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Die Söhne Weingartens: Gewalt im Kiez gestern und heute

Weingarten ist Freiburgs bevölkerungsreichster Stadtteil. Hier wohnen auch die meisten Jugendlichen mit Migrationshintergrund auf engstem Raum zusammen. Vor zehn Jahren galt Weingarten als Problemviertel. Wie steht es heute um die Jugend zwischen Buggingerstraße und Bahnlinie? Eine Reportage mit Fotogalerie.

Weingarten

Im Park hinterm Einkaufszentrum trinken an einem Nachmittag im August 2010 drei arbeitslose Männer in Unterhemden. Nach zwei Stunden brüllen sie sich an und raufen am Boden. Aus Langeweile. Sie sind schon zu betrunken, um sich ernsthaft zu verletzen. Eine Clique Jugendlicher sitzt auf der Parkbank und beobachtet den Kampf amüsiert aus der Distanz: "Wie in Matrix, Mann. Die kloppen sich in Zeitlupe." Weingartener Theater, könne man sich jeden Tag anschauen, gratis. Dazu deutscher Rap aus dem Ghettoblaster und die mitgebrachte Vodka-Bull-Mischung.

Weingarten

Die Clique besteht aus fünf Freunden. Eine Multikulti-Gruppe, typisch für Weingarten. Ein Libanese, ein Kroate, ein Rumäne (nicht auf dem Foto), ein Deutscher und ein Pole. Normalerweise sind es noch mehr. Der Pole heißt Dennis und hat, gerade mal 18, den polnischen Adler auf seinen rechten Oberarm tätowieren lassen. Eine Narbe ziert Dennis’ Stirn. „Daran war der Alkohol Schuld“, sagt er. Vom Fahrrad sei er gefallen. „Im Alkohol steckt der Teufel drin. Wenn man trinkt, ist man besessen.“ Hassan, der Libanese, sagt: „Ich hab’ ne Prothese im Mund. Hatte den Kiefer gebrochen, war mit 2,8 Promille auf dem Fahrrad. Da hat’s mich am Lindenwäldle gegen die Stange gebällert.“

Hassan und die anderen haben die gleichen Gesprächsthemen wie die meisten ihrer Altersgenossen in Weingarten: Frauen, Partys, Kiffen, Schlägereien. Was davon Maulheldentum ist und was Realität, lässt sich nicht immer genau trennen. Auch über Waffen sprechen sie. Hassan sagt: „Du hast ein Messer? Dann giltst du als Feigling. Wenn du mit Waffen kommst, hast du keinen Stolz. Man klärt das lieber mit den Fäusten.“

Zu klären gebe es meist Ehrverletzungen. Einen „Hurensohn“ oder eine „Missgeburt“ lasse keiner auf sich sitzen. Wenn Hassan, seine Familie oder einer seiner Freunde beleidigt wird, ist es für ihn eine Selbstverständlichkeit, die Ehre wieder herzustellen. In der Regel im Faustkampf. Dario, der Kroate, sagt: „Ich weiß nicht, wie oft mich schon einer gefordert hat.“ Für den Fall der Fälle hätten die Jungs Schlagringe und Gaspistolen in ihren Schubladen liegen. Es sei schon vorgekommen, dass sie davon Gebrauch machen mussten, etwa, weil sie es plötzlich mit einer Überzahl an Gegnern zu tun gehabt hätten.

Weingarten

Nicht weit von der Tanne, unter der sich die Clique ihren Alkohol und den Joint in der Nachmittagssonne schmecken lässt, sitzt Kommissar Dieter Spitz im Polizeiposten am Binzengrün. Seit 1996 arbeitet der 47-Jährige hier als Jugendsachbearbeiter. Er trägt Zivil. In einer Ecke des Büros steht eine blaue E-Gitarre, auf der Spitz manchmal in der Mittagspause spielt; hinterm Schreibtisch lagern ein gutes Dutzend beschlagnahmter Bongs. Spitz sagt: „Die Körperverletzungen unter den Jugendlichen und jungen Erwachsenen in Weingarten sind in den vergangenen 14 Jahren leicht angestiegen. Die Täter werden immer jünger. Wir haben es hier teilweise mit 11- bis 13-Jährigen zu tun.“ Der Polizeibeamte zeigt eine ausgedruckte Statisik: 2009 gab es im Stadtteil nur fünf Jugendliche und zwei Heranwachsende, die schwere Körperverletzungen begingen; bei den leichten Körperverletzungen waren es ein paar mehr. „Dazu kommt die Dunkelziffer von Körperverletzungen, die nicht zur Anzeige kommen“, so Spitz.

