
In jeder Hinsicht ist Santiago
Mittelpunkt der chilenischen Landschaft. Kunst, Kultur, Wirtschaft, Mode, Sport - alles zentriert sich hier. Und obwohl der Kongress an der Küste in Valparaíso tagt, ist Santiago natürlich auch das unbestrittene politische Zentrum.
Das benachbarte Valparaíso hat mit Sicherheit mehr Charme als Santiago. Trotzdem kommt in Chile niemand umhin, die Vormachtstellung der Hauptstadt anzuerkennen. Und diese Hauptstadt hat auch wirklich viel zu bieten.
Übersehene Sehenswürdigkeit
Einer der schönsten Orte Santiagos ist der Friedhof oder
Cementerio General. Hinter dem beeindruckenden Portal reiht sich ein Mausoleum an das nächste. Mal in der Form eines griechischen Tempels, mal in der einer Pyramide, sind sie alle verziert mit Statuen und gesäumt von uralten Bäumen. Die breiten Wege zwischen ihnen laden dazu ein, sich auf die Suche nach Persönlichkeiten der chilenischen Geschichte zu machen oder europäische Ahnenforschung zu betreiben.

Der Friedhof ist so groß, dass auch Autos darin fahren, besonders im neueren Teil. Dem sieht man sich auch zuerst konfrontiert, wenn man die Metro bis "Cemeterios" nimmt. Besser außen herumzum Hauptportal laufen. Im alten Teil scheint die Zeit stehen geblieben zu sein. Hier bietet sich die Gelegenheit, eine Auszeit von der Hektik der Großstadt zu nehmen.
Kaffeepause
Cafés gibt es in Santiago viele, und auch viele schöne sind dabei. Mein Favorit ist
"Café ONA Almacén". Hier bekommt man einen Kaffee Inka, Kaffee mit Schokolade, in anständiger Größe für unter drei Euro.

Gelegen auf der Rückseite des Cerro Santa Lucia befindet es sich in einer ruhigen Seitenstraße (Calle Rosal 386) im Viertel Lastarrias. Neben Kaffee und gesunden Leckereien verkauft ONA auch Marmeladen, Olivenöl, Tee und Pasteten.
Magengrummeln
Als Vegetarier in Südamerika wird man des öfteren mit der Frage nach der Überlebensfähigkeit konfrontiert, nicht zu erwähnen die Frage nach der geistigen Gesundheit. Trotzdem gibt es ein paar wenige vegetarische Restaurants, die ihrer Zunft alle Ehre machen. Mein Liebling in Santiago ist
El Huerto in Providencia, wo liebevoll und hochwertig vegetarisch gekocht wird.

Richtig gute Pizza gibt es bei
Amadeus in der Avenida Bustamante. Direkt am Parque Bustamante und ruhig gelegen, wird hier auch Bier aus verschiedenen Kleinstbrauereien serviert. Die Preise in El Huerto und Amadeus bewegen sich nicht am untersten Ende der Preisspanne, aber für zehn Euro kann man es sich gut gehen lassen.
Kunst und Kultur
Die
Museen Museo de Arte Contemporaneo MAC,
Museo de Bellas Artes und
Museo Interactivo Mirador MIM haben wechselnde Ausstellungen für gehobene Ansprüche.

Mein liebster Ort für Kunst und Kultur ist allerdings die
Nationalbibliothek an der Alameda (direkt bei der Metrostation Santa Lucia). Der Bau ist fast als majestätisch zu bezeichnen. Eine breite Treppe führt hinauf zum mächtigen Portal. Innen scheint in einigen Lesesälen die Zeit stehen geblieben zu sein. Bei den Mikrofilmen im Keller ließe sich ein Agententhriller drehen, im Obergeschoss eine Folge von "Harry Potter". Dazwischen informiert eine Ausstellung über die Geschichte der Zeitung in Chile.
Die beste Bar
Ein Muss für Santiago-Besucher ist
"La Piojera" beim Mercado Central. Der urigen Kneipe mit Innenhof wird die Erfindung des "Terremoto" (dt.: Erdbeben) zugesprochen, einer Mischung aus Fernet, Vino pipeño und Ananaseis. Das Original wird im 400 ml-Glas serviert. Kleinere Portionen sind als "replicas" (dt.: Nachbeben) bekannt und gefürchtet, denn so harmlos sich die Mischung anhört, es macht unglaublich schnell unglaublich betrunken.

