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Der Afghanistan-Rückkehrer

Michael Leukert (26) aus Lahr ist als Bundeswehrsoldat neun Monate lang in Afghanistan gewesen. Von Illusionen befreit, doch mit einem Trauma belastet, kehrte er heim. In unserem Interview spricht er nun ganz offen über mangelnde Vorbereitung, Erfahrungen der Hilflosigkeit in Kabul und über die Bilder, die ihn nicht mehr loslassen.

Michael Leukert

Vorbereitung
 

Michael, wie kam es dazu, dass du als Soldat nach Afghanistan gegangen bist?


Ich hatte mehrere Gründe. Erstens wollte ich meinen Teil dazu beitragen, die Welt zu verbessern, anstatt immer nur Konsument zu sein. Zweitens wollte ich die Welt sehen, wie sie wirklich ist, und nicht nur das, was die Medien uns als Wirklichkeit vermitteln wollen. Ein wichtiger Aspekt war natürlich auch das Geld: es wurde gut gezahlt.

Wieviel?


In neun Monaten habe ich 25.000 Euro bekommen, steuerfrei. 3.500 Euro habe ich während des Einsatzes für zusätzliche Verpflegung ausgegeben, da die Lunchpakete der Bundeswehr, die wir dort bekamen, furchtbar waren.

Wielange warst du dort im Einsatz?


Von Oktober 2004 bis Juli 2005, insgesamt neun Monate. Ursprünglich sollte ich nicht so lange bleiben. Da ich aber Deutsch, Englisch und Französisch spreche, war ich meiner Kampfkompanie von Nutzen. Man bot mir immer wieder an, länger zu bleiben. Ich willigte ein paar Mal ein, bis ich irgendwann genug davon hatte. Ich hätte sicherlich drei bis vier Jahre in Afghanistan bleiben können. Und ich könnte wohl jederzeit zurück. Aber daran habe ich kein Interesse.

Wie wurdest du in Deutschland auf den Einsatz vorbereitet?


Es gab Kurse, in denen uns deutsche Uni-Professoren die Geschichte Afghanistans näher bringen wollten. Außerdem bekamen wir Erste-Hilfe-Kurse. Wir machten viele Schießübungen mit verschiedenen Szenarien. Drei Wochen lang übten wir mit Laserwaffen. Da konnte ich sehen, wann ich getroffen werde. Das war schon nützlich.

War die Vorbereitung ausreichend?


Nein. Bei der Vorbereitung wurde viel gepfuscht. Zum Beispiel bei der Nahkampfkurs. Feldjäger zeigten uns ein einziges Mal, wie man Mann gegen Mann kämpft. Das war natürlich viel zu wenig, um es zu beherrschen. Aber auf dem Papier waren wir so für den Nahkampf ausgebildet. Das Gleiche gilt für den Umgang mit der Panzerfaust. Wäre es zu einem echten Gefecht gekommen, wie die Amerikaner es oft haben, hätten wir mit dieser Waffe sicherlich viele eigene Leute getötet.

Hat man euch darauf vorbereitet, unter Umständen Menschen töten zu müssen?


Das schon. Man zeigte uns viele Bilder. Albert Prinz von Thurn und Taxis war bei uns in der Einheit. Der musste einmal einen Verletzten spielen und mit einer Schweineleber und Schweinedärmen eine schwere Verwundung simulieren. Das hat gestunken und war echt eklig, aber sehr realistisch. Der Prinz ist dann übrigens nicht mitgekommen nach Afghanistan.

Andere junge Leute machen nach der Schule soziale Dienste in Afrika oder Lateinamerika. Warum wolltest du ausgerechnet nach Afghanistan, um, wie du sagst, die Welt zu verbessern?


Das war damals keine gute Zeit für mich. Ich brach mein Studium ab und sah den Afghanistan-Einsatz als tolle Gelegenheit, etwas zu tun, was mich schon immer interessiert hat. Zu sehen, wie es sich in solchen Kulturen lebt. Ich wollte wirklich helfen. Doch es stellte sich heraus, dass ich letztlich nicht einem einzigen Menschen helfen konnte.

