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Ich steh' dazu: Ich bin Organspender

Mehr als 12 000 Menschen warten aktuell in Deutschland auf ein lebensrettendes Organ. Und drei Menschen sterben täglich, weil sie es nicht erhalten. Organspende kann Leben retten, aber nur 17% aller Deutschen haben einen Organspendeausweis. Einer von ihnen ist der Freiburger DJ Robert Heart.



"Ich habe seit ein paar Wochen einen Organspenderausweis. Eigentlich hätte ich den schon viel früher haben müssen. Ich dachte immer, Organspender zu werden wäre kompliziert; man müsste in die Uniklinik gehen und sich untersuchen lassen oder so.

Durch die Aktion 1000 Lebensretter, die Lars Bargmann und Bela Gurath gestartet haben, habe ich mitgekriegt: Organspender werden ist ganz einfach. Man lädt den Ausweis aus dem Internet herunter, druckt und füllt ihn aus, unterschreibt ihn, und fertig. Ich habe meinen noch laminiert und trage ihn jetzt in meinem Portemonnaie.

Ich finde, Organspender zu sein sollte eine Selbstverständlichkeit sein. Wenn man krank wird und deswegen ein Organ braucht, dann hofft man ja schließlich auch darauf, eines zu bekommen. Wenn alle Menschen Organspender wären, könnte logischerweise viel mehr Leuten geholfen werden.

Moralische Probleme habe ich deswegen auch nicht: Tot ist tot. Wenn ich tot bin, dann brauche ich meine Organe nicht mehr, dann soll doch gerne jemand anderes damit weiterleben. In Österreich zum Beispiel sind alle Menschen von Geburt an automatisch Spender. Ich finde, das sollte in Deutschland auch so sein.

Vor zwei Wochen bin ich noch einen Schritt weitergegangen: Ich habe mich in der PH in Freiburg auch noch als Stammzellspender registrieren lassen. Dafür musste ich Blut abgeben, aber das ist mir bei dem Gedanken an die leukämiekranke Studentin, für die die Aktion gemacht wurde, leicht gefallen."

[Robert Heart, 32, DJ und  Sales Manager aus Freiburg]




[Protokoll: Caro]






1000 Lebensretter

Die Freiburger Initiative 1000 Lebensretter will 1000 Menschen dazu bewegen, Organspender zu werden. Auf der Website der Initiative gibt es Infos zum Thema und einen Organspendeausweis zum Herunterladen (.pdf).


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Kommentare
Anzahl der Kommentare: 36
Mittwoch, 03.02.10 09:11
 

Habe auch einen Organspenderausweis und kann mich Robert nur anschließen. Jeder sollte einen haben, wenn er mit dem Gedanken spielt Organe zu spenden. Falls später man aus irgendwelchen Gründen keine Lust mehr hat, kann man ihn jederzeit entsorgen.

Die Registrierung als Stammzellenspender ist für mich nur der nächste logische Schritt.

Mittwoch, 03.02.10 09:16
 

Robert der barmherzige Samariter....

Ich seh das ja prinzipiell genauso, aber wieso man damit immer an die Öffentlichkeit muss, verstehe ich nicht...

Mittwoch, 03.02.10 09:35
 

Besserwisser: Ich habe Robert darum gebeten, sich für das 'Ich steh' dazu' herzugeben, nachdem ich erfahren habe, dass 1000 Lebensretter ihn dazu bewegt hat.

Außerdem: Tue Gutes und rede darüber.

Mittwoch, 03.02.10 09:37
 

@Besserwisser
Damit es nachgemacht wird! Organspende kann gar nicht groß genug propagiert werden!

Mittwoch, 03.02.10 09:41
 

Und außerdem fand ich das im Zusammenhang mit seinem DJ Namen noch besonders charmant. :)

Mittwoch, 03.02.10 10:09
 

ich sah das wie besserwisser. wenn euch das thema wichtig ist dann könnten ihr nen banner auf die hp installieren da kann sich dann jeder informieren.

