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Maximo Park: Im Indie-Ballermann

Gerade mal 950 Zuschauer sind gestern Abend ins Zirkuszelt gekommen, um sich den Auftritt von Maximo Park und der Vorgruppe We have Band anzusehen. Ob Maximo-Sänger Paul Smith (Foto) und seine Kollegen das Publikum mitreißen konnten, haben wir uns angeschaut (mit Foto-Galerie).



„Indieballermänner dürfen sich über Maximo Park freuen“, hat fudder-User günther_hetzer geschrieben, nachdem Alex Heisler das ZMF-Programm 2010 bekanntgegeben hatte.  Der Newcastle-Hype vom Frühjahr 2005, inzwischen also massentauglicher Mainstream?

Ein Blick ins mit 950 Besuchern nur spärlich gefüllte Zirkuszelt auf die vermeintlichen Indieballermänner: Musikexpress-Abonnenten, Studentinnen, die mal in England Au-Pair gemacht haben und fast alles cool finden, was von dort kommt; Schüler und Fortysomethings, Rotlaubkicker und Intro-Klicker, alle sind sie da, wenn man so will, ein heterogenes Publikum. Am Hügel eine Menge junger Menschen, die sich auf der Picknickdecke mit Wasserpfeife das Konzert gratis durch die Zeltwand anhören.

Um 21.20 Uhr kommt das Quintett unter der dämlichen Klangkulisse „Fliegeralarm und Bombenhagel“ auf die Bühne und eröffnet das Konzert mit „Signal and Sign“ vom Debüt „A Certain Trigger“.

Was hat sich verändert seit 2005? Sänger Paul Smith gefällt sich immer noch in der Dandypose. Den Krawattenknoten sauber gebunden, die zackigen Marschierbewegungen gut einstudiert. Smith beherrscht das Spiel mit den Identitäten, er hat das Wesen von Pop begriffen. Der Unterschied zu 2005: damals war die Band noch nervös wie ein Abiturient vor Mathe mündlich, was ja auch was Charmantes hat; Smith zeigte sich eine Spur zu überdreht und manieristisch, etwa, als er ganze Songtexte mit rollenden Augen aus einer leninroten Fibel rezitierte; Maximo Park mussten in kleinen Clubs den Beweis antreten, dass sie Potenzial haben und mehr sind als bloß der neue NME-Hype.

Mittlerweile hat die Band drei Alben herausgebracht, wobei insgesamt die Qualitätskurve nicht gerade nach oben ging; jedoch haben die Musiker ihren Platz in den Indie-Charts und auf der Bühne gefunden: Neben Maximum-Schlaks und Poser-Ass Smith Keyboarder Lukas Wooller im Mad Max-Blazer und mit Handkantenschlag-Pantomimik; Gitarrist Duncan Lloyd, im Herzen ein Hardrocker, der die Riffs und Licks akkurat mit seiner Angus Young Gibson SG raushaut („Girls who play Guitars“); Schlagzeuger Tom English, der auch bei Franz Ferdinand trommeln oder im Club der toten Dichter mitspielen könnte; und Bassist Archis Tiku, der sich den ganzen Gig über wie ein Grottenolm in seiner Ecke verkriecht.

Am besten kommen immer noch die Hits vom Debüt an: „Limassol“, „Going Missing“, „Apply some Pressure“ und „Graffiti“. Zu „I want you to stay“ legt Smith das Jackett ab, von da an ist Casual Style angesagt. Dass Maximo Park auch eine Mädchenband ist, verdeutlicht „Books from Boxes“ vom zweiten Album: Es ist genau dieser tanzbare Indiepop mit dem zärtlich-melancholischen Grundton, der den Frauen im Auditorium ein Lächeln ins Gesicht zieht und sie in einer Mischung aus Verträumtheit und Partywille in die vorderen Reihen treibt. Dort fängt sie Sänger Smith auf: „Die Führungsposition in einer Band muss glaubhaft besetzt sein“, sagte Smith einmal in einem Spex-Interview. „Auf Konzerten gebe ich mich charakteristisch, markant, unverwechselbar. Das liegt in der Natur der Sache.“

Der letzte Satz gilt wohl auch für ZMF-Godfather Alex Heisler, der die Zugabe wie ein Fan mit seiner Handkamera filmt und nicht müde wird, dem Bandleader Smith den ausgestreckten Daumen zu zeigen. Die Maximos haben es mit gelockertem Krawattenknoten und nach 70 Minuten geschafft, dass die Leute Pogo tanzen und Bierbecher in die Luft schmeißen.

„Our Velocity“ knallt rein wie eine intelligent gepanschte Partypille und bildet den Abschluss des Konzerts. Wenn das Indie-Ballermann war, dann mit Sicherheit nicht der schlechteste.



 
Foto-Galerie: Caro

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Kommentare
Anzahl der Kommentare: 5
Freitag, 16.07.10 20:35
 

Der Freiraum bei so einem Konzert war ja mal echt gemütlich. Kannte MP nicht wirklich hab aber spontan eine Karte gekauft, weil Briten und von der Presse wie Franz Ferdinand gelobt und so... kam es dann aber an FF nicht ganz ran. Coole Rampensau, spieltechnisch auch ganz beisamen aber wenn man die Lieder nicht kennen reißen sie nicht sofort vom Hocker.
We have Band waren mir auch nur fern bekannt aber überraschend gut, muss ich mehr hören.

Samstag, 17.07.10 16:20
 

schade, dass der gute auftritt der vorgruppe we have band nicht erwähnt wird.

Samstag, 17.07.10 19:18
 

definitiv!
we have band haben wirklich eine erwähnung verdient! die haben die stimmung im vorfeld gut angeheizt! Prädikat für beide Auftritte: SUPER GEIL!

Sonntag, 18.07.10 01:06
 

Verstehe diesen Artikel nicht. Hab es nüchtern probiert und betrunken, aber die Intention bleibt mir verborgen. Ich fand das Maximo Park Konzert jedenfalls toll. Endlich mal Gute Musik in Freiburg.

Montag, 19.07.10 16:44
 

Hätte spontan auch gesagt die Grundstimmung der Band gegenüber ist im Artikel etwas zu negativ, bin allerdings auch großer Fan ;). Schade dass ich nicht dasein konnte, Whb als Vorband hätten mich auch interessiert. Gerade nach dem "geplatzten" Gig im E-Werk. Übrigens kann "Books From Boxes" auch mir ein verträumtes Lächeln aufs gesicht zaubern (was soll den "ziehen" bedeuten?)! Ich finde nicht dass die Kurve nur nach unten zeigt. Klar, Album 1 ist auch immer noch mein Liebling, allerdings gibt es auch auf "Quicken the Heart" tolle Songs.

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