Michael Leukert

Alltag
 

Wo warst du stationiert?


Im Camp Warehouse, am östlichen Rand von Kabul. Unser Patroulliengebiet umfasste ein paar Polizeireviere in der Innenstadt, außerdem die Dörfer und Berge im Südosten Kabuls. Wir waren auch in der Kabul-Schlucht unterwegs, durch welche die ganze Versorgung der Stadt Kabul aus Pakistan kommt.

Wie sah dein Arbeitsalltag aus?


Im Gegensatz zu den Amerikanern und Kanadiern sind die Deutschen 24 Stunden am Tag im Dienst. Sie haben keine Freizeit, sie schlafen und arbeiten. Zwischen Patrouillen gibt es aber schon Ruhepausen. Jeden zweiten Sonntag gibt es sechs Stunden Freizeit. Bei mir allerdings nicht, weil ich tagsüber Patrouillen fuhr, nachts das Funkgerät übernehmen musste, weil ich Englisch kann und zwischendurch noch Dokumente übersetzte.

Durftest du, wenn du doch mal frei hattest, das Lager verlassen?


Es ist strengstens verboten, das Lager in seiner Freizeit zu verlassen. Es soll ja keiner entführt werden. Es gab jeden Sonntag einen Markt innerhalb des Lagers, auf dem die Afghanen Sachen feilboten. Dann gab es im Lager viele sogenannte Betreuungseinrichtungen, in denen man abends saufen gehen konnte. Es galt die Zwei-Bier-Regel: Man durfte nicht mehr als zwei Bier trinken, da man dauernd bewaffnet war. Einige hielten sich nicht daran, die wurden manchmal bestraft. Bei mir hielt sich das mit dem Trinken in Grenzen.

Michael Leukert

Freizeit
 

Wie hieltest du den Kontakt zu Freunden und Familie?


Durch sehr teures und langsames Internet. Auch das Telefonieren war sehr teuer.

Sonstige Freizeitaktivitäten?


In unserer Betreuungseinrichtung gab es auch einen Kickertisch. Unsere ostdeutsche Kompanie aus Brandenburg richtete sich einen FKK-Bereich ein, da konnte man sich gut sonnen. Manchmal organisierten wir 30-Kilometer-Märsche durch unser Lager: Wir liefen dann in voller Montur immer im Kreis und haben uns mit den Kompanien der anderen Nationen gemessen.

Welche Nationen?


Es gab Schweizer, Iren, Schweden, Dänen, Georgier, Mazedonen, Bulgaren, Rumänen, Franzosen, Italiener, Spanier. Wahrscheinlich war die halbe Nato dabei. Die Verständigung lief auf Englisch. Hauptsächlich war man allerdings mit seiner Kompanie unterwegs, aber nachts in den Betreuungseinrichtungen, da ist man sich nach ein paar Bier schnell nähergekommen. Und die Frauen, die meist im Feldlazarett beschäftigt waren, hatten die Qual der Wahl.

Michael Leukert

Kontakt mit Einheimischen
 

Wie lief die Verständigung mit den Einheimischen?


Meistens nicht so gut. Wir hatten Übersetzer, Afghanen die Deutsch oder Englisch konnten. Mit der afghanischen Polizei hatten wir wenig Kontakt. Nur an bestimmten Checkpoints, an den Eingangspunkten zu Kabul, in den Bergen, tauschten wir manchmal mit ihnen Informationen aus. Die sind aber sehr korrupt. Ich habe öfters beobachtet, wie sie die Einheimischen beklauen, ihnen die Reifen kaputtschießen, wenn sie keinen Wegzoll zahlen wollen. Das sind keine Polizisten, wie man es sich in Deutschland vorstellt, sondern richtige Gangster in Uniform.

Wir kennen Kabul nur aus den Medien. Wie hast du die Stadt wahrgenommen?