Insgesamt jedoch habe sich der Stadtteil zum Vorteil verändert. „1990 gab es Gruppen, nach Nationalität aufgeteilt, die waren heftig drauf. Sie grenzten ihr Revier klassisch ab. Es ging zur Sache mit Messern, abgebrochenen Flaschen und Baseballschlägern. Hin und wieder gab es Schwerverletzte.“ Mittlerweile habe sich die Stimmung im Stadtteil verbessert: Die Jugendlichen sprechen mehr miteinander, die Banden hätten sich größtenteils aufgelöst, andere soziale Netzwerke hätten sich gebildet.

Weingarten

Die Schlägereien bewegen sich „im gewöhnlichen Bereich“: Ein Satz Backpfeifen, vielleicht mal ein kaputtes Nasenbein. Aber nicht mehr die harte Rivalität bestimmter Gangs. Allerdings existiere immer noch eine imaginäre Grenze zwischen Weingarten Ost und West, die viele Jugendliche im Viertel respektieren. Und es gibt, wie ein Spaziergang zeigt, jenseits des Binzengrüns auch immer noch eine kleine Parallelwelt, in die man sich normalerweise nicht verirrt: die Sintisiedlung am Auggener Weg. Dort wohnt die Reinhardtfamilie. Die Älteren hier handeln mit Schrott, die Jüngeren fahren auf frisierten Rollern herum und begegnen dem Fragenden mit Schweigen. Konflikte regeln sie unter sich, die Polizei betritt dieses Areal nur dann, wenn es nicht mehr anders geht.

Wir spazieren entlang an den Stadtbau-Hochhäusern aus den 1960er-Jahren. Auf dem Platz vorm Einkaufszentrum an der Krozingerstraße treffen wir unter der orangefarbenen Skulptur vier junge Männer. Sie könnten die großen Brüder sein von den Jungs aus der Parkclique. In Weingarten wuchsen sie auf und sie bestätigen mit anderen Worten das, was Spitz zum Wandel der Jugendkriminalität im Kiez gesagt hat: „Vor zehn Jahren hatte hier jeder ein Messer oder einen Schlagring. Heute ist das nicht mehr so. Die Leute geben ihr Geld lieber für Drogen aus. Die Polizei kommt hier öfters vorbei und checkt uns nach Waffen. Gerade vor fünf Minuten waren die Cops da.“ Das sagt Mario, 25, Italiener.

Marios Kollege Kayan, 35, Türke, trägt das Hemd offen, arbeitet im Spielsalon gegenüber und hat vier Kinder. Kayan hat keine Waffe bei sich – „oder würdest du den Zahnstocher hier als Waffe bezeichen?“, fragt er, als er ein Klappmesser aus der Hosentasche zieht.

Weingarten

Seiner 14-jährigen Tochter allerdings gebe er neben dem Pausenbrot auch Pfefferspray mit in die Schule. „Das braucht sie, um sich zu schützen. Neulich erst sind sechs Mädels auf sie losgegangen, wegen Eifersucht.“

Weingarten ist Freiburgs bevölkerungsreichster Stadtteil. Rund 10.300 Menschen leben hier. Ist es nicht normal, dass es da mal kracht, gerade unter Jugendlichen? Mario zündet sich eine Zigarette an und meint: „Die Jüngeren hier sagen immer, ihr Einfluss sei Hip-Hop. Aber vergleich’ mal den Hip-Hop von heute mit dem aus unserer Zeit. E.C., Ill State of Mind. Das war Ghetto mit allem drum und dran. Wir wollten das nachleben. Schau dir Hip-Hop heute an: Party, Kohle, Drogen. Die leben danach. Das zeigt für mich, dass die Kids hilflos sind. Ihr Hauptschulabschluss ist heute einen Dreck wert. Damit kannst du doch nicht anständig verdienen. Und dann hängst du halt ab und baust irgendwelchen Mist.“

