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Nachtmacher (20): Egbert Landes

Es gibt die Großen, die üblichen Verdächtigen, die mehrere Partyreihen am Laufen haben und sich an manchen Abenden fast selbst Konkurrenz machen. Und es gibt die Kleinen, die gelegentlich ins Freiburger Nachtleben eingreifen und in engen Kellerkneipen feine Konzerte veranstalten. Egbert Landes, aus der Punk-Garagen-Ecke kommend, ist so einer. Seit über fünf Jahren sorgt er für Live-Musik im My Way.

 

Zur Prime Time in einer Kneipe im Stühlinger. Landes landet, mit leichter Verspätung. Ein nett aussehender, jung gebliebener Mann mit Seitenscheitel und vollem Haar, der mittlerweile die 40 überschritten hat. Gepflegte Erscheinung, beige-braunes Brillengestell, hellblaues Hemd, beigefarbene Cordjacke. Eigentlich könnte Egbert Landes, den alle nur Ecky nennen, genauso gut Buchhalter, Fernsehmoderator oder Vertriebsleiter sein. Wenn man die leichten Western-Applikationen auf seinem Hemd betrachtet, würde man ihn vielleicht für einen Countryfan halten. Allenfalls Blues.

Doch Eckys Leidenschaft gilt der Garagen-Punk-Mucke. Beim Liquid Laughter Lounge Quartet sitzt er seit über 10 Jahren am Schlagzeug. Sie tragen gekonnt, verzerrt, morbide den Rock ’n’ Roll zu Grabe, um ihn countryesk, mit Filmmusik-Flair wieder auferstehen zu lassen. Stimmungs- und stilvoll. Selber musikalisch sozialisiert worden ist er mit dem Punk.



Oi-Punk in der hohenlohischen Provinz

Mitte der 80er Jahre im hohenlohischen Crailsheim, einem beschaulichen Städtchen mit damals 25.000 Einwohnern. Ecky fängt gemeinsam mit einem Freund an, im Jugendzentrum Konzerte zu organisieren. Die Oi-Punk-Band The Idiots aus Dortmund und Irha aus Bologna, dieser Doppelpack war sein erstes Konzert – als Veranstalter. „Da waren wir halt Punks. Und Punk-Konzerte waren am einfachsten zu organisieren – US-Bands, lokale Bands, Hamburger Bands“, berichtet Ecky.

Wie das damals geklappt hat, so ganz ohne E-Mail und Handy? Ecky wirft den Kopf zur Seite und überlegt kurz. So ganz genau kann er sich nicht mehr erinnern. „Wir haben das damals per Telefon ausgemacht. Komischerweise hat’s immer geklappt.“ Im Lauf der Zeit hat es sich herumgesprochen, dass in Crailsheim musiktechnisch was geht. „Die Agenturen haben dann Platten geschickt oder die Bands Demos.“ Fünf, sechs oder sieben Jahre lang hat er dort für Live-Musik gesorgt, so genau weiß er das auch nicht mehr. Damals, in den 80ern, hat Ecky auch angefangen selber Musik zu machen. „Was, euch fehlt ’n Bassist? Okay, mach ich!“ Und schon wurde mit Feuereifer drauf los geschrammelt. „Von den Wurzeln her kamen wir vom Punk. Ungewöhnlich war aber, dass wir deutsche Texte hatten, die nicht rein Punk waren“, erinnert sich der gelernte Speditionskaufmann.



Gigs in Freiburg

1990 hat es Egbert Landes nach Freiburg verschlagen. Während er beim LLLQ weiter die Basssaiten beackerte und irgendwann ans Schlagwerk wechselte, trat er als Veranstalter über Jahre hinweg so gut wie gar nicht mehr in Erscheinung. Wenn man mal davon absieht, dass er Gigs für die eigene Band organisiert hat.

Sehr gut haftet ihm noch die Erinnerung an sein erstes Konzert in Freiburg an, also das erste, das er hier auf die Beine gestellt hat. Witzigerweise auch in einem Jugendzentrum, und zwar im Letz Fetz im Stühlinger, neben dem E-Werk. „Die waren stinkig auf mich. Ich durfte da keine öffentliche Veranstaltung machen. Aber irgendwie ist das in der BZ gelandet. Da gab’s dann Ärger.“ Zu sehen gab’s Mädels No Mädels, eine Punkrockband aus Sindelfingen.

