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Champion's Boxing: Boxen und Bruchrechnen

Liegestütze, Schattenboxen, Seilspringen: Die 15 Jungen, die zum Boxtraining des Vereins Champion’s Boxing in die Reinhold-Schneider-Schule in Littenweiler gekommen sind, müssen ganz schön schwitzen. Ihre Trainer: zwei Studenten, die ihren Zöglingen aus schwierigen Lebensumständen nicht nur im Boxring zu Erfolgserlebnissen verhelfen wollen.



„Am meisten Spaß macht es, wenn ich mich richtig auspowern kann“, meint Orfej Shabani. Der 16-jährige Kosovare ist dabei, seit Champion’s Boxing im November angefangen hat, Boxtraining für Jungen im Alter von 13 bis 18 Jahren anzubieten.

„Uns liegen diese Jungen einfach am Herzen“, erklärt Paul Ens. Der 25-jährige VWL-Student hat den Verein mit seinem Freund Peter Klaes, 22, Student der Sozialen Arbeit an der Katholischen Fachhochschule, gegründet. Dafür haben die beiden extra einen Boxtrainerschein gemacht. Die Jungen – das sind 15 Jugendliche, die aus schwierigen Verhältnissen kommen und in der Schule zumeist wenig Erfolg haben. Sie sind Roma, Kosovo-Albaner, Syrer, Türken und Russen.

„Bei uns bekommen die Jungen Erfolgserlebnisse, die sie sonst nicht haben. Sie lernen Selbstdisziplin, Teamgeist und Respekt vor dem Gegner“, sagt Ens. Die beiden Trainer halten den Boxsport für ihre Arbeit im Verein für ideal, weil er Parallelen zum realen Leben aufweise: Fehler würden konsequent bestraft, und es gebe klare Regeln. „Wenn ich die Fäuste nicht zur Deckung vor mein Gesicht halte, dann werde ich getroffen. Genau so bekomme ich in der Schule Probleme, wenn ich nicht aufpasse und den Unterricht störe“, erklärt Ens, der als Jugendlicher selbst in einem Boxverein war.

Doch das Boxtraining ist nicht der einzige Teil der Vereinsarbeit. „Das große Ziel ist, dass die Jungs selbständig werden. Durch das Boxtraining erreichen wir sie. Außerdem können wir ihnen so Werte wie Fairness und einen freundlichen Umgang mit den Mannschaftskameraden vermitteln“, sagt Paul Ens. Die zweite Säule der Arbeit sind außersportliche Aktivitäten. So haben die Jugendlichen im Dezember beispielsweise mit den Trainern einen Ausflug in den Europapark in Rust gemacht. Geplant sind auch soziale Aktivitäten. „So können wir den Jungs gesunde Beziehungen vorleben und ihnen zeigen, dass wir sie annehmen, ohne dass sie sich durch Pöbeleien profilieren müssen“, erläutert Ens.

Als dritte Säule ist Nachhilfe geplant. Die beiden Trainer haben Freunde angehauen, die an den Freiburger Hochschulen studieren, damit sie ehrenamtlich Nachhilfe und Vorbereitung auf Klassenarbeiten für die Jungen anbieten. Außerdem wird ihnen dabei geholfen, sich zu bewerben.

„Sonst hänge ich nachmittags viel in Parks rum und habe nichts zu tun. Ich habe zwar nicht so viel Lust auf die Nachhilfe, aber ich weiß, dass es mir was bringt“, sagt Denis Hasani. Der 14-Jährige besucht die Gerhart-Hauptmann-Schule und ist Hauptschüler, genau wie seine Teamkameraden, die alle entweder Hauptschulen besuchen oder von der Schule geflogen sind. Die Nachhilfe wird  verpflichtend sein – die Jungen haben zu Beginn einen Ehrenkodex unterschreiben müssen, der sie unter anderem zu Pünktlichkeit und regelmäßiger Teilnahme am Training verpflichtet.

Wenn einer zu spät kommt, müssen alle zusammen als Strafe zehn Liegestütze machen. Dabei nehmen sich die Trainer bewusst nicht aus. „Uns ist es wichtig, den Jungen die Werte, die wir ihnen vermitteln wollen, authentisch vorzuleben“, erklärt Ens.



Motivation für die Arbeit des Vereins ist für ihn und für seinen Mitstreiter Peter Klaes ihr christliches Menschenbild, das für sie Solidarität und Einsatz für Schwächere in der Gesellschaft bedeutet. Ihre Methoden sind Stand der Wissenschaft. Fachlich werden sie von Professor Werner Nickolai von der Katholischen Fachhochschule beraten. „Die beiden Trainer machen das sportprofessionell hervorragend, und dadurch, dass das Projekt immer wieder in meinem Seminar besprochen wird, sind sie auch fachlich auf der sicheren Seite“, attestiert er.

