zur Startseite
Passwort vergessen?
 

 

Leben nach Men’s Health (5)

Die Redakteure des Muckiförderorgans Men’s Health sehen sich gezwungen, nicht nur den Body, sondern auch den Mind ihrer Leser zu builden. Auf dass sich Mister Universe bald Uomo Universale nennen darf. Unser Men's Health-Tester Manuel zu den aktuellen Empfehlungen in Sachen Musik und Literatur.

Mens Health

Eine ganze Seite widmet die Men’s Health Musik, Literatur und Film. Wer aber testosterongeschwängerte Machokultur erwartet, wird bitter enttäuscht. Wenn man bedenkt, dass man weder DIE ZEIT, noch die SPEX oder andere vermeintliche Kulturblätter in der Hand hält, sind die Tipps sogar erstaunlich hochwertig. Die neue Depeche-Mode-Platte („Sounds Of The Universe“) könnte – love it or hate it – so manches Y-Chromosom in die Geschichte der Popmusik einführen; und das minimalistisch gestaltete Booklet des witzigen neuen Junior-Boys-Albums („Begone Dull Care“) zeigt Anabolika-Andi, dass weniger meist mehr ist.

Mens Health

Gewünscht hätte ich mir Härteres, Erbarmungsloseres – Männliches. Zum Beispiel DJ Hells neues Doppelalbum „Teufelswerk“: „I Prefer Women To Men“ spricht der heterosexuellen Seele Mut zu; „Hellracer“ macht aus Gelb-Bremsern A5-Schumis; und „Bodyfarm2“ lässt naturverliebte Nordic Walker zu erbarmungslosen Bankdrückern werden. Wer dabei Texte vermisst, in denen sich ‚primäres Geschlechtsorgan’ auf ‚Kleinkriminalität’ reimt, sollte allerdings lieber zu Azads neuer Scheibe „Assassin“ greifen.

Mens Health

Schlechter ist’s in der Men’s Health um Literatur bestellt. Erste Sätze wie „Dorothy saß am Schreibtisch ihres Vaters“ (Charles Chadwick: Eine zufällige Begegnung) eignen sich zu Freudscher Psychoanalyse, nicht aber zur Erbauung feingeistiger Ladykiller. Inhalt: „Elsie und Stan sind Außenseiter: sie hässlich, er Ex-Knacki. Die Geschichte einer besonderen Beziehung.“ Na ja. Zumindest wird die Zielgruppe also kein Identifikationsproblem haben.

Mens Health

Ist vielleicht auch immer noch besser als Christian Zaschkes „Tanz den Fango mit mir“, wo es um ’nen Mittdreißiger in einer Bad Aibenhausener Reha-Klinik geht – also quasi „Der Zauberberg“ für Arme.

Und seinem Alten Herrn – wie empfohlen – Lars Christensens „Die blaue Kuppel der Erinnerung“ als Vatertagspräsent zu schenken, scheint mir angesichts der Inhaltsangabe dann doch ein wenig makaber: „Ein Autor hat den Tod vor Augen und blickt auf sein bewegtes Leben zurück.“ Fehlt nur noch der Hinweis, als Widmungstext die Letzte Ölung zu verwenden.

Mens Health

Dann lieber die Klassiker: ein Flotter Dreier bei D. H. Lawrence, Saufgelage mit Ernest Hemingway und Chauvi-Schulung durch Charles Bukowski. In keiner Großraumdisse gibt’s mehr One-Night-Stands als in der Weltliteratur; nirgends lernt man besser flirten als bei Goethe und Shakespeare.

Und wenn’s mal expliziter werden soll, helfen die Franzosen aus: De Sade, Apollinaire, Houellebecq. Auch Marcel Reich-Ranicki weiß diesbezüglich Rat: „Man kann nicht mit allen Frauen dieser Welt schlafen,“ so der Literaturpapst, „aber man sollte danach streben!“

Mens Health

Als Film wird das Bergsteiger-Drama „Nordwand“ angepriesen. Wer schon bei „Cliffhanger“ eingeschlafen ist, wird hierbei ins Wachkomma fallen. Um den Streifen einigermaßen spannend erscheinen zu lassen, druckt die Men’s Health nebeneinander sowohl männliche als auch weibliche Kritik ab.

Der qua natura tiefgründige Mann befindet die Handlung als oberflächlich; die notorisch zart besaitete Frau spricht in würgreizigem TV-Spielfilm-Jargon von „packender Berg-Action“, die „nur etwas für Schwindelfreie“ sei. Ein Film also, durch dessen furchtloses Anschauen man ihr imponieren kann. Und immerhin fand er die Schauspieler „toll“. Vielleicht also DIE Alternative zur allmonatlichen „Notting Hill“-„e-m@il für Dich“-„P.S. Ich liebe Dich“-Session.

