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Nachtmacher (22): Footloose Shows

Footloose Shows in der KTS – dem gemeinen Indie-Fan oder Post-Irgendwas-Connaisseur ein Begriff, dem anderen vielleicht eher weniger. Dahinter verbirgt sich jedenfalls eine ganze Horde von Nachtmachern. Alex hat sich mit einer vierköpfigen Abordnung getroffen.

Footloose

„KTS – ey, samma, Alter, is’ das nich’ dieses linke Bazillenpack?“

Vorurteile wie dieses fliegen der KTS und denjenigen, die dort Veranstaltungen organisieren, zu wie Pollen den Allergikern. Ungefragt sind sie da. Ungefragt bleiben sie.

Ganz und gar nicht ungefragt versammeln sich die Konzertveranstalter der Footloose Shows an einem Sonntagabend im Grünhof. Der Tatort muss heute ausfallen.

Dahinter verbirgt sich ein Kollektiv. Rund zehn Leute umfasst der Kreis derer, die sich bei Footloose Shows einbringen – ehrenamtlich, ohne Gage, aus Liebhaberei. Vier davon stehen uns Rede, Widerrede und Antwort.

Da die Macher gerne anonym bleiben möchten, nennen wir sie einfach Anna, Benni, Chris und David. First Ladies first, das gehört sich so. Anna: ebenmäßige Züge, dezent geschminkt, dunkle, glatte Haare, Piercings im zweistelligen Bereich. Benni: peppig, flotter Seitenscheitel, dezent auffällige Tattoos an den Armen, auch solche mit explizitem Musikbezug. Chris: Bart-Brillen-Käppiträger mit selbstbemaltem T-Shirt in Lila. Alle drei schmal. David: eher unauffällig, kurze, braune Haare, leichte Geheimratsecken, etwas wuchtiger, Henry-Rollins-Typ.

Footloose

Schwerpunkt: Alles mit Post-

„Wir machen alles mit ‚Post-’ davor – Post-Punk, Post-Rock, Post-Pop“, meint David, „aber auch Doom, 80er-Hardcore, Post-Hardcore und experimentellen Kram.“ Er lacht, hält inne, überlegt, blickt fragend in die Runde. „Eigentlich ist alles vollkommen unterschiedlich.“ Schwerpunkt ist Punk und Post-Punk und die eingeladenen Bands haben in der Regel einen Bezug zur Szene. Das Duo Eagle & Talon, das im November hier war, fällt da ein Stück weit raus. Na ja, so ganz ist man sich da nicht einig, nein, vielmehr lautet der gemeinsame Nenner: große Bandbreite. Meinungsfindung kann im großen Kollektiv ein schwieriger Prozess sein.

Dabei hört sich der musikalische Werdegang des Quartetts erst einmal an wie – nein, nicht etwa wie abgesprochen, sondern ähnlich erlebt oder parallel erfahren. Benni kam 2002/03 nach Freiburg, ist viel auf Konzerte gegangen, hat da mitgeholfen und selbst in diversen Bands gespielt. Chris hatte in Trier schon Konzerte organisiert, in Bands gespielt und ist 2007 in Freiburg gelandet, hat 2008 dann David kennengelernt. Auch Anna und David sind über Freunde dazugestoßen. Anna zum Beispiel hat vor sechs Jahren mal an der Theke gestanden, mal Kasse gemacht. David hat damals einem Freund geholfen und die, wie er sagt, schöne Szene genossen. (Nein, keine Szene in einer TV-Serie.)

Footloose

D.I.Y. vs. Mainstream

Allen vier gemeinsam ist der D.I.Y.-Begriff.

Do it yourself. Spätestens seit den 1970ern stand dieses Kürzel nicht für Baumärkte oder Heimwerker, sondern für die Punk- und Hardcore-Subkultur. Stichwort: Gegenkultur. Das „Do it yourself“-Prinzip in der Punkszene umfasste Konzerte und andere Veranstaltungen organisieren, auch Schlafmöglichkeiten für die Bandmitglieder, Flyer und Plakate verteilen, Fanzines herausgeben und kochen bei Volxküchen und dergleichen mehr. Demselben Ideal fühlen sich auch Footloose Shows verpflichtet.

