zur Startseite
Passwort vergessen?
 

Wie es ist, mit 20 Mutter zu werden

Mit 20 stehen einem alle Möglichkeiten offen. Was will ich machen, in meinem Leben, wer will ich sein? Was aber, wenn man als junge Frau genau zu diesem Zeitpunkt schwanger wird? Eine ungeplante Schwangerschaft stellt junge Erwachsene vor eine große Herausforderung: Will ich das? Kann ich das? Wir haben mit zwei jungen Frauen gesprochen, die mit 20 Mutter geworden sind.



„Vorsicht, Noah!“ Franziska, 23 (Bild oben), steht in der Küche ihrer kleinen Wohnung in Grunern, einem Dorf in der Nähe von Staufen, und versucht den Elan ihres zweijährigen Sohnes beim Abwasch zu bremsen. Noah steht auf einem Stuhl an der Spüle und möchte am liebsten Teller, Tassen und Gläser gleichzeitig mit dem Schwamm bearbeiten. Franziska stellt sich hinter ihn, nimmt seine Hände und spült mit ihm gemeinsam einen Teller nach dem anderen. Kein Zweifel: die beiden sind ein eingespieltes Team.

Franziska ist alleinerziehend, aber von Unsicherheit oder Unzufriedenheit über ihre Situation ist nichts zu spüren, wenn man sie zusammen mit ihrem Sohn sieht. „Als ich schwanger geworden bin, fühlte mich selbst noch als Kind und eigentlich noch nicht reif genug, um Mutter zu werden.“ Zur heutigen Gelassenheit war es ein langer Weg.

Als Franziska bemerkt, dass sie schwanger ist, ist sie zwanzig. Sie hat gerade eine Ausbildung an einer hauswirtschaftlichen Schule in Hessen begonnen, ist noch keine drei Monate mit ihrem damaligen Partner zusammen, die Beziehung ist nicht gefestigt. Und jetzt ein Baby?

"Für mich ist eine Welt zusammengebrochen“, sagt Franziska. Sie fühlt sich zu jung und denkt darüber nach, die Schwangerschaft abzubrechen. Als sie bei einer Ultraschalluntersuchung den Herzschlag des zu dem Zeitpunkt gerade einmal 1,5 cm großen Fötus sieht, stellen sich bei Franziska nicht sofort Muttergefühle ein. Im Gegenteil: sie fühlt sich hilflos und hat Angst.

Ein Kind verändert doch alles. Was wird aus ihrem Leben? Banale Dinge erscheinen plötzlich besonders wichtig. Erst vor wenigen Wochen ist Franziska last-minute mit einer Freundin in Urlaub gefahren. Wird so etwas noch einmal möglich sein? Kurz vor der zwölften Schwangerschaftswoche, dem Ende der Frist, während der ein Schwangerschaftsabbruch in Deutschland straffrei möglich ist, nimmt sie eine Schwangerenkonfliktberatung bei Pro Familia in Anspruch.

Aber Franziska entschließt sich, das Kind zu bekommen: „Warum Leben zerstören, wo Leben wachsen will?“ Heute sagt sie über ihre damaligen Sorgen: „Die waren völliger Quatsch!“, trotzdem ist sie überzeugt, dass es damals richtig war, sich diese Gedanken zu machen. Trotz der Entscheidung für das Kind, empfindet Franziska in den ersten Monaten der Schwangerschaft Abneigung ihm gegenüber. Erst als sie die ersten Bewegungen des Kindes spürt, nimmt dieses Gefühl ab. Zusammen mit dem Vater trifft sie Vorbereitungen, sie zieht mit ihm in eine gemeinsame Wohnung in ihrer alten Heimat. Kurz vor der Geburt, im achten Monat, gelingt es ihr, eine Bindung zum Baby aufzubauen. Franziska ist bereit, Mutter zu werden.



