Brüllen macht's nicht besser: Unser Theaterblogger Max findet die "Brüder Löwenherz", die dieser Tage im Großen Haus zu sehen sind, ziemlich misslungen und apostrophiert die Inszenierung als "abgestürzte Gratwanderung".





Lieber Max,
ein Zitat vorweg:
"When an art form is created the question is: How do you come to it? Not, how does it come to you." (Wynton Marsalis)
Ich war gestern Abend auch in der Vorstellung und muss sagen, dass ich immernoch nicht weiß, wo die zwei Stunden geblieben sind, die das Stück ohne Pause gedauert hat. Ich war von Anfang bis Ende gefesselt von dem, was mir auf der Bühne geboten wurde.
Und zwar deshalb, weil zwischen Schauspiel, Tanz, Gesang, Bühnenbild, Musik und Visualisation noch genug Raum für meine eigene Phantasie und Assoziation geblieben ist. Meiner Meinung nach eine perfekt gelungene Gratwanderung!
Den vielen Fragezeichen in Deiner Kritik nach zu Urteilen ist Dir das wohl leider nicht gelungen. Vielleicht hättest Du Dich ja zumindest dem Gedanken gegenüber öffnen können, dass die Vorlage für ein Theaterstück ein Kinderbuch sein kann, aber nicht zwangsläufig deshalb ein Kindertheaterstück werden muss, oder?
Mir jedenfalls hat die großartige dramaturgische und darstellerische Leistung ebenso das Herz erwärmt, wie kleine Kinder wahrscheinlich Astrid Lindgren's Geschichte begeistert.
Wer jedoch lieber in einer vertrauten Weise "entertained" werden möchte, sollte vielleicht lieber ins Kino gehen.
mein/e liebe/r wes
Wenn ich "in einer vertrauten Weise "entertained" werden möchte", dann bleibe ich beim Original, beim lesen.
Offenbar ist dir diese Vorstellung ebenso zuwider, wie zu akzeptieren, dass eine auf modern getrimmte Umsetzung eines durchaus betagten Kinderbuches nur schief gehen kann! Eine Altersfreigabe zu setzen, die oberhalb der ursprünglichen Zielgruppe liegt, ist schon ein Armutszeugnis für sich. Das ganze wird durch den Abstraktionsunsinn dann noch auf die Spitze getrieben.
Wieder ein Beispiel für die Unart der modernen Theatermacher, sich einzubilden, sie wüßten es besser als die Autorin. Peinlich nur, dass dann solches oder ähnliches dabei herauskommt.
Vielleicht solltest du dich dann doch lieber auf die Theaterstücke, oder wie auch immer man das schimpft, beschränken, die auch für "deinesgleichen" gemacht werden.
Was ein Glück für das Theater, dass es nicht von seinen Darbietungen leben muß. Das entbindet es von der lästigen Notwendigkeit auf den Geschmack des zahlenden Publikums eingehen zu müssen.
@SilberWolf
Du scheinst nicht gerade ein Freund des Theaters zu sein ... warst du überhaupt schon mal in einem Stück?
Dass ausgerechnet der erzkonservative SilberWolf einen Bericht zu einer modernen Theaterumsetzung schreibt ist ja Ironie pur.
Wie kommst du darauf?
Weil ich lesen vorziehe?
Oder weil ich dem sog. modernen Theater nichts abgewinnen kann? Weil ich von Theater unterhalten werden möchte?
Ehe ich mir jetzt anhören muß, was für ein Banause ich doch bin, ein ganz kleines Zitat aus Wikipedia:
"Während die öffentlich getragenen Häuser in der Spielzeit 03/04 ein Minus von rund 300.000 Zuschauern hinnehmen mussten, hatten die Privattheater (zu denen auch die Musical-Häuser gehören) einen Besucherzuwachs von rund 500.000 zu verzeichnen."
Es gibt scheinbar eine ganze Menge Banausen wie mich ...
Hi wes!
Also, freut mich, dass es Dir gefallen hat! Ich denke, gerade bei derart spezifischen Inszenierungen spielt das subjektive Empfinden halt eine Riesenrolle - es passt oder es passt nicht.
Wenn man darüber dann etwas schreibt, muss man halt versuchen, dieses Empfinden und die Gründe für dieses Empfinden möglichst transparent zu beschreiben.
Was eben nicht heisst, dass andere Meinungen / Empfindungen nicht auch gelten dürfen. Daher: Danke für Deinen Kommentar! :-)
Hey Max!
Danke auch! Mir ging es auch nicht darum Dir ans Bein zu pieseln sondern, wie Du schon gesagt hast, auch einen anderen Standpunkt zu beschreiben.
Nebenbei bemerkt, interessieren mich Verkaufszahlen bei der Bewertung von Kunst sehr wenig. Die besten Künstler wurden (oder werden) ihrerzeit missachtet...
"Meinesgleichen" erfreut sich einer generellen Offenheit Neuem und Anderem gegenüber, genauso wie einer ordentlichen Show oder einem klassischen Hollywoodfilm.
Auch glaube ich nicht, dass es in der Kunst darum geht etwas besser zu wissen als jemand anderes, sondern (neben Unterhaltung u.a. auch) darum den Dingen eine neue und eigene Gestalt zu geben, Perspektiven zu verändern, zum Nachdenken anzuregen.
Da sich die Welt und damit unsere Gesellschaft in einem stetigen Wandel befindet, kann sich dabei auch schonmal die Popularität von Kunstformen ändern (sowie z.B. Jazz oder R'n'R mal klassische Musik abgelöst haben).
Damit Veränderungen aber nicht zu schnell passieren und das gutfunktionierende Rudel wohlmöglich auseinanderreißen, gibt es auch "graue Wölfe", die aufpassen. Und das ist gut so!