Ich nehme sonst nicht mal Aspirin. Und hier sitze ich nun mit einer kleinen weißen Tablette, die viel mehr mit meinem Kopf machen soll, als bloß einen lästigen Schmerz zu lindern. Diese Tablette soll mein Denken und Fühlen neu strukturieren. Ritalin. Ich bin erschöpft, erledigt, traurig. Diese Tablette, davon bin ich überzeugt, ist meine letzte Chance.







Ich habe den Artikel mit Interesse und Neugier gelesen. Eigentlich, weil ich jemand kenne, dem ADHS unterstellt wird.
Je weiter ich gelesen habe, desto bekannter kam mir die Schilderung vor ... von mir selber.
Ich habe meine Diplomarbeit auch fast auf den letzten Drücker gemacht. Das wird den meisten so gehen.
Bei der Promotion war es noch schlimmer. Ich konnte mich auch nicht wirklich lange darauf konzentrieren. Fast alle Symptome kann ich nachvollziehen. Aber schließlich habe ich es geschafft!
Mir ist nie der Gedanke gekommen, ich wäre krank. Ich dachte, ich bin unmotiviert. Schließlich sieht das gleich aus.
Das mit den gut bezahlten Jobs ist Unsinn. Mit Verträgen von 1-2 Jahren kommt man auf keinen grünen Zweig. Und mit dem Master und Bachelor Humbug wird es noch schlimmer.
Mach dir keinen Kopf! Du bist nicht dumm, wahrscheinlich ganz im Gegenteil. Du bist kein Fachidiot, der nicht über seinen Bereich hinaus schauen kann. Vor allem jetzt nach einigen Fachwechseln.
Ich habe mir auf meinen Dr. nichts eingebildet. Mittlerweile merke ich, dass meine Kenntnisse die von anderen, selbstbewußten Akademikern in leitenden Positionen übersteigt. Arroganz und herablassendes Verhalten sind nur allzu oft kein Zeichen von Professionalität und Überlegenheit, sondern eher das Gegenteil. Der Gegenüber wird eigeschüchtert, damit er nicht merkt, wo die Defizite sind.
Leider wird das den Druck bei dir nicht sonderlich lindern, aber vielleicht hilft es deinem Selbstbewußtsein.
Du bist nicht allein! Es gibt wahrscheinlich viele, die das aber alle nicht an die große Glocke hängen.
Schade, dass die Behandlung mit Medikamenten nicht zum erhofften Erfolg führte.
Aber warum stellt Ihr diese Behandlung als "IQ-Doping" dar? Die Medikamente sind ja keine Wunderpillen, die gute Noten garantieren. Sondern sie ermöglichen (wenn sie wirken) einfach nur, dass man sich normal konzentrieren kann.
Es ist gut, dass ADHS mehr Medienaufmerksamkeit bekommt, aber anscheinend gibt es noch viele Vorurteile, die ausgeräumt werden müssen. Das Aufmacherbild in der Web-Version des Artikels hilft dabei sicher nicht.
ich weiss nicht, ob es adhs gibt oder ob das nur eine erfindung von den pharmas damit sie ihre produkte trotz btmg vertreiben können... ist mir eigtl. auch egal.
aber: mit ritalin hab ich erstaunliche erfahrungen gemacht. komplexe physikalische zusammenhänge in kürzester zeit verinnerlichen! temporär... die schwachsinnigen juristischen vorlagen der studienreform führten dazu, dass ich teilweise 14 kurse pro semester belegen musste. hammerhartes bullemie-lernen. und das geht auf ritalin einfach super. danach ist man allerdings im eimer. die noten sind gut, der stoff wieder vergessen.
unfaire studienbedingungen -> unfaires gehirndoping... so seh ich das.
ahja: ich will damit keinen betroffenen vor den kopf stoßen (wirklich nicht). ist nur meine sichtweise... wenn jemand anders (wie im kommentar über mir) das anders sieht, dann will ich gar nicht behaupten dass das falsch ist.
mir haben selbst schon ein paar leute gesagt, ich würde typische ads-merkmal aufweisen (ads ohne h...), aber eigtl. will ich mich gar nicht (mehr) damit beschäftigen. mir reicht es zu "dopen".
Danke für den Artikel. Ich habe auch ADHS, mir hilft Ritalin (bzw. das Retardpräparat), doch der große Nachteil: Die Krankenkassen übernehmen die Kosten für - Erwachsene - nicht, weil es zu wenig Studien über die Wirkung gibt -> nur eben für die Wirkung bei Kindern :] Somit zahl ich jeden Monat ca. 60 €, aber was nimmt man nicht alles in Kauf, um sein Leben einigermaßen in den Griff zu bekommen.
Vielleicht keine Hilfe, aber vielleicht für den ein oder anderen Interessant:
http://www.theshallowsbook.com/
Der Autor versucht einen Zusammenhang mit Google / den schnell verfügbaren Informationen des Internets und unserem immer oberflächlicheren Denken zu zeigen.
Ich stecke nicht tief in der Materie, will damit niemanden angreifen. Das Buch wird auch sehr kontrovers diskutiert - aber es ist noch recht frisch.
Ich hab auch ADHS und es is teilweise ziemlich schwierig für mich damit zu leben, aber auch für meine Freunde.
Ich kann mich mit dem Artikel echt identifizieren.
Jedoch würde ich nie auf die Idee kommen Ritalin zu nehmen, das isn Teufelszeug. Wer an seinem Brain rumpfuscht, wirds irgendwann hart merken!
@ADHS'ler: Wir haben zwar net gerade das große Los gezogen, aber jeder ADHS'ler hat mind. ein Gebiet worin er spezialisiert ist, wo die Konzentration und AUsdauer plötzlich übersprudelt ;) nutzt das aus :)
AD(H)S'ler sind mit vielen Talenten gesegnet :) Entdeckt eure Stärken und lebt mit den Schwächen, keiner braucht Ritalin ;)
Peace Chris :)
ich bin zwar nicht betroffen , stelle mir aber immmer wieder eine frage.
kann es vielleicht sein, das wir langsam an die grenzen des "nornmal" machbaren stossen.
warum aktzeptiert man z.b in manchen sportarten das es grenzen gibt was geschwindigkeit oder weiten,höhen angeht,
im job oder im studium aber nicht, es wird immer mehr verlangt.
irgendwann muss das schiefgehen....
die schlussfolgerungen daraus muss jeder für sich selber treffen..
Ich lese mich in diesem Artikel selbst.
Und das macht mir Angst.
Ich sehe das Thema ADS und ADHS bei Kindern wir Erwachsenen kritisch.
Diese Bezeichnungen beschreiben keine wirkliche Krankheit sondern lediglich bestimmte Symptome, die Ursachen können unterschiedlicher Natur sein.
Dadurch entsteht das Problem, das Grenzfälle relativ schnell als ADHS bezeichnet werden, obwohl es sich nur um eine mangelnde Konzentrationfähigkeit handelt.
Dadurch vergessen Eltern z.T. ihren Erziehungsauftrag und schieben die fehlende Disziplinierung ihrer Kinder auf die "Krankheit" ADHS.
Ich möchte niemandem zu Nahe treten, aber trotz einschlägiger Dignose (die sich ja wie gesagt vor allem auf entsprechende Symptome bezieht) könnte der Artikel auch von einem Menschen geschrieben sein, der einfach unter fehlender Selbstbeherrschung leidet, die m.E. eher eine charakterliche oder psychologische als ein pathologisches Usache hat. Deswegen fühlen sich auch so viele angesprochen, aber doch nicht weil sie krank sin....
Die Gedanken habe ich mir unabhängig gemacht aber man google nur mal "kritik adhs" und wird fündig. Mitunter vertreten einige Wissenschaftler sogar die Ansicht, die Krankheit sei erfunden.
Der Artikel hat mir übrigens gut gefallen und ich bewundere in jedem Fall die mutigen Worte des anonymen Autors.
@ X
Da sind du und ich wahrscheinlich nicht die einzigen ....
Ein sehr guter Artikel, zu einem passenden Zeitpunkt, der mir wie aus der Seele spricht.
Dazu kommen, wie im Artikel auch erwähnt Depressionen, was mich zusammen schon das Studium gekostet hat.
Und auch ich habe Ritalin genommen. Mir geholfen, die Lernproblematik aufzulösen, oder dem entgegen zu wirken hat es aber auch nicht.
ABER, was mir in letzter Zeit SEHR geholfen hat, ist ein Achtsamkeitskurs, der auch von der Freiburger Uniklinik empfohlen wird.
MBSR was für Mindfulness Based Stress Reduction steht, oder für Menschen denen "Depressionen" nicht fremd sind noch besser MBCT - Cognitive Therapie, heißen die.
Grob zusammengefasst geht es dabei um Meditation, Atembeobachtung, etwas Yoga und Selbstwahrnehmung.
Ich und auch alle die an dem Kurs teilgenommen haben, können das sehr weiterempfehlen!
