
Übersehene Sehenswürdigkeiten
Die Sehenswürdigkeiten der Stadt Helsinki stapeln sich geradezu ins Unermessliche, ein Besuch im Tourismusbüro oder der entsprechenden
Homepage, und das nächste Jahr ist mehrfach ausgebucht.
An dieser Stelle richten wir unser Augenmerk also lieber auf die kleinen, aber feinen
Besonderheiten, welche das Stadtbild prägen:
M – wie Metro: Helsinki verfügt über das wohl komplizierteste Metronetzwerk der Welt. Die einzige vorhandene Linie M in
quietsch-orange verschont den werten Fahrgast dennoch nicht, ab und an die Orientierung zu verlieren. In diesem Fall ist man dank der finnisch-schwedischen Minderheit glücklicherweise nicht komplett aufgeschmissen. „Kalasatama“ ist brav mit „Fiskhamnen“ ausgeschildert, aus der „Hatajärru“ wird die „Nödbroms“. Das kann man sich leichter merken und das meiste auch verstehen. Eine weitumfassende Sammlung von Fotografien findet sich
hier.
K – wie Kaninchen: Sie sind überall und nirgends und eine große Bedrohung für die Stadt. Ausgesetzt oder ihren Besitzern entflohen, haben sie den ansässigen Großstadthasen längst verdrängt und sich mit den wilden Artgenossen vermehrt. Jetzt bearbeiten sie fleißig die Baumstämme in Parks und untergraben die Bauten. Für die
Gefährdung des Wärmeversorgungssystems sind sie bereits verantwortlich. Die Vermutung, sie wären am regelmäßigen Ausfall des
Verkehrsregelungssystems beteiligt, ist demnach nicht ganz abwegig. Fest steht, dass dank ihnen bald das Jagdgesetz in Finnland geändert wird und Helsinki dann ein ganz spezielles Jagd- & Pirschparadies sein wird.
Kaffeepause
Generell vertragen sich
Kaffeegenuss und Finnland nicht unbedingt miteinander. Zwar trinken die Finnen gerne und vor allem viel Kaffee, die Qualität bleibt hierbei aber meist auf der Strecke. Die Wahrscheinlichkeit, ungenießbaren Kaffee zu erhalten, steigt mit kostenlosem Nachschlag geradezu ins Unermessliche.
Es empfiehlt sich also, einen speziellen Kaffee zu nehmen, um nicht – im Worst Case – an einem mehrere Stunden alten Gebräu zu nippen. Eine schöne Örtlichkeit hierfür ist im Stadtzentrum die
MBar im Lasipalatsi. Während aller Jahreszeiten ist sie ein guter Ort, an dem man nebenher feine elektronische Musik hört und Kunstwerke, aber auch die vorbeigehenden Mitmenschen bestaunen kann.
Magengrummeln
Wer einem Herrn
Berlusconi oder anderen
Kostverächtern Glauben schenkt und deshalb denkt, dass finnisches Essen schrecklich sei, der sollte sich im
Ravintola Tori mit studentischem Flair oder im Restaurant
Seahorse vom Gegenteil überzeugen lassen. Für Zweiteres empfiehlt es sich unbedingt, im Voraus einen Tisch zu reservieren. Spontanbesuch ist zwecklos.
Fine Art
Architecture in Helsinki, ein Bandname, der wohl das offensichtlichste kulturelle Gut der Stadt auf den Punkt bringt: Klassizismus, Jugendstil, Funktionalismus. Es gibt mehrere
Stadtwanderungsrouten, welche an den wichtigsten Bauten vorbeiführen.
Wie es sich für eine Hauptstadt gehört, befinden sich auch in Helsinki unzählige Kulturzentren, Galerien, Konzerte und Museen (
Eventkalender ). An ausgewählten Tagen ist es in fast allen Museen möglich, sich die sieben bis acht Euro Eintritt zu sparen: Bei den städtischen
Kunstmuseen ist dies zum Beispiel freitags der Fall. Der Besuch des nationalen Museums für Moderne Kunst „
Kiasma“ ist am ersten Mittwoch jeden Monats
kostenfrei. Der Slogan „I stole this cup from Kiasma“ lädt dabei noch fast dazu ein, sich dieses Souvenir ebenfalls umsonst mitzunehmen. Mit ungefähr zwei bis drei Euro zusätzlich zum Kaffee kann man das allerdings auch ohne schlechtes Gewissen tun.
Während des ganzen Jahres finden verschiedene Film- und Kunstfestivals statt. Hervorzuheben sind hier:
Lens Politica für kritische Filme und Medienkunst,
DocPoint für Dokumentarfilme und
PixelAche für Medienkunst und Subkulturen gepaart mit einem ökonomischen, ökologischen und politischen Kontext.
Auch dem Design hat sich die Stadt verschrieben, ein paar Wörter hierzu werden aber erst in der Rubrik „Shop till you drop“ verloren.
Die beste Bar der Stadt
Der Stadtteil Kallio bietet sich an, um günstig Bier trinken zu gehen. Preislich liegt hier das große Bier ab 2,50 Euro gegenüber den 6 Euro in der Innenstadt deutlich im Vorteil. Vor allem kann man hier auch dem über-sauberen, ja fast sterilen Flair der Bars und Clubs und den Touristen in der Innenstadt entfliehen.