Die Arbeit nimmt viel Zeit in Anspruch. „Im Moment ist Champion’s Boxing für uns wie ein Halbtagsjob, den wir neben dem Studium ehrenamtlich machen“, sagt Ens. Doch der Aufwand lohnt sich nach Meinung von Paul Ens: „Seit wir das Training im November begonnen haben, merkt man ganz deutlich, wie die Jungs disziplinierter werden und für einander einstehen. Sie wollen jetzt Boxer sein, keine Schläger. Und neulich kam eine Junge nach dem Training zu mir und hat mich gefragt: Trainer, kannst du mir das mit dem Bruchrechnen erklären?“







[Dieser Text ist heute auch auf der 'Frisch gepresst'-Seite der Badischen Zeitung, Lokalausgabe Freiburg, erschienen; Fotos: Ingo Schneider]


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Kommentare
Anzahl der Kommentare: 16
Freitag, 12.03.10 13:28
 

Es ist eine tatsächlich nobelpreisreife Leistung Kriminellen,(das heißt wohl das verharmlosende "schwierige Lebensumstände") Boxkurse anzumelden. Warum nicht auch demnächst Messerkampf für Mörder? Oder Faustfeuerwaffen für Anfänger für jeden Bankräuber? Selbstverteidigungskurse für Vergewaltiger wäre auch super! "Mit dem Baseballschläger umgehen für Fortgeschrittene" für Hooligans.

Diese Leute brauchen auch Disziplin und haben "schwierige Lebensumstände". Warum haben diese "Jugendlichen aus schwierigen Lebensumständen" keinen Erfolg in der Schule? Weil sie nicht hingehen!

"Sie wollen jetzt Boxer sein, keine Schläger."
Bravo, wie man das Verschlagen von anderen Menschen nennt, ist also jetzt wichtig. Boxen oder schlagen... ein riesiger Unterschied.

Freitag, 12.03.10 13:43
 

WerSonst, beschäftige dich mal damit welche Auswirkungen Sport mit Regeln (ja, auch "Kampfsport") auf die Psyche von Menschen hat, bevor du hier seichtes Gelabere von dir gibst...

Freitag, 12.03.10 14:02
 

Was für eine Auswirkung Sport auf den Menschen hat?

René Weller, Graciano Rocchigiani und Mike Tyson sind ja tolle Boxer gewesen
Drogenhandel, Waffenbesitz, Fahren ohne Fahrerlaubnis und ganz oben steht die schwere Körperverletzung

Klingt nach super Vorbildern für die jungen Roma, Kosovo-Albaner, Syrer, Türken und Russen.

Freitag, 12.03.10 14:36
 

Und was ist mit den einemillion andren Boxern, die noch nie negativ aufgefallen sind?!

Dopen alle Radfahrer automatisch, wenn man 5 bei der Tour der France erwischt?
Sind alle in ner Disco, in der Techno läuft, auf Drogen, nur weil man bei ner Razzia 4 oder 5 erwischt?
Sind alle Badener Spaßbremsen, nur weil Bernd2008 bei "Thriller" mit den Anwesenden keinen Spaß hatte?

Ach ja, und alle Hartz IV-Empfänger sind faul, weil sich ab und an mal einer präsentiert, der nicht für nen Hungerlohn arbeiten will... Is klar, ne?

Freitag, 12.03.10 14:53
 

Schön, das du es erwähnst Sommertag. Du hast nämlich komplett recht! Man kann und darf nicht verallgemeinern.

In diesem Fall werden aber keine unschuldigen Männer zu Boxern gemacht, sondern Kriminelle und Schläger zu noch besseren Schlägern ausgebildet - damit ihr Opfer beim nächsten mal gar nicht erst bis zur Polizei kommt! ( das ist eine Unerstellung, ich weiß, aber was für einen konkreten Grund sollte es sonst haben?)
Also hier besteht gar nicht die Chance, dass die Boxer auf die schiefe Bahn geraten, denn da sind sie schon längst drauf.

Du verallgemeinerst, dass Sport grundsätzlich eine positive Auswirkung hat. Ich stelle fest, dass Schlägertypen zu besseren Schlägertypen ausgebildet werden. Und auf deine platte Verallgemeinerung von Sport als Hilfe für den guten Weg, beweise ich, wie Sportler zu schlechten Menschen geworden sind. Ich habe deine Verallgemeinerung mit Gegenbeispielen widerlegt.