In einer Dezembernacht bringt sie Noah zur Welt. Und Noah verändert alles. Wenn auch nicht so, wie befürchtet. „Meine Ängste vor Noahs Geburt waren unberechtigt“, sagt Franziska heute. Ihr Leben ist durchgeplanter als das einer durchschnittlichen 23-Jährigen, aber immer noch das Leben einer 23-Jährigen. „Man verpasst nichts“, sagt sie „ich kann mich trotzdem noch mit Freunden treffen.“ Von Noahs Vater hat sie sich kurz nach der Geburt getrennt, mittlerweile hat Franziska eine Ausbildung als Raumausstatterin begonnen. Zwar wünscht sie sich manchmal ihre alte Flexibilität zurück, die ihr vor allem als Alleinerziehende verloren gegangen ist, aber mit der Hilfe von Freunden und Familien meistert sie ihren Alltag und sie hat gelernt, diese Hilfe auch annehmen zu können.

Heute, beim Spülen mit dem übereifrigen Noah kann Franziska optimistisch in ihre Zukunft blicken. „Das Kind wächst, da wächst man mit“, sagt sie gelassen, während sie Noah die Hände abtrocknet.



Bis Sandra (Bild oben) und ihre Tochter Paula gemeinsam an der Spüle stehen, dauert es noch eine Weile. Vor einem halben Jahr ist Sandra Mutter geworden. Wie bei Franziska war auch ihre Schwangerschaft ungeplant und auch Sandra wurde durch die Aussicht, mit zwanzig Mutter zu werden aus der Bahn geworfen. Auch ihr merkt man heute nicht an, wie unruhig ihr Weg zum Muttersein war, wenn sie Paula in der neu eingerichteten Küche in Haslach routiniert das Fläschchen gibt. „Ich wusste zuerst überhaupt nicht, was ich machen sollte, als ich zu Beginn meiner Ausbildung zur Medienassistentin schwanger wurde", sagt sie. Heute ist sie überzeugt davon, dass sie damals die richtige Entscheidung getroffen hat, als sie sich für das Baby und gegen einen Schwangerschaftsabbruch entschieden hat.

„Es war nicht einfach für mich, eine Entscheidung zu treffen, denn ich bin gerne viel und lange ausgegangen“, sagt Sandra. Auch Alex, Paulas Vater und mittlerweile Sandras Ehemann, mit dem sie vor der Schwangerschaft mehr als zwei Jahre zusammen war, sieht die damalige Situation kritisch. „Ich war nicht immer mit Sandras Lebenswandel einverstanden“ erklärt Alex, während er Paula im Arm wiegt. „Ich war mir zuerst nicht sicher, ob sie bereit wäre, so viel Verantwortung zu übernehmen.“

Dass sie ihr unbeschwertes Partyleben für ihre Tochter aufgeben musste, kann Sandra heute locker nehmen. „Doch manchmal vermisse ich die Freiheit, die ich früher hatte“, gibt sie zu. Seit Paula da ist, ist das Feiern weniger geworden. Meistens sind Sandra und Alex jetzt abends zuhause in der gemeinsamen Wohnung, die sie schon während der Schwangerschaft bezogen haben. Manchmal passen Sandras Eltern auf Paula auf, dann genießen die beiden die Zeit zu zweit, die seltener geworden ist.



Trotz des Trubels während der Schwangerschaft, hat der 28-jährige Alex es geschafft kurz vor Paulas Geburt sein Studium der Elektrotechnik abzuschließen und hat eine Vollzeitstelle gefunden und kann den Unterhalt der Familie sichern. Auch Sandra hat Pläne: „Ich mache über eine Fernschule mein Abitur und möchte später, wenn Paula in den Kindergarten kommt, Biologie studieren.“, erzählt sie und legt die schlafende Paula in ihren Stubenwagen.



Beratungsstellen für werdende und junge Eltern


Beratungsstellen für werdende und junge Eltern größer angucken




Hannah Klima (21, Germanistik & Skandinavistik) und Charlotte Bodinek (23, Germanistik & Skandinavistik) studieren an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg. Am Zentrum für Schlüsselqualifikationen haben sie im Wintersemester an einem Grundlagenkurs zum Thema "Online-Journalismus" teilgenommen, den die fudder-Redakteure Markus Hofmann und Carolin Buchheim angeboten haben. Diese Multimedia-Reportage ist im Rahmen dieses Kurses entstanden.








Artikel als E-Mail verschicken Artikel auf Facebook weiterempfehlen Artikel twittern Diese Seite zu Mister Wong hinzufügen Diesen Artikel bei del.icio.us bookmarken
 



Kommentare
Anzahl der Kommentare: 18
Dienstag, 16.03.10 14:47
 

Was ist denn daran Besonderes, mit 20 Jahren Mutter zu werden? Wie ist denn der weltweite Altersdurchschnitt der Mütter?