Freunde der
Beat Bar Butzemann werden sich in dem Wohnzimmer „Pulmu Baari“ (Fleminginkatu 13) am wohlsten fühlen. Der White Rabbit und KTS-Gänger findet im „
Lepakkomies“ und im „
Club Liberté“ einen adäquaten Ersatz. Hier gibt es täglich Konzerte meist finnischer Rockbands für drei bis fünf Euro.
Einen für Freiburger wohl schmerzlicheren, größeren Unterschied gibt es allerdings dennoch: Um
(halb) zwei ist in Kallio Sense. Daran wird sich strickt und akribisch gehalten, selbst ich konnte mich noch nicht daran gewöhnen.
Generell sollte man darauf achten, dass fast in allen Bars und Restaurants die Benutzung der
Garderobe obligatorisch ist. Auch wenn es in Finnland üblich ist, Getränke und selbst Kaugummis mit Karte zu zahlen: Zwei Euro sollte man für „Narikka“ griffbereit und am besten in Münzen bereit halten.
Der beste Club der Stadt
Zwei Lokalitäten beweihräuchern sich selbst mit dem angeblich besten Sound der Stadt -
Kuudes Linja und dem „am besten klingenden Club Europas“
Redrum. Jedes Mal, wenn man sich mit einem Finnen über diesen Club unterhält, wird man zuerst auf die Tatsache aufmerksam gemacht, dass redrum rückwärts
murder heißt. Wahr ist auch, dass die Klangqualität in beiden Lokalitäten umwerfend ist.
Club Playground übertreibt hiermit hingegen, so dass es sich zur Vorbeugung eines Hörsturzes empfiehlt, Gehörschutz mitzubringen.
Auch das
Tanzverhalten der Finnen dürfte für einen Mitteleuropäer gewöhnungsbedürftig sein: Von Anfang bis Ende des Abends konzentriert sich die Menge auf die Bühne und den DJ. Das hat man doch schon bei Rockkonzerten, taube Masse anstelle eines freundlichen wirbelnden Miteinanders. Schade.
Ein Veranstaltungskalender für elektronische Clubveranstaltungen findet sich
hier .
Nachtlager
Wie jede Großstadt verfügt auch Helsinki über eine breitgefächerte Auswahl an kleinen, großen, teuren, billigen, eleganten und heruntergekommenen Hotels und Herbergen. Zentral, erschwinglich, familiär und schön soll das Hostel
Erottajanpuisto sein.
Für Romantiker
Für ausgedehnte
Spaziergänge neben den Stadtwanderungen eignen sich die zahlreichen Parkanlagen, Wälder, Strände, Buchten und Seen. Besonders zu empfehlen ist die Museumsinsel Seurasaari, auf welcher mehr die frechen Eichhörnchen als die Kaninchen dominieren. Anschließend empfiehlt es sich, in der
Villa Angelica einzukehren. Das
kitschige charmant-altmodische Café ist – außer an den Esstischen – mit Orchideen überfüllt und bietet eine große Auswahl an den finnischen Leckereien „Pulla“, „Munkki“ und „Kakkua“.
Falls es einen Morgen danach gibt, kann man diesen im „
Café Luft“ ( Aleksin Kiven Katu 30) in Kallio verbringen. Für 11 Euro gibt es ab 10 Uhr ein Buffet, welches fast allen Wünschen gerecht wird.
Shop 'Til You Drop
Neben der Architektur ist das Design finnischer Exportschlager. Die Aushängeschilder
Marimekko, Iittala und Aarikka befinden sich in der teuersten Einkaufsstraße der Stadt, am Esplanadi. Kleiner, skurriler und einzigartiger geht es im sogenannten „
Design Destrict Helsinki“ zu. Das Viertel umfasst in 25 Straßen über 170 Läden, Hotels, Manufakturen und Museen, welche sich dem finnischen Design widmen.
Meet The Locals
Singen, Sauna und der Alkohol sind essentieller Bestandteil der Freizeitgestaltung in Finnland. Einheimische findet man demnach vor allem in einer der unzähligen Karaokebars der Stadt vor. Meistens trällern sie melancholisch-finnische Volksmusik oder Metalklassiker. Die drei besten und einzigartigsten Adressen sind Tenkka (Helsinginkatu 15) für das urfinnische Schlagergefühl,
Yökyöpeli ( Fabianinkatu 17), eine Minibar mit hervorragendem Sound, und das
Restroom (Tehtaankatu 23A), ein umgewandeltes öffentliches Toilettenhaus. Exklusiver geht es da nur noch beim Warmsingen im Karaoketaxi zu. Die Liste der Lieder und Fahrzeugtypen gibt es auch
online.
Wer finnische Freunde gefunden hat, darf auf keinen Fall eine Einladung zur
Saunaparty ungenutzt an sich vorbei ziehen lassen: Gemeinsames Schwitzen, Trinken und natürlich Singen verbindet.
Die Tippgeberin
Barbara Ruder lebte mit sechzehn für ein Jahr in einer finnischen Familie und ist nun für ihr Auslandspraktikum nach Helsinki zurückgekehrt. In Freiburg studiert sie Kulturmanagement und war im Z Kulturzentrum und Nachtgestaltungslabor aktiv.
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Foto-Galerie: Barbara Ruder
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