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Nachtmacher: Sinnestäuschung Events

Das sind Deniz Binay (rechts) und Aron Lederer, zwei junge Männer, die hinter Sinnestäuschung Events stehen und mit diesem Projekt eine ganze Reihe regionaler No Name-DJs auf vielbeachtete Clubbühnen gebracht haben. Wie ging diese Techno-Erfolgsgeschichte vonstatten? Ein Portrait.

Sinnestäuschung

Früher Freitagmorgen. Hell und warm scheint die Sonne. Zum ersten Mal in diesem Jahr riecht die Luft nach Sommer. Nur noch wenige Stunden bis zum ersehnten Wochenende. Und dann? Etwas mit Freunden unternehmen? Sowieso. Ausgehen und feiern? Sehr gern. Doch die Lust auf Club ist gering: Liquid geschlossen, im 18 Months laufen nur Balkan-Sounds und für das Drifter’s ist man noch ein wenig zu jung. Was nun?

Zunächst der Griff zum Handy. Freunde anrufen. „Lass doch draußen was organisieren.“ Ein Satz, der mehrmals fällt. Doch wie soll das gehen? Ganz ohne Infrastruktur und Ausrüstung? Ohne Plan? Antriebskraft ist lediglich der Drang nach Party, die Lust auf Feiern.

Stunden und ungezählte Telefonanrufe später steht fest: vorhanden sind ein Stromaggregat, Lautsprecher, Plattenspieler, Mischpult, ein DJ und jede Menge Schallplatten sowie drei Dutzend Freunde und Bekannte. Autos werden bepackt, ein kurzer Zwischenhalt beim Getränkemarkt eingelegt und schon geht’s los. An diesem Freitagabend findet irgendwo zwischen Kaiserstühler Weinbergen und Dreisamtäler Sommerwiesen eine kleine Spontanparty statt. Angeregt von zwei Jungs, Aron und Deniz. Ihr Vorhaben gefördert und unterstützt haben ihre Freunde sowie einige langjährige Nachtaktive der Freiburger Szene.

„Drei Jahre liegt das zurück“, beenden Aron und Deniz ihren erzählerischen Ausflug zu den Anfänge von Sinnestäuschung. Ihre Augen strahlen, sie lehnen sich zurück, machen es sich bequem auf einem Sofa in der Freiburger Maria Bar.

Sinnestäuschung

Aron und Deniz sind die Köpfe des Veranstaltungskollektivs „Sinnestäuschung Eventmanagement“. Sie bewegen sich auf der weiten und unübersichtlichen Spielwiese der elektronischen Clubmusik, die mittlerweile kleinteilig zergliedert ist in Sub- und Sub-Sub-Genres. „Musik-Nerderei und Auflege-Voodoo überlassen wir jedoch unseren DJs. Wir selbst legen nicht auf. Unser Job sind die Bookings, das Bewerben unserer Veranstaltungen, Sicherheit, Technik, Kasse, Getränke, und alles, was die Organisation von Clubnächten mit sich bringt“, umschreiben die beiden ihr Aufgabengebiet. Kann so etwas funktionieren? Veranstalter, die selbst nicht an den Plattentellern stehen? Dem Vorwurf, als Nicht-DJs keine Ahnung zu haben und „nicht aus der Szene“ zu kommen, begegnen sie nur müde lächelnd: „Kennen wir schon, die Sprüche.“

Den Vorwurf, keinen Plan zu haben, müssen die beiden Jungveranstalter nicht auf sich sitzen lassen. Denn beide stammen aus der Mitte der inzwischen soundsovielten Technogeneration, die auch im Jahre 2010 mit unzerbrechlicher Leidenschaft zum Viervierteltakt tanzt. Kaum volljährig geworden, begeben sich Deniz und Aron an jedem Wochenende in das Freiburger Nachtleben. Aufnahmewillig saugen sie auf, was ihnen die verschiedenen Reizquellen bieten. F-Club, Liquid, Drifter’s und der Vibes Club in der Nachtschicht. Dort wird Aron, damals noch keine 18 Jahre jung, von einem Freund auf eine Afterhour aufmerksam gemacht.