Wer eher etwas sucht, um eine schwungvolle Nacht einzuläuten, wird sich bei
"La Nona" im Party-Viertel Bellavista wohl fühlen. Günstige Drinks und die Nähe zu vielen anderen Lokalitäten, lässt hier auch viele Chilenen den Abend beginnen.
Rockin' from dusk 'till dawn
Der beste Ort zum ausgehen ist das
Viertel Bellavista. Hier findet jeder etwas. Billige Bars, teure Jazzlokale, Clubs verschiedener Stilrichtungen und chilenische Folklore.

Der Patio Bellavista ist randvoll mit Restaurants und Bars verschiedener Güte- (und Preis-) Klasse. Am besten lässt man sich besonders am Wochenende durch die Calle Pio Nono treiben und schaut, wo es einen hin verschlägt.
Nachtlager
Mein Lieblingshostel heißt
"Ají" und befindet sich im Stadtteil Providencia. Einen Steinwurf von der Metrostation "Salvador" entfernt, findet man es in einer Seitenstraße der Avenida Eliodoro Yañez.

Das rote Haus bietet gute Betten, ein anständiges Frühstück und freien Internetzugang. Seine Lage nahe dem Partyviertel Bellavista und trotzdem im sicheren Viertel Providencia ist nahezu perfekt. Auch das Stadtzentrum, das Busterminal und der Cerro San Cristobal sind ohne Probleme zu erreichen. Da es nicht nur mein Lieblingshostel ist, empfiehlt es sich zu reservieren.
Kitschalarm – romatischer Ort
Mitten in der Stadt befindet sich der
Cerro Santa Lucia. Mit seinem majestätischen Portal lädt er zu einem Spaziergang im Grünen mitten in der Stadt ein. Allerdings gilt er nicht als vollkommen sicher. Außerdem muss man geradezu über knutschende Pärchen klettern.

Der weitaus höhere
Cerro San Cristobal lädt zu einer Seilbahnfahrt ein. Allerdings kann man ihn auch zu Fuß erklimmen. Viele Pfade führen nach oben. An einem klaren Tag bietet er einen wunderbaren Blick übder Santiago, denn die Stadt hat sich quasi um ihn herum ausgebreitet.
Shop 'till you drop
Patronato ist der Ort, wo man Klamotten aller Art findet. Hier geht ganz Santiago einkaufen. Gute Qualität, schlechte Qualität, von schick bis schäbig – hier gibt es alles, und zwar zum kleinen Preis. Nördlich von Lastarrias und westlich von Bellavista gelegen, ist das Viertel auch gut aus allen Richtungen zu erreichen.

Wen es eher nach Designerware gelüstet, der wird im Stadtteil Providencia fündig. Und wer definitiv zu viel Geld hat, der kann es noch näher an den Anden im Stadtteil Las Condes loswerden.
Meet the locals
Wer ein authentisches Chile-Erlebnis sucht, sollte unbedingt den
Mercado Central aufsuchen, einen gigantischen Markt, wo die besten landwirtschaftlichen Produkte aus dem ganzen Land in der Hauptstadt feil geboten werden. Es gibt auch einige Restaurants mit typischen chilenischen Spezialitäten zu kleinen Preisen. Der Mercado befindet sich nördlich der Plaza de Armas.
Der Tippgeber
Christoph Müller-Stoffels (29) lebt seit drei Monaten in Santiago und Valparaíso, Chile, wo er, wie er sagt, "das eine oder andere ausprobieren" möchte. Eines seiner Projekte heißt
InValpo.com und soll eine Page mit Empfehlungen für Valparaíso, in einem zweiten Schritt eventuell eine Lokalnews-Site werden.
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