Grundidee ist, dass es sich um unkommerzielle Kultur handelt, die woanders nicht stattfindet, da das Ganze an den Finanzen scheitert. Low oder No Budget, Nicht-Kommerz, Nicht-Mainstream. Zugleich wollen die Macher mit ihrem Wirken politische Gruppen unterstützen, die dem eigenen Selbstverständnis entsprechen. „Die Haltung, der Background müssen schon stimmen“, sagt Chris. „Unsere Musik findet in Autonomen Zentren und Jugendzentren statt, weil wir da unsere Ansprüche umsetzen können.“

Es soll für alle ein fairer Deal sein. Damit das funktioniert, können sogar die unkommerziellen und unkonventionellen Veranstalter gewissen Zwängen unterliegen – Mainstream in Mini, Business in Bonsai. Wenn zu einer Band wie Frittenbude 400 Besucher kommen, lassen sich mit den Einnahmen fünf Konzerte mit weniger Zuspruch finanzieren. Im Schnitt kommen zwischen 50 und 80 Besucher, sagt das Quartett.

Footloose

Kommerzfilm als Namensgeber

Wie eine lustige Fußnote mutet es da an, dass der Namensgeber ein Mainstream-Hollywood-Streifen gewesen ist. Ausgerechnet der TanzfilmFootloose“ von 1984 hat Nicole (Name von der Redaktion geändert), der Erfinderin des ersten Footloose-Festivals im Jahr 2006, so gut gefallen, dass sie diesen gleich für die Veranstaltung verwendete. Wohin doch Fantum alles führen kann! (Auch wenn die Glotze heute erst mal aus bleibt.)

Mit ihrem Abgang ist zwar auch das Festival gestorben, aber dafür finden ja regelmäßig Konzerte von Footloose Shows statt, meistens in der KTS. „Wir machen ungefähr zwei bis sechs Konzerte im Monat. Wir hatten auch schon mal fünf Konzerte in zehn Tagen, das war im Frühjahr. Da ist, wie im Herbst, meist mehr los“, erläutert David.

„Bei uns bekommen die Bands alles – abzüglich der Kosten für Essen und Flyer“, betont der Mann mit den Geheimratsecken. „Wir legen sogar manchmal drauf. Es verdienen eben nicht lauter Leute dran.“ Dafür leistet das nachtaktive Kollektiv ehrenamtliche Arbeit, aus Idealismus. Am Tag des Konzerts sind die Hauptverantwortlichen 20 bis 24 Stunden im Einsatz. Eine klare Aufgabenteilung gibt es dabei nicht. Einer brüllt: „Der, der das Ganze festmacht, putzt die Klos!“ Alle lachen.

Gekocht wird fast immer zusammen, selbstverständlich immer vegan, wie die vier betonen. Manchmal kommen auch Diskussionen über Fleischverbote im Haus auf, also in der KTS. Aber zu 90 Prozent seien sowieso alle in der Szene Vegetarier, sagt Benni. Man hat eine ähnliche Sozialisation, tickt auch über die Musik hinaus ähnlich. (Auch beim Fernsehen.)

KTS: Problematik vs. Polemik

Doch so naheliegend ist das gar nicht. Hinter Footloose stecken: zwei Sozialpädagogen, ein Heilerziehungspfleger, ein Doktorand der Forstwissenschaft, ein Landschaftsgärtner, ein Lagerist, ein VWLer und ein Informatiker. Anders als mancher vielleicht vermuten würde – zumindest laut dem weit verbreiteten Vorurteil gegenüber den KTSlern und den mit der KTS Assoziierten. Denn dass die KTS als Veranstaltungsort so einen „komischen“ oder schlechten Ruf hat, nervt die vier gewaltig.

Das scheint viele vom Konzertbesuch abzuhalten. „Auch bei fudder gibt es dann gleich 40 Kommentare, sobald die KTS ins Spiel kommt“, sagt Anna. „Warum kommen die Leute nicht zu uns?“ Zumindest mussten sie und ihre Mitstreiter mit ansehen, wie ihre Konzerte im Great Räng Teng Teng oder im White Rabbit gerammelt voll waren, während dieselbe Band bei ihrem Gig in der KTS weit weniger Leute zog.