Kommissar Spitz sagt, die Gründe, warum die Heranwachsenden in Weingarten gewalttätig werden, seien vielfältig. Spitz spricht von Puzzleteilen: „Klar, das Elternhaus. Wenn der Sohn ein notorischer Prügler ist und ich mich dann mit seinem Vater unterhalten will und dieser erstmal eine 15-minütige Schimpftirade loslässt auf die Gesellschaft und die Behörden, merkt man, was Sache ist. Man spürt diese aggressive Grundstimmung im Wohnzimmer. Wenn dazu kommt, dass der Junge kaum die Schule besucht, stattdessen im Park abhängt und mit den Kollegen Wodka trinkt, muss nicht mehr viel passieren, bis es knallt.“

Weingarten

Kurz vor Sonnenuntergang treffen wir am Else-Liefmann-Platz einen jungen Mann aus dem Schoße Weingartens, der so sanft wirkt wie ein Schattenboxer. Der Sinto Rosano Reinhardt, 20, ist R’n’B-Sänger, eine Art Xavier Naidoo aus dem Freiburger Westen. Rosano trinkt Erdbeermilch und sagt: „Es gibt auch eine Menge junger Leute hier, die nichts mit Verbrechen zu tun haben.“ Es sei die Musik, für die er lebe: "Und ich singe auf Deutsch." Er hat schon zwei Alben aufgenommen. Geld verdient er damit noch nicht, aber er ist davon überzeugt, dass seine Zeit kommen wird. In einem seiner Texte singt er: „Kommt mit in meine Welt, in der nur die Liebe zählt.“

Später, als es dunkel geworden ist, treffen wir Kayan wieder im Park, den Mann mit dem Zahnstocher. Er meint: „Diejenigen, die Ärger machten im Viertel, haben sich durch Drogen entweder selbst zerstört oder die Polizei hat sie aus dem Verkehr gezogen.“ Kayan deutet hinüber zu den Jugendlichen, die auf der Parkbank kiffen und sich zum Spaß in die Rippen boxen: „Jetzt sitzen nur noch die kleinen Vögel auf der Stange.“

Mehr dazu

 

Foto-Galerie: Impressionen aus Weingarten
Fotos: Tarek Mostafa, Janos Ruf, David Weigend

Tipp: Wartet einen Augenblick, bis die Galerie komplett geladen ist. Ihr könnt euch dann ganz bequem jeweils das nächste Foto anzeigen lassen, indem ihr auf eurer Tastatur die Taste "N" (für "next") drückt.





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Kommentare
Anzahl der Kommentare: 46
Mittwoch, 11.08.10 10:42
 

klasse artikel.

Mittwoch, 11.08.10 10:50
 

als punk hat man sich früher auf jedenfall nicht nach einbruch der dunkelheit in weingarten blicken lassen dürfen....

Mittwoch, 11.08.10 10:55
 

hab da vor rund 10 jahren pizza gefahren. war schon wild. was man da alles erlebt hat...
interessantes, lustiges, schönes, frustrierendes, bedrückendes, trauriges.

auggener weg war immer ne interessante sache. ist echt ein komplettes paralleluniversum. mit ganz eigenen regeln.
hausnummern und klingelschilder gibst da nicht. es gibt eh nur 2 familiennamen. türschlösser gibts auch kaum. die türen stehen eigentlich immer offen. ein unbefugter würde sich da niemals zutritt verschaffen. ;-)

krozingerstraße und ekz war damals nachts richtig übel. man kann mit fahrzeugen nicht vor die tür. man musste immer grosse entfernungen zu fuss über verwinkelte, unbeleuchtete, heckengesäumte wege und dunkle unübersichtliche hausflure. und das mit nem vollen geldbeutel, den einem nicht selten mal einer abnehmen wollte. dann wurde dort aber mit sanierung und renovierung angefangen. heute ist das alles nur noch halb so wild.

war mein interessantester job.

