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Soulfly im Jazzhaus: Musikalisches Blutbad

Megazottel Max Cavalera und seine drei Seelenflieger haben gestern Abend das Jazzhaus aufgemischt, mit alten Sepulturakrachern und neuen, bösen Omen. Ob die Stunde Brasilienmetal ihr Geld wert war, versuchen wir nun zu beurteilen (mit Foto-Galerie).

Soulfly im Jazzhaus

Die Die-Hard-Fans haben Soulfly ja schon am Samstag in Wacken gesehen. „Da hat Max Cavalera trotz ausdrücklichem Verbot zum Circle Pit aufgefordert“, erzählt einer, der dabei war. Cavalera zieht sein Ding eben gern durch, egal, was die anderen sagen. Um 21.30 Uhr kommt er mit seinen drei Mitstreitern auf die Bühne. Er ist ein Brocken geworden. Vom fein ondulierten Thrash-Posterboy aus seligen Arise-Zeiten hat er sich weit entfernt: Seine Haarpracht besteht aus drei fetten Haarfladen, Megadreads, die man von weitem mit toten Eichhörnchen verwechseln könnte. Cavalera, der Metal-Trapper. Dazu eine wohlwattierte Tarnjacke (es ist ja so kühl im Jazzhaus) und die obligatorische 4-String-Gitarre in Brasiliengrün.

Doch halten wir uns nicht an Äußerlichkeiten auf. Soulfly sind gekommen, um die Titel des aktuellen Albums „Omen“ vorzustellen, einen Querschnitt älterer Soulflyhits zu spielen und einige Sepulturakracher zum Besten zu geben. Der Zeitstrahl beginnt 1986 mit „Troops of Doom“ vom Morbid Visions-Album und endet 2010 mit „Bloodbath & Beyond“. Ist da eine Dynamik, eine Veränderung zu hören? Kaum. Das Quartett liefert einen brasilianisch durchgegroovten Metalmosh, runtergestimmt aufs tiefe D.

Das Ganze wirkt ein wenig arg monochrom. „Beneath the Remains“ war eine Kaskade raffinierter Messerwürfe, „Omen“ ist ungefähr so elegant wie der neue Teleskop-Einsatzstock der Freiburger Polizei. Hart knallt’s natürlich rein und es fällt dann auch nicht mehr so ins Gewicht, wenn der Sound matschig ist, zumindest, wenn man am rechten Bühnenrand steht. Auf der Platte kommen die neuen Songs jedenfalls deutlich differenzierter drüber.

Soulfly im Jazzhaus

Zu „Refuse/Resist“ darf Maxens 16-Jähriger Sohn Zion ans Schlagzeug, wie schon in Wacken. Er macht seine Sache recht gut und kommt fast an die Drummingkünste von Joe Nunez heran. Nunez wiederum, mit seinen Handschuhen einem Käfigkämpfer aus Sao Paolo gleichend, verdrischt sein Instrument so arg, dass die Fans am Ende des Konzerts die reichlich beschädigten Felle als sinnstiftendes Souvenir mitnehmen dürfen.

Soulfly zitieren Panteras „Walk“, das ist okay, schließlich waren Cavalera und Dimebag Darell gute Freunde. Spätestens zu „Jeffrey Dahmer“, jenem Song über den amerikanischen Serienmörder, der 17 Männer und Jugendliche in Wisconsin umbrachte, kommt richtig Stimmung in die Bude. Cavalera segnet den Moshpit mit Wasser aus der Evianflasche, Gitarrist Marc Rizzo wischt mit seinem Handtuch den Schweiß vom Gitarrenhals.

Soulfly im Jazzhaus

Soulfly beschließen ihr Set mit dem unheilschwanger vor sich hin rumorenden „Roots“ und gehen als letzte Zugabe mit dem Banger „Eye for an Eye“ erfolgreich auf Stimmenfang. Eine Stunde Seelenflug geht vorbei, am Schluss liegen nur noch die Ohrstöpsel auf dem Boden vom Jazzhaus. Wer noch nicht genug hat, kann sie sich am Samstag in Colmar zu selbem Anlass wieder reinfriemeln.

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Foto-Galerie: Janos Ruf

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Kommentare
Anzahl der Kommentare: 8
Donnerstag, 12.08.10 12:53
 

"Circle Pit" ist doch, wenn möglichst viele Leute mehr oder weniger wild zu entsprechender Musik im Kreis rumrennen, oder? So kannte ich das zumindest noch aus meiner Jugend... Und das darf man jetzt auf manchen Konzerten nicht mehr? Nächstes Jahr ist "Wacken" dann komplett bestuhlt? Oder findet's nur noch per Livestream statt - das dürfte die ungefährlichste Lösung für alle sein...

Aber gute Fotos, allerdings würde ich mir mehr mit Publikum wünschen - oder macht ihr das mit Rücksicht auf eben dieses Publikum nicht?

Donnerstag, 12.08.10 12:57
 

@ andreas-1

Also ein Kumpel, der in Wacken war, hat erzählt, dass dieses Jahr Circle Pits offiziell verboten waren, aus Sicherheitsgründen. Bands wie Caliban haben sogar ausdrücklich darauf hingewiesen. Sobald sich ein Circle Pit gebildet hatte (wie bei Soulfly), wurde die Übertragung auf den Großleinwänden unterbrochen zugunsten eines eingeblendeten Verkehrsschildes "Kreisverkehr verboten".

Donnerstag, 12.08.10 13:02
 

Die Gitarren waren zu leise egal wo man sich im Jazzhaus aufgehalten hat.
Von der Dynamik des Herrn Cavalera ist leider nicht mehr viel übrig geblieben. Aber gerockt hats wie sau !! Ein Erlebnis was leider nur durch einen kotzenden Gast direkt neben mir leicht getrübt wurde.

Die Vorband war vom Sound her auch sehr geil nur passte leeider überhaupt nicht ins Vorprogramm von Soulfly !!

Alles in allem wars ein geiler Abend mit nem ordentlich Kater heute morgen .....


klangtherapeut hat den Kommentar am 12.08.2010 um 13:07 bearbeitet
Donnerstag, 12.08.10 13:38
 

eine Stunde? Das wäre mir zu happig gewesen, auch wenn man es inzwischen schon gewohnt ist.

Donnerstag, 12.08.10 13:55
 

@ david: ist ja nett, wenn der Veranstalter wenigstens versucht, das Ganze freundlich/witzig zu regeln, aber trotzdem: was soll das? Stagediving kann ich verstehen und eine "wall of death" im grossen Stil dürfte der Alptraum eines jeden Veranstalters sein - aber circle pits? Friedlicher ist doch eigentlich nur noch regloses Rumstehen...


andreas-1 hat den Kommentar am 12.08.2010 um 13:55 bearbeitet
Donnerstag, 12.08.10 14:02
 

@andreas-1: Publikumsfotos waren schwer bis unmöglich, da da kaum Licht war.

Donnerstag, 12.08.10 15:01
 

@andreas-1: true words, circle pits sind im vergleich zu crowd surfern harmlos. ich hab schon weitaus mehr stiefel-in-die-fresse-verletzungen als circlepit verletzungen gesehen.

27€ pro karte für eine stunde spielen.. super stundenlohn.

Samstag, 14.08.10 17:35
 

klingt ganzschön negativ, das ganze. zum glück war ich vernünftig und bin doch nicht hingegangen. soulfly ist eine band, die besser open air vor einer großen masse spielt, im jazzhaus kommt das glaube ich nich so geil.

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