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Wie die Z-Besetzung endete

Heute Früh gegen 3 Uhr sind etwa 25 junge Leute ins ehemalige Jugendzentrum Z unterm Siegesdenkmal gekommen, um dort eine Müllbeseitigungsaktion zu starten. Die Mitglieder der "Epsilon-Initiative" verließen die Räumlichkeit um 12.30 Uhr, so wie es die Vertreter der Stadt forderten. Eine kleine Reportage.

Besetzung im Z

Auf den Treppen stehen vier Beamten vom Polizeirevier Nord. Sie tragen Zivil, einer hat eine Motorradjacke an. Auf den Sofas, die den Zugang zum ehemaligen Jugendzentrum Z versperren, sitzen sechs Schüler zwischen 15 und 18. Heute Nacht um 4 Uhr haben sie, insgesamt etwa 25 junge Leute, die Kellerräume (wie auch immer) betreten, einen Monat haben sie die Aktion geplant.

Ein selbstverwaltetes Jugendzentrum wollen sie haben. Diejenigen, die es benutzen, sollen mitbestimmen und mitgestalten. „Das ist unser Haus“, singen die Besetzer auf den Sofas. Es ist der Geist des zivilen Ungehorsams, den sie verbreiten. Der Junge mit der Gitarre stimmt auch VAG-Schmählieder an. Die Polizisten grinsen sich eins und schütteln den Kopf.

Besetzung im Z

12.10 Uhr, in 20 Minuten endet die Frist, die Kulturbürgermeister Ulrich von Kirchbach den Besetzern gesetzt hat. Es wird leicht hektisch. Keiner weiß so recht: Gehen oder bleiben und Widerstand leisten? Zwischen dieser ungewissen Aufbruchstimmung und sieben prallgefüllten Müllsäcken steht ein blasser Jüngling mit blondem Pferdeschwanz und schwarzem Kapuzenpulli, nennen wir ihn Gregor.

Er hat seit über einem Tag nicht geschlafen. „Wir von der Kerngruppe sind alle jünger als 18“, sagt er. Mit ArTik hätten sie nichts zu tun. Ihre Initiative nennen sie „Epsilon“. Allerdings findet Gregor ArTik „bis auf zwei, drei Knackpunkte sehr gut.“ Mit den Gartenstraßen-Besetzern würden sich die Z-Besetzer teilweise überschneiden. Mit der Autonomen Antifa habe man aber gar nichts zu tun.

Besetzung im Z

Es riecht leicht miefig im ehemaligen Z-Flur, eine leere Absinthflasche steht herum, irgendwo läuft ein Ghettoblaster mit Rammstein. Die Schlagwörter, die Gregor immer wieder in den Mund nimmt, sind „Kultur“, „Selbstverwaltung“ und „Basisdemokratischer Konsens“. „Das bedeutet aber nicht, dass da die Stadt ausgeschlossen sein soll.“ Auf die Frage, wie er sich die Kommunikation mit der Stadt konkret vorstellt, antworten die Epsilons ausweichend. Warum ist das Z gescheitert? „Zuviel Bürokratie, zu lange Amtswege“, meint Gregor. Eine ganz neue Sichtweise.

Sechs Stunden lang hat Gregor nun die Räume geputzt. Als die Epsilons reinkamen, waren sie überrascht. Erwartet hatten sie Ratten und Wasserpfützen, aber das Gröbste scheint die Stadtverwaltung beseitigt zu haben. „Wir sind hier in Gummistiefeln angerückt“, sagt Gregor, und man habe sich Gedanken gemacht, wie man gegen die Ratten hätte vorgehen können. Das war nicht nötig. Dafür haben die Besetzer Müll eingesammelt und fein säuberlich sortiert, eine Vorgehensweise, die sogar Ulrich von Kirchbach später gutheißen wird.

„Es geht uns nicht um eine Besetzung, sondern eher um eine symbolische Aufräumaktion“, sagt Gregor. Dann wird er unterbrochen von einem schwarzhaarigen Mädchen: „Hast du meinen Pulli gesehen?“ Nee, hat Gregor nicht. Überhaupt wird jetzt die Zeit knapp. Es geht auf 12.30 Uhr.

