359 Euro – so viel Geld hat ein alleinstehender Hartz IV-Empfänger monatlich zur Verfügung. Ganz schön wenig, findet unsere Autorin Nora. Einen Monat lang testet sie, wie es ist, vom Arbeitslosengeld II zu leben. Mehr als 3 Wochen hat sie schon hinter sich gebracht - doch zum Ende des Monats wird das Geld langsam immer knapper. Und die letzten Tage haben es noch mal in sich.

Bei einem Paar Schuhe war es dann endgültig vorbei. In diese Sneakers hatte ich mich schon vor Monaten verliebt, damals waren sie mir – man mag es kaum glauben – allerdings ein bisschen zu teuer. Jetzt aber waren sie auf sage und schreibe 50 Euro reduziert! Das war ein echtes Schnäppchen, fast schon ein Witz. Allerdings nicht bei Hartz IV.


diese ungefilterte entrüstung das letzte paar schicke schuhe in der richtigen größe nicht kaufen zu können ist so herrlich authentisch, ich bin hingerissen
Ich fürchte, die Selbstversuchlerin wird sich jetzt die meisten Sorgen darum machen, ob die Schuhe in einer Woche noch da sind, wenn ihre Frist abgelaufen ist. Ein/e HartzIV hat diese Option nicht. 50 Euronen für Schuhe ist da nicht drin!
Insofern ist dieser 4-Wochen Selbstversuch einigermaßen pathetisch. Sowas mal ein halbes Jahr machen, das ist was anderes. Jeder kann sich mal für 4 Wochen einschränken.
Du hast dich pflichtwidrig verhalten und noch keine einzige Bewerbung geschrieben, obwohl du zehn Stück pro Monat schreiben solltest!
Beschluss: Im nächsten Monat wird dir die Stütze um 30 % gekürzt.
Ha ha!
Dein Amt.
@silberwolf
es ist doch auch ein test!
klar freut sie sich auf den nächsten monat. aber trotzdem ist jedem der das liest und auch IHR klar, dass jeder hartz lV-ler den "anti-konsum"(scheiß wort, ich weiß) nicht auf einen monat beschränken kann. es geht doch eher darum, zu WISSEN, wie die arbeitslosengeld 2 empfänger das auf dauer meistern müssen.
ich finde sie beschreibt das recht gut. sie schreibt ihre gefühle und gedanken auf. ob die nun jedem reinlaufen ist ne andere sache, aber so als test ist das echt in ordnung und wem dieser blog nicht passt, soll ihn nicht aklicken...
bei mir wird's diesen monat auch eng, da ich eine menge geld auslegen musste, aber ich krieg am ende des monats immerhin mein (recht klägliches) gehalt von der uni, insofern muss ich nur noch bis ende der woche durchhalten :)
Natürlich geben Hartz-IV-Empfänger Trinkgeld. Dieses Vorurteil, dass reiche Menschen ihr Geld besser zusammenzuhalten wissen, ist durch meine bisherigen Erfahrungen fast immer bestätigt worden. Ich war zB so mit 12, 13, 14 mit einem Millionärssohn befreundet, der immer panisch darauf bedacht war, die geliehenen Einsfuffzich gleich am nächsten wiederzubekommen. Die mit richtig wenig Geld, hatten es in der Regel am nächsten Tag schon vergessen. Die Leute mit Geld, die ich heute kenne, kaufen auch viel weniger überteuerten Bullshit als ich.
Ich hab noch ca. 13 Euro für den August. Interessiert es wen wie es echten HartzIVlern geht? Nein, da muß so ein Pseudoblog her damit die tumbe 2.0-Masse was zu kommentieren hat.
verfolgt man deine aussagen hier hättest du ohne den hartz-status, und den zustand larmoyanter selbstgerechtigkeit den einzunehmen du ihn zum vorwand verwendest, ganz offensichtlich weder gesprächsthemen noch meinungen noch lebensinhalt, insofern kannst du mit deiner situation alles in allem m.e. ganz zufrieden sein.
