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Mañana aus Basel: "Einfach mal machen" als Band-Prinzip

Bands aus der ganzen Welt warten sehnsüchtig darauf: ein englischer Superproduzent entdeckt ihr MySpace-Profil, nimmt mit ihnen Kontakt und dann eine Platte auf. Nicht so die Mitglieder der Basler Band Mañana: Sie schrieben ihrem englischen Wunsch-Superproduzenten eine Email. Sie hatten – typisch Schweizer Gründlichkeit – vorher eine Liste mit ihren Lieblingskandidaten erstellt. Ein Porträt einer aufstrebenden, ansonsten aber vollkommen klischeefreien Band.



Am Anfang steht eine Email. Von: Mañana, Band aus Basel. An: Ken Thomas, Musikproduzent aus England, der schon mit Künstlern wie Sigur Rós, Björk und Dave Gahan zusammen gearbeitet hat. „Man muss sich einfach nur trauen. Meistens ist es gar nicht so schwierig, an die großen Leute heranzukommen,“ sagt Manuel Bürkli, Sänger und Gitarrist von Mañana. Glück? Zufall? Nicht notwendig. Das Band-Prinzip: „Einfach mal machen.“

Ken Thomas war Platz eins auf der Wunsch-Produzentenliste von Mañana. Und dass er schließlich einwilligt, das erste Album einer relativ unbekannte Schweizer Band zu produzieren, hat die Band seiner Frau zu verdanken. „Ihr gefiel unsere Musik – und das war für Ken Thomas ein gutes Zeichen,“ sagt Bürkli.

Die Musik von Mañana hat epische Ausmaße, das Trio ein Talent für raumgreifende, cineastische Melodien. Es ist Pop, Indie-Pop, Shoegaze, Mañana-Musik. Manuel Bürklis helle Stimme prägt die Songs; Dazu kommen üppige Gitarren, Keyboard-Melodien und ein druckvolles Schlagzeug. Im Song „Roadside Museum“ ist eine Kirchenorgel zu hören. Doch trotz der Fülle an Instrumenten und Effekten bleibt der Fokus auf der Melodie. Interpol, Sigur Rós und Elbow sind die musikalischen Orientierungspunkte, aber nie Kopiervorlage.

Es sind Lieder für den Nachhauseweg nach einer langen Clubnacht. Ein Sound für einen klaren, kalten Sternenhimmel über rauen Landschaften. Eine Band für Open-Air-Konzerte in lauen Sommernächten.



Mañana, das sind Manuel Bürkli, Jan Krattiger und Jennifer Jans. Manuel und Jan lernen sich auf dem Gymnasium kennen, entdecken ihre gemeinsame Liebe zur Musik. Sie bringen sich gegenseitig das Gitarrespielen bei und gründen – quasi nebenbei – Mañana. Wann genau, das können Manuel und Jan heute nicht mehr so genau sagen. Mit Samuel Burri (Bass), Lorenz Hunziker (Schlagzeug) und Jennifer Jans wird die Band 2002 zum Quintett. Gemeinsam erspielt man sich in der aktiven Basler Musikszene schnell einen Namen.  Veranstalter werden auf die jungen Musiker aufmerksam, buchen Mañana als Vorband für Konzerte von I Am Kloot, Mew, Keane und A-Ha.

2003 veröffentlichen sie  ihre erste EP  "Fast Days", die Single "Miss Evening" wird ein kleiner Erfolg. Der Song erklingt im Videospiel „FiFa 2005“ und ergattert sogar eine Nominierung für den amerikanischen  "Independent Music Award 2007". Es folgen eine Europatour und ein Auftritt beim Montreux Jazz Festival.

Als das Debütalbum ansteht, schickt die Band die eingangs erwähnte Email an Ken Thomas. Nach einem ersten Beschnuppern in London kommt der Produzent nach Basel, um die Platte dort aufzunehmen. "Es war eine tolle Zeit. Ken weiß einfach, wie man mit Menschen umgeht. Bei ihm haben wir uns Sachen gewagt, die wir uns bei jemand anderem niemals getraut hätten" sagt Keyboarderin Jennifer Jans. "Und wenn wir uns einer Sache mal nicht sicher waren, hat er uns mit einem 'Bei Sigur Rós haben wir das aber so gemacht!' überzeugt."

Wenn die Bandmitglieder von Ken Thomas erzählen, klingt große Sympathie durch. Sie beschreiben ihn als Menschen, den nichts aus der Ruhe bringt. Einmal sei er sogar in ihrem Bandraum eingeschlafen. "Das war ein gutes Zeichen," sagt Manuel. "Er hat uns vertraut."



Im August 2008 erscheint schließlich das Debüt "Interruptions", ein geradliniges, raffiniertes Album. Die zehn Songs sind unter der Anleitung von Ken Thomas zu prachtvollen, erhabenen – und beizeiten auch dunklen –  Pophymnen geworden. So geht "Unbalance" mit den verzweifelten Zeilen "Calling out your name" sofort ins Ohr und von dort nicht mehr fort. "Broken Solid Side" wird von den Musikern ganz langsam zu einem wunderbar zerbrechlichen Song entwickelt. Eine Platte voller perfekter Songs.

Mit dieser perfekten Platte ausgerüstet, verfolgt die Band das Prinzip "Einfach mal machen" weiter. Als die Plattentaufe ansteht, laden Mañana ein weiteres musikalisches Vorbild ein: Andy Yorke. Der Bruder von Radiohead-Sänger Tom Yorke nimmt die Einladung an und spielt als Ehrengast bei Mañanas Release-Abend in Basel. Überraschend? Nein: logisch. Denn Abwarten und Schümli trinken? Das passt nicht ins Mañana-Prinzip.

"Please play Glastonbury. You belong there!" fordert ein Fan auf ihrer MySpace-Seite, und damit hat er recht: Die Schweizer gehören auf die weltweiten Bühnen. Im berühmten Bowery Ballroom in New York standen sie bereits auf der Bühne, als Vorband von Cursive. Wie sie dorthin gelangt sind sollte klar sein: "Wir haben einfach nachgefragt", sagt Manuel Bürkli.

Zurzeit arbeiten die Schweizer an neuen Songs. Einen neuen Super-Produzenten haben sich sich noch nicht ausgesucht, aber Sorgen machen muss man sich nicht. Denn die Mitglieder von Mañana wissen ja wie es geht: eine Liste machen und eine Email schreiben. Einfach mal machen, halt.



 



 
Mañana - Make A Tiger


Quelle: Youtube






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Kommentare
Anzahl der Kommentare: 1
Mittwoch, 07.04.10 23:56
 

oh hey noch mehr indiepop

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