Interessant wäre ein Artikel mit der Überschrift: Wie es ist, mit 12 Mutter zu werden...

Dienstag, 16.03.10 14:54
 

genau... ne freundin von mir war damals jüngste Mutter Deutschlands. Das war was. Aber mit 20.

Dienstag, 16.03.10 14:59
 

Stimme zu. Das einzige wat ich nich versteh: warum "Noah"?! Die Kinners heute haben nurnoch dusselige Namen.
Naja, kann ja nich jeder Schotti heißen! ;-)

Dienstag, 16.03.10 15:27
 

Es geht nicht um "besonderes" oder "die jüngste Mutter" sondern um junge Erwachsene.
Und?

Dienstag, 16.03.10 15:30
 

Wie ist es mit 18 volljährig zu werden?

Dienstag, 16.03.10 15:31
 

Die Bilder haben eine ziemlich schlechte Qualität.

Dienstag, 16.03.10 15:34
 

Das sehe ich nicht so.
Ich finde es gut, wie sie ihren Alltag im Griff haben. Da Spielt es keine Rolle wie alt man ist. So ein Kind braucht viel Zuneigung und Liebe.
Es gibt leider viel zu viele Menschen auf der Welt, die das nicht können und ihr Kind im Stich lassen.
Der Name des Kindes muss den Eltern gefallen und wenn es ihn 1000mal auf der Welt gibt.

Dienstag, 16.03.10 15:47
 

Kinder einfach zur Adoption freigeben, wenn man merkt, dass einen die Balgen überfordern. Adoptionsfreigabe ist völlig problemlos.

Dienstag, 16.03.10 17:02
 

Wer 2007 mit 20 Mutter wurde, tat das sechs Jahre früher als der Durchschnitt.

Statistisches Bundesamt: Frauen werden heute im Durchschnitt mit 26 Jahren Mutter (2007)

brabbel
Dienstag, 16.03.10 17:32
 

ich finde es gerade gut, dass hier nicht der skandalgier (12jährige) nachgegeben wird, sondern über ganz normale probleme junger frauen berichtet wird, die nunmal gerade noch jugendliche waren und vor so eine aufgabe gestellt werden. auch in meinem alter (ich bin älter als die mädels hier) kann ich mir noch nicht vorstellen, die verantwortung für einen kleinen menschen zu tragen.
interessant wäre auch ein bericht über junge väter - wenn man sich die medien ansieht, könnte man glatt meinen, väter gibts gar nicht...

piercenderpiercer
Dienstag, 16.03.10 18:02
 

Es ist eine sehr grosse Verantwortung ein Kind zu bekommen. Sowieso egal wie alt man ist. Aber mit Anfang 20 steht man eigentlich noch selbst am Anfang und ich finde es durchaus etwas besonderes. Gut, auch einen interesanten Artikel hier auf Fudder dazu zu lesen. Mal wieder ein anderes Thema. Ich bin selbst mit 18 'ungewollt' Vater geworden und kann es so gut nachvollziehen. Ich freue mich für die Mädels weil ich weiss wie es sein kann wenn es nicht ganz blöd läuft. Meine Tochter ist heute 24 (kein eigenes KInd) und wir sind auf eine gute Ebene richtig dick miteinander. Das ist so schön !! Guter Artikel.

Dienstag, 16.03.10 18:32
 

Ob 20 oder 24 macht eigentlich keinen Unterschied. Vorstellen kann man sich das Muttersein beim ersten Kind sowieso nicht. Die Unsicherheit und Zweifel sind bei einer 24jährigen genauso vorhanden.

brabbel
Dienstag, 16.03.10 18:41
 

(@zebra)
na dann ist es doch an sich ein spannendes thema und man hätte vielleicht einfach nicht den fokus so auf das alter legen sollen.
vielleicht könnten die nörgler dann ruhe geben?
allerdings zeigen die beiden bespiele oben, dass eine besondere schwierigkeit in dieser altersklasse der berufsweg ist. wenn ich es richtig verstanden habe, haben beide ihre ausbildungen abgebrochen und sich umorientiert bzw pläne erstmal auf eis gelegt.
so gesehen, ist elternwerden mit (je nach dem) ende zwanzig wohl leichter...so long

Dienstag, 16.03.10 19:26
 

Ungeplante Schwangerschaft.... egal, darum solls nicht gehen.
Aber wenn man 20 jährige ob m oder w spielt keine Rolle, da ist fast nie eine Lebensplanung, manche suchen immer noch ihren Ausbildungsplatz, wissen nicht was sie wollen und dann ein Kind?