Man bemerkt danach WAS in einem vorgeht, man merkt, wie "es" einen teilweise denkt. Man kann nach einiger Zeit seine Gedanken beoabachten, und Gedanken einfach nur Gedanken sein lassen.
Leider sind sie mitunter so laut, das man sonst fast nichts mehr "hört" .
Leider, glaube ich, kann man den "elementaren Widerwillen" nur nachvollziehen, wenn man selber so eine Situation schon erlebt hat.
Wobei es nicht um die gesitige Anstrengung an sich geht, nach meiner Erfahrung.
Wenn das Interresse aus einem selber herauskommt, kann man sich mitunter Stunden damit befassen, Bücher verschlingen und auch merken.
Der Hirnforscher Gerald Hüther ist da zur Zeit auch eine große Ikone auf dem Gebiet, mit interressanten Büchern und Artikeln. Ritalin verurteilt er zudem, erst Recht bei Kindern, zu tiefst.@ X
Da sind du und ich wahrscheinlich nicht die einzigen ....
Ein sehr guter Artikel, zu einem passenden Zeitpunkt, der mir wie aus der Seele spricht.
Dazu kommen, wie im Artikel auch erwähnt Depressionen, was mich zusammen schon das Studium gekostet hat.
Und auch ich habe Ritalin genommen. Mir geholfen, die Lernproblematik aufzulösen, oder dem entgegen zu wirken hat es aber auch nicht.
ABER, was mir in letzter Zeit SEHR geholfen hat, ist ein Achtsamkeitskurs, der auch von der Freiburger Uniklinik empfohlen wird.
MBSR was für Mindfulness Based Stress Reduction steht, oder für Menschen denen "Depressionen" nicht fremd sind noch besser MBCT - Cognitive Therapie, heißen die.
Grob zusammengefasst geht es dabei um Meditation, Atembeobachtung, etwas Yoga und Selbstwahrnehmung.
Ich und auch alle die an dem Kurs teilgenommen haben, können das sehr weiterempfehlen!
Man bemerkt danach WAS in einem vorgeht, man merkt, wie "es" einen teilweise denkt. Man kann nach einiger Zeit seine Gedanken beoabachten, und Gedanken einfach nur Gedanken sein lassen.
Leider sind sie mitunter so laut, das man sonst fast nichts mehr "hört" .
Leider, glaube ich, kann man den "elementaren Widerwillen" nur nachvollziehen, wenn man selber so eine Situation schon erlebt hat.
Wobei es nicht um die gesitige Anstrengung an sich geht, nach meiner Erfahrung.
Wenn das Interresse aus einem selber herauskommt, kann man sich mitunter Stunden damit befassen, Bücher verschlingen und auch merken.
Der Hirnforscher Gerald Hüther ist da zur Zeit auch eine große Ikone auf dem Gebiet, mit interressanten Büchern und Artikeln. Ritalin verurteilt er zudem, erst Recht bei Kindern, zu tiefst.@ X
Da sind du und ich wahrscheinlich nicht die einzigen ....
Ein sehr guter Artikel, zu einem passenden Zeitpunkt, der mir wie aus der Seele spricht.
Dazu kommen, wie im Artikel auch erwähnt Depressionen, was mich zusammen schon das Studium gekostet hat.
Und auch ich habe Ritalin genommen. Mir geholfen, die Lernproblematik aufzulösen, oder dem entgegen zu wirken hat es aber auch nicht.
ABER, was mir in letzter Zeit SEHR geholfen hat, ist ein Achtsamkeitskurs, der auch von der Freiburger Uniklinik empfohlen wird.
MBSR was für Mindfulness Based Stress Reduction steht, oder für Menschen denen "Depressionen" nicht fremd sind noch besser MBCT - Cognitive Therapie, heißen die.
Grob zusammengefasst geht es dabei um Meditation, Atembeobachtung, etwas Yoga und Selbstwahrnehmung.
Ich und auch alle die an dem Kurs teilgenommen haben, können das sehr weiterempfehlen!
Man bemerkt danach WAS in einem vorgeht, man merkt, wie "es" einen teilweise denkt. Man kann nach einiger Zeit seine Gedanken beoabachten, und Gedanken einfach nur Gedanken sein lassen.
Leider sind sie mitunter so laut, das man sonst fast nichts mehr "hört" .
Leider, glaube ich, kann man den "elementaren Widerwillen" nur nachvollziehen, wenn man selber so eine Situation schon erlebt hat.
Wobei es nicht um die gesitige Anstrengung an sich geht, nach meiner Erfahrung.
Wenn das Interresse aus einem selber herauskommt, kann man sich mitunter Stunden damit befassen, Bücher verschlingen und auch merken.
Der Hirnforscher Gerald Hüther ist da zur Zeit auch eine große Ikone auf dem Gebiet, mit interressanten Büchern und Artikeln. Ritalin verurteilt er zudem, erst Recht bei Kindern, zu tiefst.
ist denke ich bei vielen verhaltensweisen/psychischen krankheiten so, dass es schwierig ist, einen genauen übergang zwischen normal und pathologisch festzumachen solange man nicht wirklich stimmen hört oder sowas. psychologen sagen ja soweit ich weiß tendenziell einfach "wenn man sich scheiße deswegen fühlt, ist es eine krankheit".
Ich reihe mich dann auch mal ein...
Und nein, Ritalin habe ich noch nicht probiert, aber die beschriebene Symptomatik ist mir wohlbekannt.
Meine Empfehlung:
Dem Problem an die Wurzel gehen - auch wenn es Zeit braucht und auch mal weh tut. Wenn man sich die Familien von sog. AD(H)S-Kindern in einer sorgfaligen Diagnostik anschaut, ist relativ schnell klar, dass es nicht von ungefähr (="irgendwelche Botenstoffe im Gehirn") kommt. Hier leistet tiefenpsychologische bzw. psychoanalytische Therapie (beides Kassenleistung) meiner Meinung nach bessere Dienste. Diese setzen dem allgemeinen gesellschaftlichen Trend, (notfalls mit Hilfe von Drogen) funktionieren zu müssen, etwas entgegen.
Wie hat der Autor denn diesen Artikel geschrieben? In welchem Zeitraum? Mit welchem Aufwand?
Salle,
ich finde Erfahrungsberichte von psychischen Krankheiten einfach immer wieder interessant.
Ich habe 3 Jahre lang Paroxetin genommen, aufgrund einer vom THC Konsum ausgelösten Angststörung- und Angstdepression.
Aus Erfahrung weiß ich, dass das ganze Zeug, sei es nun Ritalin oder irgendwelche SSRI eine Lösung sein können, allerdings mit Vorbehalten: Man kann damit zwar die Symptome ruhig stellen, beseitigt jedoch nicht die Krankheit.
Die Medikamente können einem neuen Mut geben und wunderwas, das Zeug funktioniert tatsächlich, man fühlt sich besser, es gab sogar Zeiten, da fühlte ich mich so gut wie noch nie zuvor.
Aber, und nun das aber... Ich habe eine 2 jährige Therapie mit Autogenes Training, psychologische Sprechtherapie und und hinter mir und trotzdem komme ich immer wieder in Situation, wo ich die Medis wieder gerne nehmen würde.
Und das macht mich nur mehr Angst, weil ich plötzlich feststelle, wie ich mich abhängig machen lasse. Deshalb habe ich seit diesem Frühjahr (ganz wichtig: Frühjahr, Sommer = helle Jahreszeiten) die Dosis Stück für Stück reduziert und letztendlich abgesetzt.
Was ist mir sonst geblieben: 15-20 Kilo Gewichtszunahme, schlechte Leberwerte, hoher Blutdruck und das mit 20 Jahren... Ich treibe viel Sport und esse normal und trotzdem seh ich aus wie ein Mobs.
Mein Tipp zu sämtlichen stimmungsverändernden Stoffen: Mit Vorsicht genießen! Und auf jeden Fall unter ärztlicher Aufsicht!! Selbsttherapie kann ziemlich gefährlich werden. Desweiteren viel Sport machen, um trotzdem einen körperlichen Ausgleich zu haben, am besten kein Alkohol und auch keine Kippen (sonstige Drogen natürlich auch nicht). Dann sich einer Therapie unterziehen - keine Sorge, die Psychologen sind teilweise ziemlich coole Socken und das Cliche auf dem Sofa existiert nur im Film.
Dann sollte man sich feste Ziele setzen und einen festen Tagesablauf beibehalten - auf keinen Fall sich zuhause verstecken - carpe diem! Geht raus, trefft eure Freunde und habt nen geregelten Tagesablauf.
Ich könnte noch Stunden weiter erzählen, aber das muss fürs Erste reichen.