Die Menschen dort sind sehr arm und leben im Dreck, überall. Die machen den Dreck nass und bauen daraus ihre Häuser. Ich weiß, dass es früher in Kabul viel schöner war. Eine reiche Stadt. Aber inzwischen besteht Kabul nur noch aus Mist. Da ist überall Kot und Urin, die scheißen auf die Straße. Die Afghanen wohnen wortwörtlich in der Scheiße.

Hartes Urteil.


Nein, das kannst du dir wirklich so bildlich vorstellen: Das vermischt sich alles in die Erde und daraus bauen die ihre Häuser. Eine Analyse der Bundeswehr ergab, das 78 Prozent des Staubs in Kabul aus tierischen und menschlichen Fäkalien besteht.  Dazu kommen die korrupte Polizei, Armee, die Nato: die Afghanen werden doch nur verarscht. Ich habe einmal zugeschaut, wie ein Polizist einen Mann verprügelte und anschließend sein Fahrrad klaute. Wir standen daneben und durften nicht eingreifen.

Wie lief die Zusammenarbeit mit der afghanischen Armee?


Mit denen arbeiteten wir nur einmal zusammen. Als Präsident Karsai seine Antrittsrede halten sollte, passten wir mit der afghanischen Armee und den Amerikanern auf, dass keine Bomben in die Stadt kommen. Die Armee ist ein bisschen besser als die Polizei, aber noch lange nicht verlässlich.

Hattest du mit Einheimischen Kontakt?


Nur mit Übersetzern. Und mit einen Dorfmalik, also einer Art Bürgermeister, aus einem Bergdorf am Rande Kabuls. Der war interessant. Zwei unserer Übersetzer wurden von den Feldjägern festgenommen, weil sie unter Verdacht standen, die Informationen über den ungepanzerten Bundeswehrbus an die Taliban weitergeleitet zu haben. 2003 verübten die Taliban einen Anschlag auf diesen Bus, fünf deutsche Soldaten starben. Diese Übersetzer waren Leute, mit denen ich mich gut verstand. Der Zusammenhang mit dem Anschlag kam für mich doch sehr überraschend. Später wurden sie dann dem afghanischem Geheimdienst NDS übergeben und uns wurde erzählt: "Die werden jetzt gefoltert." Das hat mich bestürzt.

Michael Leukert

Gefahren
 

Was war die brenzligste Situation für dich?


Der Gefängnisaufstand im Polichaki, einem der größten Gefängnisse der Welt. Das war im Dezember 2004. Als wir den Alarmbefehl bekamen, brach Panik im Lager aus. Es wurde all die Ausrüstung herausgeholt, die wir normalerweise nicht hatten: Granatwerfer, Panzerfäuste, einfach alles. Alle verfügbaren Soldaten fuhren zum Gefängnis. Als wir dort ankamen, stellte sich heraus, dass es nur drei Aufständische gab. Trotzdem hatte die Armee es geschafft, neben diesen drei Männern sieben Polizisten zu töten. Und das nur, weil sich die afghanischen Behörden geweigert hatten, unsere Hilfe anzunehmen - obwohl wir die nötigen Waffen hatten, die Situation ohne Eigengefahr zu lösen. Stattdessen holten sie die eigene Armee herein, ein ganzes Bataillon, 1000 Soldaten mit Panzern und Raketen.

Beachtlich.


Die schafften es dann, alles zusammenzuschießen, bis die Wände einstürzten, so dass auch sieben Gefängniswärter ums Leben kamen. Nachher kamen ihre Frauen in Taxis, um die Leichen abzuholen. Die weinenden Witwen, das war ein Bild, das mich lange verfolgt hat. Es war absolut klar, dass ihre Familien wegen des Stolzes des Gefängniskommandeurs zerstört wurden. Eine Witwe mit Kindern hat in Afghanistan keine Chance.

Nachwehen
 

Immer mehr Soldaten kehren mit einer posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS) aus Afghanistan zurück. Wie war das bei dir?