Besetzung im Z

Die Polizisten, von den Müllaufräumern „Repressionsorgane“ genannt, stehen auf den Stufen zur Unterführung und ihren Blicken nach zu urteilen denken sie gerade so etwas wie: „Kommt jetzt Leute, der Kindergeburtstag ist zu Ende.“ Die letzte Epsilonbastion besetzt immer noch die querliegenden Sofas und intoniert den Agitpop-Klassiker „Keine Macht für Niemand“: „Mach ne Faust aus deiner Hand“, aber es bleibt nur bei der Ankündigung. Die Besetzer scheinen etwas müde geworden zu sein, vielleicht auch wegen des Whiskeys. Auf eine Anzeige wegen Hausfriedensbruch haben sie auch "kein Bock", so wie es aussieht, werden sie auch keine bekommen.

Auf den oberen Treppenstufen sitzen ein paar Punks und beobachten die sich auflösende Szenerie, die schließlich betreten wird von Ulrich von Kirchbach, in gestreiftem Hemd und Jeans, ohne Krawatte. „Ist jetzt noch jemand drin?“, erkundigt er sich. Als der Einsatzleiter verneint, sagt Von Kirchbach „Also.“ Erleichtert gibt er noch ein Interview, dann zieht er ab, vorbei am offenstehenden Oberlicht des ehemaligen Z. Wer weiß, vielleicht geht er nach dem ganzen Aufruhr einen kleinen, alkoholfreien Caipi trinken.

Werten die Epsilons ihre unorthodoxe Sommerferien-Aktion als Erfolg? Unterm Strich schon. Ein etwas distanzierter, älterer Zaungast, der im weitesten Sinne mit der linken Szene symphatisiert und neben dem Schuhladen an der Unterführung steht, fasst es so zusammen: "Ich finde es gut, dass junge Menschen in der Stadt sich in kreativer Weise für ein nicht-profitorientiertes Jugendzentrum engagieren - und sogar das Risiko in Kauf nehmen, dafür rechtlich belangt zu werden. Man kann beobachten, dass die Geisteshaltung von Bewegungen wie Kommando Rhino auch auf die jüngere Generation übergreift. Das gefällt mir."

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von david | 29.07.10, 15:00 | Kommentare (14)
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Kommentare
Anzahl der Kommentare: 14
Donnerstag, 29.07.10 16:34
 

wer lässt sich eigentlich immer die ganzen namen einfallen ?
epsilon,artic, ..etc...

bin für die einführung eines kreativpreises für den besten initiativen-namen...

Donnerstag, 29.07.10 17:08
 

"Kommando Kevin-Prince Boateng" :D

Facebook-User
Donnerstag, 29.07.10 18:40
 

Danke an fudder für die Berichterstattung - grade im Vergleich zur großen Schwester/Mutter/... BZ. Augenfälligster Unterschied: bei der BZ stand die "Autonome Antifa", über die ich gleich stutzig wurde, in der Überschrift (Polizeibericht?), hier wird mal eben in einem Nebensatz mit Vorurteilen aufgeräumt.

Donnerstag, 29.07.10 18:45
 

die linksautonome szene verfügt über einen großen kreativ-output. sollte 'ne texterwerkstatt aufmachen.

"deutschland die beine wegtreten" und co. sind immer wieder hammer-claims, über die ich mich den ganzen tag kaputtlachen könnte.

ich glaube, den großteil der zeit wird auch eher über derlei belange diskutiert und basisdemokratisch abgestimmt als über politisches et al.

ich bin politisch nicht so beschlagen. aber: wie passt die aussage "keine macht für niemand" mit folgender aussage vom epsilon-blog zusammen?

"Wir haben ein demokratisches Grundverständnis, nach dem Dinge von denen verwaltet werden sollten, die sie verwenden. Eine „Fremdverwaltung“ ist undemokratisch. Vielmehr setzen wir uns dafür ein, dass basisdemokratisch im Konsens Entscheidungen getroffen werden. In einem demokratischen System müssen alle Beroffen an der Entscheidung beteiligt sein."

Donnerstag, 29.07.10 19:04
 

@ABO: Auf die Widersprüche in der Argumentation der Linksautonomen und ihre merkwürdig antiquierten Aktionsformen und Parolen aus den 70er Jahren möchte ich gar nicht eingehen. Man könnte auch sagen: Sie sind den Weg des Geistes nicht zu Ende gegangen. Oder wie Wiglaf Droste sinngemäß schrieb: Sie haben einen ähnlich weiten geistigen Horizont wie ein Winzer aus dem hinterletzten Moseldorf.

