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Wie werde ich Privatdetektiv? (25)

Beweismittel beschaffen, Betrüger observieren, Verbrecher überführen - wie spannend und gefährlich ist wohl der Arbeitsalltag eines Privatermittlers? Welche Qualifkationen und Talente braucht ein zukünftiger Sherlock Holmes? Und macht ermitteln überhaupt Spaß? Andreas Eisenkolb aus Freiburg bietet seit 20 Jahren Sicherheits- und Ermittlungsdienste an. Seine Überzeugung: "Ein Privatdetektiv muss immer auch Sozialarbeiter sein."



Spontan Detektiv werden? Schon möglich!

Der Beruf "Privatdetektiv" ist kein Lehrberuf. Weil die Berufsbezeichnung als solche nicht geschützt ist und es keine fachlichen Zulassungskriterien gibt, kann grundsätzlich jeder einen Gewerbeantrag stellen und sich fortan "Detektiv" nennen. Viele Neueinsteiger versuchen in einer bestehenden Detektei eine Anstellung zu finden, andere machen sich sofort selbstständig.

Die Zentralstelle für die Ausbildung im Detektivgewerbe (ZAD) bietet Schulungen und Fortbildungen an, die auch vom Berufsverband Deutscher Detektive (BDD) anerkannt werden. Ist eine Detektei Mitglied im BDD, kann der Kunde davon ausgehen, dass Professionaliät und Qualität überprüft wurden.

Bei mir persönlich...

... war das anders. Als Kind wollte ich keinesfalls Detektiv werden, sondern Polizist. Das hat auch geklappt; 12 Jahre lang war ich in Freiburg im Polizeidienst tätig. Irgendwann fehlten mir aber die berufliche Perspektiven und Karrierechancen. Also habe ich gekündigt, mich selbstständig gemacht und Sicherheitsdienste in der ganzen Region angeboten und geleistet. Es blieb nicht aus, dass Kunden Probleme hatten, die in den Bereich Ermittlungsarbeit fielen, so dass ich mich immer mehr mit dem Thema befasste.

Der Beruf des Ermittlers ist ein Erfahrungsberuf und durch meine Arbeit bei der Polizei brachte ich das nötige Fachwissen direkt mit. Zusätzlich habe ich mehrere Fortbildungen besucht und wurde schließlich Mitglied im BDD. Hier war ich Vorsitzender der Landesgruppe Südwest und im Anschluss daran Vizepräsident. Heute gehören Ermittlungsdienste genauso zu meinem Job wie Sicherheitsleistungen.

Berufsalltag

80% der Aufträge kommen aus Industrie, Handel und Wirtschaft. Dabei geht es oft um Betrug, Diebstahl oder Spionage. Die restlichen 20% fallen auf Privatpersonen, die zum Beispiel Hilfe bei Unterhalts- oder Sorgerechtsverfahren suchen oder Informationen über eine Person, beispielsweise einen Erben, benötigen.

Entsprechende Beweismittel müssen dann auf legalem Wege beschafft werden, sonst sind die vor Gericht für meinen Kunden wertlos. Im Fernsehen durchsuchen die Detektive Häuser, verwanzen Büros oder halten Verdächtige mit einer Waffe in Schach - das sind Klischees, die nicht der Realität entsprechen. Manchmal ist die Arbeit alles andere als nervenaufreibend, es gibt nämlich auch Fälle, die bearbeite und löse ich nur durch Telefon- und Internetrecherche.

Wenn es zu Observationen kommt, dann ist es für mich unerlässlich, die rechtlichen Grenzen zu kennen und zu beachten: So darf ich eine Privatperson nur überwachen, wenn ein konkreter Anfangsverdacht besteht und die Persönlichkeitsrechte des Betroffenen beachtet werden. Fotos sind beispielweise erlaubt, Tonbandaufnahmen aber nicht. Meine Identität darf ich verschweigen. So kann ich mich zum Beispiel bei einem Hehler als potenzieller Kunde ausgeben und ihn so überführen. Dann kommt auch schon mal technischer Schnickschnack zum Einsatz, wie beispielsweise die Knopflochkamera (Bild unten).