Diese Störung trat bei mir auch auf. Ein paar Wochen nach meiner Rückkehr ließ ich mich in die Psychiatrie einweisen. Sechs Wochen lang war ich in Behandlung. Viele Dinge haben mich verstört, vor allem unsere Hilflosigkeit. Wir konnten den Afghanen nicht helfen, sind den Taliban doch nur aus dem Weg gegangen. Das war damals reine Symbolpräsenz in Afghanistan. Es ging darum, Kampf in jedem Fall zu vermeiden.

Michael Leukert

Was hat dich nach deiner Rückkehr am meisten belastet?


Die Vorstellung, dass ich mein Leben riskiert habe, während mir der ganze Einsatz zunehmend fraglich vorkam. Wir hatten dauernd Raketenalarm zur Übung. Auch um 4 Uhr früh mussten wir dann mit voller Kampfausrüstung schnell in den Bunker oder raus ins Gelände. Es gab ständig Bombenanschläge auf Nato-Fahrzeuge in Kabul. Fast jeden Tag, auch in unserem Gebiet. Die Berichte darüber musste ich übersetzen und die Fotos von den Toten sah ich jedes Mal. Leute, die ich aus Betreuungseinrichtungen kannte, starben. Die Zivilisten zahlten bei Anschlägen einen immer höheren Blutzoll.

Verfolgst du in den Medien, was in Afghanistan passiert?


Täglich. Vieles von dem, was dort wirklich passiert, zeigen die Medien aber nicht. Das enttäuscht mich. Wir, also die Amerikaner und die Nato, werden doch immer als die Guten dargestellt. Dabei stehen wir doch über dem Gesetz. Wir machen da im Namen der Demokratie, was wir wollen. Wenn ich tote Soldaten sehe, denke ich, was für ein Glück ich hatte.

Inwiefern hat dich dein Einsatz verändert?


Viel Naivität ist verloren gegangen. Am Anfang dachte ich, dass wir da unten versuchen, Gutes zu tun. Inzwischen bin ich mir da nicht mehr so sicher.

[Michael studiert inzwischen Informatik in Freiburg]

Fotos: Weigend; dpa

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Kommentare
Anzahl der Kommentare: 33
Donnerstag, 07.10.10 14:47
 

gutes interview, aber wer das alles nach bald zehn jahren immer noch nicht wußte der wird sich davon jetzt auch nicht mehr überzeugen lassen. alles gute fürs weitere leben an michael.

"Unsere ostdeutsche Kompanie aus Brandenburg richtete sich einen FKK-Bereich ein, da konnte man sich gut sonnen."

diese kleinigkeiten vom rande finde ich immer cool, soldaten beim rasenmähen im lager etc., also wie man normalität / alltag herstellt

Donnerstag, 07.10.10 14:50
 

sehr interessant, vielen dank!

Donnerstag, 07.10.10 14:58
 

Danke für das Interview.
Besonders das kein Blatt vor den Mund genommen wurde
(hoffe das hat für Michael keine negative konsequenzen...)

Vor 8 Jahren hatte ich mit Soldaten, aus Afgahnistan kommend, gesprochen und die waren dort alle motiviert. Wie man sieht hat sich die Sache ganz schön verändert...
die hatten aber auch nicht verlängert!

Donnerstag, 07.10.10 15:05
 

Differenziertes Interview; jedoch die Hauptfrage, ob er beim Einsatz Menschen töten mußte (obwohl es vermieden werden sollte) wurde nicht gestellt, sondern nur die Frage nach der Vorbereitung darauf.

Donnerstag, 07.10.10 15:09
 

@ Jimbo

Michael musste niemanden töten, sonst wäre das im Interview zur Sprache gekommen.

Donnerstag, 07.10.10 15:30
 

ein ehemaliger Fremdenlegionär hat mal in einen Interview gesagt das die soldaten die erzählen das sie getötet haben / töten mussten, sich nur wichtig machen, weil keiner der tatsächlich getötet hat darüber spricht. ich glaube da ist was dran

Donnerstag, 07.10.10 15:36
 

ich persönlich habe keinerlei mitleid mit soldaten, egal von welcher partei. ich mein sie entscheiden sich ja freiwillig dazu.
sowie jeder weiß das man als zimmermann nägel in balken haut, so weiß jeder das man als soldat manchmal leute abballert und manchmal abgeballert wird.