Eine Mischung aus Jakobinertum und (deutschen, sic!) Welterlösungsphantasien und nerviger Besserwisserei. Dabei garantiert gänzlich frei von Humor und Lockerheit.

Donnerstag, 29.07.10 19:06
 

es ist ein skandal dass sie es nicht hinkriegen einen betreiber für diese scheiß räume zu finden. das muss doch innerhalb von ein paar monaten zu schaffen sein.

Donnerstag, 29.07.10 19:10
 

und der von kirchbach soll einen krawattenladen aufmachen oder irgendwas aber der mann hat in verantwortlicher position nichts zu suchen.

Donnerstag, 29.07.10 19:48
 

Unsere tägliche Besetzung gib uns heute....

Donnerstag, 29.07.10 20:27
 

widersrüche ergeben sich von selbst in einem proklamatorischen protest/okkupation/prozess wie diesem.
noch dazu wenn adoleszentenkrise auf - und das will ich unterstellen - spass am tun und gediegene lockerheit trifft; ebenjene zum müllaufsammeln und whiskytrinkend lieder singen führt. ^^)
so what !?
on and on people !
rockt euch eure räume...grad auch die im kopf !


mglw hat den Kommentar am 29.07.2010 um 20:44 bearbeitet
Donnerstag, 29.07.10 21:24
 

is heute wieder pseudointellektuellentag ? :-)

unser täglich zitat gib uns heute

Initiative epsilon
Donnerstag, 29.07.10 22:47
 

Am Samstag gibt es um 16 Uhr eine Solidemo am Ex-“Z“. Treffpunkt ist um 16 Uhr am Siegesdenkmal/Kaiser-Joseph-Straße, 31. Juli – Auf die Straße: Für ein selbstverwaltetes & unkommerzielles Jugendzentrum!

Freitag, 30.07.10 11:09
 

"vielleicht geht er nach dem ganzen Aufruhr einen kleinen, alkoholfreien Caipi trinken."

sehr gut fudder :-)

zur aktion: haja ist doch nett wenn die kiddis sogar selbst putzen dafür.

Freitag, 30.07.10 16:53
 

um zitat zu bemühen und einer wolke individueller_intellektual_krise das wort zu sprechen...^^h

"Jeder ist verstrickt in die allgemeine wirklichkeit. Er handelt und erkennt nicht, was in ihm handelt. Er redet und es schweigt in ihm. Rationla zugänglich sind die relationen des Menschengeflechts. Wir können die Verbindungen zwischen den Punkten verstehen, nicht aber, was dieser einzelne Punkt eigentlich ist. Wie das eine mit dem anderen zusammenhängt, ist nachvollziehbar, unergründlich aber bleibt, was etwas ist. Wir nehmen den Inbegriff der Relaationen als Auskunft über das Wesen einer Sache oder Person. Individuum est ineffabile aber bedeutet: auf die unergründlichkeit des Singulären aufmerksam zu werden.. Hier, im Einzelnen,das nicht aufgeht in seinen Beziehungen, liegt das wahre Geheimnis, und es ist seit den Tagen Platons charakteristisch für jede Art Mystizismus, daß er dieses Gefühl der Irrationalität des einzigartigen Individuums auf andere Beziehungen, andere Gebiete überträgt. Diese anderen Gebiete sind: die abstrakten Allgemeinbegriffe, die Volksseele, die Nation, die Klasse, der objektive Geist, das Gesetz der Geschichte, Gott, alle diesen großen Wahrheits- und Wahnbilder, in denen man - auch das Heideggersche >man< ist hier zuständig -auf der Flucht vor der eigenen Unaussprechlichkeit verschwinden möchte, um sich selbst los zu sein."
rüdiger safranski, nietzsche, biographie seines denkens, s.218

oder etwa? : http://en.wikipedia.org/wiki/The_Cloud_of_Unknowing #Description_and_influence

kus
Samstag, 31.07.10 19:50
 

Auf dem August haben heute fünfzig Jugendliche fuer ein autonomes Jugendzentrum z demonstriert

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