Sehr guter Artikel, meine besten Wünsche für den Schreiber! Viele der beschriebenen Probleme kommen mir sehr bekannt vor, insbesondere der Gedanke, dass ich, wenn ich nur einen Bruchteil meiner Vorhaben umgesetzt hätte, woanders wäre als jetzt. Und auch die Beobachtung, dass meine Freunde sowohl die Studienwahl als auch das eigentliche Studium schneller durchgezogen haben als ich und nicht so recht weiß, wieso. Ich hab mit 15 mal ne zeitlang Ritalin genommen. Das hatte den Effekt, dass sich mein Schriftbild verbessert hat und ich tatsächlich weniger Lust hatte, im Unterricht zu stören. Allerdings habe ich mich auch kaum noch getraut mit meinen Mitschülern zu sprechen. Zumindest hat es auf einmal Überwindung und Anstrengung gekostet. Als ich dann an einem Einzelereignis gemerkt habe, was das Zeug mit dem pubertierenden Gehirn anstellen kann, wenn man verbotenerweise Alkohol drauf kippt, habe ich es wieder abgesetzt. Seither mache ich ohne weiter, langsam, aber unaufhaltsam ;-)
Auch ich habe AD(H)S und bin lange damit nicht gut zurecht gekommen. Vor allem war ich meist wegen Unterforderung in der Schule meist geistesabwesend und war sehr impulsiv. mein impulsives verhalten konnte ich glücklicherweise mit einer ergotherapie behandeln. Allerdings ist mir aufgefallen, wie du beschreibst, dass du nichts lange machen kannst und ich habe für mich da eine Lösung gefunden, die mir sehr hilft:
Ich denke, dass es für jeden Menschen etwas gibt, was ihm so viel Spaß macht, dass er es die ganze Zeit (bzw sehr lange Zeit machen kann), bei mir z.B. Jonglage. Deswegen jongliere ich immer wenn ich solche "leerstellen" in denen ich sonst einfach nichts (zumindest nichts sinnvolles) tun würde, mit Jonglage und danach kann ich gleich viel besser arbeiten.
Zum Ritalin: Ich hab es selbst nie genommen und mir ist aufgefallen, dass ich mit ADHS viel besser zu Recht komme als andere, die es nehmen. Sobald die mal vergessen Ritalin zu nehmen, werden sie.. naja .. ziemlich unnormal, total hibbelig und alles andere. Ich bin also der Überzeugung, dass es auf jeden Fall besser ist kein Ritalin zu nehmen
"Ich lese mich in diesem Artikel selbst.
Und das macht mir Angst."
Mir geht's gerade genauso. Das schlimme daran ist, meine Mutter hat eben ADHS. Aber sie meinte, es sei ausgeschlossen, dass ich es habe.
Wenn sie sich da so sicher ist...
Nun ja, der Artikel ist sehr gut. Große Hochachtung vor dem Schreiber!
toxique, ich sehe das mit krank/gesund ähnlich: jeder, der schon mal ein buch über persönlichkeitsstörungen in der hand hatte, hat garantiert teile von sich (und teile von allen leuten um einen rum) in jedem krankheitsbild entdeckt. deswegen diagnostiziert man psychische krankheiten nun mal auch nicht selbst.
und grundsätzlich gilt: wenn etwas macht, dass ich wirklich richtig unglücklich bin, ich unter etwas leide, dann ist es eine krankheit. wie die dann behandelt werden sollte, ist noch einmal eine andere sache.
3x10mg zum Anfang ist viel zu viel. Höchstens mit 5mg anfangen, dann von Woche zu Woche 5mg mehr. MPH wirkt nur dann gut, wenn man möglichst exakt die richtige Dosierung herausgefunden hat, und die ist bei jedem anders. Lieber Verfasser, wenn du es nochmal probieren willst, dosier es anders. Und dann lerne zu lernen, weil was man noch nie konnte, muss einem erstmal beigebracht werden. MPH gibt nur die Möglichkeit dazu.
Ich mache mir bei dem Thema ADS/ADHS auch so meine Sorgen. Ich habe schon einige Menschen kennen gelernt, denen diese Diagnose gestellt wurde unter anderem eine ehemalige Partnerin von mir.
Was mir immer wieder aufgefallen ist bei diesen Menschen:
Sie sind auf unterschiedlichsten Gebieten unglaublich Kreativ und sehr Intelligent.
Ich fage mich daher immer, ob diese "Krankheit" nicht einfach nur eine völlig natürliche Verweigerung mancher Menschen ist, den fortschreitenden Leistungsdruck und die immer höher werdende unnatürliche Taktung unserer Gesellschaft nicht mehr mitmachen zu wollen bzw. nicht mehr mitmachen zu können.
Vielleicht sind die Menschen, denen ADHS diagnostiziert wird in Wahrheit garnicht krank, sondern die einzigen gesunden in einer immer kranker werdenden gesellschaflichen Art schneller und Leistungsstärker zu leben.
Dafür würde auch sprechen, dass wie oben erwähnt, ADHS immer mehr in den Blickpunkt gerät. Nicht weil es eher erkannt wird, sondern weil es immer mehr Menschen geben könnte die das sich schneller verändernde, gesellschaftliche Leben so nicht mehr mitmachen können oder wollen.
Aber viele ADHSler lieben doch das schnelle Leben. Ich habe damals dieses Buch "Zwanghaft zerstreut" gelesen. Da stand drin, dass überproportional viele Menschen mit dieser Diagnose große, abgedrehte Städte lieben, hauptsache laut und bunt. Wenn der Lärm groß genug ist, kann man sein Bedürfnis nach Ruhe damit übertönen.
Außerdem sind Städte ja ganz ähnlich wie das im Artikel als verhängnisvoll beschriebene Internet: Überall Angebote und Ablenkungen, auch redundante, wohlegordnete Unübersichtlichkeit und alles von Menschen gemacht und von Menschen bevölkert.
Ja Björn, ich denke da auch eher an eine andere Art von Schnelligkeit. Sich ständig und schneller ändernde Anforderungen die von aussen kommen beispielsweise.
Nicht auf der Ebene der Sinnesreize.
"What you need is a gramme of soma... All the advantages of Christianity and alcohol; none of their defects"
Ich finde Mikeys Überlegungen einleuchtend. Zumindest bilden sie einen sehr bedenkenswerten Aspekt des Themas.
Kann mir auch nicht vorstellen, dass plötzlich jeder an ADHS leiden soll, der die im Artikel beschriebene Symptomatik aufweist. Und erst recht nicht, dass allen mit Ritalin geholfen werden kann.
Psychiater sind auch nur trendgläubige Arschlöcher. Was kostet es schon, schnell mal ein Rezept auszustellen. Und für die Fehlentwicklungen in unserer Gesellschaft sind sie ja nicht zuständig, im Gegenteil, sie fühlen sich berufen, ihre Patienten der Gesellschaft anzupassen, wenn diese nicht funktionieren.
ismuB unnd Mikey habens meiner Meinung nach getroffen.
Für mich hat das Ganze den Charakter einer Zivilisationskrankheit, die systemimmanent ist. Ich wette, dass es noch viel mehr indizierte Betroffene gäbe, wenn mehr Menschen zu den Ärzten gehen würden.
Geht mal in die Wartezimmer von Kinderärzten... manche Eltern betreiben regelrechte Wanderschaften durch die Praxen, nur damit endlich die Diagnose Ad(H)S rauskommt...
Der Ritalinkonsum boomt richtig und hat sich in den letzten 20 Jahren verachtfacht (Quelle: Stern)...
Man muß den Eindruck haben, daß was falsch läuft. Entweder wird recht leichtfertig auf Ruhigmacher gesetzt oder oder die Menschheit bewegt ein Hamsterrad ohne Ausgang
Was du schreibst Tatoocheck ist tatsächlich ein bedenklicher Trend. Hinzu kommt dann noch ein anders Sympthom das mich erschreckt.
Ich sah vor einigen Wochen eine 37grad Reportage des ZDF über Viertklässler die sich selbst (!) unter Druck setzten aufs Gymnasium kommen zu müssen weil alles andere nur versagen bedeutet.
Dass es häufig Eltern gibt die diesen Druck ausüben ist ja hinlänglich bekannt, aber das sich mittlerweile schon Kinder diesen Druck selbst machen ist furchtbar.
Aufmerksam geworden hab ich mich dann mal in meinem Freundes- und Bekanntenkreis umgesehen, genau da wo Kinder im Grundschulalter vorhanden sind. Und ich war fassungslos als mir der neunjährige Zwerg von Freunden in tiefster Überzeugung gesagt hat, er müsse aufs Gymnasium damit er später mal einen Beruf bekommen würde.
Und ich weiss, das hat er nicht von seinen Eltern.
Wenn ich solche Entwicklungen betrachte und Tatoos Aussage hinzu addiere wird für mich plötzlich ein Schuh draus, was es mit Diagnosen wie ADHS bei Kindern tatsächlich auf sich haben könnte.
Das was heute bei Kindern ADHS heißt, gab es m.E. schon immer. Das waren halt die temperamentvollen Raufer und Zappelphillips (siehe Heinrich Hoffmann). Nur wurden die damals nicht noch mehr hochgepusht durch Fernsehen, Computer(spiele) etc. sondern haben sich im Wald und auf dem Sportplatz ausgetobt. Und sie wurden nicht ausgegrenzt.