Wie kommt einer wie Ecky darauf, in einer Metal-Kneipe Punkkonzerte zu veranstalten? Seinen ersten Gig im My Way organisiert hat Ecky vor fünf, sechs Jahren, damals noch in der Wilhelmstraße. „Das hat sich so ergeben, weil ich dort Stammgast war. Irgendwann hat mich jemand, der mich von früher kannte, angehauen, ob ich nicht eine Übernachtungsmöglichkeit für eine Band hätte. Ja, klar, hab ich gesagt – und mir dann gedacht: Wenn die schon hier sind, sollen sie doch auch spielen.“ So hat alles angefangen mit den My-Way-Konzerten. „Da kam dann natürlich die Polizei um zehn“, erzählt Ecky schmunzelnd. Ab und an fand dann auch mal ein Konzert im Swamp statt.



Wackelnde Teller - und keine Wochenend-Rock'n'Roller

„Ich mache nicht alle Bands, die ich gern machen würde, weil mir das Risiko zu groß ist“, gibt Ecky zu. Irgendwie hat es sich ergeben, dass seine Gigs meist an einem Montag oder Dienstag stattfinden. Früher lag direkt über dem jetzigen My Way an den Oberlinden ein Indisches Restaurant. Da hat Ecky mit seinen wilden Konzerten für wackelnde Teller gesorgt. Drum wich er auf den Montag aus – da hatte der Inder seinen Ruhetag.

Wie ist „sein“ Publikum? Der 41-Jährige grinst verschmitzt. Er kommt ohne jegliche Werbung aus, lebt von der Mundpropaganda und von treuen Stammgästen und echten Konzertjüngern. „Da sind eher wenig Besucher, aber das Publikum, das da ist, kommt nur wegen dem Konzert. Nicht nur Wochenend-Rock’n’Roller!“ Und: der Vorteil ist, dass es im My Way schon mit 20 Leuten recht voll aussieht, ergänzt der passionierte Punk- und Garagen-Musikfan. Mittlerweile haben sich Eckys Veranstaltungen herumgesprochen.






Nächste Konzerte

16.10.09: Waldsee, The Monsters, King Automatic, Marvin Firewall + Buddy Breslauer
22.10.09: White Rabbit, Cut in the Hill Gang, Buy me some Beeah
09.11.09: My Way, Left Lane Cruiser
17.11.09: My Way, Deadbolt




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Kommentare
Anzahl der Kommentare: 8
Freitag, 25.09.09 09:45
 

Ja, der Ecky ist schon ein Feiner! Freiburgs Konzertwelt wäre ohne solche Menschen wesentlich ärmer!!!

Freitag, 25.09.09 10:09
 

Also wenigstens ein angedeuteter Iro müsste schon sein.
Und ein kleiner dezenter Anti-Bush Button am Revers.
So ganz Undercover wird man schnell mit den Jungen Unionlern verwechselt( auch mit über 40) !

Freitag, 25.09.09 10:35
 

HOHENLOHISCHES crailsheim bitte schön. waaah.

Freitag, 25.09.09 10:40
 

Daume hoch für Ecky, waren bis dato durchweg klasse Konzerte!

Freitag, 25.09.09 11:20
 

sorry, ich persönlich find' das myway total ungemüdlich - hat was von hallenbad...

Freitag, 25.09.09 11:22
 

oder frisch betoniertem rohbau.... ich weiss nicht...
und hin und wieder arbeitet da so'n ultra schlanker langdunkelhaariger der immer alles besser weis - irgenwie kommisch...

Freitag, 25.09.09 11:24
 

@jass: jupp, natürlich - danke! ist korrigiert.

Freitag, 25.09.09 13:35
 

yo, das alte Myway in der Wilhelmstr. war besser, aber die Leute da sind trotzdem angenehm. Der Ecky hat sich da mal echt rausgeputzt, sauberle!

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