Es könnte aber auch an der Uhrzeit liegen: Konzertbeginn an einem Montagabend um 23 Uhr ist nicht jedermanns Sache. Häufig spielen obendrein mehrere Bands. „Wir würden alle gern früher anfangen. Wir wissen auch nicht, warum das so ist“, sagt David fast entschuldigend. „Also, Leute, kommt früher!“ Im Gegensatz zu manch ausbleibendem Konzertgänger sind die Footloose-Macher dankbare Montagsabnehmer: Da dieser Wochentag als Seuchentag auf der Tour gilt, kriegt der Veranstalter hier bessere Bedingungen. O-Ton Chris: „Das Wir-bezahlen-den-Sprit-Ding geht halt nimmer.“

Footloose

Qualität serienweise

Und was ist das Besondere an euren Shows? „Wir machen viele verdammt gute Bands, wir sind von der Qualität her auf einem ziemlich hohen Level“, fügt Chris hinzu. „Und man kann musikalisch bei uns etwas Neues entdecken“, ergänzt Anna. „Bands, die woanders größer sind, kann man bei uns noch mal im keinen Rahmen erleben“, meint David, „es ist vor allem die Atmosphäre: die Mischung aus angenehmem Publikum, nahbarer Band und intimem Rahmen.“ „Wir interessieren uns für neue Bands, bevor sie in der Intro stehen. Wir sind alle musikverrückt“, erklärt David. Die anderen nicken. Da ist er wieder, der gemeinsame Nenner.

Der ist auch sonst da, wenn es um Fernsehserien geht. Fast alle sind bekennende Junkies. Serienjunkies.

[Fotos von den Footloose-Shows mit Lights Out, Des Ark, Air People, Lucy Fell, Dominic : Martin Neumann]

Mehr dazu



Was: Happiness (SWE) + Liger (AUT) Wann: Montag, 14. Dezember 2009, 21.30 Uhr Wo: KTS Freiburg  




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Kommentare
Anzahl der Kommentare: 9
Dienstag, 08.12.09 12:27
 

daumen hoch!

Dienstag, 08.12.09 13:03
 

geile pics!

Dienstag, 08.12.09 13:16
 

daumen auch hoch! aber montags 23 uhr is leider so eine miese zeit ...

Dienstag, 08.12.09 15:08
 

superb!

Dienstag, 08.12.09 18:38
 

Haben auf jeden Fall immer mal wieder richtige Perlen am Start und das für wenig Geld :)

FTLS SHOWS
Dienstag, 08.12.09 19:03
 

Wir fangen gerne am Montag pünktlich an, brauchen dafür aber eure Unterstützung. Wenn das Publikum erst um 23:00 Uhr allmählich eintrudelt, ist es naheliegend, dass aus Freundlichkeit auch auf die Gäste gewartet wird :)

Somit der dezente Hinweis, noch einmal:

MONTAG - 21:30 Uhr (Pünktlich! Fester Vorsatz!)

HAPPINESS (SWE) http://www.myspace.com/sthlmhappiness
( synthwavepop with members of tar... feathers )

+

LIGER (WIEN/BERLIN) http://www.myspace.com/postfolk
( multiinstrumentalartrock//file under xiu xiu )

@ KTS - Basler 103 // 79100 Freiburg

... man sieht sich!

Dienstag, 08.12.09 20:50
 

schöner artikel und sehr sympathisch und hilfsbereit die mädchen und jungs von footloose.
d.i.y. or die.

Mittwoch, 09.12.09 12:18
 

"Wir fangen gerne am Montag pünktlich an, brauchen dafür aber eure Unterstützung. Wenn das Publikum erst um 23:00 Uhr allmählich eintrudelt, ist es naheliegend, dass aus Freundlichkeit auch auf die Gäste gewartet wird :)"

bitte in stein meisseln und an allen zentralen punkten aufstellen;)

wie jetzt?
Donnerstag, 10.12.09 21:26
 

keine dämlichen "kts-dreckspack"-kommentare?
ich bin schockiert...

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