Auch wenn ich manchmal meine Witzchen gerissen und gestichelt habe:
Der Blog war eine sehr gute Idee, und die Autorin hat sich große Mühe gegeben, sich in die Lage eines echten HartzIV- Empfängers einzufühlen - was ihr mE auch überzeugend gelungen.
Dass in einem Versuch das echt verzweifelte HartzIV-Gefühl der Aussichtslosigkeit nur bedingt nachvollzogen werden kann, liegt in der Natur der Sache.
Unangenehm wird es allerdings, wenn echte HartzIV-Empfänger den Eindruck vermitteln, dass sie es am liebsten sähen, wenn es der Autorin - und am besten auch noch allen anderen, denen es besser geht als ihnen selbst - dauerhaft genauso dreckig ginge, anstatt anzuerkennen, dass Nora ehrlich versucht hat, sich in ihre prekäre Situation hineinzuversetzen, was immerhin einen starken Verlust an Lebensqualität bedeutet hat.
Vielen Dank für diesen Blog!
@martyn:
Fitnessstudio kostet 39 Euro im Monat.
Was den Rest angeht, hat man ganz klar einen Vorteil, wenn man in einer WG lebt. Da kann man sich Abo, Flatrate und Strom ganz praktisch teilen. ;)
Mir ist aber wohl bewusst, dass das bei den meisten Hartz IV-Empfängern nicht der Fall ist.
Tja, HartzIV ist eben unangenehm. Schaut Euch mal die Doku "Die Armutsindustrie" an.
Mal so ne hippe Idee mit nem "HartzIV-Blog" nen Monat durchzuziehen und immer drauf hinzuweisen, daß man achgottchen hoffentlich die superschönen Schuhchen noch Anfang September im Laden findet, wenn man es sich wieder leisten kann, ist alles andere als ernsthaft. Künstliche Gefühlsduselei, weil man sich nur selten Cappuchino leisten kann - Euch gehts noch viel zu gut mit den geistigen Scheuklappen. HartzIV ist nur am Rande eine Geldfrage. Daher ist die Aufgabe verfehlt worden, nicht einmal die Beschränkung auf die finanzielle Frage wurde eingehalten (Ausgaben wurden auf die Zeit nach dem Versuch verschoben).
Das war einfach ne Sommerlochaktion, damit die Herren und Damen Standardposter und Meinungshaber auch im Sommer was zum Zeitverschwenden haben. So realitätsnah wie Berichte in der Bildzeitung man hätte im Meer winzige Lebewesen gefunden, die sich plötzlich auf mehrere hundert Meter Größe aufblasen könnten. Wenn es Fudder in erster Linie um die Sache gegangen wäre, hätte das ganz anders ausgesehen. Sieht man aber auch an vielen anderen Themen, die es hier gibt.
@ jimbo: ich verstehe deine einwände (auch von der finanziellen seite her), aber letztlich, würde man deinem vorschlag folgen, hätte man schnell einen blog, in dem die "welt" (ja, fudder is groß:) voyeuristisch sich dran aufgeilen kann ("hasse schon gehört, die kriegt nächste woche ihre nebenkostenabrechnung, das wird geil")...klar, wird man einem echten hartzIV nur mit einem auf längere sicht angelegten projekt nahe kommen, aber das war ja auch nicht ziel des ganzen. stattdessen geht es ja um die probleme des alltags, die dann zum tragen kommen. und das hat sie gut eingefangen. klar, letztlich ist nach beendigung des blogs alles wieder "gut", was bei einem hartzIv empfänger natürlich nicht der fall ist. aber es ging ja auch eher um das zum nachdenken anregen.
ich hab mich in vielen punkten des "täglichen wahnsinns" wieder erkannt. und ich bin nicht hartzIV...aber mein jahr hat auch mehr als 1 monat. genauso wie deins.
@Jimbo: schreib doch selbst: deine Beitraege oben zeigen ja dass Du im Prinzip schreiben kannst, mach nen eigenen blog auf, oder starte einfach im Fudder-forum einen Eintrag und haeng deine regelmaessigen Berichte als Antworten an. Kostet nix ausser Zeit und Muehe, Internet-Zugang scheinst Du ja zu haben.