Sinnestäuschung

Diese finden zu jener Zeit im F-Club statt. „Ich war noch ziemlich unerfahren, für mich war alles neu, und so bin ich mitgegangen.“ Sein Erstkontakt mit den clubtauglich gebürsteten Beats und Bässen. Deniz hingegen startet an seinem 18. Geburtstag durch. Was jugendlichen Nachtschwärmern die Frankfurter Clubs „Dorian Gray“ in den späten Achtzigern und „Omen“ in den Neunzigern sind, ist ihnen heute – unter anderem – Sven Väths Technotempel Cocoon. Dort wird Deniz nicht nur volljährig, sondern zum begeisterten Techno-Jünger.

Nur wenige Wochen nach diesen ersten Berührungen mit einer pulsierenden Nachtwelt, sind Deniz und Aron zweigleisig unterwegs. Zum einen feiern sie aktiv sich selbst, die Nacht und die Musik, zum anderen werden sie Teil des Veranstaltungszirkus. Wenn man so will, machen die beiden innert kürzester Zeit eine Entwicklung vom reinen Konsumenten zum Prosumenten durch. „Do it yourself, jung und motiviert, nenn’ es, wie du’s willst“, umschreiben die zwei ihr persönliches Fortschreiten. Voller Energie, jugendlicher Gelassenheit und Unbeschwertheit legen sie los. Sie überlassen es den anderen, sich den Kopf über das Warum und Wieso zu zerbrechen. So sollte es doch immer sein.

„Kopflos sind wir jedoch nicht an die ganze Sache gegangen“, wenden Aron und Deniz ein. „Wir handeln zwar oftmals spontan und aus dem Bauch heraus, aber dennoch nicht unüberlegt. Und wir holen Rat und Anregung von Freunden und Bekannten ein.“ Dies bekommen sie seit den ersten Sinnestäuschungs-Tagen unter anderem von Ralf Dännart, der seit nahezu zwei Jahrzehnten im Freiburger Nachtleben als DJ und Veranstalter („Dännarts Decks“) unterwegs ist. Er ist es auch, der den Kontakt zu Frank Krieger alias DJ Beyond herstellt. Dieser, ein altgedienter Techno- und DJ-Recke der Region, betreibt das Vereinsheim des SC Tiengen. Und so finden dort im Sommer 2009 regelmäßig Untergrund-Nicht-Untergrund-Parties statt. Eine geeignete Plattform, um die Fingerfertigkeit in Sachen Veranstaltungsorganisation zu festigen.

Doch zurück zu den Outdoor-Parties. Auch ihr persönlicher „Summer Of Love“ muss der Herbst- und Winterszeit weichen. Für einige Wochen werden Deniz und Aron wieder reine Konsumenten. Ihre Freitag- und Samstagabende verbringen sie gerne im 18 Months, einem damaligen Clubprojekt auf Zeit. Dort bespielen Patric Tränkle und Frank Wagner in wöchentlichem Rhythmus als PaTT & Mandibula den großen Floor. Der kleine, weissgetünchte Raum bleibt jeweils geschlossen. „Da können wir doch unsere Sessions weiterführen“. Dieser Gedanke setzt sich in beider Köpfe fest und lässt sie nicht mehr los. Aron, der sich selbst im Vergleich zu seinem Agenturpartner Deniz als „etwas extrovertierter“ sieht, spricht Patric alias PaTT auf den Leerstand an. „Gut möglich, dass ich dabei sehr stürmisch war, dass ich ihm sogar auf die Nerven gegangen bin. Denn noch am selben Abend packt mich Patric an den Schultern, dreht mich um und meint: ‚Hier, das isser, der macht den Laden.’“Zwischen Idee und Nachfrage vergehen keine zehn Minuten. Wieder eine Blitzhandlung.