Inzwischen gibt es für alles eine Pille. Wenn der Arzt die dem Kind sogar verschreibt muss das ja in Ordnung sein. Es ist viel einfacher, den Nachwuchs ruhiggestellt vor dem Fernseher zu parken anstatt sich etwas Sinnvolles zu überlegen. Auch haben viele Eltern gar keine Zeit mehr dazu, sich qualtitätsvoll mit ihren Kindern zu beschäftigen. Hinzu kommen Schulversagensängste in Zeiten zunehmender Arbeitslosigkeit. Da wird dann gerne zum Strohhalm Ritalin gegriffen.
@Zebra
Da hast du was wahres geschrieben.
Ich musste an den Begriff "Zappelphillip" öffters denken nachdem ich den guten Artikel gelesen hatte.
Mich haben die Erwachsenen früher oft so genannt, aber das war eher liebevoll, weil ich, egal wo ich hin kam, immer gleich raus wollte was erleben.
Und ich hatte glücklicherweise die Chance draussen (Felder, Wald, Rheinauen) zu spielen und unsere Eltern haben das sogar sehr begrüsst und uns auch ziemlich früh sehr viel Eigenverantwortung zugestanden.
Guten Tag Autor,
Ich habe ADS im Alter und bin fast 50. Natürlich kenne ich das, kann das sogar noch mit "brief current depression" toppen.
Sei mir nicht böse, aber auch Du hast scheinbar auch oft darüber nacghgedacht.
Ich war auch Patient bei Frau Dr. P und habe eine Medikamentikation abgelehnt.
Ich baller mich mit Doxepin 100mg täglich zu, was mir sehr hilft.
In Spitzen (das kennste, das sind Schübe) baller ich Tavor. Wenn ich das vorher merke geht Atosil als Übergang.
Ich habe gelernt mich zu organisieren. Das muss angepasst werden und dann klappt das recht gut.
Ich biete Dir an das zusammen zu machen, denn ich habe die Freude am Leben und eine Krankenschwester als Ehefrau. Die versteckt die heftigen Medis und ansonsten kiffe ich abends ne Tüte und schlafe dann recht gut. Mein Hausarzt weiß das.
Mir geht es so gut das ich sogar Arbeitgeber sein kann. Frag bitte nicht was ich bei Anträgen und so hier abfahre. Da darf mich keiner ansprechen.
Meine Mail haste ja in fudder. Komm einfach mal her (ich kann nicht gut laufen) am besten am Seepark wo wir anonym sind, ich trage eine rote Rose im Haar.... joke. Schreib mir das per mail und wie wir uns erkennen.
mfg
Zu dem, was ein paar Kommentare vorher hochgepoppt ist:
Ich glaube nicht, dass die Vergangenheitsnostalgie ("früher nannte man das nicht ADHS, da haben wir dann draussen gespielt, Kinder haben kein Fernsehen geguckt......") hier viel hilft.
Das bisherigen Studiensystem (der Autor studiert auf Diplom), und nicht ganz selten vorkommende Familienstrukturen (Eltern, die ihre schlauen, leidenden Kinder bis in die 30er finanzieren können/wollen/müssen), fangen Menschen mit psychischen Problemen wie ADHS oder Depressionen heute einigermaßen auf. Ich will nicht "was wäre gewesen, wenn" spielen, aber mit Menschen, die auf Grund einer psychischen Krankheit mit den (Arbeits)-Anforderungen der Masse nicht zurechtkommen, wurde vor 50 oder selbst 30 Jahren noch schlechter umgegangen, als das heute (schlecht) der Fall ist. Sie hatten - wenn überhaupt - Berufe, die nicht ihren eigentlichen Fähigkeiten entsprachen oder fielen oftmals komplett aus der Gesellschaft heraus.
Dank psychotherapeutischer und/oder medikamentöser Behandlung können viele Menschen mit psychischen Krankheiten heute unter besseren (natürlich lange nicht idealen) Bedingungen leben, als das in der Vergangenheit möglich gewesen wäre.
Und so als Fußnote und unsortiertes Feedback zu den Themen in der Gesamtheit der Kommentare:
Folgende (gegensätzliche) Dinge verursachen bei mir akutes Unwohlsein:
* Ärzte, die psychische Krankheiten mangelhaft oder unwillig behandeln (zum Hausarzt unseres Autors würde ich z.B. nicht gehen wollen).
* Grundsätzliche Skepsis gegenüber jeder psychischen Krankheit und die Unterstellung, dass Betroffene an einer Charakterschwäche leiden, und sich nur zusammenreißen müssen.
* Psychische Krankheiten, die plötzlich massiv diagnostiziert werden (wie ADHS, Borderline, etc.).
* Einzelne Medikamente, die plötzlich massiv verschrieben werden.
* Die Pathologisierung von normalem menschlichen Verhalten unter Stress. (i.e. vielleicht besser den Stress, die Gesellschaft ändern?)
* Das nie wirklich ernsthaft über physchische Gesundheit geredet wird. Ich kenne quasi niemanden, der noch nicht in einer Krise oder Krankheit wie unser Autor gesteckt hat. Aber darüber geredet? Wird zu wenig. Und zu wenig ernsthaft.
* Die gesellschaftliche Stigmatisierung von Psychotherapie, die relative Toleranz gegenüber Psychopharmaka (zumindest solange es sich um Trend-Medikamente handelt).
liebe Caro,
ich habe mir sehr Mühe gegeben Dir zu folgen.
Ich finde keinen Zusammenhang zum Artikel.
Wenn man absolut keine Ahnung hat, so sollte man langsam anfange sich in den Hintergrund zu begeben und etwas beobachten.
Setze Dich bitte ganz nach hinten.
Danke
@Caro:
"Ich glaube nicht, dass die Vergangenheitsnostalgie ("früher nannte man das nicht ADHS, da haben wir dann draussen gespielt, Kinder haben kein Fernsehen geguckt......") hier viel hilft."
Wenn es in den Kommentaren darum gehen soll zu "helfen" (was Unfug ist) solltet Ihr das explizit dazu schreiben. Ich bin der Ansicht, dass mein Beitrag durchaus seine Berechtigung in dieser Diskussion hat, auch wenn es im Artikel um Erwachsene geht. Und mit "Vergangenheitsnostalgie" hat das schonmal gar nichts zu tun.
Hallo Zebra, da habe ich ein falsches Verb gewählt, bitte entschuldige. Ich hätte vielleicht eher schreiben sollen:Ich glaube nicht, dass Vergangenheitsnostalgie ("früher nannte man das nicht ADHS, da haben wir dann draussen gespielt, Kinder haben kein Fernsehen geguckt......") der Sache gerecht wird."
Es steht ohne Frage, dass Dein Beitrag eine Berechtigung hier hat - so wie alle Kommentare hier. "Helfen" als primäre Kommentarfunktion wäre vollkommener Unfug, da hast Du recht.
ADHS und ADS ist eine reine Erfindung der Pharmaindustrie, auf die gestresste Eltern, ratlose Pädagogen und genervte Eltern gerne aufspringen.
Meine Meinung dazu........ will keinen Betroffenen damit vor den Kopf stoßen.
wahnsinns artikel...
spiegelt mich irgendwie wieder....
sehr sehr gut zum lesen, ich habe gänsehaut irgendwie bekommen..
Ich verstehe Dich so, Caro, dass Du meinst, dass unsere Gesellschaft heute viel besser mit "verhaltensauffälligen" Leuten umgeht als früher und deshalb doch eigentlich im Großen und Ganzen alles in Ordnung ist?
Na ja, das Sein bestimmt bekanntlich das Bewusstsein. Insofern werden diejenigen, die durch´s Raster fallen oder zu fallen drohen, tendenziell eher die Ursachen dafür nicht nur bei sich selbst suchen, sondern auch in Gesellschaft und System, als diejenigen, die in Gesellschaft und Arbeitsleben voll integriert sind und daraus den Schluss ziehen, dass doch eigentlich alles gar nicht so schlimm sein kann.
Beispiel: Wer knapp durchs Examen fällt, wird die Examensbedingungen eher kritisieren als jemand, der knapp durchgekommen ist.
Wer von beiden tatsächlich Recht hat, lässt sich aber aus diesen Grundtendenzen in keinem Fall schließen.
@Jos
Ich glaube, ich habe Schwierigkeiten, mich bei dem Thema verständlich zu machen: Ich bin keinesfalls der Meinung, dass heute alles "im Großen und Ganzen in Ordnung ist" für wie auch immer verhaltensauffällige Menschen. Ist es nicht. War es aber auch nie. Heute ist es nur weniger schlimm. Primär wollte ich mein Mißfallen über die oben mehrfach getätigen Kommentaren mit dem Tenor, "früher war alles besser" äußern.