Fazit: Die Kulturseite der Men’s Health schlägt in eine gänzlich andere Kerbe als erwartet. Notgeile Muskelprolls würden hier wohl nicht fündig; SWR3-Hörer, Mainstreamer und andere Ja-Sager stoßen aber mit Sicherheit auf das eine oder andere zuvor nicht Gekannte.

Mehr dazu

     


Artikel als E-Mail verschicken Artikel auf Facebook weiterempfehlen Artikel twittern Diese Seite zu Mister Wong hinzufügen Diesen Artikel bei del.icio.us bookmarken
 



Nur registrierte fudder-User oder eingeloggte Facebook-User können Artikel bewerten. Hier kannst du fudder-User werden.

Noch keine Bewertung vorhanden.

 

Hier kannst du fudder mit deinem Facebook-Account verbinden und deine Facebook-Freunde über deine Aktivitäten auf fudder auf dem Laufenden halten.
Kommentare
Anzahl der Kommentare: 12
Freitag, 22.05.09 11:23
 

Ach, das gibt's auch noch?! Hatte gedacht das ist schon wieder Vergangenheit.

Freitag, 22.05.09 12:05
 

Danke Manuel, you rock!

Freitag, 22.05.09 12:42
 

@FbN:

Ach, dich gibt's auch noch?! Hatte gedacht du bist schon wieder Vergangenheit. *hrhr*

Freitag, 22.05.09 12:42
 

"SWR3-Hörer, Mainstreamer und andere Ja-Sager stoßen aber mit Sicherheit auf das eine oder andere zuvor nicht Gekannte."
Vielsten Dank liebes Fudder, dass ihr euren absolut szenigen underground-subkultur-Lesern auch mal erzählt, was diese erbärmliche Ja-Sager so lesen und hören. Meine Güte, was sind wir heute wieder anders. Ein herzlich notgeiles, muskelbepacktes NEIN!

Freitag, 22.05.09 12:56
 

Es gibt halt Leute, die sich mit dem SWR3 Gedudel nicht zufrieden geben und gerne mal anspruchsvolle Musik hören.

Freitag, 22.05.09 14:56
 

depeche mode,azad und junior boys in dem kontext zu verwursten fügt mit fast schon körperliche schmerzen zu.

Freitag, 22.05.09 14:58
 

ansprurchsvolle musik...joa.klar.im endeffekt alles nur rhythmen und tonleitern.


und der underground ist eh nur im kopf existent.

Freitag, 22.05.09 17:04
 

@Saralein: Ich mach' jetzt einfach mal so,als hätte ich das nicht gelesen...

Freitag, 22.05.09 18:04
 

@FbN:

*g* Ach komm, nach letzter Woche war das eine Steilvorlage. Ich MUSSTE ... ich konnte es nicht aufhalten. *aufdietastenhämmer*

Freitag, 22.05.09 18:10
 

Aha... O.o

Montag, 25.05.09 17:19
 

ich dachte das würde sich nach zwei-, dreimal erledigen. wenns mich interessieren würde, würd ich mir die men's health selber kaufen...

Mittwoch, 03.06.09 10:11
 

ICh find's immer noch gut -
auch wenn mir persönlich der artikel über's kochen esser gefallen hat^^

@Manuel: Aber, Aber: Gar nicht direkt in den Buchladen gestürmt, die Bücher gelesen und deren geistigen Anspruch mit deiner neuen Lieblingszeitschrift verglichen?? zzz! Schlampig gearbeitet!

Anonym verfasste Kommentare landen in der Warteschleife. Bis sie freigeschaltet werden, kann (viel) Zeit vergehen. Eventuell wird dein Kommentar überhaupt nicht freigeschaltet. Deshalb: Registriere dich lieber und leg dir ein eigenes fudder-Profil zu - dann kannst du fudder-Artikel ohne Einschränkung kommentieren. Jetzt oben rechts kostenlos registrieren.






Wenn Du das Wort nicht lesen kannst... hier klicken.

CAPTCHA Bild zum Spamschutz


» fudder-Netiquette




» christianhauck

re: Was hört ihr gerade?
Erst jetzt ist Mitternach...

» Stifler's Mom

re: Unbequeme Personen einfach entlassen!
Jetzt beruhig dich doch b...

» Chinaski

re: re: Was hört ihr gerade?
Goil... solche gimmic...

» phh

re: Unbequeme Personen einfach entlassen!
ich glaube wirklich dass ...

» christianhauck

re: Was hört ihr gerade?
Latitude von Cristior htt...

» Stifler's Mom

re: Unbequeme Personen einfach entlassen!
"prollige" poli...

» phh

re: Unbequeme Personen einfach entlassen!
1. das war nicht die bund...

» Stifler's Mom

re: Unbequeme Personen einfach entlassen!
Seriösität bei Banken und...