Mittwoch, 03.02.10 11:13
 

Aha ok.

Ich finde das eigentlich selbstverständlich. Kann deshalb diesen für mein Empfinden "übersteigerten Darstellungsdrang" nicht verstehen.

Aber wenns für eine gute Sache ist, ist es ja in Ordnung...

Mittwoch, 03.02.10 11:19
 

sollte eigentlich eine selbstverständlichkeit sein, wenn man sich aber anschaut wie lange man teilweise auf ein organ warten muss ist es das aber nicht.

deswegen kan man meiner meinung nach gar nicht oft genug darüber reden...

ob natürlich die leber eines freiburger nachtschattengewächses zur weitergabe geeignet ist weiss ich nicht ..

:-)

Facebook-User
Mittwoch, 03.02.10 12:14
 

Für diese Aktion habe ich mich auch gemeldet, und bin Inhaber eines Organspendeausweises.
Leider sind die Gesetze hier in Deutschland und die Strukturen im Gesundheitswesen ebenso verkrustet und veraltet, das das immerzu noch gewaltiger Aufklärungsarbeit bedarf.

Persönlich hätte ich mir hier noch ein Interview mit Prof. Kirste, Vorsitzender der DSO, gewünscht. Der Mann hat ist nicht umsonst der Leiter dieser Einrichtung.

Mittwoch, 03.02.10 12:16
 

Man sollte die Organspende umkehren... siehe Österreich mit seiner Widerspruchslösung. Wer dort kein Einspruch bei sich führt ist automatisch Organspender. Dies gilt auch für Urlauber, Ausländer, Transitreisende usw!

Mittwoch, 03.02.10 12:22
 

Die Ösi-Variante, nach der zunächst mal jeder Organspender ist, sollte auch in Deutschland eingeführt werden.

hmmm
Mittwoch, 03.02.10 12:27
 

bei solchen themen erwarte ich von euch fudder manchmal mehr tiefgang, auch wenn ihr online journalismus betreibt und deshalb nicht so ausführlich berichtet wie in der zeitung, wäre hier mehr hintergrund um gewissen ängste zu nehmen (z.b. mit einem interview) sinnig. manchmal handelt ihr solche themen so ab, dass man enttäuscht ist, weil mal nach dem teaser mehr erwartet habt. ich finde, wenn ihr an solche "brisanten" themen ausführlicher und mit gutem journalismus rangeht, werdet ihr i.d.r. auch immer mit vielem kommentaren und heißen diskussionen belohnt, oder?

Mittwoch, 03.02.10 12:45
 

Ich hab seit Jahren auch einen! Wenn ich tot bin brauch ich die ja nun wirklich nicht mehr und dann vielleicht noch jemandem helfen zu können kann ja nicht verkehrt sein!

Mittwoch, 03.02.10 12:46
 

@binski:
zu: "dann könnten ihr nen banner auf die hp installieren"

Ja, finden wir auch und haben deshalb Ende 2009 die Initiative einige Wochen mit einem Banner unterstützt.

Guru75
Mittwoch, 03.02.10 13:28
 

Also jeder, der seine Organe zur Spende hergeben möchte, sollte zu Lebzeiten schon daran denken, dass der Empfänger auch etwas davon haben sollte,
will meinen, man sollte pfleglich und sorgsam mit seinem Körper umgehen, sonst bringt das Spenden nämlich nix. Ne Fettleber oder eine die schon kurz vor dem Alkoholinfarkt steht mag nämlich keiner haben!........ ;-)

Mittwoch, 03.02.10 13:33
 

@hmmm

Ich glaube, Du überschätzt, was wir bei fudder machen wollen und (mit zwei Redakteuren) können.