Mittwoch, 17.03.10 09:36
 

@Tatoocheck....aber genau dann ist es doch mal schön zu lesen, wei gut die beiden Mädels das auf die Reihe gebracht haben, oder?

Mittwoch, 17.03.10 18:14
 

Hast schon recht, Snowi... sonst liest man immer: ... im Müllcontainer gefunden, auf der Toilette ausgesetzt, im Zug zurückgelassen, im Blumentopf vergraben...

Dienstag, 23.03.10 16:40
 

Kompliment für die beiden jungen Damen!
Einige Kommentatoren finden das Muttersein mit 20 offenbar keine Schlagzeile wert.
Vielleicht ist es ja dann die Tatsache, dass im vergangenen Jahr rund 8.000 junge Frauen zwischen 18 und 20 Jahren (sowie rund 27.000 zwischen 20 und 25) ihr Kind abgetrieben haben??
Dann scheint es ja doch nicht so selbstverständlich zu sein!
Das ist sehr traurig und ich wünsche jeder Frau, gleich welchen Alters, dass sie sich für ihr Kind entscheiden kann, was auch immer die Hindernisse sind, die sich ihr entgegenstellen. Deswegen unterstütze ich das Projekt http://www.1000plus.de , das Schwangeren in Schwierigkeiten echte Hilfe und damit eine Alternative zur Abtreibung bietet.
Meiner Meinung nach hat frau nur dann eine freie Wahl, wenn sie sich auch gegen die Abtreibung entscheiden kann und sich nicht von den Umständen - oder noch schlimmer: vom Partner oder den Eltern - dazu gezwungen fühlt.

Dienstag, 23.03.10 23:44
 

Kompliment an Mütter und Alex: Denn die Entscheidung für das Kind bedeutet ja schon eine Einschränkung in einem Alter, in dem viele sich erst mal ein lockeres Leben machen wollen.

Wenn man die goldigen Kinder anschaut, kann man die Eltern allerdings nur beglückwünschen. Und geht das Kind erst mal in die Schule, wird man rucki-zucki wieder unabhängiger. Die übernachten dann auch dann und wann mal bei Freunden usw. usf.

Und eigene Kinder sind ja wohl durch nichts zu ersetzen. Und langweilig wird dem Menschen mit Kindern auch nie. Da hat man praktisch immer Party. Und bevor man sich versieht, sind die erwachsen und aus dem Haus. Und mit vierzig liegt das Leben ja immer noch vor einem.

Um einen Kommentar zu verfassen, benötigst du ein fudder-Profil. Registriere dich kostenlos oben rechts auf fudder.






Diese Funktion steht nur für eingeloggte fudder-User zur Verfügung.

» fudder-Netiquette





» laz4056

re: Benachrichtung bei neuen Kommentaren
wurde imho glaub auch sch...

» daily

Benachrichtung bei neuen Kommentaren
Hi, habe jetzt spontan...

» ja is klar!

re: re: Musiker unter uns?
Schlagzeug. Eigene Band ...

» Groundshaker

re: Suchen 3-4 Zimmer Wohnung/Häuschen
*plopp!plopp!*

» Biber

re: Dringend: Kochkursempfehlung gesucht!
dominosteinchen, wie w...

» Jan K.

re: Online-Shops eine neue Masche?
Bei allen Shops mit denen...

» Keeeeelllllll

re: re: Online-Shops eine neue Masche?
10 Tage empfinde ich als ...

» Freiheit?

re: Dringend: Kochkursempfehlung gesucht!
weiß nicht, ob es das is...

» dominosteinchen

re: re: Dringend: Kochkursempfehlung gesucht!
O.k., ich muss doch noch ...

» dominosteinchen

re: Dringend: Kochkursempfehlung gesucht!
@ Biber: Sorry, nicht ges...