Und ich betone, hier können Sportler nicht zu schlechten Menschen gemacht werden, sondern hier wird schlechten Menschen eine Waffe in die Hand gegeben und das mit Disziplin begründet.

Die größten Mörder waren diszipliniert, will hier keinen Nazivergleich auspacken , aber man weiß, welche Vereine das waren, und was sie durch die hier so hochgelobte Disziplin erreicht haben. Disziplin hat keine grundsätzlich positive Auswirkung, deshalb verstehe ich nicht warum man Schlägertypen Disziplin beibringt. Man sollte ihnen GEWALTLOSIGKEIT beibringen, nicht die Disziplin die sie dazu bringen könnte, ihre Opfer komplett zum Schweigen zu bringen.

Freitag, 12.03.10 14:59
 

Die Tour de France ist zwar ein schlechtes Beispiel aber im Grunde stimme ich dir zu was den Unterschied zwischen Schläger und Boxer angeht.
Also weiter so mit der Aktion.

Freitag, 12.03.10 15:21
 

@Wersonst
"Diese Leute brauchen auch Disziplin und haben "schwierige Lebensumstände"."

Nun rate mal was du bei professionellem Boxtraining beigebracht bekommst.
Richtig, Disziplin und Grenzen, genau das was sie brauchen!

Ich finde die Aktion auch sehr sinnvoll und finde:
Weiter so!

Freitag, 12.03.10 15:38
 

Da liegt wahrscheinlich der Unterschied in unserem Menschenbild: Ich glaube nicht an grundsätzlich schlechte Menschen.
Ich glaube an junge Menschen, die viel Energie und Kraft haben. Langeweile und Perspektivlosigkeit kommen hinzu und diese Engerie wird falsch kanalisiert. Deswegen KÖNNEN sie vielleicht zu Schlägern werden.
Vielleicht haben sie aber auch gar nicht mehr das Bedürfnis danach sich zu schlägern, wenn sie sich ein bis zweimal in der Woche unter Gleichstarken legal aufs Maul hauen können.
Mal davon abgesehen, glaube ich zu wissen, dass es auch beim Boxen eine Art Ehrenkodex gibt und ich gehe davon aus, dass auch dieser beim Training vermittelt wird.

Freitag, 12.03.10 16:04
 

Ich glaube auch nicht an grundsätzlich schlechte Menschen.

Da sind wir uns mal wieder einig. Aber wenn jemand aufgrund seiner Freunde und dem Gruppenzwang gewalttätig wird und ähnliches. Was bringt da, das boxen, in das er mit seinen Kumpels geschickt wird? Die Clique bleibt die selbe, sie bekommen kein Antigewalttraining sondern eine bessere Anleitung.

Was passiert wenn der Jugendliche einfach Leute verprügelt und ausraubt um seine neusten Klamotten kaufen zu können?

Hier wird unterstellt, dass Gewalt wegen dem einfachen Bewegungsmangel geschieht.Das ist so gut wie nie Fall. Und überhaupt, wieso machen diese Leute dann nicht irgend einen anderen Sport?
Gewalt geschieht aus Geldgier, Lust am Erniedrigen von Leuten, "Coolness", Druck von Freunden und aus Sadismus.
Diese Probleme, werden nicht durch GEWALTANLEITUNGEN gelöst.

Freitag, 12.03.10 17:36
 

Wie Mikey ja schon geschrieben hat: die Jugendlichen lernen durch das Training Disziplin und gleichzeitig Grenzen kennen. Jeder unterzeichnet einen Vetrag, in dem er sich verpflichtet neben dem Training auch am Nachhilfeunterricht teilzunehmen. Ich kann mir nicht vorstellen, dass jemand, der nur auf's Prügeln aus ist, sich in die Nachhilfestunde setzt - da kann er das "reine Schlagen" bestimmt mit weniger Umstand an anderer Stelle auf andere Art und Weise lernen.
Wo steht im Text, dass es sich hier um "Kriminelle und Schläger" handelt? Ich kann nur die Formulierung "schwierige Verhältnisse" und "in der Schule zumeist wenig Erfolg" finden. Ich finde die Unterstellungen, die hier getroffen werden respektlos und beschämend.
Hier wird Jugendlichen eine Perspektive geboten und das ist meiner Meinung nach mehr als lobenswert!
WerSonst, schau' doch mal in einer Trainingsstunde vorbei und mach' dir ein Bild von der Sache. Das ist doch sicherlich realisierbar - und wer weiß, vielleicht siehst du dann in den "Kriminellen und Schlägern" am Ende tatsächlich Jugendliche aus "schwierigen Verhältnissen", die dankbar sind eine Chance zu bekommen!