Private vs. staatliche Ermittler

Meine Kunden verzichten meist bewusst auf den Einsatz von staatlichen Ermittlern. Dafür gibt es mehrere Gründe: Zum einen kann ein Privatermittler schneller, unbürokratischer und diskreter ermitteln. Er muss sich zwar an das Gesetz halten, hat trotzdem aber mehr Spielraum als ein Polizist, der streng an seine Dienstvorschriften gebunden ist.

Zum anderen ist die Polizei für viele Fälle einfach nicht zuständig. Sie wird ja nur aktiv, wenn die Sachlage eindeutig ist. Dann lässt sie sich auch nicht mehr steuern, sondern handelt im Auftrag des Gesetzes. Ich als Privatdetektiv handle im Auftrag eines Kunden und kann so  jederzeit zurückgezogen werden. Ich bin das Ermittlungsorgan der Anwaltschaft, die Polizei ist das Ermittlungsorgan der Staatsanwaltschaft.

Trotzdem steht am Ende eines Auftrags oft die Zusammenarbeit mit der Polizei. Je nach Schwere des Verbrechens bin ich nämlich verpflichtet Anzeige zu erstatten. Auch wenn es dem Kunden vielleicht nicht passt, muss ich Straftaten wie Betrug, Raub oder Erpressung melden. Andernfalls mache ich mich strafbar.


Einkommen und Perspektiven

Der Kunde bezahlt mich stundenweise, eine Erfolgsgarantie kann ich natürlich nicht geben. Der BDD hat für seine Detektive eine Erfolgsquote von rund 80% errechnet. Dazu gehören aber auch Fälle, die zwar geklärt wurden, aber nicht dem vom Auftraggeber gewünschten Ergebnis entsprechen.

Die Kosten orientieren sich am Aufwand und variieren zwischen 40 und 180 Euro pro Stunde. Meistens wird vorab ein Kostenlimit vereinbart. Wenn dieses erreicht wurde, der Fall aber noch nicht gelöst ist, kann neu verhandelt werden. Vor allem in privaten Angelegenheiten können meine Kunden später eine Aufwandsentschädigung geltend machen und das Geld zurückholen.

Über zu wenig Arbeit kann man sich in meiner Branche aktuell nicht beschweren. Trotz Finanz- und Wirtschaftskrise befinden wir uns allenfalls in einer Stagnation. In der heutigen Volkswirtschaft geht es um immer größere Geldsummen und die Unternehmen greifen oft härter durch.

Vor allem Versicherungsbetrug steht ganz oben auf der Liste. Ein Arbeitnehmer wurde für berufsunfähig erklärt, die Versicherung zweifelt aber an dessen Glaubwürdigkeit. Dann werden wir eingeschaltet und observieren die Zielperson. In zahlreichen Fällen haben wir schon vermeintliche Invaliden bei sportlichen Höchstleistungen erwischt. Allerdings muss ich darauf aufmerksam machen, dass der Markt gesättigt ist. Heute würde ich keinem mehr raten sich als Privatdetektiv selbstständig zu machen. Ich habe viele „Feierabend-Detektive“ anfangen und aufhören sehen, dieses Berufsfeld führen einfach die „alten Hasen“ an. Erfahrungen, Kontakte und Mundpropaganda sind unerlässlich und nur schwer nachzuholen. Neulinge haben es da sehr schwer! Vor allem große Auftragsgeber erwarten Diskretion und Professionalität. Sie informieren sich beim Berufsverband und wer einen Blick in die Gelben Seiten wirft, wird sehen, wie viele der selbsternannten Detektive überhaupt Mitglied sind - in Freiburg lediglich 2.





Gute Seiten, Schlechte Seiten

Im Gegensatz zu einem Polizist kann ich frei entscheiden, für wen ich arbeite. Wenn mir ein Kunde unsympathisch ist oder mir seine Vorstellungen gegen den Strich gehen, schicke ich ihn wieder nach Hause.