Mittwoch, 11.08.10 11:00
 

im auggener weg bin ich in meiner zeit als ich taxi fuhr oft gewesen und immer super gut aufgenommen worden. meist zum kaffee oder einer kleinigkeit zum essen eigeladen worden usw

Mittwoch, 11.08.10 11:21
 

@Abnoba: Das sind auch echt nette Zeitgenossen....WENN man sie kennt! Kann natürlich auch ganz anders laufen ;)

Der Bericht ist echt super!

tuna
Mittwoch, 11.08.10 11:36
 

ist schon klar dass es dort jetzt so schön ruhig ist.
man kann eben viel besser am runzmattenweg gymnasiasten und studenten abziehen und kaputtschlagen.

Mittwoch, 11.08.10 11:38
 

"you may take me out of the streets, but you'll never take the streets out of me!"

sorry, ist mir nur grade so eingefallen beim lesen des artikels

Mittwoch, 11.08.10 11:44
 

Warum sorry? Passt voll! ;-D

Mittwoch, 11.08.10 11:48
 

@ NYHC

AF FOR LIFE!

Mittwoch, 11.08.10 11:57
 

FREIBURG-Weingarten, Leute, nicht die Bronx.

Mittwoch, 11.08.10 11:58
 

Der Artikel beschreibt exakt, wie abstoßend die Typen dort drauf sind.

dasohr
Mittwoch, 11.08.10 12:01
 

wo gibts ein sample von rosano zu hören. bitte um link. thx fudder.

Mittwoch, 11.08.10 12:02
 

@Ur-alk-isi: Oh danke, ich nehme das jetzt als Kompliment!

Mittwoch, 11.08.10 12:15
 

http://www.youtube.com/watch?v=LVD7m-2cr24

Mittwoch, 11.08.10 12:37
 

@ pivo: Hammervideo, merci!
@ dasohr: Auf Rosanos MySpace-Seite kannst Du Dir seine Lieder reinziehen: http://www.myspace.com/sintosrnb

Ex-Moskito
Mittwoch, 11.08.10 12:42
 

Hammervideo?

Ist das jetzt so feinsinnige Ironie, dass ich sie nicht spüre. Sagt mir bitte, dass das Video nicht ernst gemeint ist!

Mittwoch, 11.08.10 13:04
 

Das Video kenne ich.
Ich kann immer noch darüber lachen. (Ist das irgendwie gefährlich, so was zu sagen?)

Der Artikel gefällt mir ungemein. Respekt an den Journalisten!
Vor kurzem hatte ich bei der Debatte "Magst du es in Freiburg zu leben" (so ähnlich zumindest), da meinte ich genau diese Jugendliche, die ich immer antreffe, nicht diese Ökos. Die halten sich nicht nur um Weingarten auf.

Tja, wie gesagt: Ich würde jeden heuchlerischen möchtegern Öko diesen Leuten bevorzugen :)

Mittwoch, 11.08.10 13:12
 

das video ist doch ziemlich eindeutig. also eindeutig nicht ernst gemeint.

wie das andere video von denen (dachsjagd), wo plötzlich kurz mal die rentnerinnen eingeblendet werden. so *ups, vertan* :-D

Mittwoch, 11.08.10 13:16
 

Wer sich diesen "Ehre" Virus im Kopf erst mal eingefangen hat ... schwierig.

Mittwoch, 11.08.10 13:25
 

das mit der ehre ist der grösste schwachsinn überhaupt.

allerdings kommt das vielleicht deshalb vor, weil manche leute sonst nix haben. keinen job, kein geld, keine gesellschaftliche anerkennung, keine perspektive. da bleibt dann nur noch die sog. ehre.


Andrés hat den Kommentar am 11.08.2010 um 13:27 bearbeitet
Mittwoch, 11.08.10 13:47
 

Haha das Video :D
Ansonsten toller Artikel! Kompliment an den Autor ;)

Mittwoch, 11.08.10 14:17
 

Es gibt ein altes Sprichwort aus der Zeit des Ehrenhändel:
"Ehre, wem Ehre gebührt"!
Ich glaube nicht, daß, wenn man schon dies Wort aus einer anderen Zeit verwendet, jemand, der anderen auf die Fresse haut, sich Drogen reinpfeift und ein Vorstrafenregister vorweisen kann, auch nur ansatzweise ein Ehrgefühl hat!

