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Wie werde ich Modefotograf? (24)

Boris Marberg ist einer der wenigen, die auf der Berliner Fashionweek in Jeans und T-Shirt herumlaufen dürfen. Denn der 36-jährige Freiburger ist Mode- und Laufstegfotograf. Wie wird man eigentlich Modefotograf?


Fotografie ist eine Sucht

Seit er 14 Jahre alt ist, fotografiert Boris Marberg (Bild unten & fudder-Profil); Portraits und künstlerische Fotografie reizen ihn besonders. Nach einem Jurastudium in Konstanz begann er als Rechtsanwalt zu arbeiten, in seiner Freizeit machte er Bilder für eine Schweizer Stockagentur. Vor knapp zwei Jahren kam dann der Durchbruch: Eine Agentur aus New York schickte ihn als Fotografen auf Modenschauen in ganz Deutschland. Und seitdem hat Boris Marberg nicht mehr mit dem Fotografieren aufgehört. Inzwischen hat er mit Kollegen hat er in New York die Firma ModaCYCLE.com gegründet

Ausbildung

Eine klassische Fotografenausbildung hat Boris nie gemacht. „Ich bin ein totaler Autodidakt.“ Leidenschaft und Interesse treiben ihn an, er fotografiert was ihn fasziniert: Mode und interessante Gesichter.

Als die New Yorker Agentur auf ihn aufmerksam wurde und ihn an die deutschen Laufstege schickte, war das ein Sprung ins kalte Wasser. Inzwischen ist Boris zwischen Mailand, London, Berlin und New York unterwegs, bis zu zwölf Fashionweeks macht er in einem Jahr. Zehn bis 15 Shows finden dort an einem Tag statt – alleine nicht zu schaffen. „Wir fotografieren im Team, einer macht die Schuhe, einer Handtaschen, der nächste das komplette Outfit und die Portraits.“ Ein guter Fotograf kann fünf bis acht solcher Shows an einem Tag schaffen, mehr geht nicht.

Anforderungen

Wer diesen Job machen will, braucht vor allem eines: Leidenschaft für Fotografie und Mode.

„Ein Fotograf, der kein Interesse an seinem Objekt hat, der kann das nicht langfristig machen“, sagt Boris. Fremdsprachenkenntnisse sind von Vorteil: Wer mit den Designern persönlich über ihre Kollektionen sprechen will, sollte mindestens Englisch und Französisch sprechen, gerne auch Italienisch.

Kommunikation und Organisationstalent sind wichtig: „Das fertige Bild in der Modezeitschrift ist nur ein Bruchteil der Arbeit.“ 80 Prozent der Zeit verbringt Boris damit Bilder zu selektieren, zu verschlagworten, zu bearbeiten. Dann noch die PR- und Pressearbeit: Manchmal bedarf es einiger Überredungskünste, um auf einer Modenschau als Fotograf arbeiten zu können. Und Geld soll die Arbeit ja auch noch bringen: Der Kontakt zu Designern, Zeitschriften, Stylisten und der Zulieferindustrie ist sehr wichtig und muss gepflegt werden.




Arbeitsalltag

Wochenende? Gibt’s nicht. Ein Modefotograf arbeitet, wenn die Fashionweeks laufen: die meisten von Januar bis März und dann wieder von Mitte September bis Ende Oktober. „Es gibt Tage, an denen man um 8 Uhr aufsteht und dann bis Mitternacht fotografiert, ohne in dieser Zeit auch nur ein einziges seiner Fotos angeschaut zu haben.“

Damit nichts durcheinander kommt, verwendet man für jeden Designer eine extra Speicherkarte. In einer Woche New York kommen schnell mal 200 000 Bilder zusammen. Viele der Designer kennt er persönlich, Wolfgang Joop schätzt er als sehr entspannten und umgänglichen Menschen. „Das Tolle an dem Job ist das Eintauchen in dieses kreative Ambiente.“ Im Backstagebereich entsteht ein enger Kontakt zu den Modellen, den Stylisten und den Designern, man lernt sich kennen. „Viele der Menschen sind völlig durchgeknallt, mit ihnen zu arbeiten macht einfach Spaß.“

Trotzdem bedeutet so eine Fashionweek vor allem auch eines: Stress. Eine Show fotografieren, zusammenpacken, ab ins Taxi und quer durch die Stadt zur nächsten Location. Mindestens eine halbe Stunde vor Beginn der Show sollte man schon da sein, je nachdem wie groß der Andrang ist und was für Fotos gemacht werden sollen.

Für Portraits steht Boris leicht versetzt zum Laufsteg und ziemlich weit hinten, für eine längere Optik. Die Bilder werden aus einer Entfernung von bis zu zehn Metern geschossen. „Das hat viel mit Rhythmus zu tun: Ich muss als Fotograf ein Gefühl dafür kriegen, wie die Modelle laufen.“

Glamourfaktor ?