Sinnestäuschung

So bekommen Aron und Deniz Kontakt zu Nitebeat Events unter Führung von Holger Probst, die sich zu dieser Zeit um den Betrieb des 18 Months kümmern. Noch in derselben Nacht erhalten die Jungveranstalter eine mündliche Zusage, in Zukunft den kleinen Raum bespielen zu dürfen. „Ganz ohne bürokratische Hürden überwinden zu müssen." Spontan, unerwartet, wie ihre erste Party unter freiem Himmel. Schon in der darauffolgenden Woche hält die Sinnestäuschung–Posse im 18 Months Einzug und mit ihr eine ganze Reihe regionaler DJs, die zuvor kaum bis gar keine Möglichkeiten hatten, öffentlich in Clubs aufzulegen. Darunter Tscherno, Sergio und 41_Fieber. „Das war und ist eines unserer Anliegen: noch unbekannte regionale DJs von zuhause und Privatparties in den Club zu holen und ihnen eine Plattform zu bieten.“

Im Verlauf der folgenden Wochen und Monate schließen sich DJs und Jungveranstalter zusammen. Sinnestäuschung Events als Veranstaltung sowie Sinnestäuschung Eventmanagement als Träger der organisatorischen Prozesse werden geboren. Die Clubnächte erfreuen sich eines regen Zulaufs, auch wegen einer groß angelegten Freikartenaktion.

Mit der Zeit stehen erste Bookings auswärtiger DJs an. Hierbei profitieren Aron und Deniz von ihrer Zusammenarbeit mit Mandibula. Zu Nitebeat Events entwickelt sich ein freundschaftlich kooperatives Verhältnis. Sinnestäuschung-DJs liefern daher auch ein ums andere Mal musikalischen Support, wenn Nitebeat Events Szenegrößen wie Karotte oder Gregor Tresher ins 18 Months holen. Das einjährige Bestehen feiern Deniz und Aron mit der ganzen DJ Crew sowie mit Ralf Dännart.  Als Gast holt man sich Iftah Gabbai und Olaf Hilgenfeld alias Skinnerbox ins Haus. In der Folgezeit bereichern Künstler wie Super Flu oder Kollektiv Turmstrasse das Freiburger Nachtleben, „Acts, die bisher noch nie in Freiburg waren“, wie Deniz und Aron betonen.

Sinnestäuschung

Ob sie stolz darauf sind? „Prahlerisches Getue und Überheblichkeit sind nicht unser Fall. Außerdem ist Sinnestäuschung nur dadurch entstanden und gewachsen, dass wir von allen Seiten Unterstützung erfahren haben.“ Immer wieder fällt ein Wort. Dankbarkeit. „Wir können dankbar sein für alles, was wir in den letzten Jahren erlebt und gemeinsam aufgebaut haben." Man nimmt es ihnen ab. Während des Gesprächs, während sie überlegen, wem sie wofür dankbar sind, wer ihnen mit Rat und Tat zur Seite steht, wird deutlich: ihre Zurückhaltung und Bescheidenheit sind nicht aufgesetzt.

Doch etwas muss doch auszugraben sein, das diese Aufsteigergeschichte wenigstens ein bisschen auf den Boden herunterholt. „Ganz zu Beginn von Sinnestäuschung wurden wir eiskalt abgezockt“, berichten sie. „Die damaligen Betreiber des „Z“ haben uns Spielzeit und alles eingeräumt. Das Event war angekündigt, Flyer waren gedruckt, und kurz bevor wir die Clubnacht eröffnen wollten, ließen die Macher des Z den Deal platzen.“ Von einer Minute auf die andere stehen sie an diesem Abend im Regen.

Aron und Deniz mussten Durststrecken durchmachen. Eine davon beginnt mit der Schließung des 18 Months. Wie viele andere DJs verlieren auch die Sinnestäuschung-Jungs eine Homebase. Ausweichmöglichkeiten haben sie kaum. Leichte Sorgenfalten legen sich auf ihre Stirn. „Die Stadt Freiburg ist ein hartes Pflaster. Lange Jahre haben die Clubs und Veranstalter unter einer fragwürdigen Handhabung der Sperrzeiten gelitten.“ Und die Clublandschaft selbst? Diese ist in ihren Augen dürftig. „Clubs mit einem Gesicht, mit einem Statement, gibt es nach unserer Einschätzung eigentlich nur wenige. Alles andere sind Diskotheken. Da passen wir mit unserem Sound einfach nicht ein.“ „Und wir wollen da auch nicht rein“, bemerkt Deniz. Ausschlaggebend für ihre Haltung ist unter anderem die Infrastruktur. „Die Betreiber sparen immer an der Anlage.“ Etwas, in das die beiden zuerst investieren würden, hätten sie die Möglichkeit und Mittel, ein eigenes Clubprojekt in Angriff zu nehmen.