Donnerstag, 07.10.10 15:43
 

interessanter bericht, aber null mitleid. kann mir kaum vorstellen, dass jemand gezwungen wurde da hinzugehen. demnach gehen die meisten da hin wegen dem geld, würden sie nur helfen wollen gäbs ca. 1mio andere möglichkeiten dies zu tun.
und wenn es tatsächlich jemanden gibt, der so naiv ist zu glauben, dass da sandburgen bauen gespielt wird sollte erst garnicht die möglichkeit bekommen da hinzugehen.

Donnerstag, 07.10.10 15:46
 

wenn du kein mitleid hast mit jemandem der als dämlicher teenager, aus einer wirtschaftlichen notlage heraus oder weil er mit patriotischen oder machomäßigen flausen verseucht war zur armee gegangen ist und dafür dann fürs leben verkorkst wurde dann hast du letztlich mit niemandem mitleid und traust dich bei den anderen nur nicht es zuzugeben.

Donnerstag, 07.10.10 16:08
 

"3.500 Euro habe ich während des Einsatzes für zusätzliche Verpflegung ausgegeben, da die Lunchpakete der Bundeswehr, die wir dort bekamen, furchtbar waren."

=> wo hat sich michael leukert mit verpflegung eingedeckt? bei den united states armed forces oder in kleinen afghanischen strassenküchen?

im übrigen: vielen dank für dieses interview zwischen weltverbesserungsglaube ("Ich hatte mehrere Gründe. Erstens wollte ich meinen Teil dazu beitragen, die Welt zu verbessern, anstatt immer nur Konsument zu sein...") und gedanken, geprägt von ernüchternder erkenntnis, selbstreflexion,... ("Die Vorstellung, dass ich mein Leben riskiert habe, während mir der ganze Einsatz zunehmend fraglich vorkam.").

Donnerstag, 07.10.10 16:21
 

@k-i-d

Das mit den Lunchpaketen war doch recht erhellend. Michael meinte, die Bundeswehr gab in der gesamten Zeit drei verschiedene Essen aus, die Amerikaner hatten 47 verschiedene zu Auswahl, die Kanadier und Dänen 35. Michael deckte sich mit zusätzlicher Nahrung in einem Laden in Camp Warehouse ein, der deutsche Nahrungsmittel (überteuert) importierte.

Donnerstag, 07.10.10 16:34
 

Immerhin ist jetzt auch klar, warum der Interviewte bei Studentenparties die Sicherungen rausdreht.

Donnerstag, 07.10.10 16:57
 

@gurkenfisch: witzig! ich hatte so´ne ahnung, dass ich den mann irgendwoher kenne, war aber zu faul zu recherchieren. danke!

mitleid ist im übrigen sowieso scheiße.

Donnerstag, 07.10.10 18:01
 

ich hab nie und nirgendwo so abartig gegessen wie bei der bundeswehr, und das war bei mir mitten im frieden wenige hundert meter vom nächsten supermarkt entfernt. aber in der kaserne gabs auch so ne art kiosk wo man zeugs kaufen konnte.

Donnerstag, 07.10.10 18:28
 

im ohg haben wir ganz gut gekocht. die aga war kulinarsich allerdings auch das schlimmste, was ich jemals erleben musste.

Donnerstag, 07.10.10 19:02
 

lob an fudder! ganz toller beitrag!!!

Donnerstag, 07.10.10 19:21
 

alle abknallen, soll der liebe gott sie in gute und schlechte sortieren

Donnerstag, 07.10.10 19:35
 

dann stell dich schon mal an die wand.

donvito
Donnerstag, 07.10.10 20:44
 

Ich finde das ist ein tolles Interview und weit über dem normalen Niveau von Fudder! Die Fragen waren gut gestellt und es war interessent zu lesen. Sowas hätte ich hier gern öfter!!sAoIS

Donnerstag, 07.10.10 21:14
 

Jo, erhellender Beitrag, den man so, meines Wissens, bislang nirgends anders lesen konnte!

