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Kommunales Kino: Love Exposure - 237 Minuten Liebeschaos

Von der Berlinale letztes Jahr preisgekrönt, kommt der 237 Minuten lange Marathonfilm "Love Exposure" an diesem Wochenende noch einmal in das Kommunale Kino. Der japanische Film wird in den Feuilletons als kleines - aber langes - Wunderwerk gehandelt. Jenny hat sich für fudder richtig viel Zeit genommen und den Film angeschaut.



Dass die 237 Minuten schneller vorüber gehen, als ein Musikclip – wie vom Verleih „rapid eye movies“ angekündigt – ist nun etwas übertrieben. Wer sich das visuell und erzähltechnisch aufwendige Werk des aktuellen japanischen Kinos anschauen will, muss schon etwas Sitzfleisch mitbringen. Vier Stunden vergehen nicht wie im Flug, aber lohnen tut es sich trotzdem. Er hat zwei Preise auf der Berlinale 2009 gewonnen, Jury-Mitglied war neben Rüdiger Suchsland unter anderem Timothy Simms aus Freiburg.

Es ist ein Kampf der Liebe gegen die Kirche und man muss den Eindruck gewinnen, dass eine Koexistenz unmöglich ist. Es scheint, als rechne Autor und Regisseur Sion Sono mit jeglicher Institutionsform der christlichen Kirche ab – in welcher Form und von wem sie auch immer ausgelegt wird. Der gläubige Katholik aber wollte angeblich eine (teilweise wahre) Liebesgeschichte verfilmen. Dabei verwebt er die verschiedene Erzählstränge ineinander und setzt sie durch unterschiedlichste Darstellungsarten, Film-, Manga- und sonstige Zitate, einfallsreiche Kameraeinstellungen und liebevolle Details expressiv in Szene – eine außergewöhnliche Bilderflut der Erotik, des Katholizismus, der (angeblichen) Perversion, des Glaubens und der Liebe.

Drei Geschichten
, in denen jeweils ein Kind von seinem Vater misshandelt oder missbraucht wird, bilden die Ausgangspunkte. Immer handeln die Väter in der eigenen Logik ihres  persönlichen christlichen Glaubens. Die drei Kinder bzw. Jugendlichen treffen später auf dramatische Weise aufeinander:

Yu (Takahiro Nishijima) wird von seinem übereifrigen Vater Tetsu Tsunoda (Atsuro Watabe) praktisch zum Sündigen gezwungen. Die vor kurzem verstorbene Mutter fehlt und so flüchtet sich Tetsu in seinen Glauben, wird Priester und nimmt seinem Sohn jeden Tag die Beichte ab. Schon bald fällt Yu nichts mehr ein und so erfindet er zuerst Sünden, begeht sie aber bald auch in der Praxis. So beginnt Yu obsessiv „panty shots“ mit seiner Kamera einzufangen und macht dies verbunden mit einer kampfkünstlerischen Performance, die in ihrer Wirkung irgendwo zwischen Slapstick und Abscheu liegt.



Yoko (Hikari Mitsushima) wird von ihrem Vater missbraucht, macht ein Familienleben für sie unmöglich und legt den Grundstein für ihren Männerhass. Mit Saori (Makiko Watanabe), die Tetsu heiraten möchte, flüchtet sie vor ihrem Vater und wird so Yus Stiefschwester. Yu verliebt sich sofort in Yoko, sie ist seine lang ersehnte Maria (der Film zählt auch den Countdown bis zu ihrem Treffen „Noch 365 Tage bis zum Wunder“), doch als die beiden sich zum ersten mal sehen, ist Yu wegen einer verlorenen Wette als Frau verkleidet. Unter dem Namen Sasori kann er sich Yoko annähern, die dann jedoch glaubt, sie sei lesbisch. Mit Sasori greift Sono eine populäre japanische Manga- und Filmfigur auf, die sich in einer von Männern dominierten Welt behaupten muss.

Koikes (Sakura Ando) Vater verprügelt und demütigt sie, auch sie entwickelt einen Männerhass, der der Misogynie in „Antichrist“ und dessen Darstellung in nichts nachsteht, wenn Koike ihrem Vater das Geschlechtsteil abschneidet. Sie findet Trost und Zuflucht in einer Sekte der „Zero Church“ und tut alles, um neue Mitglieder zu „werben“ – alles. Sie sät geschickt Zwietracht zwischen Yu und Yoko, entzweit sogar die Familie. Wenn Koike Yoko in ihre Sekte verschleppt, beginnt für Yu der Kampf um sie.

Ob die Liebe zwischen Yu und Yoko hier überhaupt eine Chance hat? Sicher ist, dass noch nie jemand die Korinther 13, „Das Hohelied der Liebe“, schöner, dramatischer und mitreißender gesprochen hat als Yoko in „Love Exposure“. Unterlegt mit Beethovens 7. Sinfonie ist man mindestens so ergriffen, wie beim ersten Miterleben der Geschichte von Romeo und Julia.

Love Exposure Trailer (with English subs)
Quelle: YouTube




Was: Love Exposure
Wann: Freitag, 26. Februar 2010, 19:30 Uhr und Sonntag, 28. Februar 2010, 19:45 Uhr
Wo:
Kommunales Kino


[Fotos: rapideyemovies.de] Mehr dazu





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Kommentare
Anzahl der Kommentare: 2
Freitag, 26.02.10 18:00
 

Der Film ist absolut großartig! Er hätte von mir aus auch weitere vier Stunden dauern können.

Montag, 12.04.10 09:40
 

Ganz ohne Zweifel einer der besten Filme des letzten Jahres! Wagemutiger als sämtliche Tarantino-Filme und kurzweiliger als viele 80-minütigen Hollywoodkomödien...

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