Und re: "Na ja, das Sein bestimmt bekanntlich das Bewusstsein. Insofern werden diejenigen, die durch´s Raster fallen oder zu fallen drohen, tendenziell eher die Ursachen dafür nicht nur bei sich selbst suchen, sondern auch in Gesellschaft und System, als diejenigen, die in Gesellschaft und Arbeitsleben voll integriert sind und daraus den Schluss ziehen, dass doch eigentlich alles gar nicht so schlimm sein kann."
Ich glaube derjenige (psychisch Kranke), der durch's Raster fällt, sucht die Gründe primär bei sich. Für das Nachdenken über die Gesellschaft als Grund für seine Probleme hat er meist keine Energie.
@nakedcat
setzen 6!
ADH ist keine Einbildung.
ADS haben i.d..R einen sehr hohen IQ und in der Kindheit oft ADSH. Zappelphillip oder so sind die diffamiert.
Das lässt sich evolutionär damit erklären, das der männliche Part für die Nahrung verantwortlich war und oft Tage auf der Lauer lag. Da war die schnelle Reaktion gefordert. Weiteres ist nahezu eine Diplomarbeit und das kann ich als ADS nicht vollbringen. Es ist mir schon schwierig überhaupt einen Zusammenhand zu finden das zu schreiben.
Ein ADS lebt in einem Moment.
Dann hatte ich Dich nicht richtig verstanden, entschuldige bitte.
"Ich glaube derjenige (psychisch Kranke), der durch's Raster fällt, sucht die Gründe primär bei sich. Für das Nachdenken über die Gesellschaft als Grund für seine Probleme hat er meist keine Energie."
Was wiederum sehr von der Art der "psychischen Erkrankung" abhängt.
Der Autor des Artikels etwa hat, obwohl ihn seine Ärzte/Therapeuten als psychisch krank definieren und medikamentieren, jede Menge Energie, über alles Mögliche nachzudenken, nur eben nicht über das, was "die Gesellschaft" von ihm eigentlich verlangt, nämlich über das Thema seiner Diplomarbeit.
Die Frage bleibt offen, wo denn die Grenze zu ziehen ist zwischen psychischer Erkrankung und abweichenden, aber noch nicht krankhaftem Verhalten.
Phaenomenologie: die unmittelbar gegebenen Erscheinungen.
Wenn also der Autor ueber sich selbst schreibt (und dabei subjektiv ehrlich ist) dann ist es so.
Ontologie: was in der "objektiven" Wirklichkeit existiert. Au weia, viel Spass beim herausfinden.
@Jos
Stimmt, hängt von der Art der Erkrankung ab, das ist sicher eher eine depressive Sicht. Menschen mit Psychosen suchen die Schuld wahrscheinlich eher im Außen.
"Die Frage bleibt offen, wo denn die Grenze zu ziehen ist zwischen psychischer Erkrankung und abweichenden, aber noch nicht krankhaftem Verhalten."
Eben.
Ich bin da bei der Vielseitigkeit des menschlichen Verhaltens in all seinen Facetten wirklich hin- und hergerissen. Denn einerseits kann eine diagnostizierte "Krankheit" zu wie auch immer gearteter adäquater Hilfe und Mitgefühl für den Einzelnen führen, andereseits aber auch zu Stigmatisierung und im vielleicht schlimmsten Fall kann sie auch die Allgemeinentschuldigung/Bankrotterklärung vor einem selbst werden: "Ich habe ABC, deswegen kann ich XYZ nicht."
so oder so braucht man problembewußtsein. man muss die leute ja nicht komplett mit drogen abschießen, aber wenigstens mal in der schule testen und dann dezent drauf hinweisen dass es hier zum achtsamkeitskurs geht und dass das das und das vielleicht nicht die besten berufe mit dem symptom- oder wenn man so will charakterbild sind, das das und das schon eher. wobei es ja angeblich den adsler-hyperfokus gibt wo die dann auf einmal rödeln wie die berserker wenn es sie denn mal packt, aber da sollte man sich vielleicht nicht drauf verlassen dass der dann schon noch kommt.
Ich kann oft auch nicht so recht unterscheiden, was krankhaft ist und was noch in meiner Hand liegt. Ich habe es schon fertig gebracht, einen Monat lang jeden Tag ein Formular auf meinem Schreibtisch zu mustern und jeden Tag zu denken "Bald musst Du schauen, wann diese Frist abläuft!" Und nach dem Monat war die Frist längst abgelaufen und ich habe mir damit einen gewaltigen Nachteil verschafft. Aber wenn ich als Zimmermann im Mittelalter gewusst hätte, dass ich heute so und so viele Balken sägen muss, weil es ansonsten vom Meister unkontrolliert auf die Fresse gibt und eine Woche lang nichts zu essen sowieso, hätte ich die Balken gesägt, da bin ich mir sicher. Das soll kein Plädoyer für Strenge oder dergleichen sein, aber ich glaube auch, dass Störungen wie die oben beschriebene es heute leichter haben als früher Platz zu greifen.
@Caro:
offenbar herrscht hier allgemeine Verständnislosigkeit ;-).
Ich bin durchaus nicht der Meinung, dass früher alles besser war. Allerdings denke ich schon, dass die meisten Menschen aus verschiedenen Gründen angepasster leben (müssen). Wer nicht im Mainstream mitschwimmt wird schnell ausgegrenzt. M.M.n. wird zu oft nach scheinbar einfachen Lösungen (Medikamente) gegriffen anstatt den Ursachen auf den Grund zu gehen. Es ist ja inzwischen schon normal, Psychopharmaka an Kinder (ja, ich weiß...) zu verabreichen, nur damit sie am Schulunterricht teilnehmen können, ohne aufzufallen.
Ich bestreite nicht, dass es phasenweise sinnvoll sein kann, solche Medikamente einzusetzen, habe das auch schon selber bei einer Bekannten erlebt. Grundsätzlich läuft hier aber etwas falsch in unserer Gesellschaft, da werden auch Pillen auf Dauer nicht helfen.
wie soll denn der schulunterricht für ein schwer hyperaktives kind bitte aussehen? der kann das nicht.
edit: ich meine, der ist von allem ausgeschlossen, was konzentrierte arbeit braucht. der kann sich nicht akademisch betätigen, nicht politisch, der kann womöglich keine beziehung aufrecht erhalten, was soll der denn bitte machen? clown werden?
Ich muss den Part das "früher alles besser war" jetzt auch noch mal aufgreifen, denn das habe auch ich so nicht geschrieben.
Aber keiner kommt an der Tatsache vorbei das sich der gesellschaftliche Wandel in der Postmoderne, zumindest bei uns in den Industrieländern, immer schneller zu vollziehen scheint.
Und ich stelle diesen Wandel in seiner Schnelligkeit und der damit einhergehenden Härte in Frage weil ich es nicht für den einzelnen als Gesund erachte.
Wir dürfen bei dieser ganzen Diskussion auch nicht aus den Augen verlieren, dass wir in den Industrieländern es uns leisten können diejenigen mitzunehmen, die den Leistungsanforderungen, aus welchen Gründen auch immer, nicht gewachsen sind.
Das war nicht nur früher nicht möglich, das ist auch heute auf weiten Teilen unseres Planeten noch ein großes Problem.
In China oder dem Sudan frägt dich niemand ob du eine psychische Erkrankung hast.
Und was die Pillenthematik angeht, so muss ich Zebra vollkommen recht geben. Auf Dauer kann das eben auch nicht die Lösung sein.
@toxique:
"wie soll denn der schulunterricht für ein schwer hyperaktives kind bitte aussehen? der kann das nicht. "
Ich schrieb ja, dass unter Umständen eine Medikation hilfreich sein kann. Bin aber der Meinung dass man fragen sollte: "warum ist dieses Kind ohne Psychopharmaka nicht schulfähig?" Oder auch: "warum kann die Schule solchen Kindern nicht gerecht werden?"
Ich glaube, dass hier eine durchaus normale Charakter-/Temperamentsausprägung zur Krankheit erklärt wird obwohl sie keine ist, weil sie nicht in unsere Gesellschaft passt. Zusätzlich wird diese Prädisposition noch verstärkt durch die Reizüberflutung sodass die Probleme noch heftiger zu Tage treten.
naja aber die antwort kann ja sehr gut sein "weil sein endokrines system defekt ist". depression ist ja angeblich ein trauma-bewältigungsmechanismus, aber wenn das komplette leben des patienten aus dem ruder läuft deswegen, dann ist ne pille nicht verkehrt. wenn die pille schneller und billiger ist als x stunden verhaltenstherapie, dann ist sie u.u. der therapie sogar vorzuziehen - wir haben nunmal keine unbegrenzten ressourcen, und zusätzliche zeit, die das selbstvertrauen o.ä. des kinds leidet, ist nichts, was man leichtfertig in kauf nimmt. und ich meine unsere gesellschaft ist nichts, was uns von außerirdischen aufgezwungen wurde, sie ist aus uns heraus gewachsen, und wer mit ihr nicht klarkommt kommt irgendwo mit sich selbst und mit der menschheit nicht klar. es geht ja nicht um leistungsdruck im sinne von "ich brauche ein prädikatsexamen", wir sprechen von leuten, die trotz normaler intelligenz an der schule scheitern, und das ist schon ein schwerwiegender defekt. zuletzt ist es wohl auch einfacher, die leute zu ändern, als die gesamtgesellschaft. wie willst du das machen?