In den vergangenen Wochen gab es diverse Initiativen in Freiburg, die Leute dazu anregen wollen, Organspender zu werden, u.a. von der Uni und eben von 1000 Lebensretter. Und anstatt über diese Initiativen zu berichten (Initiativen finde ich z.b. grundsätzlich langweiliger als *Menschen*), haben wir eben unser "Ich steh' dazu"-Format ausgewählt. Mit einem Szene-Menschen aus Freiburg.

Ein Dossier rund um Organspende (und die dazugehören ethischen und politischen Probleme) wird es bei uns also nicht geben, denn das können wir (so gern wir es vielleicht auch machen würden) als Lokalportal nicht stemmen.

"Do what you're best and link the rest."

Mittwoch, 03.02.10 13:35
 

P.S. Das heißt natürlich nicht, dass fudder sich dem Thema Organspende nicht noch einmal anders widmet. Ich bereite gerade eine (ausführlichere) Geschichte zu dem Thema vor. Allerdings auch da mit ganz klarem Fokus auf eine einzelne Person, nicht über das abstrakte Thema.

Mittwoch, 03.02.10 14:01
 

ich hab auch nen organspendeausweis, aber ich muss ehrlich sagen dass ich persönlich die vorstellung, für den rest meines lebens immunsuppressiva zu futtern eher grauenhaft finde. andererseits ist mir natürlich klar dass ich das mit meinem satz funktionstüchtiger organe leicht sagen kann. äh, zusammenfassend, holt euch so nen ausweis ihr lutscher.

Mittwoch, 03.02.10 14:04
 

Man ist kein Organspender wenn man nur einen Ausweis hat und so ne großartige Leistung ist das nun auch wieder nicht.


Bald komt ein "Ich steh dazu, ich stehe für alte Damen und der Bahn auf.."

Mittwoch, 03.02.10 14:18
 

@ lurchi

"Bald komt ein "Ich steh dazu, ich stehe für alte Damen und der Bahn auf.." "

ehm wieso nicht...ich finde diese rubrik darf ruhig das widerspiegel was in der heutigen gesellschaft nicht immer für selbstverständlich gilt!

ICH STEH DAZU: ich stehe für ältere MENSCHEN in der bahn auf!

=> eben das ist nicht mehr selbstverständlich!

beispiel:

ice fährt von ort a nach ort b. ein fahrgst beobachtet das ein 19j. gestylter junge ein älteres ehepaar (um die 70 ) auffordert den platz zu verlassen, da er rechtmässiger inhaber einer "BAHN COMFORT" - karte wäre und dieser platz somit den abonennten zustehe.

kein scherz, das passiert zu oft!!!

also ich hol mir nun auch nen ausweis...ihr könnt ja noch rummosern und über die selbstverständlichkeiten grübeln!

danke für den bericht - wusste nicht das das so einfach geht!

grüße

Mittwoch, 03.02.10 14:30
 

es ist ein unterschied ob ich im bus odr in der s-bahn aufstehe, weil die fahrt ja eh nicht lange dauert und dort keine prätze reservierbar sind. das ist höfflich.

unhöfflich ist es wenn es verschiedene preistufen gibt und mich auf langstrecken also bahn etc auf einen platz setze der mir nicht zugedacht ist und für den ich auch nicht gezahlt habe.

Da spielt das alter keine Rolle !!!

Mittwoch, 03.02.10 14:55
 

So einen Ausweis solte man allein aus Liebe zu seiner Familie bei sich tragen, denn in dem Falle eines tödlichen Unfalls, werden sie wohl ganz andere Sorgen haben, als sich um Organspenden zu kümmern.

Von mir aus können sie von mir alles haben, was sie wollen, ich kann aber trotzdem verstehen, wenn Leute zB ihre Augen oder ihr Herz behalten wollen. Aber für die gibt es auch die Option, diese Organe und Gewebe im Ausweis anzugeben, so dass sie nicht entnommen werden. Man kann sogar einen Ausweis haben, und darauf ankreuzen, dass man alles behalten will.