Sinnestäuschung

Auf Nah- oder Fernziele angesprochen, geben sich die beiden Veranstalter sehr bedeckt. „Würden wir darüber sprechen, wäre das reine Kaffesatzleserei“, sagen sie. Doch dann kommen sie auf einen Herzenswunsch zu sprechen. Er hängt zusammen mit den bevorstehenden Events im Harmoniekeller und auf dem Stinnes-Areal. „Ein Traum von uns wäre, je ein Mal im Monat im Stinnes-Areal und ein Mal im Harmoniekeller eine Clubnacht zu stemmen“, sagen die Sinnestäuscher. „Doch man wird sehen.“

Sie geben sich zurückhaltend und vermeiden es, eine falsche Erwartungshaltung zu schüren, auch wenn sie und die Sinnestäuschung-DJs in den vergangenen drei Jahren schon einige Basswellen aufgewirbelt und für frischen Wind in der lokalen Szene gesorgt haben. Ein letztes Wort? Aron und Deniz schauen sich kurz an. „Den perfekten Schlusssatz gibt es nicht“, sagen sie. „ Ein großes MERCI gilt auch allen, die mit uns gefeiert haben. Ohne Publikum wären wir alleine und dann macht’s doch keinen Spaß. Und nur darauf kommt es letzten Endes an.“

Sinnestäuschung Eventmanagement auf Facebook: Gruppe & Profil & Fanseite  

Bevorstehende Veranstaltungen
  • Sinnestäuschung Events @ Harmonie Keller: Samstag, 11. Dezember 2010
  • Sinnestäuschung Events @ Stinnes Areal: Freitag, 17. Dezember 2010


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Kommentare
Anzahl der Kommentare: 6
Facebook-User
Mittwoch, 03.11.10 17:04
 

Schöner Bericht, nur habt ihr jemanden vergessen, der entscheidend dazu beigetragen hat, dass aus dem Jammerlappen-Duo jemand wird... oder nicht, Mandi?

Mittwoch, 03.11.10 20:08
 

Wie im artikel erwähnt... haben wir intensiv mit Mandibula zusammengearbeitet. Wir finden es auch schade das es im Artikel ziemlich kurz gekommen ist.

Wir haben auch in der Rohfassung um erwähnung gebeten.
Allerdings haben wir auf die die Finale fassung keinen einfluss.

Hiermit sei es nachgehohlt:
Frank wir haben dir einiges zu verdanken.
Auf weiterhin gut zusammen arbeit und viel tolle nächte mit dir.

Facebook-User
Mittwoch, 03.11.10 20:47
 

toi toi toi ;)

Donnerstag, 04.11.10 09:59
 

PFUI! Jetzt wird man hier schon gelöscht, nur weil man man jemanden kritisiert? Mit den richtigen Parten wäre Deniz besser dran als mit diesem "Avon Berater".

Donnerstag, 04.11.10 11:08
 

17.12 Sinnestäuschung with PAN POT [MOBILEE\EINMALEINS\BERLIN] und TAGTRÄUMER² [SCHALLTRAUMA\BERLIN] im ALTEN STINNES AREAL FREIBURG

Unikat
Donnerstag, 04.11.10 13:11
 

Immer diese scheis kommentare,
Sinnestäuschungen haben wir viele gute Partys zu verdanken und das ist auch gut so !!! Wenigstens jemand der Initiative fässt in Freiburg etwas zu starten..... Aber immer diese ''Neid'' Kommentare ..... Stellt doch selber erstmal Partys mit so namenhaften Headliners auf die reihe, beovr ihr so kommentare macht....

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