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Pornos, Aufklärung & Peinlichkeiten: Jugendliche reden über Sex

Die Abteilung Junges Theater am Theater Freiburg traut sich was: „Sex“ lautet der Titel eines Stückes, in dem elf Schüler und Studenten zwischen 14 und 22 – sechs Mädchen und fünf Jungs – sich dem für Teenager oft schamvollen, lustigen, schwierigen und angstbeladenen intimen Thema nähern. Von Penisformen bis zum Achselhöhlensex gibt es im Stück kein Tabu. Vier Mitwirkende, deren persönliche Erfahrungen ins Stück eingeflossen sind, erzählen: von peinlichen Momenten, dem ersten Mal, Pornos und peinlicher Aufklärung.

Peinliche Momente

Nikolay BaumannDer peinlichste Moment in Sachen Sex?  Der 16-jährige Nikolay Baumann (Bild rechts) überlegt. „In der Schule hat mich der Lehrer mal nach vorne geholt, und ich musste vor der ganzen Klasse ein Kondom auf so ein Holzding ziehen. Das war für mich total schlimm und hat mich tagelang verfolgt.“

Simon „Goldi“ Goldschagg, 22, einst Waldorfschüler und heute Musikstudent an der PH, muss bei der Frage nach dem peinlichsten Moment nicht  überlegen: Er und seine erste Freundin – schlimmer geht’s nicht – wurden inflagranti von den in ihr Zimmer stürmenden Klassenkameraden erwischt.

Das erste Mal

Das erste Mal kann ganz schön stressig sein, wie man im Stück erfährt. „Fuck, die will Sex“, sagt  ein fast panischer Junge, dessen Freundin nach sechs Monaten Beziehung endlich aufs Ganze gehen will. Er stellt  sich Fragen wie: „Was mache ich, wenn ich keinen hochkriege oder zu früh komme? Was mache ich, wenn es ihr nicht gefällt? Oder sie nicht befriedigt ist? Oder das Kondom klemmt?“ Er hat keinen Plan, weder der Rat des Kumpels noch der heimlich geschaute Porno sind eine Hilfe. „Total knülle“ sei er beim ersten Mal gewesen, sagt der Kumpel auf der Bühne: „So berauschend war das nicht.“ Der Rat an den angsterfüllten Freund: „Augen zu und durch.“

„Männer haben nicht nur Druck von außen, sondern auch den Druck, nicht zu versagen“, sagt Student Simon, der sein erstes Mal  kurz vor seinem 18. Geburtstag erlebte – „und ich würde mich nicht als Spätzünder bezeichnen“. Es gelte: „Je früher man’s macht, desto  cooler ist man. Und die Tendenz geht dazu, es immer noch früher zu machen.“ Simon spielt im Stück MC Mike („Da will doch jeder mal rein, in dein enges Paradieselein“), der den coolen Rapper mimt, aber bei den Frauen der Typ „bester Freund“ ist und deshalb allenfalls One-Night-Stands hat.

„Jungs wollen oft nicht zugeben, dass sie es noch nie gemacht haben, selbst gegenüber den besten Freunden nicht“, erzählt Nikolay, der ganz offen nur mit seinem zwei Jahre älteren  besten Freund über Sex plaudert. Nikolay spielt im Stück einen Typen, der so oft verlassen wurde, dass er schon in jungen Jahren an die große Liebe, nach der er sich  sehnt, nicht mehr glauben mag. Nikolay selbst ist da anders: „Ich glaube, dass es die große Liebe gibt“, sagt er, der auch schon auf die unschöne Art –  per SMS – verlassen wurde. Nach außen cooler Macho, aber im Geheimen ein Weichei – diesen Widerspruch gibt es nicht selten, sagt Nikolay, der das Walter-Eucken-Gymnasium besucht. Peinlich findet er, wie er im Stück in die Luft springen und sich dabei volle Kanne mit der Hand auf den Hintern klatschen muss, weil das – den Floh hat ihm  ein Kumpel ins Ohr gesetzt – bei den Mädels angeblich gut ankommt. Doch peinlich hin oder her, seine Freundin hat Nikolay trotzdem zur morgigen Premiere eingeladen.

Ilka Bock„Es  ist eher plötzlich passiert“, sagt Laila Uhl, 17 (Bild links), über ihr erstes Mal. „Es ist nicht wichtig, wo, wann oder mit wem – es muss einfach etwas Besonderes sein. Man sollte es auf jeden Fall bewusst erleben und nicht besoffen auf einer Party“, findet Ilka Bock (Bild unten rechts). Sie kenne viele, die sich den ersten Sex aufheben. Ihre Figur sagt im Stück über das erste Mal: „Ich war so aufgeregt, ich lag da wie ein steifes Brett. Es hat höllisch weh getan.“

Aufklärung

Die eigenen Eltern haben für Nikolay bei der Aufklärung eher eine untergeordnete Rolle gespielt. „Kein Sex vor der Ehe“ habe seine Mutter ihm gesagt. „Aber diese Entscheidung geht schon eher von mir aus“, sagt Nikolay. Wenn er an Aufklärungsunterricht in der Schule denkt, sagt er nur „Au Mann“ Aufklärung? Das gab’s bei Simon Goldschagg  in der Waldorfschule St. Georgen gar nicht. „Heutzutage klärt man sich eher gegenseitig unter Freunden auf. Durchs Internet ist es eh vieles leichter geworden“, glaubt Simon. Wobei: „Das Internet kann auch in die Irre führen.“ Insgesamt  wüssten viele immer noch  zu wenig Bescheid oder seien falsch aufgeklärt. „Das sieht man schon an den Fragen, die in der Bravo gestellt werden“, glaubt Goldschagg.