Mittwoch, 11.08.10 14:21
 

@ Andrès: Menschen mit keiner Perspektive kann man nur in soweit gelten lassen, daß die Perspektive durch Drogen vernebelt ist und duch das durch eigene Straftaten polizeiliche Führungszeugnis verstellt ist.
Das ist nichts weiter als eine Ausrede. Ich kenne einen Menschen mit "Migrationshintergrund", auf gut Deutsch einen Russen, der hat eine Frau und ein Kind, hat jeden tag in der Fabrik gearbeitet und paralles sein Abi auf dem Abendgymnasium nachgeholt! Es geht auch anders, da ist weder Herkunft, noch "soziale Schicht"/Stand eine Ausrede.

JW
Mittwoch, 11.08.10 14:28
 

insgesamt ein guter Artikel, aber trotzdem einseitig. Ich wohne jetzt seit über 6 Jahren in Weingarten. Man hätte auch Samstags zum Bauernmarkt kommen können, oder mal jenseits der typischen Hochhaussiedlungen blicken können, da gibts kleinbürgerliche Einfamilienhaussiedlungen und sehr gut funktionierende Hausgemeinschaften in Hochhäusern. Man hätte die Aktivitäten des Stadtteilvereins betrachten können oder in die funktionierenden Kirchengemeinden blicken können. Weingarten nur als Ghetto anzusehen ist einfach zu kurz gegriffen. Letztlich ist Weingarten ziemlich heterogen.

Ich selbst wohne in der Sulzburgerstraße unweit des EKZ, anders als in der Krozingerstraße wurde hier nicht saniert. Sicher es gibt Deppen bei mir im Haus. Seit kurzem wird der Aufzug immer wieder demoliert, aber ich weiß auch, dass es nur eine kleine Minderheit ist, die das immer wieder tut. Der große Teil der Hausgemeinschaft regt sich ebenso wie ich auf, wenn er den kaputten Aufzug sieht und zwar alle: egal ob der Alki aus dem Erdgeschoss, die paranoide Frau mit zwei Hunden aus dem 6, der nette Arbeiter aus meinem Stockwerk, das deutschrussische Ehepaar aus dem 4, oder der sympathische Rentner aus dem ersten und das chinesische Doktorantenehepaar aus dem 5. Im Haus gibt es Leute, die wohnen dort schon seit dem Bau, als Weingarten noch Vorzeigestadtviertel werden sollte, in anderen Wohnungen zieht beständig jemand neues ein und aus. Insgesamt ist es aber vor allem eines: sehr heterogen, wirtschaftlich wie sozial. Weingarten ist kein klassisches Ghetto, persönlich wurde ich dort noch nie bedroht. Sicher es ist dort nicht so vordergründig heile Welt, es herrscht teilweise Armut, teilweise sind die Menschen sozial abgekoppelt. Ich jedenfalls meine dort mehr über die Welt zu lernen als in anderen Freiburger Stadtteilen, den homogenen Bildungsbürgerghettos Wiehre und Vauban.

Mittwoch, 11.08.10 14:31
 

Eigentlich ist die Vauban ein Ghetto, touche! ;-)

Mittwoch, 11.08.10 15:02
 

"Ich jedenfalls meine dort mehr über die Welt zu lernen als in anderen Freiburger Stadtteilen, den homogenen Bildungsbürgerghettos Wiehre und Vauban."

das ist mit sicherheit richtig.



@isi: kann gut sein.

Mittwoch, 11.08.10 15:51
 

"Weingarten ist Freiburgs bevölkerungsreichster Stadtteil. Rund 10.300 Menschen leben hier."

Wo kommt denn die Info her? Der bevölkerungsreichste Stadtteil Freiburgs ist die Wiehre mit über 20.000 Einwohnern. Ich weiß auch nicht, was die Größe eines Stadtteils über seine Gefährlichkeit aussagen soll. Die Bevölkerungsdichte vielleicht, aber doch nicht die bloße Anzahl der Menschen, die da leben. Ansonsten gefällt mir der Artikel auch sehr gut, ich glaube auch, da eine positive Entwicklung zu sehen; als Teenager hatte ich richtig Angst da durchzufahren, weil sich so gut wie immer jemand fand, der das "Warum schaust du mich an? Warum schasut du jetzt aus dem Fenster?"-Spiel spielen wollte. Heute erscheint mir das Viertel harmlos. Kann aber auch damit zu tun haben, dass die feigen Hunde sich ungern mit ausgewachsenen Männern anlegen.