Ich wehre mich nur dagegen, dass m.M.n. normale Ausprägungen des menschlichen Charakters einen Krankheitswert verpasst bekommen und therapiert werden sollen. Ich glaube nicht an einen Defekt im endokrinen System nur an eine mangelnde Anpassungsfähigkeit an die gleichmacherische Gesellschaft. Als es weder ADHS noch Ritalin gab, hat es doch meist auch funktioniert, diese Schüler zu integrieren. Oder gab es die damals nicht? Und wenn ja, warum nicht?
extreme haben nunmal krankheitswert. extremer blutdruck, extreme hyperaktivität, extrem lang anhaltende erektionen...
und was denkst du wo psychisch kranke leute früher gelandet sind? die die es geschafft haben haben sich angepasst, andere haben ne nische gefunden, wieder andere sind wohl auf der straße oder in der armee oder auf nem schiff oder sonstwo gelandet.
ich kann zebra und mikey nur zustimmen.
und hier noch ein gedanke zu björn, 16.20:
aufgaben, die wir heute zu erledigen haben, entbehren oft jeder sinnhaftigkeit oder zumindest ist der grund selten greifbar.
dein beispiel, ein formular, das ausgefüllt und abgegeben werden muss, ist ja nur eins. steuererklärungen, moantelange recherche für uni-arbeiten (je nach dem nur mit dem ergebnis "pass" oder "fail", oft ohne weitere reaktion und teils mit sehr geringem/nicht vorhandenem gewinn für das weitere leben), fließbandarbeit ohne jemals das endergebnis in den händen zu halten, ...
wie soll man sich zu solchen dingen motivieren?
vor allem bei "kopfarbeiten" oder fleißaufgaben (auswendiglernen, jedes zweite kästchen rot anmalen,..), also ich als studentin denke konkret an die uni, fällt es doch schwer, sich hinzusetzen und lebenszeit und energie für ein unklares ziel mit einem für einen persönlich unwichtigem ergebnis zu investieren. wenn es dann sogar besondere konzentration erfordert...gute nacht.
wäre ich zimmermann/frau(?), könnte ich am abend die gesägten balken bewundern und nächste woche vielleicht schon den dachstuhl und dann ziehen irgendwann leute ein, oder sogar ich selbst, und werden nicht nass wenn es regnet, weil ich gute balken gesägt hab und mein kollege die dachziegel ordentlich drauf verlegt hat und wir können sagen "high five, was wir machen braucht die menschheit, was wir tun macht einen unterschied".
da käme die motivation sicher auch ohne brutalen chef.
noch besser wäre bäuerin, da arbeite ich für das und mit dem, was ich esse. direkter und sinnvoller gehts nicht. ich denke, auch mit adhs-symptomen (ob sie wirklich anzeichen für eine krankheit sind, sei mal offen) erntet man die rüben, weil man hunger hat, es ist zu elementar als dass man sich langfristig ablenken liesse.
neben meinem studium arbeite ich und ich sehe sofort die früchte meiner, zugegeben nicht unverzichtbaren, arbeit.
da macht der kopf ganz anders mit und wenn auch noch jemand "danke" sagt, dann mach ichs morgen doppelt gern.
meine letzte hausarbeit habe ich allerdings nicht abgegeben...
nachtrag zu meinem letzten post: ehrlich gesagt denke ich dass es aufgrund der viel höheren ausdifferenziertheit der gesellschaft eher leichter geworden ist, ne nische zu finden. ein freund von mir mit adhs programmiert iphone-apps und verdient damit kohle, die möglichkeit hätte er in den 70ern oder 1770ern nicht gehabt.
es gab auf jeden fall auch früher hyperaktive kinder und erwachsene, und was meiner meinung nach aus denen geworden ist habe ich auch geschrieben.
Vor kurzem kam auch eine Doku zum Thema im ZDF 37°
Schaut euch den mal an....
http://www.zdf.de/ZDFmediathek/ #/beitrag/video/990790/Wo-die-starken-Kerle-wohnen
Das muss jetzt sein. SATIRE. Wer das nicht mag liest nicht weiter.
Reiki für Kinder mit ADS / ADHS
http://www.sheng-fui.de/allgemein/reiki-fuer-kinder-mit-ads-adhs/
"Gedeckt von Diagnosen willfähriger Ärzte, die Krankheiten wie ADS / ADSH diagnostizieren, treten die Kinder meist unverschämt auf und widersetzen sich jeglicher Autorität. Schließlich haben Sie mit ihrem “Aufmerksamkeitsdefizitssyndrom” die perfekte Ausrede für ihr zumeist flegelhaftes Verhalten.
Doch jetzt gibt es endlich ein Heilmittel für derartige Sorgenfälle: Reiki für Kinder! Bei dem mit “Hand auflegen” nur unzureichend übersetztem Reiki für Kinder, führt ein Erwachsener in einer ruckartigen Vorwärtsbewegung die Hand zur Wange des Erkrankten bis es zur Berührung kommt.
Die Übung ist sauber durchgeführt worden, wenn ein deutliches Klatschgeräusch entsteht, und es beim Patient in Folge eines Energieabflusses zu einer spontanen Absonderung von Tränenflüssigkeit kommt. Bereits wenige derartige Behandlungen reichen, um eine spürbare Verhaltensänderung zu bewirken."
Das schlimmste ist meiner Meinung nach die "Selbstdiagnose" und "Selbstmedikation" anhand von irgendwelchen Dingen, die man gelesen und gehört hat.
Zur Sendung "Wo die starken Kerle wohnen": Auch die darin vielgelobte "Almtherapie" führt ja nicht zum gewünschten Erfolg. (siehe http://muellheim.ads-stammtisch.de/2010/04/30/wo-wohnen-die-starken-kerle/ )
Finde die Doku interessant genug um hier zu posten.
Selbst wenn solche Therapieformen nicht bei allen Kindern / Erwachsenen anschlagen, sind sie dennoch eine Alternative zu den Pillen. Zumindest bevor man sich für das Zeug entscheidet. Bleibt ja jedem Erwachsenen selbst überlassen...
Wenn Kinder aber durch Nebenwirkungen zu "Zombis" gemacht werden, finde ich das schon bedenklich...
Es kann doch nicht sein, dass ein Kind unter Nebenwirkungen von Medikamenten leidet, die evtl. viel schlimmer sind als das Syndrom wegen dem es mit Tbl. therapiert wird.
Außerdem denke ich das den Kindern mittlerweile viel zu sehr suggeriert wird, dass sie "normal" sein müssen.
Ich frage mich an dieser Stelle: WAS IST SCHON NORMAL bzw. Gesellschaftstauglich?
@ads-betroffener hattest Du die Doku angeschaut?
LG
Der Autor hat im Artikel auch von seinen Größenphantasien erzählt: "Erfolgsszenarien, in denen ich doch noch reich und berühmt werde". Gibt es in der Geschichte nicht immens erfolgreiche Menschen, denen man man guten Gewissens per zeitlicher Ferndiagnose diese Störung nachweisen kann? Mir ist als erster Name Hemingway eingefallen, aber es gibt sicher bessere Beispiele. Wie haben die in Zeiten als man Ritalin noch nicht kannte ihr Arbeitspensum bewältigt? Ist es Teil des "Genies" so etwas aus sich selbst heraus zu schaffen? Hatten die einfach Glück, weil es das verfluchte Internet noch nicht gab? Oder haben sie zu Selbstmedikationen gegriffen, die in ihrem seltenen Fall funktioniert haben? Bei Hemingway wäre es dann der Alkohol gewesen. Sind noch etwas ungeordnete Gedanken (sic!), aber die Frage, ob es die Störung überhaupt gibt und ob es sie im positiven Falle früher auch schon gab, kommen darin zusammen.
@Björn kann deine Gedanken nachvollziehen. Für mittlerweile gibt es ja für alles und jeden ihrgend eine Bezeichnung. Gut oder schlecht, keine Ahnung soll jeder für sich entscheiden.
Leben mit ADHS: Letzte Hoffnung Ritalin
Also sorry wenn ich diese überschrift lese kommt mir die Galle hoch mein Stiefsohn hatt ahuch dieses Adhs und dies nicht in schwacher form er ist nu 14 jahre und musst 4 jahre dieses scheiss Ritalien nehmen und was brachte es nix !! er bekomm ein anderes zeugs weis leider den namen nicht mehr brachte auch nix und nu seit 3 jahre fei von Pillen und es geht im besser wie mit !! ja er war sogar zur mehr als 2 jahre un betreuung mit der hauptstr
was man mit sollchen menschen braucht ist gedult gedult gedult gerade bei kinder
@honey: Ja, ich habe die Doku angesehen. Mehrmals.
Aber wie gesagt: In der Doku wird die medikamentöse Behandlung schlecht gemacht, OHNE eine Alternative zu bieten.