Laila UhlSexualkunde in der Schule fand Ilka  – sie besuchte die Waldorfschule St. Georgen und will nächstes Jahr studieren – „zu peinlich. Mir war das damals viel zu offen“, erinnert sich die heute 20-Jährige. In  der neunten Klasse habe Pro Familia die Schülerinnen über die Periode informiert – viel zu spät. „Da hatte ich sie schon ein paar Tage“, sagt Ilka ironisch und lacht. Enttäuscht war sie auch, dass die Jungs Kondome und die  Mädchen nichts geschenkt bekamen.

Von ihren Eltern wurde Ilka während einer Autofahrt aufgeklärt, 13 oder 14 war sie damals. „Ich weiß nicht, ob das so geplant war.“  Wirklich neu für sie war damals nur das Kapitel Verhütung, erinnert sie sich. Vieles hat sie auch einfach auf sich zukommen lassen. „Zu viel wollte ich gar nicht erfahren. Ich dachte mir: Wenn der Zeitpunkt kommt, werde ich es schon wissen.“ Sie hat vieles auch in Gesprächen  mit befreundeten Jungs erfahren: was die an Sex gut finden und welche Vorlieben sie haben.

Die 17-jährige Laila, die die zwölfte Klasse der Waldorfschule Rieselfeld besucht,  erinnert sich noch an das Bilderbuch „Mama hat ein Ei gelegt“. Das klassische Aufklärungsgespräch mit den Eltern hat es bei ihr nicht gegeben. „Mit zwölf oder 13 war ich wirklich aufgeklärt“, erinnert sie sich. Die Aufklärung in der Schule  sei ihr aber viel zu theoretisch gewesen. In der Inszenierung nehmen die Mädchen ihre Eltern auf die Schippe: „So ein Penis, des isch nix Schlimmes.“ Und: „Die Eichel, die isch e bissel erogen“

Simon „Goldi“ GoldschaggPornos

„Bei Frauen gehen Pornos gar nicht. Ich konnte Mädchen auch nie erklären, warum Jungs Pornos schauen“, sagt Simon (Bild links). Die Gefahr für Jugendliche, welche von Pornofilmen ausgehe,  sieht „Goldi“ in der Art, wie Sex dargestellt wird. „Jugendliche meinen dann, Sex sei so wie im Film. Dabei muss man, wenn man versucht, all diese Stellungen nachzumachen,  Hochleistungsakrobat sein.“ Ilka Bock hat noch nie einen Porno geguckt. „Ich war schon immer so stark, Nein zu sagen. Ich habe aber auch Freundinnen, die machen, was ihr Freund will.“






Was: „Sex“ - ein Projekt von „Element 3 – Jugend, Kultur, Konzept“ in Kooperation mit dem Theater Freiburg
Wann: Premiere Samstag, 20. November 2010, 18 Uhr, im Werkraum des Theaters
Weitere Aufführungen: Sonntag, 21., Samstag, 27. und Sonntag 28. November 2010, Freitag, 3. und Freitag, 17. Dezember 2010, jeweils 18 Uhr
Wo: Theater Freiburg


 
[Fotos: Rita Eggstein; Dieser Text erscheint heute ebenfalls auf der 'Frisch gepresst'-Seite der Freiburger Lokalausgabe der Badischen Zeitung.]




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Kommentare
Anzahl der Kommentare: 4
Freitag, 19.11.10 10:50
 

ist heute porno-tag? (siehe portrait "pornoladenerbe" ...)

dann post ich auch mal was in richtung sexus, einen klassiker feministischer aufklärungstexte (o.s.ä.):

http://www.emma.de/hefte/ausgaben-2009/juliaugust-2009/vulva-attacke-2009-4/

Freitag, 19.11.10 14:07
 

Ich hab mir sagen lassen es soll ReligionslehrerInnen geben, die nehmen diese Zeit des Jahres zum Anlaß im Unterricht die zur Weihnachtszeit hin stiegende Zahl der Puffbesuche zu diskutieren (Stichwort: Nächstenliebe).

Freitag, 19.11.10 22:20
 

Interessanter Artikel, supermanuel!

Bertram Meyer
Sonntag, 21.11.10 02:46
 

Namen und Fotos der Mädchen sind vertauscht. Außerdem noch die Sätze verdreht. Gute Arbeit! Aber sonst subba.

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