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Mit geschnürten Stiefeln: The Cinematics im Waldsee

Vorband abgesprungen, andere notgedrungen eingesprungen. Hauptband kaum auf der Bühne, fast schon wieder auf dem Absprung. Wie da ein Schuh draus wird, weiß Alex.

Keine leichte Aufgabe für den Veranstalter Claus Weissbarth von SoundGoRound: Die Vorband Diego hat am Montag ohne Angabe von Gründen abgesagt. Kurzfristig eingesprungen sind die Karottenhosen tragenden The Fountains aus Aschaffenburg. Hinten der Drummer, vorne der Sänger, zu seiner Linken und Rechten je ein Saitenschwinger, beide ganz in Schwarz und mit fransigem Seitenscheitel.



Das Quartett spielt druckvoll gleich vom Start weg. Discorhythmen, Indierock, ein bisschen Elektrogefrickel, nicht weit von The Robocop Kraus: Mit angenehmem Hang zur Exaltation und großartiger Stimme gesegnet, schraubt Sänger Christian nebenher am Synthie rum, dazu macht der wuselnde Lockenkopf Schwundstufen von Tanzbewegungen.

Die Jungs bieten eine energiegeladene Show, geben Gas – und das, obwohl der Frontmann sich erst mit Ibuprofen und ABC-Pflaster für den Auftritt dopen musste. Liegt England jetzt in Aschaffenburg? Die Krise als Chance, sie sind ein echter Gewinn. Schade, dass die rund hundert Zuschauer sich nur jenseits der imaginären Mittellinie aufhalten. Auch wenn das Schlagzeug diesmal dünn und blechern tönt – Daumen hoch für The Fountains!



Knickknack, da sind die Schotten. Und zack ist das Publikum wie auf ein geheimes Kommando zehn Meter nach vorne gerückt. The Cinematics klingen im ersten Moment wie erwartet: zackig, knackig. Wirken tun sie etwas zickig. Oder ist das einfach nur die Cool Britannia-Attitüde: Wir spielen unseren Stiefel möglichst flott in 40 Minuten runter, that’s it?

Die schottischen Britpopper spielen und spulen ihr Repertoire tatsächlich erst mal routiniert runter. Ist es das neue, immergleiche, alte Indie-Ding, das keiner braucht? Es sei denn, man steht auf eine kleine Zeitreise durch die letzten Jahrzehnte, die Nuller, die Neunziger, die Achtziger? Die Referenzmaschine wird bei den Cinematics ja schnell und gerne angeschmissen: Bloc Party, Joy Division, The Editors, Franz Ferdinand...



Sichtlich Spaß am Auftritt hat am ehesten noch die Rhythmusgruppe, zumal der Basser derart brummt und groovt, dass es einem wohlige Schauer über den Rücken jagt. Mit der Hi-Hat stimmt was nicht, da hakt es etwas. Die Gitarrenfraktion brezelt straight nach vorne, wenn auch bisweilen etwas lustlos.

Allen voran Mr. Robert Smith jr. alias Larry Reid: Der Gitarrist mit seinen hoch geschnürten Springerstiefeln sieht aus wie The Cure, klingt aber wie The Edge. Gespielte Miesepetrigkeit oder gekonnte Lustlosigkeit? Egal. Ruckzuck fährt die Musik in die Beine, und die Band kommt richtig in Spiellaune.



Live ist die Band häufig erstaunlich nahe an U2 dran. Auch der Sänger wandelt manchmal auf den schwer zugänglichen Bono-Pfaden, was ja bei dessen charismatischer Sonderstimme alles andere als einfach ist. Aber – Achtung, Ketzerei! – mit U2 kann unser Rezensent seit Zooropa nichts mehr anfangen. Und – sorry, ihr Millionen Fans von stadiontauglichem Gutmenschen-Rock – The Cinematics klingen besser als das Original. Jedem seine Zeit.

Noch eine Fußnote zum Schuhwerk: Vom Dandyslipper über den Springerstiefel bis hin zum Tuntenstiefel hat die Band alles an Bord, was das Auge ergötzt. Und ihren Stiefel haben sie irgendwie cool runtergespielt.








  [Fotos: Max Orlich]




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Kommentare
Anzahl der Kommentare: 2
Freitag, 27.11.09 15:26
 

der gitarrist sieht tatsächlich miesepetrig aus. gut getroffen :)

Freitag, 27.11.09 17:45
 

ich glaube kaum, daß man sich für die ablehnung des kompletten u2-(un)werks nach der zooropa entschuldigen muß.

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