Also gibt es keine Ausrede, um so ein Ding nicht bei sich zu tragen, man kann damit erstens Leben retten und zweitens den Angehörigen die Möglichkeit geben, in Ruhe zu trauern ohne sich um son Zeug noch kümmern zu müssen.

@lurchi: natürlich ist es keine "Leistung" einen Organspendeausweis zu besitzen, damit ist man nicht automatisch Lebensretter oder sonstwas. Ich zu meinem Teil finde es selbstverständlich so einen Organspendeausweis zu besitzen, aber offensichtlich ist es das in unserer Gesellschaft nicht, sonst würden nicht so viele Leute Jahre auf Organe warten. Ich hab selber die Ausweise an einem Stand ausgeteilt und darüber informiert, es war echt erstaunlich, wieviele Leute noch keinen besaßen, allein aus dem Grund, sich noch nie Gedanken dazu gemacht zu haben. Wenn es in einigen Jahren hoffentlich selbstverständlich ist, Organe zu spenden, dann hat dieses Artikel in der "ich steh dazu" Rubrik nichts mehr zu suchen. Bis dahin, lass fudder doch in Ruhe, exemplarisch an einem DJ darüber informieren.

Mittwoch, 03.02.10 15:06
 

@Lurchi & All:

Wir haben darüber diskutiert, ob wir ein "Ich steh' dazu" zu diesem Thema machen sollten. Einige Mitarbeiter fanden das unpassend, das Thema zu ernsthaft für diese Kategorie.

Wir haben dann mal durchgezählt. In der fudder-Redaktion gab es an dem Tag bei fünf Leuten zwei Organspendeausweise. Das entspricht so ungefähr dem Durchschnitt. Und mich? Hat das schockiert. Einer der Organspendeausweise ist meiner, und für mich ist es eine Selbstverständlichkeit, einen zu besitzen, ihn bei mir zu tragen und ihn aktuell zu halten (mit Telefonnummern von Verwandten, etc.).

Das das für andere Leute, die an diesem Tag anwesenden anderen drei, sehr von mir geschätzten Menschen, nicht so ist, konnte ich gar nicht glauben.

Organspendeausweise! Den hat man doch einfach!

Hat man aber eben nicht. Siehe: 17% Ausweisdichte. Vielleicht hilft der kleine Text von und über Robert ja, dass heute ein paar Leute den Ausweis ausgedruckt und ausgefüllt haben.

Und ich muss dir Widersprechen: meiner Meinung nach ist das Beschäftigen mit der Organspende-Thematik und das Ausfüllen eines Ausweis ganz klar eine Leistung, für die jemand Anerkennung verdient hat.

Mittwoch, 03.02.10 15:28
 

Und eine schöne Sache, wie meiner Meinung nach mehr Leute dazu angeregt werden würden, sich mit dem Thema zu beschäftigen (und zwar ganz ohne Gesetzänderung in Bezug auf Zustimmungs vs. Widerspruchsregelung):

Einfach ein Feld auf dem Personalausweis oder Führerschein, wo man selbst makieren kann, ob man Spender ist, oder nicht. (Wurde bis 2005 z.B. in Australien so gemacht.)

Mittwoch, 03.02.10 16:09
 

1. Es ist nicht selbstverständlich einen Organspendeausweis zu haben, denn sonst hätte ihn ja jeder.

2. Finde ich es überraschend schon zwei leute gesagt haben das sie keine Ahunung haben das es so einfach geht an so einen Ausweis zu kommen das zeigt ja das es wirklich herzensangelegenheit ist.

3. Es gibt viel wichtigere Dinge die Menschenleben retten, wie das Abspeichern der Angabe von Medikamenten die man zu sich nimmt, Blutgruppe, Notrufnummern usw usw.


viel wichtiger als Organspenderausweisträger zu sein ist, sich als Stammzellenspender eintragen zu lassen, aber das wäre ja mit Arbeit verbunden.