Björn hat den Kommentar am 11.08.2010 um 15:52 bearbeitet
Mittwoch, 11.08.10 16:03
 

@ Björn

Nimmst Du die Wiehre als Ganzes, hast Du natürlich recht. Die Stadt unterteilt die Wiehre aber in Oberwiehre, Mittelwiehre, Unterwiehre-Nord & -Süd und arbeitet aber mit dieser Statistik:

http://fritz.freiburg.de/scripts/fritz/fritz-view.exe?aw=Bevoelkerung/Bevoelkerung %20n[..]

Mittwoch, 11.08.10 16:11
 

bitte 5 euro in die statistik kasse..

Mittwoch, 11.08.10 16:17
 

also ich dachte immer das der Stühlinger der am verdichtetste und bevölkerungsreichste Stadtteil wäre. Kann mich auch irren. Aber auf jedenfall ist dort die Mischung wenn man die Ferdi Weiss usw ankuckt genauso groß....

Mittwoch, 11.08.10 16:26
 

ich bin der krasseste gangster...ich kenn mauso,bizi,und schnuffi...

Mittwoch, 11.08.10 16:28
 

im ernst: bei den "tollen ökos" gibts genauso assis.

ich sprech aus erfahrung...

Mittwoch, 11.08.10 17:37
 

Top Artikel!

Mittwoch, 11.08.10 17:55
 

Auch die kleinen Vögel könnten mal etwas Käfig vertragen.

Mittwoch, 11.08.10 18:01
 

Der Auggener Weg... habe da mal ein halbes Jahr gevö... äh gewohnt... Im Keller war ein Kasten in den man 5 DM Stücke reinwerfen mußte damit man Strom hatte und wehe es lief Trockner, Waschmaschine und TV gleichzeitig... dann konnte es ratzfatz gehen und man saß im dunkeln.

Mittwoch, 11.08.10 19:56
 

Das ist ein Teil von Freiburg den ich nur vom Hörensagen kenne - glaub ich hab nix in der Gegend verloren....

Artikel ist gut geschrieben und zeigt eine mir unbekannte Seite von FR.
Fühle mich in der Wiehre und Vauban sehr wohl und vermisse eigentlich so gut wie nix.

Mittwoch, 11.08.10 20:27
 

Habe mal ein halbes Jahr dort im 14. Stock gewohnt. Das war schon speziell. Man traf nie jemanden im Haus und nachts nach Hause kommen war ziemlich gruselig auf den schlecht beleuchteten Wegen und im leeren Aufzug.

Mittwoch, 11.08.10 21:53
 

Ich glaube es würde jedem gut tun mal ne weile in so einer gegend zu wohnen. Wir reden ja alle ununterbrochen was schief läuft mit der jugend von heute und über den sittenverfall, aber in wirklichkeit hat doch kaum einer von uns ne ahnung wie das leben jenseits der gesellschaftlichen mitte eigentlich aussieht.

Mittwoch, 11.08.10 23:59
 

Die Streetcred die ich dadurch gewonnen habe, in Weingarten groß geworden und zur Grundschule gegangen zu sein, sollte ich irgendwann mal für eine Hip Hop Karriere nutzen.
Aber bis dahin gibts ja die Rapkiller / Rapkillaz und RenDaGemini. ;)


skully hat den Kommentar am 12.08.2010 um 00:00 bearbeitet
Donnerstag, 12.08.10 11:03
 

@Skully: Welche ja sicherlich auch in Weingarten aufgewachsen sind, oder doch lieber aus einem ruhigen Vorort von Freiburg. Aber das verkauft sich ja nicht so gut ;)

Donnerstag, 12.08.10 11:24
 

vollidioten ohne perspektive und messer in der tasche können einem aber in jedem stadtteil begegnen. wurde als kriminellster stadtteil nicht mal munzingen erkoren (also wegen einbrüchen und drogenhandel, usw.)?

in weingarten is mir jetzt noch nie was passiert, mit einer portion menschenverstand gehe ich halbstarken guppierungen mit oder ohne migrationshintergrund in der regel aus dem weg, dann bleiben einem doofe anmachen auch erspart.

den artiekl finde ich übrigens gut geschrieben. mal ne schöne abwechslung...