Denn wenn man aufmerksam zuschaut, sieht man, das das "Almcamp" eben nicht die gewünschten Erfolge gebracht hat. Zumindest nicht bei den im Film begleiteten starken Jungs.
Ich behaupte ja auch nicht, dass die Pillen das alleinige Wundermittel sind.
Was mich aber enorm stört, ist dass in der öffentlichen Diskussion über Ritalin & Co. sehr schnell und undifferenziert die Stichworte "Doping", "Zombie", "ruhigstellen" etc. in die Runde geworfen werden.
In meinem Bekanntenkreis gibt es mehrere Jungs, die ihre Tabletten (hier Medikinet, nicht Ritalin) sehr gut vertragen - keine Zombies sind, und mit Tabletten zwar nicht "schlauer" sind als ohne, aber dafür Ihre Gedanken zusammenhalten können.
Der Stern hat die Almkinder begleitet. Nach einem gewissem Abstand wurden die Familien oder was davon übrig war zu Hause besucht... Da kam auch durch, daß die Alm allein nicht der Bringer war. Einige wechselten die Schule, andere die Betreuung der Familienbegleiter und 2(?) gingen wieder auf Ritalin...
Ja ich habe die Doku auch mehrmals angeschaut und ja ich habe auch verstanden, dass die Alm nicht die optimale Lösung zu sein scheint, aber dennoch denke ich, ebenso wie
freiburgerle das Gedult die einzige Lösung ist.
Leider ist es nur so, dass viele Menschen heute mittlerweile das Geduldigsein verlernt haben. Wobei ich mir auch denken kann, dass es nicht einfach ist auf "solche" Kinder einzugehen.
Dennoch befürworte ich alternative Therapieformen eher als Medikamente. Aber wie gesagt soll jeder selber entscheiden.
Und mit Zombis meinte ich lediglich jene Kinder / Erwachsene die unter den Nebenwirkungen leiden welche sie depressiv, lustlos und freudlos machen usw.... Für mich hört sich das halt wie Zombis an...
Ursachenforschung warum ein Kind so reagiert wäre, so finde ich, ersteinmal anzustreben.
Jedes Kind kommt nicht cool drauf o. ä. auf die Welt. Äußere Einflüsse prägen den Menschen und machen ihn zu dem was er ist.
Ich für mein Teil bin nur froh, dass es zu meiner Zeit solche Medikation noch nicht gab, denn wenn ich meine alten Grundschulzeugnisse anschaue, kann ich nur sagen, dass ich auch nicht einfach war. Dennoch habe ich es geschafft, nicht unter zu gehen. Die Ursache für mein Verhalten kannte damals niemand und hat auch niemand interessiert, nicht die Lehrer und auch nicht meine Familie sonst wäre mein Leben sicherlich anders verlaufen. Aber ich will nicht auf dem Hätte, Wäre, Wenn herumreiten.
Schade - Ich habe mich so sehr darüber gefreut, es endlich einem Menschen gelungen ist, einen richtig guten, informativen Bericht über ADS zu schreiben.
Kaum ist der Bericht draußen, dient er wieder nur als Plattform für uralte Vorurteile, und kluge Debatten darüber was man tun könnte.
Ich bin so müde, andere Menschen zu rehabilitieren, und ich glaube, dass sich hier so wenige Betroffene zu Wort gemeldet haben, weil es ihnen genauso geht.
Kein Diabetiker muß sich rechtfertigen wenn er Insulin spritzt, keinem Menschen der eine Brille braucht würde man eine Brille verwehren.
Wir Betroffenen haben genug damit zutun, unseren Alltag zu gestalten und bei den ganzen Hürden unser Leben auf die Reihe zu bringen und werden immer wieder mit unüberlegten Kommentaren und Disskussionen darüber konfrontiert, was an unserem Leben falsch läuft und was wir machen müssen, damit es besser läuft.
Jeder der sich wirklich interessiert mit dem Thema auseinander gesetzt hat weiß doch heute in unserer so sozialen und fortschrittlichen Gesellschaft, dass ADS eine neurobiologische Störung im Gehirn ist.
Bisher habe ich nicht gehört, dass Jemand nachfragt, wie es den Betroffenen geht, wie wir uns fühlen und ob wir, die wir uns selbst doch sehr gut kennen und über unsere Andersartigkeit informiert sind, viel Wissen haben, nicht einmal erzählen können, was bei ADS-betroffenen im Körper passiert und anders läuft.
Lieber werden aus Distanz Disskussionen vom Zaun gebrochen, die uns Betroffenen weder helfen noch etwas an den längst ausgelutschten und widerlegten Vorurteilen ändern denen wir täglich ausgesetzt sind.
Lieber anonymer Fudder-Mitarbeiter,
Herzlichen Dank für Deinen wundervollen Bericht. RESPEKT !!!
Am Besten kommen wir Betroffenen weg, wenn wir uns untereinander unterstützen und coachen. Such Dir Gleichgesinnte und Du wirst Dich verstanden fühlen.
Bleib dran - Es lohnt sich !!!
Ich gebe Schnegge76 recht. Ich habe selbst zwei heute erwachsene Kinder bei denen vor 6 Jahren ADS diagnostziert wurde. Beide haben bis zu dieser Diagnose einen harten Weg gehen müssen, in der Schule und mit Freunden. Durch einen sehr kompetenten Arzt wurden und werden sie seit Jahren begleitet. Beide haben ihr Leben nun weitgehend im Griff. Allerdings wurde die Medikamentengabe genau beobachtet . Die erste Tablette wurde zu einer bestimmten Zeit eingenommen und nach einer bestimmten Zeit mußte der Arzt per Handy angerufen werden, und dies an einem Samstag. Von einem Kind wurde das Medikament nicht vertragen und auf ärztlichen "Befehl " sogleich wieder abgesetzt und durch ein anderes ersetzt, das dann vertragen wurde. Beide Kinder stehen unter ständiger Kontrolle. Beide Kinder brauchten ca. 3 Jahre bis sie die Diagnose annehmen und die Einnahme der Medikamente selbstverantwortlich durchführen konnten.
ADS- Menschen nehmen zuviel Infos auf einmal wahr, dadurch können sie sich nicht richtig konzentrieren. Sie hanben keinen Filter, der Infos ausblendet. Auch haben sie ihre Emotionen nicht im Griff. Entweder ist alles ganz ganz toll, oder ganz ganz übel. Mit Hilfe der Medikamente können sie beides besser bewerkstelligen. Dennoch brauchen beide einen Coach, der ihnen in schwierigen Situationen hilft. Mit Medikamenten wird vieles besser, aber dennoch läßt sich nicht alles " in normale Gleise " bringen.
Ich versuche diese Situationen mit Humor zu nehmen. Beide sind sehr kreativ, humorvoll, haben einen hohen IQ- der sich aber in der Schule nicht bemerkbar machte-. Tausende schöner Geschichten könnte ich erzählen. Ihr anderes Lebensbild führt immer wieder zu skurillen Vorkommnissen.
Aber ohne Medikamente war ihr Leben von Frust und Versagen geprägt.
Ich bin ihrem Arzt sehr dankbar, da er unser Familienleben gerettet hat.
Es gibt sehr viel Literatur zu diesem Thema. In Deutschland hat sich v. a. Cordula Neuhaus einen Namen gemacht. In ihren Bücher kann man viel über ADS erfahren.
Ich wünsche dem Fudder-Mitarbeiter, dass er einen solchen Arzt findet wie wi. Das Leben mit Medikamenten ist für ADS-ler viel einfacher. Meine Zwei würden nicht mehr darauf verzichten.
Erst einmal Danke an den Autor für diesen ehrlichen Artikel.
Auch ich habe einen Sohn (8J), der in der Schule die Lehrer sehr beschäftigt hält, ständig etwas vergisst und mit seinen Gedanken viel wandert.
Aber mal ehrlich, waren wir nicht ganz ähnlich? Bei uns wurde das alles nicht so eng gesehen. Der Leistungsdruck war nicht so hoch und wir mussten nicht alle in das selbe Förmchen passen.
Am Nachmittag saßen wir nicht stundenlang an Hausaufgaben, hatten keine extra Nachhilfe, mussten nicht in Einrichtungen wie Ergotherapie oder andere zusätzlichen Förderprogramme. Wir hatten auch keinen PC, keine Playstation, Nintendo und keine "33" Fernsehprogramme.
Wir haben uns bewegt, waren frei und durften uns frei entwickeln.
Wir waren im Wald, sind auf Bäume geklettert, haben im Bach gespielt, kamen Abends völlig verdreckt, müde und glücklich nach Hause, dann hatten wir Hunger auf ein gutes Essen, meist mit gesunden Zutaten. Zumindest ohne Süßstoffe, Glutamate, Aromastoffe usw.
Ich bin der Meinung, dass unser System einfach nicht kindgerecht ist und das was in unseren Körper rein kommt oft nur noch als Nahrungsmittel aber nicht als Lebensmittel dient.
