum Glück erfreuliches Feedback auf meinen Kommentarspalten. Bis jetzt kann ich mich sehr glücklich schätzen. Ich habe wirklich nette, wohlwollende Leser, die auch Kritik ablassen können, ohne dabei unfreundlich zu werden. Die Statistiken meiner Facebook-Seite sagen übrigens, dass die meisten meiner Leser männlich und zwischen 25 und 34 Jahre alt sind.

Ist es für Dich wichtig, im Internet gut vernetzt zu sein, zum Beispiel über Facebook oder Twitter?


Das ist tatsächlich sehr wichtig für mich. Ich will mit meiner Seite natürlich möglichst viele Leser ansprechen. Und da ich einen Comic im Internet mache, würde mir zum Beispiel Werbeanzeigen in Printprodukten so gut wie gar nichts nützen. Via Twitter und Facebook kann ich die Leute regelmäßig auf den neuesten Comic und andere Neuigkeiten aufmerksam machen.

In einer der ersten Episoden sagt Dein Alter Ego, es möchte sich mit dem Webcomic eine Playstation 3 finanzieren. Ist dieser Traum inzwischen wahr geworden?


Jepp! Und zwar hat der Webcomic das sogar wirklich (zumindest indirekt) geschafft. Durch ihn habe ich Webcomickollegen David Malambré (von www.demolitionsquad.de) kennengelernt. Der hat mir seine gebrauchte Playstation verkauft. Mein Ziel ist also quasi erreicht. Aber ich denke, ich mache trotzdem weiter...

Also kann man tatsächlich mit einem Webcomic Geld verdienen?


Kann man bestimmt. Fragt sich nur: Wie viel? Und ob man damit überleben kann? Tatsache ist, dass es einige Einnahmenquellen gibt: Micropayments wie Flattr, Bannerwerbung, Spendeneinnahmen, Betrieb von Onlineshops etc. Ich möchte das Konzept "Geldverdienen mit dem Webcomic" im nächsten Jahr ernsthaft angehen. Ich will einen Sponsor finden, der mich durch die Schaltung eines von mir gestalteten Werbebanners teilfinanziert. Und ich möchte Printmagazine ansprechen.

Hast Du das Comiczeichnen richtig gelernt? An einer Kunstakademie oder so? Finanzierst Du Deinen Lebensunterhalt damit?


Für Kunstakademien und ein Grafik-Design Studium habe ich die Eingangsprüfungen leider nie bestanden. Das macht aber im Endeffekt nichts. Ich habe dann eine Ausbildung zur Mediengestalterin in einem Trickfilmstudio gemacht und anschließend ein Jahr an einer Weiterbildung im Bereich Animation teilgenommen. Inzwischen lebe ich vom Comiczeichnen. Ich habe einen monatlichen Comicjob für das Kindermagazin "BENNI" und zeichne auch immer wieder Comics für andere Auftraggeber. Außerdem verdiene ich auch Geld mit Illustrationen.

Wann bekommen wir von "Das Leben ist kein Ponyhof" etwas Gedrucktes zu sehen?


Im Mai oder Juni 2011 zum Comicfest München. Da wird der Ponyhof im schmucken Hardcover beim herzallerliebsten Zwerchfell Verlag erscheinen. 80 Seiten in Farbe. Das wird aufregend.








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Kommentare
Anzahl der Kommentare: 3
Dienstag, 04.01.11 10:02
 

Ahh, es kommt nur gutes aus Köln. Härrlisch...

Dienstag, 04.01.11 10:37
 

auch zu empfehlen:
http://www.phdcomics.com

Dienstag, 11.01.11 14:29
 

Bester Comicblog ever :D vor allem wegen Butterblume X'D

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