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Wie werde ich Organist? (32)

Kirsten Galm, 31, ist Organist in der Universitätskirche. Der gebürtige Augsburger berichtet im folgenden unter anderem darüber, mit welchen Tücken er bei seiner Arbeit zu kämpfen hat und warum man als Organist auch Improvisationstalent braucht.



"Ich sehe meine Arbeit nicht unbedingt als Beruf, den ich nur ausübe, um Geld zu verdienen, sondern vielmehr als Lebensinhalt. Ich kann Handwerker und gleichzeitig Künstler sein. Mit elf Jahren begann ich, Klavier zu spielen. Früh mit Klavier anfangen, das kann ich sowieso jedem empfehlen, der Organist werden will.

Davor war ich Messdiener und dementsprechend christlich sozialisiert. An der Orgel konnte ich aber wegen meiner Körpergröße noch nicht spielen, da man viele Töne nur mit den Füßen erreicht. Als ich groß genug war, setzte ich mich sofort auf die Orgelbank.

Die meisten Organisten spielen in der Kirche und sind gläubig. Es gibt zwar immer wieder Ausnahmen. Wenn aber eine Gemeinde einen Organisten einstellt, dann schaut sie vorher auch, ob sich der Kandidat mit ihrer Wertvorstellung identifizieren kann. Ich habe wie gesagt eine starke Bindung zur Kirche. Wie viele Organisten, drücke auch ich meinen Glauben aus, indem ich dort Musik mache.



Ich absolvierte eine dreijährige Ausbildung als Kirchenmusiker und Organist in Augsburg. Die Ausbildung kann man in jeder Diözese machen, sie wird aber in der Regel nicht vergütet. Danach studierte ich zwölf Semester lang an der staatlichen Hochschule für Musik in Freiburg. Mittlerweile spiele ich deutschlandweit. Unter anderem in Köln, Hannover, Münster, Frankfurt, Saarbrücken und natürlich in Freiburg.



Geregelte Arbeitszeiten habe ich keine. Ich muss Gottesdienste vorbereiten und entsprechend üben, da ich sehr viele Stücke beherrschen muss. Auch Organisationsarbeit gehört dazu. Da ich hauptsächlich in der Universitätskirche spiele, muss ich oft mehr als 20 Mails am Tag schreiben. Denn diese Kirche ist ein sehr beliebter Ort und es gilt, die Programme jedes Mal gut abzustimmen.

Was viele nicht wissen: Als Organist braucht man auch Improvisationstalent. Ich spiele nicht nur komponierte Stücke, sondern muss Musik auch spontan selber erfinden. Während eines Gottesdienstes kommt es häufig vor, dass noch zwei Minuten Zeit bleiben, bis es weitergeht. Und diese zwei Minuten muss ich  mit Musik füllen. Da kann ich nicht einfach irgendein Stück von Johann Sebastian Bach nehmen, das fünf Minute dauert, sondern muss mir etwas ausdenken, das dazu passt.



Mit dem Instrument haben wir Organisten oft Probleme. Da die Orgel sehr groß und technisiert ist, kommt es immer wieder zu Ausfällen. Meist fünf Minuten vor Konzertbeginn oder mitten im Gottesdienst. Im Freiburger Münster zum Beispiel, in dem ich manchmal spiele, ist die Technik sehr kompliziert, da man dort vier Orgeln zusammenspielen muss. Die Elektronik spielte mir schon oft einen Streich: mitten im Gottesdienst ging die Orgel los.











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Kommentare
Anzahl der Kommentare: 9
Mittwoch, 02.12.09 22:09
 

wie werde ich onanist?

Mittwoch, 02.12.09 22:41
 

wenn dir das nötige fingerspitzen- und taktgefühl fehlt kannstes eh knicken, da kannstn auch gleich in nen ventilator stecken

Mittwoch, 02.12.09 23:05
 

Toll :) Der kann nicht nur Orgel spielen sondern ist auch sehr nett.

Schöner Artikel :)

Donnerstag, 03.12.09 01:20
 

Und am Sonntag alle schön ins Münster kommen!
Münsterkonzert mit Domkapelle, Domchor, Philharmonischen Orchester, Solisten für Bass, Tenor, Alt und Sopran.
Prof. Schnorr an der Orgel:-) unter der Leitung von Domkapellmeister Boris Böhmann

Gespielt wird Saint Nicolas von Benjamin Britten
und eine Bachkantate:-)

Das wird geil.

Donnerstag, 03.12.09 02:34
 

roger federer is auch organist? :)

Donnerstag, 03.12.09 08:12
 

Für den Mann würde ich glatt auch mal in die Kirche gehen ;-)

Donnerstag, 03.12.09 08:54
 

Dann kommt doch alle mal am Sonntag in Münster:

http://www.freiburger-dommusik.de/index.php?option=com_content &task=view&id=82&Itemid=3

Donnerstag, 03.12.09 14:35
 

"Da ich hauptsächlich in der Universitätskirche spiele, muss ich oft mehr als 20 Mails am Tag schreiben."

find ich per se nicht so krass, kenne ich aus anderen (nicht-i-net-afinen) berufen auch. hätte ich mir von einem organisten jetze aber nich erwartet, wa?!

als begleitende lektüre zu empfehlen: john irving, until i find you.

Donnerstag, 03.12.09 16:18
 

Was mir immer noch ein Rätsel ist:

Das Münster ist doch so gross (lang) dass die Laufzeit des Schalls schon deutlich ins Gewicht fällt.

Wie kann man denn
1. eine entfernte Orgel vom zentralen Spieltisch aus spielen ?

Oder gar - was ja auch vorkommt - mehrere oder gar alle zusammen mit mehreren Organisten synchron spielen ?
Der Spieler vor Ort hört ja den Schall der anderen Orgeln mit Verzögerung mit.

Und wieso klingt das dann an jeder (!) Stelle im Münster noch gut ?

Kleine Laufzeitverzögerungen sind übrigens sehr viel irritierender als Grosse.
Wir hatten mal das Experiment gemacht, die eigene Sprache über Kopfhörer zeitversetzt wieder zuzuspielen.
Bei Sekundenbruchteilen haben alle nur noch rumgestammelt, bei deutlich mehr als einer Sekunde ging es dann wieder...

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