Donnerstag, 07.10.10 22:04
 

25.000€ pff, solange krieg so billig ist wunderts mich nicht das er an jeder ecke statt findet.

Donnerstag, 07.10.10 23:47
 

vielen dank für dieses interview! vor allem ein danke an michael, es ist für viele heimkehrer bestimmt nicht leicht, sich selbst einzugestehen, dass der einsatz fragwürdig war... wünsche ihm alles erdenklich gute und dass er sich von seiner ptbs wieder erholt und glücklich wird!!!
andererseits macht mich dieser artikel und einige kommentare auch sehr wütend... ich denk mir auch oft, wie naiv es ist, bewaffnet in ein fremdes land zu gehen, sich in eine kultur einzumischen, gekrönt von der vorstellung, frieden schaffen zu können.
aber wie "my giant..." sagte: man kann doch einem jungen mensch, der den versprechungen unserer regierung glauben schenkte, dass deutsche truppen dort eine "friedensmission" begehen und der auch so schlecht darauf vorbereitet wird, nicht auch noch vorwerfen, er sei selbst schuld daran! diese aussage find ich echt eklig! den mist, den die regierenden mit ihren naiven vorstellungen und falschen versprechungen gebaut haben, sollte nun nicht an den einzelnen kleben bleiben, die sich haben täuschen lassen und ihr leben aufs spiel gesetzt haben. und irgendwie erinnert mich das alles immer an diese eine szene aus "fahrenheit 9 11", als abgeordnete gefragt werden, ob sie nicht ihre kinder in den krieg schicken wollen, den sie gerade selbst beschlossen haben... komischer weise wollte das niemand...
meines erachten sollten die heimkehrer eine viel bessere versorgung, vor allem psychisch, erhalten und ihre erfahrungen an die nächsten generationen weitergeben, damit diese sich solch einen schritt dreimal überlegen.

Freitag, 08.10.10 06:00
 

Luna, so funktioniert die ganze Sache aber... Jede Seite erzählt seinen Leuten, es ist für die gute Sache, es geht um Demokratie, Bildung, Menschenrechte usw... Man muß sozusagen die "moralische" Hoheit gewinnen, um solche Einsätze, sprich Kriege durchsetzen zu können.
Keiner wird sagen, wir gehen da runter, weil da gibt es Rohstoffe für Computerchips, das Land könne als Transit für eine Ölpipline gebraucht werden und ist aufgrund seiner Wasserreserven von strategischer Wichtigkeit.

Freitag, 08.10.10 06:01
 

Ich schließ mich mal dem allgemeinen Lob an. Sowohl an fudder als auch an den Exsoldaten für seine Ehrlichkeit.

Nachdem ich die fette Einleitung gelesen hab bin ich von einem sehr viel unysmpathischeren Interviewpartner ausgegangen, angesichts der gnadenlosen Ehrlichkeit und offenen Selbstkritik erübrigt es sich in meinen Augen aber, dem Herren hier noch zu erklären, dass er das vorher hätte wissen können. Ich wünsche ihm sogar ein bisschen, dass er über diesen Abschnitt wegkommt und die folgenden für ihn erfüllender werden.



"und wenn es tatsächlich jemanden gibt, der so naiv ist zu glauben, dass da sandburgen bauen gespielt wird sollte erst garnicht die möglichkeit bekommen da hinzugehen."

Ja genau, die schicken die Dummen wieder Heim bei der Bundeswehr... So weit kommts noch. Schön wäre es aber, das ist richtig.


"wenn du kein mitleid hast mit jemandem der als dämlicher teenager, aus einer wirtschaftlichen notlage heraus oder weil er mit patriotischen oder machomäßigen flausen verseucht war zur armee gegangen ist und dafür dann fürs leben verkorkst wurde dann hast du letztlich mit niemandem mitleid und traust dich bei den anderen nur nicht es zuzugeben."