Mittwoch, 03.02.10 16:10
 

Ich finde die österreichische Regelung am besten da die Anschaffung eines Spenderausweises ja zunächst eine Aktivität erfordert und Faulheit leider fast immer siegt (ich habe schon seit vielen Jahren einen).

Mittwoch, 03.02.10 16:39
 

Vielleicht sollte jeder Mensch auch selbst entscheiden dürfen ob er Organe zur Verfügung stellt oder nicht.

Es ist doch vielmehr eine bankrotterklärung an den mündigen Bürger wenn dieser nicht im stande ist einen kleinen Zettel auszufüllen.

Die Faulheit liegt bei denen, die nicht im stande sind sich 2. Min Zeit zu nehmen um Leute davon zu überzeugen sondern es lieber per Gesetz machen.

Mittwoch, 03.02.10 16:42
 

Einen Nachteil hat die Widerspruchsregelung in Österreich allerdings: man muss sich nicht mit dem Thema Organspene beschäftigen. Und dann gibt es Stress, wenn der Fall der Fälle eintritt, weil die Angehörigen nicht wissen, ob der Verstorbene das wirklich wollte oder nicht.

Ich brauche wenig Phantasie, um mir da ein paar schlimme Szenarien vorzustellen.

Ich finde das deutsche System gar nicht *so* schlecht es ist zumindest schön unbürokratisch: jeder hat seinen Ausweis selbst, kann ihn ändern wie er will, wegwerfen, whatever. Ich würde mir nur wünschen, dass man irgendwann mit dem Thema deutlich konfrontiert werden würde. (z.B. mehrfach im Ethik-Unterricht, oder in der Fahrschule).

Mittwoch, 03.02.10 17:41
 

Vielleicht wäre es aber gut sich andere Contra Punkte vorzustellen,schlieslich kann man dann nur eine gute Entscheidung treffen, aber bei solch diskussionen bempht sich keiner darum, weil keiner ja so "selbstverständlich" sein will.

Mittwoch, 03.02.10 18:11
 

Ich steh dazu; ich hab kein spenderausweis.
da hier alle so schön aufgeklärt sind nehme ich an, dass jeder über den handel und dem auswahlverfahren für die empfänger sich im klaren ist.
eine widerspruchserklärung in östereich bringt auch nicht viel, der blöde zettel geht bei einem unfall garantiert flöten. kein wunder bei der besoldung eines unfallnotarztes und der höhe für die provision einer niere.
ich steh dazu; ich hab schiss vor organspende, die vor dem hirntot erfolgt.

Mittwoch, 03.02.10 18:23
 

1. es gibt kein großes Auswahlverfahren, sondern die dringlichkeit und die weite brestimmt wer was bekommt.

2. in Ö gibt es eben keiner Zettel sondern die nächsten Verwandten müssen/dürfen das den willen interpretieren.

3. da in Deutschland zwei Ärzte den Tod feststellen müssen ist die chance in ländlichen Bereichen kaum möglich ein passendes Organ zu erhalten.

4. schön das trotzdem jemand sich dazu outet.

5. das emotionale hat zwar noch keiner behandelt, aber vielleicht kommt es ja noch dazu :)

Mittwoch, 03.02.10 18:38
 

@Caro: Ich denke nicht, dass eine Widerspruchsregelung langfristig zu Problemen mit den Angehörigen führen würde, da die Regelung mit der Zeit selbstverständlich würde. Höchstens die Übergangszeit könnte schwierig werden.
Die deutsche Regelung ist wirklich sehr schlecht. Und zwar vor allem deshalb, weil sie nicht dazu zwingt, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen. Verstehe nicht, wieso du das als Nachteil der Widerspruchsregel aufführst. Wie schlecht man in Deutschland über das Thema informiert ist, zeigt sich schon in der Vielzahl von Irrtümern, die so im Umlauf sind (Nachzulesen z.B. bei der DSO). Die Konfrontation in der Fahrschule ist sinnvoll, aber es sind ja längst nicht nur verunglückte Autofahrer, die als Organspender in Frage kommen.
Eine Widerspruchsregelung wäre wirklich sinnvoller.