Freitag, 12.03.10 17:40
 

"Sie wollen jetzt Boxer sein, keine Schläger."
Zitat aus dem Text.

Den Text muss man LESEN bevor man kommentiert.

Freitag, 12.03.10 18:05
 

Oh danke für die Belehrung!
Ich hatte diese Textpassage auch gelesen, aber sie hat für mich nicht dieselbe Bedeutung wie für dich. Das "jetzt" kann natürlich suggerieren, dass sie vorher mal "Schläger" waren, muss es aber nicht. Es könnte beispielsweise auch bedeuten, dass sie, als sie von dem Angebot gehört haben, dachten, man könne sich dort ordentlich schlagen, aber sich mittlerweile dahingehend geändert haben, dass sie gar keine Schläger mehr sein wollen, sondern "Boxer" (, die ihren Gegner respektieren und nach Regeln kämpfen).
Und die Bezeichnung "Kriminelle" werde ich gleich nochmal im Text suchen. Wahrscheinlich stammt sie gar nicht aus deinen taktlosen Anschuldigungen; bestimmt finde ich sie beim nochmaligen, hochkonzentrierten LESEN des Artikels.

Freitag, 12.03.10 18:11
 

Genau so, wie du das "jetzt" interpretierst, interpretiere ich das "schwierige Umstände".
Und es ist allgemein bekannt, dass gerade für kriminelle Jugendliche solche Boxcamps veranstaltet werden, bisher ohne messbaren Erfolg.

Freitag, 12.03.10 18:50
 

Auf welche Veranstalter/ Boxcamps berufst du dich damit denn? Vielleicht ist die Laufzeit dieser Projekte noch nicht lang genug, um sie auswerten zu können? Das hier vorgestellte läuft ja auch erst seit November.
Wie gesagt, ich persönlich halte es für eine gute Idee - einen Versuch ist es doch wert.

Freitag, 12.03.10 22:07
 

"Gewalt geschieht aus Geldgier, Lust am Erniedrigen von Leuten, "Coolness", Druck von Freunden und aus Sadismus."

Bisher habe ich schon einige Schlägereien (und diese Art von Gewalt wird hier ja unterstellt) und deren Entstehung mitbekommen. Oben genannte Punkte waren dabei selten der Auslöser. Meiner Meinung nach spielt da eher die angekratzte Ehre und Selbstbestätigung (häufig in Verbindung mit Alkohol) eine Rolle - gerade für Jugendliche die sich diese nicht durch schulische Leistungen, in ihrem Elternhaus oder im Sport (!) erarbeiten können.

Außerdem wird häufig vergessen, dass es sich bei Jugendlichen um (Post-)Pubertierende handelt, die (Testosteron sei Dank) ein völlig neues Körpergefühl gewonnen haben und nicht wissen, wohin mit ihrer Kraft; und diese außerdem mit anderen messen wollen.

Das Boxen stellt, meiner Meinung nach, eine Möglichkeit dar,
diese Kraft zu Kanalisieren,
sich "legal" mit anderen zu messen,
das Gefühl des Unterliegens/"Geschlagenwerdens" zu erfahren,
Bestätigung und Selbstvertrauen zu bekommen, ohne es sich auf der Straße "erarbeiten" zu müssen,
Aggressionen/Stress abzubauen,
ein bissel Struktur in den Alltag zu bringen,...

Darum, auch von mir: Weiter so!

orfej der junge kosovare
Montag, 17.05.10 20:30
 

ok leute das training bei uns ist sehr hart und am an ende des tages sind alle stolz. wir alle kennen uns seit wir noch kleine kinder waren und wir sind alle zusammen aufgewachsen und bei uns gib es keine schläer oder so was ihn die richtung keiner von uns geht ins boxxen um jemanden noch mehr zu verprügeln wir gehen dort hin um zu lernen und eines tages vieleicht ein sehr guter boxxer zu werden. ich finde es so schade das manche leute sehen das wir kriminele sind wir sind aber keine kriminele wir leben genau wir ihr mit eltern und geschwistern nur einbisschen härter weil es für die meisten nicht leicht ist zu hause und nicht alle sind schlecht in der schule ich zum beispiel bin sehr gut in der schule und ich finde es echt schade das solche leute von uns sowas denken wir jungs finden das traing sehr gut weil wir mal unser zeit sinvoll nutzen können und wir alle verstehen uns sehr gut klar es gibt immer einbisschen stress mit anderen eluten aber die meisten von uns reagiern und klkären die sache das ist kein problem also wer noch denkt das unser traing für uns nichts bringt sollte mal rein schauen

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