Was ist das denn für eine bescheuerte These? Versuch die Mal mit auch nur einem einzigen klaren und sachlichen Argument zu untermauern.
Hier hat ja keiner linksverblendet gesagt "du dummes Arschloch! Schade, dass du nicht erschossen wurdest"
Aber Mitleid mit westeuropäischen Menschen, die nach der Pubertät durch klare Fehler und in Eigenverantwortung in unangenehme Situationen geraten sind sollte man einfach sparsam verwenden, das hat weniger mit Unmenschlichkeit zu tun, als mit einem über spontane Emotionen hinausgehenden Weltbild und Denken.

Warum sollten ausgerechnet Leute mit einem fraglichen Moralverständnis und mangelndem Respekt vor Leben und dem ordnungsgemäßen Umgang mit ebendiesem Mitleid bekommen?

Einen gewissen Grad an Verständnis für nicht allzu qualifizierte Soldaten, Mörder oder sonstige Leute mit Fehltritten kann man bei entsprechenden Vorraussetzungen, spirch Biografien und Rahmenbedingungen, erwarten, aber hier "Mitleid" einzufordern ist lächerlich.


"man kann doch einem jungen mensch, der den versprechungen unserer regierung glauben schenkte, dass deutsche truppen dort eine "friedensmission" begehen und der auch so schlecht darauf vorbereitet wird, nicht auch noch vorwerfen, er sei selbst schuld daran!"

Wem denn sonst?

Komm mit jetzt nicht mit Produkt unserer Gesellschaft, der junge Herr kommt aus Lahr und hat ein Studium abgebrochen, er ist kein Crackbaby aus Rio.


"den mist, den die regierenden mit ihren naiven vorstellungen und falschen versprechungen gebaut haben, sollte nun nicht an den einzelnen kleben bleiben, die sich haben täuschen lassen und ihr leben aufs spiel gesetzt haben. "

Oh nein, du meinst der zukünftige Arbeitgeber hat den Job positiver dargestellt, als er dann im Endeffekt war? Skandal! Genfer Konvention!
Du hast natürlich Recht, es ist deutlich zu viel erwartet, dass sich ein Mensch vor einer sehr wichtigen Lebensentscheidung ein wenig informiert auf was er sich da eigentlich einlässt.
Es gibt ja auch kaum Quellen, die auf die Realität in Kriegen und den krassen Gegensatz zur Darstellung in Politik und manchen Medien hinweisen. Gut, ein bis zwei Filme, die Aussagen praktisch aller Veteranen dieser Welt und mehr als 40% der Medien, aber an solche Untergrundquellen muss man auch erstmal rankommen.
Verantwortung für das eigene Handeln sollten im Idealfall sowieso nur ein bis zwei Politiker und Journalisten tragen müssen. Wenn der Rest denen dann blind folgt und ihre Informationen nicht hinterfragt kann er da absolut nichts für!

Freitag, 08.10.10 09:13
 

Ich habe das jetzt mal so verstanden (aus Sicht und Handeln unserer unserer Regierung):

"Soldaten" = Edel, hilfreich, selbstlos, GUT

"Sportschützen" = potentielle Mörder, psychisch gestört, BÖSE

Franck
Freitag, 08.10.10 10:21
 

Danke fudder.
Sehr guter Artikel.

Freitag, 08.10.10 15:40
 

guter artikel, aber mal im ernst

hat es jemals einen krieg gegeben aus dem die wirklich betroffenen heimgekommen sind und gesgat haben " he , geil super sache,lass uns noch einen machen " ?

da ist krieg und krieg ist scheisse, egal ob er aus einem " guten" grund geführt wird oder nicht ( fals es das überhaupt gibt) und was ich hier in frage stelle.

das ergebnis ist immer scheisse....

 

WK1, fronterlebnis, vgl. jüngers tagebücher, diverse freikorps-mitglieder haben ihre erlebnisse auch recht wohlwollend festgehalten. beispielsweise.

uni@weber.de
Samstag, 09.10.10 14:47
 

Ein guter vielleicht der beste Fudder Artikel jemals.

