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Wie distanziere ich mich von einer unangenehmen Diskussion?

Mirko aus Freiburg fragt Betül: "Es ist mir in letzter Zeit zweimal passiert, dass ich nicht genau wusste, wie ich aus einer Diskussion, die mir zu hitzig wurde, wieder herauskomme..."

cc flickr.com/photos/dickuhne/145386081/

...einmal ging es um die anstehende Kommunalwahl, emotionsgeladener Gesprächspartner war der Vater meiner Freundin, der politisch doch recht andere Ansichten vertritt als ich; das zweite Mal ging es bei einem Geschäftsessen um Fragen, die mein Privatleben betreffen, auch hier eine Diskussion, die mir zu persönlich wurde. Wie komme ich aus solchen Situationen wieder raus?"

Lieber Mirko,
es gibt in der Tat Small Talk-Themen, die man genau aus den von dir erwähnten Gründen vermeiden sollte. Dazu gehört Sex, Religion, Krankheit, Tod, Finanzen und Politik. Natürlich können gerade auch diese Themen zu anregender Diskussion führen. Sie können aber auch in Streit oder Scham enden, weil die Meinungen auseinander driften. Deshalb empfehle ich immer, bei diesen Themen vorsichtig zu sein.

Dennoch muss man sie nicht übergehen, was ja manchmal auch unmöglich ist. Es gilt dann, aufmerksam auf den Gesprächspartner einzugehen, ohne das Thema zu vertiefen. Man könnte etwa das Gesprächsthema umlenken. Wie das geht?

Hier meine Empfehlung: „Ich habe mich mit den Kommunalwahlen noch nicht so sehr befassen können, leider. Deshalb möchte ich mich dazu gar nicht äußern.“ Natürlich ist das eine abrupte Unterbrechung, die auch gerne so verstanden werden darf.

Jetzt kommt es auf den folgenden Satz an, der entscheidet, ob die Gesprächsatmosphäre aufrecht gehalten werden kann oder nicht. Du musst das Gespräch unbedingt weiterführen und zwar positiv. Ein bisschen Kreativität und Wortgewandtheit wird hier schon verlangt. Ich gebe dir ein „Zauberwort“ mit, dass dir in Zukunft immer aus der Patsche helfen kann, es lautet: apropos!

„Apropos Wahlplakate, kannst du mir eine Druckerei empfehlen, die Plakate in Farbe für einen guten Preis druckt? Wir wollen in der Uni für die nächste Semestereröffnungsfeier werben.“

cc flickr.com/photos/explode/258932380/

Der Sinn ist, das "Apropos" sehr bald nach Tabuthemenbeginn einzusetzen, ein Schlagwort aufzugreifen, welches im Gespräch gefallen ist und dann die Unterhaltung umzulenken, damit du den Vater nicht verärgerst.

Zu deinem zweiten Fall: Wir müssen im Berufsleben ein bisschen offener werden, was unsere Privatsphäre angeht. Natürlich entscheidet jeder selbst, wie viel er davon erzählen möchte. Jedoch spukt in vielen Köpfen der falsche Grundsatz herum, dass man im Geschäft nichts über sein Privatleben erzählen darf.

Dazu möchte ich sagen, dass wir mit Menschen arbeiten und Menschen werden immer neugierig auf andere Menschen sein. Wenn du dich absolut anonym gibst, weckt das eher Misstrauen, als dass es dir irgendwelche Vorteile bringt.

cc flickr.com/photos/nosleeper/3063807/

Wenn dein Chef im Aufzug fragt: „Und, hatten Sie ein schönes Wochenende?“ Und du sagst einfach: „Ja, danke der Nachfrage“, dann ist das nicht sehr zufrieden stellend. Wenn du seine Neugier ein bisschen stillst und sagst: „Ja, ich war mit meiner Freundin im Kino. Wir haben den Film XY gesehen. Wir waren sehr beeindruckt. Ich kann Ihnen den Film wärmstens empfehlen“, dann gibst du ihm einen Einblick in deine Privatsphäre und er kennt deine Geschmacksrichtung, was Filme angeht und das ist doch schonmal was, ohne, dass du allzu viel von dir preisgibst.