Donnerstag, 12.08.10 12:36
 

@Loki
Jo, geil ist auch, wie in den Musikvideos die immer gleichen Hochhäuser bzw. das EKZ aus verschiedenen Winkeln gezeigt werden und man so mit etwas geschicktem Editing den Effekt eines urbanen Jungels erzeugen kann... :D

Naja, ich bin froh, dass ich nicht in einer der tatsächlich "fiesen" Ecken gewohnt habe (Hier isses echt nett und zuweilen sogar spießig. Das dürfen meine Produzenten halt nicht wissen), aber es gibt schlimmere Städte mit schlimmeren Vierteln. Was mir nicht so gefällt, ist, dass an der Bugginger Straße mehr und mehr Alkis (und Junkies?) rumzuhängen scheinen. Die paar Gangschta früher waren mir fast lieber.


skully hat den Kommentar am 12.08.2010 um 12:37 bearbeitet
Donnerstag, 12.08.10 19:21
 

²JW
dito, hab ebenfalls 2 jahre in der sulzburgerstraße (nähe ekz) gelebt - gerne gelebt. 2 jahre in denen ich mit vielen vorurteilen aufräumen konnte...
rieselfeld-eastside empfand ich als weitaus ghettorisierter. ähnlich wie in anderen städten verlagert sich die brut der risikogruppen an die randzonen.
die fotos empfinde ich als zu klischeebehaftet, den artikel dafür umso lesenswerter ;)

Donnerstag, 12.08.10 19:58
 

top artikel! 100% den nagel auf den kopf getroffen, schleimer!

Donnerstag, 12.08.10 22:06
 

was geht mit ghetto ?
('ällis ussm wiggibedia, isch glaa?')

Die Bezeichnung Ghetto stammt vom venezianischen Gettore ab und bezeichnete volkstümlich jenen Stadtteil Cannaregio, in dessen unmittelbarer Nachbarschaft sich eine Gießerei befand (Dialektbegriff ghèto von getto = Guss). Mit einem Dekret vom 29. März 1516 beschloss die Regierung der Republik Venedig, die jüdische Gemeinde dort in einem einzigen Stadtviertel zusammenzufassen.

Im Jahre 1555 ließ Papst Paul IV. das Römische Ghetto errichten und verpflichtete die Juden durch die Bulle Cum nimis absurdum, in diesem besonderen Bereich zu leben. Papst Pius V. wies am 25. Februar 1569 alle Juden seines Machtbereichs aus. Ausnahmen waren nur die beiden Ghettos in Rom und Ancona.

ok de resht kenne mr jo...!?

auch geil :
http://en.wikipedia.org/wiki/Ghetto #Hyperghettoization
http://en.wikipedia.org/wiki/Ghetto #United[..] mainstream America’s use of the term "ghetto" to signify a poor, culturally or racially-homogenous urban area, those living in the area often used it to signify something positive. The black ghettos did not always contain dilapidated houses and deteriorating projects, nor were all of its residents poverty-stricken. For many African Americans, the ghetto was "home": a place representing authentic blackness and a feeling, passion, or emotion derived from rising above the struggle and suffering of being black in America.

und ehre ? nain! nicht eher...

Das Gegenteil der Ehre ist die Schande. In der westlichen Welt ist hiermit oft der Verlust der Ehre oder in milderer Form eine persönliche Blamage gemeint.

Ehre bedeutet in etwa Achtungswürdigkeit (einer Person); sie kann jemandem als Mitglied eines Kollektivs zuerkannt werden, sie kann aber auch vom dazu Berechtigten zugesprochen werden.

word up! rap dä allemanne style !
peace!

Donnerstag, 12.08.10 22:33
 

http://www.youtube.com/watch?v=tezjT5l3CdE &feature=related

|| E.C. Illa / & WhiteFolks ||

Ease Back EP ('93)

_ hahah! immer die mit ihre äääsis... nohomo! ^^)

hhaa...noch ä 93er :
http://www.youtube.com/watch?v=KwHVLFF80ww &feature=related

_and my kinda ol'skool...'91
http://www.youtube.com/watch?v=HZExAcVv3W0 &feature=related


mglw hat den Kommentar am 12.08.2010 um 22:55 bearbeitet
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