Die Menschen mit denen er zusammenarbeitet, sind für Boris das Wichtigste bei diesem Job. „Von dem Glamour um die Shows herum bekomme ich nichts mit.“ Wenn die Prominenten über die roten Teppiche laufen, sind andere Fotografen in Aktion. Klar gibt es die Aftershowpartys, aber die gehören für Boris nicht zum Job: „Das ist dann mein Privatvergnügen.“

Auf den Shows selbst fühlt er sich als Pendler zwischen den beiden Welten: Er gehört nicht offiziell zu den Gästen, sitzt nicht aufgebrezelt im Publikum. Aber er gehört auch nicht zur Welt der Designer und Modelle, die im Backstagebereich die letzten Outfits anpassen. „Ich habe das Privileg auf so einer Modenshow in Jeans und T-Shirt rumlaufen zu können.“




Freiburg als Modestadt?

Ein vernichtendes Urteil vom Modespezialisten: „Ein Freiburger gibt für eine in China genähte Outdoor-Jacke mehr Geld aus, als für Jeans von einem jungen deutschen Designer.“ Und das obwohl die Qualität der Jeans vermutlich um einiges höher sei. Im Schnitt ist Freiburg seiner Meinung nach nicht sehr modebewusst.

Ich will auch!

Tipps für den Berufseinstieg kann Boris nur schwer geben. Möglich ist der Einstieg über eine Assistenzstelle bei einem Laufstegfotografen, aber auch dazu gehört eine große Portion Talent und eine nicht unerhebliche Dosis Glück.

Weltweit machen nur etwa 30 bis 40 Fotografen den Job von Boris: von einer Show zur nächsten touren. Die meisten arbeiten an einem festen Ort wie zum Beispiel Mailand. Gerade im Reisen sieht Boris aber den größten Reiz: „Entweder es liegt einem gar nicht, oder es kommt ganz schnell der Suchtfaktor ins Spiel.“


 



[Alle Bilder: (c) Boris Marberg]


Foto-Galerie: Boris Marberg
Tipp: Wartet einen Augenblick, bis die Galerie komplett geladen ist. Ihr könnt euch dann ganz bequem jeweils das nächste Foto anzeigen lassen, indem ihr auf eurer Tastatur die Taste "N" (für "next") drückt.  




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Kommentare
Anzahl der Kommentare: 9
Mittwoch, 03.06.09 13:27
 

Ein vernichtendes Urteil vom Modespezialisten: „Ein Freiburger gibt für eine in China genähte Outdoor-Jacke mehr Geld aus, als für Jeans von einem jungen deutschen Designer.“ Und das obwohl die Qualität der Jeans vermutlich um einiges höher sei. Im Schnitt ist Freiburg seiner Meinung nach nicht sehr modebewusst.


--> SUUUPER - passt perfekt. - liegt halt an den ganzen Linken hier ;)

Mittwoch, 03.06.09 13:45
 

genialer bericht.

Mittwoch, 03.06.09 13:55
 

Die Jeans vom jungen Designer wird bestimmt auch in China gefertigt ;-)

Mittwoch, 03.06.09 16:09
 

Sehr guter Bericht!!!Danke!

Die Jeans vom jungen Designer sieht aber besser aus und schützt genauso gut gegen die monsunartigen Regenfälle und orkanartigen Winde für die sich die Freiburger natürlich riesige schlammfarbene Goretex-Ungetüme zulegen müssen.

Mittwoch, 03.06.09 16:15
 

die Schöffel Rucksäcke für die 3 Tages Proviant Ration nicht vergessen!

Mittwoch, 03.06.09 16:33
 

"Solche Mode wird von vielen verschiedenen Leuten zu vielen verschiedenen Zwecken eingesetzt, die einen greifen zur Outdoor Mode wenn der nächste Wandertripp ansteht die anderen tragen Outdoor Sachen immer und überall weil es einfach schick aussieht..."

(quelle: http://www.onlineshop-fuer-kleidung.de/content/view/368/272/ )

:D :D :D

Mittwoch, 03.06.09 16:35
 

und der klassiker darf nicht fehlen:

"Mit unserer URBAN OUTDOOR-Bekleidung bringen wir das Outdoor Erlebnis in die Stadt: Unsere bewährten Wetterschutz-Technologien haben wir mit attraktiven Materialien und urbanen Schnitten kombiniert - damit Sie im städtischen Alltag nicht nur stilistisch auf Kurs sind, sondern genauso gut gegen Wind und Wetter geschützt sind wie auf Tour..."

(quelle: http://www.jack-wolfskin.com/docs/einemarginalie.aspx?addlastid= &domid=1027&id=22307&m1=18107&m2=181[..]

maxxe
Mittwoch, 03.06.09 17:51
 

was ist denn mit bild 7, ich dachte es wird selektiert?! da sieht man doch ganz deutlich den fotografen samt ehering der sich im fenster spiegelt...
oder ist die fudder-brieftasche nicht dick genug das es für die guten pics reicht :D

ziemlich gute story

Donnerstag, 04.06.09 07:36
 

Hab ich was verpasst oder fehlt mir hier jeder Bezug zu Freiburg? Ihr hättet wenigstens schreiben können, dass der berühmte Einer-von-vierzig ab und an in Freiburg lebt...

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