Die Fälle, die ich annehme, sind aber immer wieder aufs Neue spannend und fordernd. Manchmal kommt man mit altbewährten Methoden zu keinem Ergebnis und muss neue Wege einschlagen. Die Fantasie ist dabei immer wieder gefragt. Ein weiterer positiver Aspekt ist natürlich das Erfolgsgefühl nach einem aufgeklärten Fall. Wenn ich durch meine Arbeit für Gerechtigkeit gesorgt habe. Es gibt aber auch Fälle, die können nur mühsam und mit viel Geduld gelöst werden. Wenn der Erfolg lange ausbleibt kann das manchmal nerven. Vor allem weil man ja wirtschaftlich von diesem Erfolg abhängig ist. Als Selbstständiger ist ein zufriedener Kundenstamm eben ein Muss.


Tipps für Interessierte

Auf keinen Fall sollte man direkt nach dem Schulabschluss einsteigen. Viele meiner Kollegen waren wie ich vorher im Polizeidienst tätig, andere sind ehemalige Versicherungsmakler oder kommen aus einer ganz anderen Berufssparte. Sie alle bringen aber eigene Erfahrungswerte und ein großes Fachwissen mit, das nur in einer Berufsausbildung erworben werden kann.
Wer dann einsteigen möchte, sollte sich an eine bestehende Detektei wenden und ein Praktikum machen. Bei mir waren schon einige, die eine völlig falsche Vorstellung von dem Beruf hatten.

Man braucht eine gesunde Fantasie und muss gleichzeitig Realist sein. Situationen müssen oft schnell erkannt und beurteilt werden, ein Detektiv muss also Köpfchen haben. Außerdem sage ich immer: „Ein guter Detektiv muss immer auch eine Art Sozialarbeiter sein“. Man bekommt sehr viele Probleme zu hören und muss den Kunden oft auch über die eigentliche Sachlage hinaus unterstützen und beraten. Ich selbst habe auch so einen Sozialtick: Eine rüstige alte Dame hat mich zum Beispiel mal mit einem Gugelhupf bezahlt. Ihr Problem war so geringfügig und mit zwei Anrufen erledigt, da konnte ich ihr einfach keine größere Rechnung zustellen.





  [Bilder: Anne-Kathrin Weber, Bild 3: Symbolbild - Fotolia]




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Kommentare
Anzahl der Kommentare: 6
Freitag, 31.07.09 15:47
 

hmmmm

wo rekrutieren die ihren nachwuchs ?
in den hecken von öffentlichen schwimmbädern?

Freitag, 31.07.09 18:24
 

Ohne die Yps- Gimmicks wäre ich nur ein halb so guter Detektiv wie ich es heute bin!

Freitag, 31.07.09 22:20
 

wie jetzt? Der klettert nachts nicht durchs Fenster in die Wohnung und wird dann anschliessend vermöbelt?
Menno, und ich hab immer gedacht, der Matula ist ein richtig wahrer Held..
schon wieder eine Kindheitsillusion weg.

Freitag, 31.07.09 22:23
 

wir kriegen bald jede woche werbeschreiben von irgendwelchen detekteien ins büro, die anbieten diskret mitarbeiter auszuspionieren und pflichtverletzungen nachzuweisen.

die schaweine! obwohl manchmal hätt ich auch bock mich mal konspirativ in einer verrauchten bahnhofskaschemme mit einem agenten zu treffen, der mir dann einen umschlag mit fotos auf dem tisch rüber schiebt und dafür ein bündel scheine bekommt. selbstverständlich wird trenchcoat, hut und sonnenbrille getragen und der kragen hochgestellt.


@wuschel: yps gimmicks waren geil. besonders die grüne schleimhand. die war zwar nicht detektivisch aber dafür eklig. *g*

Dienstag, 04.08.09 17:19
 

Hmmm...


Wirklich interessant! Da eröffnen sich je einem gleich neue Berufsperspektiven...

Montag, 15.10.12 11:23
 

Wer sich von einem Detektiv in seiner Privatssphäre verletzt fühlt sollte einen Anwalt konsultueren. Habe eine Entschädigung von 25.000 € erhalten weil es als Stalking vom Richter anerkannt wurde. Lasst Euch diese Schnüffelei nicht gefallen!

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