Jeden Mittwoch küren wir auf fudder den Kommentator der Woche. Die fudder-Redaktion wählt dabei den - in ihren Augen - witzigsten, bissigsten, originellsten, geistreichsten, skurrilsten oder schönsten Meinungsbeitrag, der in den vorangegangenen Tagen auf fudder erschienen ist. Diese Woche geht die Trophäe an: JW.
Von der Redaktion ausgewählt wurde dieses Mal der Kommentar von fudder-Userin JW: "insgesamt ein guter Artikel, aber trotzdem einseitig. Ich wohne jetzt seit über 6 Jahren in Weingarten. Man hätte auch Samstags zum Bauernmarkt kommen können, oder mal jenseits der typischen Hochhaussiedlungen blicken können, da gibts kleinbürgerliche Einfamilienhaussiedlungen und sehr gut funktionierende Hausgemeinschaften in Hochhäusern. Man hätte die Aktivitäten des Stadtteilvereins betrachten können oder in die funktionierenden Kirchengemeinden blicken können. Weingarten nur als Ghetto anzusehen ist einfach zu kurz gegriffen. Letztlich ist Weingarten ziemlich heterogen.
Ich selbst wohne in der Sulzburgerstraße unweit des EKZ, anders als in der Krozingerstraße wurde hier nicht saniert. Sicher es gibt Deppen bei mir im Haus. Seit kurzem wird der Aufzug immer wieder demoliert, aber ich weiß auch, dass es nur eine kleine Minderheit ist, die das immer wieder tut. Der große Teil der Hausgemeinschaft regt sich ebenso wie ich auf, wenn er den kaputten Aufzug sieht und zwar alle: egal ob der Alki aus dem Erdgeschoss, die paranoide Frau mit zwei Hunden aus dem 6, der nette Arbeiter aus meinem Stockwerk, das deutschrussische Ehepaar aus dem 4, oder der sympathische Rentner aus dem ersten und das chinesische Doktorantenehepaar aus dem 5. Im Haus gibt es Leute, die wohnen dort schon seit dem Bau, als Weingarten noch Vorzeigestadtviertel werden sollte, in anderen Wohnungen zieht beständig jemand neues ein und aus. Insgesamt ist es aber vor allem eines: sehr heterogen, wirtschaftlich wie sozial. Weingarten ist kein klassisches Ghetto, persönlich wurde ich dort noch nie bedroht. Sicher es ist dort nicht so vordergründig heile Welt, es herrscht teilweise Armut, teilweise sind die Menschen sozial abgekoppelt. Ich jedenfalls meine dort mehr über die Welt zu lernen als in anderen Freiburger Stadtteilen, den homogenen Bildungsbürgerghettos Wiehre und Vauban."