Noch einmal: Jeder entscheidet selbst, wie weit er von sich erzählen möchte. Wenn die Fragstellungen zu indiskret werden, dann darfst du gerne auch deine Grenzen zeigen und sagen, dass du darauf nicht antworten möchtest. Jetzt geht es wieder darum, das Gespräch in der positiven Ebene zu halten. Apropos...

Ich wünsche Dir viel Spaß beim Small Talken.

Deine Betül  




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von betül | 07.05.09, 09:33 | Kommentare (8)
Weitere Artikel zu: Diskussion, Gespräch, Knigge, Verhaltensweisen, Benehmen, Etikette, -betül



Kommentare
Anzahl der Kommentare: 8
Donnerstag, 07.05.09 10:13
 

"Wie komme ich aus solchen Situationen wieder raus?"

Wild mit den Armen fuchteln und laut schreiend nach Drogen, Sex und Alkohol verlangen, dem Gesprächspartner in den Kopf beissen und danach eine Ohnmacht simulieren.

Und wenn das nicht klappt, dann einfach Sätze raushauen wie z.B.:
Oberhalb der Kulimationspunkte forstwirschaftlicher Bestände tendieren die Dezibellwerte gegen den Nullpunkt
(was so viel heisst wie: Über allen Wipfeln ist Ruh`)

Oder aber:
Unter Einsatz immenser, jedoch bis zum Moment der Aktualisierung des Impulses latenter Energien, löste sich die amphibielle Kreatur von ihrem habituellen Standpunkt und verschwand, einer in erster Näherung parabolischer Bahnkurve folgend, in den mehr oder minder transparenten Räumen ihrer Existenz.
(Der Frosch sprang ins Wasser)

Auch wenn das zu diesem Zeitpunkt keinen Sinn ergibt, so hinterlässt so eine Aussage erstmal staunende (und fragende) Gesichter und man kann getrost seiner Wege gehen.

Donnerstag, 07.05.09 11:36
 

Wie man aus unangenehmen Diskussionen raus kommt? Na, nichts einfacher als das: Dem Diskussionspartner eines auf die Fresse hauen und Ruhe ist im Karton...

Donnerstag, 07.05.09 11:46
 

"Über Geld und Politik spricht man nicht!"

Wenn eine Freundschaft diese Reizthemen dennoch unbeschadet übersteht, ist sie echt.

Donnerstag, 07.05.09 11:55
 

es wird noch diskutiert? hatte den eindruck, es geht mittlerweile mehr um grabenkämpfe...

Donnerstag, 07.05.09 22:56
 

@ Jass: Grabenkämpfe? Nene, sowas kenn ich eher weniger... Die Eltern von meiner Freundin wollen mir zB seit längerer Zeit einreden, ich soll meine schönen Wuschelhaare abschneiden lassen.

Aber meistens sind die relativ schnell ruhig, wenn ich ihnen glaubhaft versicher, dass die nicht nur bleiben, sondern auch noch sehr viel länger wachsen sollen. Sorgt für entsetztes Schweigen und einen schnellen Themenwechsel *thumbs up*

Donnerstag, 07.05.09 23:17
 

Das es so etwas noch gibt: Auseinandersetzungen wegen zu langer Haare...

Du solltest mit ihr Schluss machen!

Freitag, 05.06.09 16:28
 

Bin dann mal im Smalltalk Blog*g

Donnerstag, 02.07.09 21:19
 

"Unter Einsatz immenser, jedoch bis zum Moment der Aktualisierung des Impulses latenter Energien, löste sich die amphibielle Kreatur von ihrem habituellen Standpunkt und verschwand, einer in erster Näherung parabolischer Bahnkurve folgend, in den mehr oder minder transparenten Räumen ihrer Existenz.
(Der Frosch sprang ins Wasser)

Auch wenn das zu diesem Zeitpunkt keinen Sinn ergibt, so hinterlässt so eine Aussage erstmal staunende (und fragende) Gesichter und man kann getrost seiner Wege gehen."

@Tomtom: Der Satz ist schön :) Es gibt da nur ei Problem: In einer Haarigen Situation wird mir garantiert die Hälfte entfallen und dann gibt's vor allem ein fragendes Gesicht: MEINS!!! ^^

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