Mittwoch, 03.02.10 19:16
 

benson & Hedges
Genau diese Angst gilt es zu nehmen! So läuft die Geschichte nämlich nicht ab. Es müssen mind. 2 Mediziner den Fall der Fälle feststellen, damit es überhaupt zur Organentnahme kommt. Liegt kein Ausweis vor werden die Angehörigen sehr einfühlsam befragt, ob die Möglichkeit der Spende bestehe.
Man Vater starb mit 63 völlig überraschend am plötzlichen Herztod. Weil er keine Krankheitsbilder aufwies, sehr fit war (lief noch Marathon und fuhr Rennrad), wurde die Leiche von der Staatsanwaltschaft beschlagnahmt, wegen der Obduktion. (In Österreich findet fast immer eine Leichenschau statt, so als kleiner Einwurf)
Ungefähr nach 12 Stunden kam ein Anruf aus der Pathologie, ob die Möglichkeit bestehe, die Hornhaut der Augen zu entfernen, als Organspende... usw usf.

Mittwoch, 03.02.10 19:16
 

Also, jetzt muss ich da auch mal was klarstellen, damit hier keine falschen Gerüchte aufkommen...

1.) Jeder sollte nen Ausweis haben und wenn man nur damit klar machen möchte, dass oder was man nicht spenden möchte...
2.) Das Ding hält in einem durchschnittlichen Männerportemonaie mehrere Jahre, kann ich nur bestätigen...
3.) Zu Lurchis Infos & den Bedenken von Benson & Hedges:

Ja, es müssen zwei Ärtzte unabhängig voneinander den Hirntod des Patienten anhand einer Hirnstrommessung feststellen. Das ist erst erlaubt, wenn man in einer extra entnommenen Blutprobe festgestellt hat, dass der Patient keine sedierenden (=ruhigstellenden) Medikamente mehr im Blut hat, damit klar ist, dass er nur wegen der irreparablen Hirnschäden nicht mehr aus dem Koma erwacht...

Es gibt keine Provisionen für gar nix bei dieser Sache. Alles läuft über eine europaweite Koordination namens Eurotransplant. Dort sind alle Patienten aufgelistet und nach Dringlichkeit geordnet. NUR die HU (=high urgency) gelisteten Patienten haben eine Chance ein Organ zu bekommen.

Jedes Organ wird bei Entnahme in kleinen Gewebsproben auf Funktion und Gewebemarker überprüft, gleichzeitig werden oft mehrere potentielle (HU-)Empfänger in die ihnen jeweils am nähesten liegende Klinik, die transplantieren kann, gerufen. Dann erfolgt die Entscheidung, ob man das Organ transplantieren kann und bei welchem Patienten das Gewebe am genauesten passt. Während das Organ unterwegs ist, wird der passende Patient schon auf die OP vorbereitet, je nachdem wie lange das Organ außerhalb eines Körpers überleben kann. Da eine Niere z.B. ohne großen Schaden bis zu 24h in einer Konservierungslösung "haltbar" ist, kann ein Empfänger in Freiburg auch problemlos eine Niere aus Belgien o.ä. bekommen....

Noch Fragen?
Die Bundesärztekammer hat für diese Situation strengste Richtlinien, wen es genauer interessiert....

http://tinyurl.com/yf33x8j

Mittwoch, 03.02.10 19:41
 

@Zorro: danke für diesen Beitrag. Vielleicht hätten die Fakten besser auch noch in den Artikel aufgenommen werden sollen.

Mittwoch, 03.02.10 21:45
 

Super ausführlich, Zorro und gleich mal der Dummheit den Wind aus den Segeln genommen...

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