@Jass: es hätte viele andere Möglichkeiten gegeben eine "HartzIV-Blog"-Serie zu machen, die den Namen wirklich verdient und nicht darin besteht, daß ein HartzIV-Betroffener dort seine Gedanken zum Besten gibt.
"stattdessen geht es ja um die probleme des alltags, die dann zum tragen kommen. [...] aber es ging ja auch eher um das zum nachdenken anregen."
Die sog. "probleme des alltags" wurden hier so gut wie gar nicht angesprochen. Es ging hier nicht darum ein Nachdenken anzstoßen. Es ist eine Serie mit dem Namen "HartzIV-Blog", die mit diesem Namen reißerisch Leser ziehen möchte, aber diesen Titel nicht verdient.
@christianhauck: Du hast überhaupt nicht verstanden, daß es mir darum geht den Eindruck, den dieser Pseudo-Blog macht, zu korrigieren. Dein Argument ist Kindergarten: "Machs einfach besser." Und daß ich es bereits versucht habe und dann irgendwelche Schwätzer kommen zeigt mir, daß fudder keine Leserschaft hat, die an der Realität interessiert ist.
Und damit verabschiede ich mich auch aus diesem Thread.
Noralein kauf Dir doch die Schüchen und geh wieder zu Deinen hochsubventionierten Grünwählermädchen. An die Fudder-Redaktion: Peinlich hoch drei, eine derartige Pornografie mit diesem Thema zu betreiben. Und das obwohl Ihr sonst wirklich gute Arbeit macht! Peinlich, peinlich anderseits ein echtes Outing über das dominierende Milieu in dieser Satdt!
@Jimbo - falls Du noch da bist: Du willst also einen falschen Endruck korrigieren.
Die Methode neben das "falsche" Dein richtigeres, weil authentischers Erleben zu stellen willst Du nicht ("Kindergarten"). O.K., wer nicht will der muss nicht, Chance verpasst.
Deine selbst gewaehlte Alternative ist, als Kommentator Fehler oder Inkonsistenzen aufzuzeigen und der Autorin seltsame Absichten zu unterstellen.
Das ist allerdings riskant: Man kann anderer Leute Motive nicht wissen, hoechstens vermuten und unterstellen ("reisserisch Leser anzuziehen"). Und Du hast eine andere (bessere) Vorstellung davon was sie haette schreiben sollen - nur: dieses Sollen ist Deine Vorstellung, nicht ihre. Vor allen hat sie ja sowohl den Inhalt geschrieben als auch auf abstrakterer Ebene ueber das Problem (naemlich dass es ja nur zeitlich begrenzt ist und nicht echt und dass sie ja auch heimlich ....) - und das ist ihre freie Wahl, gerade wenn das ganze als "blog" tituliert ist und nicht also objektive Studie. Ein Argument "stimmt nicht" gilt nie, wenn jemand subjektiv ehrlich ueber seine eigene Befindlichkeit schreibt.
Zitat christianhauck: "Ein Argument "stimmt nicht" gilt nie, wenn jemand subjektiv ehrlich ueber seine eigene Befindlichkeit schreibt."
So ist es!
Im übrigen fände ich es durchaus interessant Jimbo, wenn Du zum Thema aus Deiner Sicht als Betroffener etwas schreiben würdest.
@ robocop:
"anderseits ein echtes Outing über das dominierende Milieu in dieser Satdt!"
erklärung, bitte.
@ jimbo: ok, du findest den blog scheisse. weil du als betroffener anderes kennst. dann schlag der redaktion was alternatives vor, viell kannst damit auch bissl kohle machen.
ich verstehe deine beweggründe. aber letztlich ist jeder betroffene anders drauf, also kann man auch keinen allgemein gültigen blog machen. alles weitere hat christian gesagt.
die methode ne studentin als "testerin" zu verwenden erleichtert für die leser die identifikation, die reinen reportagesachen laufen meinem eindruck nach auf fudder nicht so gut wie solche, wo wie hier der informationsgewinn eher durch die hintertür kommt.
stand doch drin @ jass, unsere hochsubventionierten GrünwählerInnenfreundInnen