Deshalb gebe ich meinen Kindern so viel Kindheit, wie möglich zurück.
Die fehlenden Vitalstoffe in unserer Ernährung ergänze ich. Zu diesem Thema gibt es ein sehr gutes Buch von Frau Dr. med. Petra Wenzel, "schlau gelaunt" erschienen bei biobliothek.
Ich habe auch wieder einen eigenen Gemüsegarten (wenn auch klein)
Euch allen wünsche ich einen "Wunder-vollen" Tag!
Siehst Du, und genau das macht den Unterschied. Du berichtest von deinem Achtjährigen als einen Jungen der immer wieder Etwas vergißt und in den Gedanken wo anders ist. Kurz, Du berichtest von einem achtjährigen Kind.
Und Du erzählst wunderschön, was Du tust um Deinem Kind eine lebendige naturverbundene und gesunde Kindheit zu ermöglichen.
Wir tauschen uns hier aber über von ADS-betroffene aus.
Über ADS-betroffene ERWACHSENE. Ich selbst habe die
30 Jahre überschritten und habe auch gelesen, dass hier Erwachsene berichten die über 50 Jahre alt sind.
Wir Betroffene haben mit ziemlich großer Sicherheit eine solche Kindheit gehabt. Ich bin mehr oder weniger auf dem Bäumen groß geworden, war immer mit Kindern unterwegs, habe viel gemalt und gebastelt und habe kaum Fern gesehen.
Ich war bei Wind und Wetter draußen und habe meine Ferien auf dem Bauernhof verbracht.
Wir hatten einen großen Garten mit Gemüse ohne Ende, ich konnte die Beeren und Tomaten vom Strauch essen.
Und ???
Es ist einfach so.
Und ich kann nicht verstehen, warum man versucht, eine nachgewiesene Erkrankung wegzureden, aber darüber ärgere ich mich nicht mehr. Das bringt mich nicht weiter.
Ich kenne sehr viele Mütter und Väter von ADS-betroffenen Kindern, und KEINE hat es sich leicht gemacht, die Entscheidung zu treffen, ihr Kind medikamentös behandeln zu lassen. Es ist Schwachsinn. Eltern, die sowieso von Sorgen um ihre Kinder geplagt sind, auch noch zu unterstellen, dass sie ihre Kinder nur ruhig stellen wollen weil sie ihnen zu anstrengend sind.
Schon die Idee, man könnte Menschen mit Stimulanzien ruhig stellen ist völlig unrealistisch und bei Ritalin handelt es sich schlichtweg um eine Stimulanz.
Um nicht den Faden zu verlieren.
Alle Mütter und Väter von Betroffenen die ich kenne, sind sehr fürsorglich, sie achten darauf, dass ihre Kinder sich viel bewegen, gehen mit ihnen nach draußen, achten darauf, dass die Kinder Sport mache, sorgen für gesunde Ernährung, Strukturen im Alltag, haben permanenten Kontakt mit Ärzten, Therapeuten und Lehrern.
Sie begleiten ihre Kinder darin, sozialen Umgang zu lernen, üben mit ihnen für die Schule und suchen nach Strategien, Konzentration zu üben und impulsiv auftretende Gefühle auf einem guten Weg abzubauen.
Sie versuche jede erdenkliche Möglichkeit, ihr Kind ohne Medikamente weiterzubringen, auch indem sie an sich selbst arbeiten und Wege suchen, sich fortzubilden und mit der Andersartigkeit ihrer Schätze umzugehen.
Und sie tun das, obwohl sie permanent mit Vorwürfen und Vorurteilen, sogar von ihren nächsten Verwandten, konfrontiert werden.
Diese Kinder sitzen nicht ständig vor dem Fernseher oder dem PC. Sie lesen vielleicht nicht so viel, weil sie sich nicht konzentrieren können, aber wenn Sie sich konzentrieren können, dann basteln und bauen sie vertieft und wunderschön und haben gigantische Ideen.
Dennoch kommen die Eltern irgendwann an den Punkt wo sie merken, dass ihre Kinder keine Kraft mehr haben. Sie sind clever, haben aber in der Schule keinen Erfolg. Sie sind sehr offen für andere Kinder, suchen Freunde, sind aber oft zu impulsiv und werden abgelehnt. Sie werden in der Schule zu Außenseitern und auf dem Spielplatz. Sie werden nicht zu anderen Kindern eingeladen oder zu Kindergeburtstagen.
Die Lehrer müssen Sie ständig reglementieren, obwohl sie doch einfach nicht still sitzen bleiben können.
Die Großeltern lehnen ihre Enkel ab. In der Familie lösen sie Tumult aus. Sie sind mit Vielem einfach überfordert und können das nicht steuern.
Und was ist die Folge.
Grundschulkinder kommen trotz wunderbarer familiärer Situation und bester Begleitung an ihre emotionale Grenze und sind bereit sich das Leben zu nehmen, weil sie nicht mehr können, weil die kleinen Mäuse an Depression leiden?
Weil sie mit ihrer Andersartigkeit keine Platz in dieser Gesellschaft und auch in der Gesellschaft von vor 30 Jahren haben.
Und dann bekommt dieses Kind ein Medikament und kann plötzlich wieder lachen. Jede Mutter, jeder Vater, der trotz dem vollen Einsatz, ein Kind von so abgrundtiefer Traurigkeit und Verzweiflung, dünn und erschöpft vor sich stehen hatte, wird sich überlegen, ob er ihm eine Tablette gibt.
Denn mit Gemüse hat noch kein Kind in diesem Zustand an Lebensqualität und Lebenswillen zurückgewonnen.
Mit der Unterstützung dieser Tablette hat aber so manches Kind gelernt sein Leben zu meistern und kommt jetzt sogar ohne Medikamente zurecht. Und das verdient:
RESPEKT, RESPEKT, RESPEKT, vor Eltern und Kinder und den betroffenen Erwachsenen die ihren Lebensweg gefunden haben. MEHR NICHT !!!
Liebe/r "Selbstbeherrschung",
bitte sehe doch davon ab, ADHS als "Charakter-/ Erziehungsfehler" zu bezeichnen.
Mit diesem Stigma schlagen sich ADHS Betroffene eh ihr ganzes Leben rum. Ich habe deshalb zum Beispiel das niedrigste Selbstwertgefühl, das meine Therapeutin seit Anbeginn ihrer Tätigkeit als Psychologin je gesehen hat.
ADHS hat nichts mit irgendwelchen psychologischen Defiziten zu tun, sondern ist eine unheilbare, weil angeborene STOFFWECHSELSTÖRUNG im Hirn, vergleichbar mit Diabetes o.Ä., wofür man zeitlebens Medikamente nehmen muss, wenn das Störungsbild entsprechend schwer ist (wie z.B bei mir).
ADHS hin oder her: Einige Symptome treffen auch auf mich zu, ohne dass ich mich als krank sehe oder fühle. Viele Symptome sind einfach sehr allgemein und treten immer häufiger auf, weil wir in einer rasanten Zeit leben. Nicht jeder kommt zu 100% mit. Viele von uns sind überfordert, der eine mehr und der andere weniger. Meiner Ansicht nach ähneln die Symptome denen von Burn-Out ( ebenfalls sehr "modern" ) betroffenen Personen. Mich persönlich kann ich eher in diese Ecke schieben als zu ADHS.
Allgemein finde ich, dass ADHS noch einige Jahre Forschung bedarf um exakte Diagnosen zu stellen, ansonsten läuft man die Gefahr, zu viele unter einen Hut zu bringen.
Ein sehr guter, mutiger und auch durchaus aufklärender Bericht.
Er hat mich nur leider in der Einschätzung einer bestimmten Person bei der Ausübung eines spezielleren Hobbies bestätigt.
Danke für diesen interessanten Artikel.
Wer hat hier diagnostiziert, der Schreiber sich selbst? Der Eindruck stellt sich unmittelbar ein und auch Vorurteile und massive Unwissenheit zu AD(H)S im Artikel und auch in vielen Kommentaren hier.
Schade, aber so menschlich, wenn undifferenziert kommentiert und Artikel dieser Art veröffentlicht werden, die vor Unkenntnis um AD(H)S nur so strotzen.
Wer ernsthaft an Informationen interessiert ist, lese Bücher z.B. von Hallowell oder mache sich auf Fachseiten schlau, wie http://www.adhs.ch
Susann
Hallo zusammen,
also ich kann nicht verstehen, warum Leute, die große Schwierigkeiten mit der Konzentration haben, Ritalin ablehnen. Das Medikament kann sehr wohl sehr gut helfen. Viele Menschen haben gute Anlagen, die sie einfach nicht auslegen können, weil bei Ihnen einfach immer wieder der Faden reisst. Diesen Menschen kann geholfen werden! Ich bin so unglaublich dankbar einen guten Arzt zu haben, der mir dieses Medikament verschreibt. Meiner Meinung hat jeder Mensch , egal woher er kommt und was er arbeitet einen Anspruch darauf denken zu dürfen!