Danke besonders an Michael, es muss schwer sein sich einzugestehen das der Einsatz nicht so ist wie mann das erwartet hat.

Gruß

Samstag, 09.10.10 15:39
 

@Jusjo:
"Oh nein, du meinst der zukünftige Arbeitgeber hat den Job positiver dargestellt, als er dann im Endeffekt war? Skandal! Genfer Konvention!"
falls du meinen kommentar vollständig gelesen hast, wäre dir nicht entgangen, dass ich mich nicht nur auf die vorbereitungen im vorfeld beziehe, die, wie ich auch einräumte, zum teil auch in der verantwortung der einzelnen liegen, sondern auch auf die nachbetreuung der heimkehrenden soldaten, die infolge des einsatzes an einer ptbs leiden. das meinte ich auch mit "dem mist" den die betroffenen nun alleine zu bewältigen haben. und auch wenn ich gegen krieg bin, ich auch niemals freiwillig in solch einen ziehen würde und mir auch das verständnis fehlt, warum man das tut, da man sich tatsächlich sehr gut über kriege und ihre folgen informieren kann, finde ich es nun einfach noch schlimmer, wenn man in guter neoliberaler tradition und ohne jedes mitgefühl mit dem finger auf die betroffenen zeigt und laut schreit: "haha, selbst schuld, hättest dich ja informieren können!" eben das finde ich voll daneben! denn man darf auch eines nicht vergessen: wenn man eben nicht eine person ist, die sich klar gegen den krieg positioniert oder die zwar von vientnam und dem zweiten weltkrieg gelesen hat und diese auch schlecht findet- mit der berichterstattung über afghanistan hatte krieg, zumindestens in den ersten jahren, gar nichts zu tun, es wurde ja auch nicht krieg genannt. die medien verzichteten auf detaillierte berichterstattung (wie gesagt, in den ersten jahren, jetzt zum glück auch nicht mehr) und ich kenne auch selbst zwei heimkehrer. der eine fands ganz toll und würde jederzeit wieder hin. der andere meinte, die meisten soldaten würden nicht an anschlägen, sondern an suizidversuchen sterben, da auch ohne anschläge die nervliche anspannung in den lagern furchtbar sein muss (siehe ptbs). und genau diese situation wird unterschätzt und verschwiegen, die soldaten werden einfach schlecht vorbereitet. und dazu eben am ende mit psychischen erkrankungen alleine gelassen... tut mir leid, dass ich mich über sowas aufrege, bin wahrscheinlich zu mitfühlend und versuche, im gegensatz zu dir, nicht nur die individuelle verantwortung in den vordergrund zu rücken, sondern auch im gesellschaftlichen kontext gründe zu finden, warum einzelne trotz vieler informationen in den krieg ziehen und danach schwer leiden. denn wie gesagt, gibt es auch soldaten, die dort waren und es in ordnung fanden, warum auch immer...

Montag, 11.10.10 10:22
 

2388 € im Monat (Extra Verpflegung bereits abgezogen) ist nicht so toll wenn man daran denkt das man einen 24h Job hat und im Extremfall sein Leben riskiert.
Spätfolgen nicht mit eingerechnet.

Montag, 11.10.10 11:04
 

@ my giant...

ein paar "kranke" wird es immer geben.
es sind ja auch welche freiwillig auf den balkan gegangen.

Montag, 11.10.10 16:52
 

Ich fand den Artikel auch wirklich gut, vor allem die Ehrlichkeit. Mitleid kann ich aber trotzdem nicht haben, auch nicht, wenn er als "dämlicher teenager, aus einer wirtschaftlichen Notlage heraus" ( my giant rat...) zum Bund is. Ich war das auch mal, is nich so lange her, aber Bund wäre für mich nie ein Weg, Menschen zu helfen. Schließlich steht auf deren Stundenplan auch Menschen töten.
Schon krass, da schafft man´s auf die Spitze der evolutionären Leiter und was tun wir? Ballern Leute ab, merken, dass es ne blöde Idee war, und machens nochmal.

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