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Nightlife-Guru: 13 Jahre Wum-Stüble

Halligalli im Stil-Babel, Preise wie damals, Zahlen auch in Deutschmark: da wedelt nicht nur der Goden Retriever des Wum-Stübles eifrig mit dem Schwanz, sondern auch die Freier von nebenan. 13 Jahre Wum, das bedeutet: Oldiesender, Illus, Brie und halbe Eier. Der Nightlife-Guru war drin, mit viel Knoblauch.

Wum Stüble

An der Tür

… steht hier niemand. Also kein „Ist-heute-nicht-dein-Abend“ oder „Mit-Turnschuhen-kommst-du-hier-nicht-rein“. Das „Reinkommen“ in Eckkneipen ist sowieso nie das Problem. Eher das „Eindringen“ in eingeschwore Saufgemeinschaften. Ich hab mich vorbereitet: unauffällige, unprätentiöse Klamotten, ’ne frische Packung Kippen und ein Gesichtsausdruck desinteressierter Unschuldigkeit.

Inneneinrichtung / Deko

Beim Badischen Pressehaus links in die Lörracherstraße, vorbei an VW, Edeka und der Flamenco-Studeo La Soleá und schon ist man beim Wum-Stüble. Von weitem sticht aber zuerst eine neonblaue Leuchtschrift ins Auge: Noblesse 1. Was sich nach Großraumdisco, Studenten-Pizzeria oder Möchtegern-Boutique anhört, ist in Wirklichkeit ein schnöder Puff. Falls Adel verpflichtet, bleib ich heut lieber Pöbel.

Wum Stüble

Die Kneipe befindet sich gleich nebenan, in einer alten Tankstelle. Eine derartig groteske Szenerie zwischen Trash und Kult kennt man sonst nur von Tarantino oder aus dem Herdermer Bürgerstüble.

Draußen, wo einst Zapfsäulen standen, kann man sich’s bei gutem Wetter in Plastikstühlen bequem machen. Drinnen, unter einer dunklen Holzdecke und flankiert von zünftigen Gardinen, herrscht kitschig ein postmodernes Stil-Babel: Plastik-Fischkopf trifft auf Miró-Replikat trifft auf Irish-Pub-Schiefertafel trifft auf Werbe-Monatskalender trifft auf Efeu umranktes Spirituosenregal.

Gegenüber des Tresens blinken nervös drei Spielautomaten; ein gelbes Schild scheint tragikomisch den Leitspruch der Schenke zu skandieren: „Ich habe ein Problem mit Alkohol: zwei Hände aber nur einen Mund.“

Wum Stüble

Wer war da?

Außer mir nur Stammgäste – die meisten ausm Viertel, manche aus dem Freiburger Umland. Sie hören auf Namen wie Peter, Bruno und Ralph, tragen Westen aus künstlichem Velours, goldene Rolex-Imitate aus den 80ern und paffen grand-seigneuresk ihre stummeligen Feierabend-Zigarren.

An der Bar sitzt die blonde Kneipenschönheit und krault verträumt ihrem Golden Retriever den Nacken. Ihr Mann markiert mit beigen Kargos und Wildleder-Pumas neidisch den Kiez-Coolen.

In einer Ecke steht die rumänische Diaspora und debattiert in slawisch-romanischen Lauten über Steaua Bukarest und den EU-Beitritt ihrer Patria. Kein Wunder: der Chef und seine Frau kommen selbst aus Transsilvanien.

Wum Stüble

Party-Atmo

13 Jahre Wum-Stüble also. Wäre ich in der „Zypresse“ nicht über jenen skurrilen Hinweis gestolpert, hätte ich der Alk-Tanke nicht angemerkt, dass sie heute Geburtstag feiert. Nun gut, vielleicht gehört sich das in derartigen Lokalitäten ja so: ein Leben jenseits der großen Aufregerle und Aufheiterle.

Schließlich kommen die Leute her, um Halt im pathetischen Sturm des Lebens zu finden, sich ins Sichere zu flüchten. Da wäre schon ein Party-Wind der Stärke 6 völlig fehl am Platz. Aus den Boxen säuselt ein beliebiger Oldiesender (Beatles, Phil Collins und so weiter); gegen Elf verabschieden sich die ersten Gäste.

Wum Stüble

Catering

„Preise wie damals; zahlen auch in DM,“ hieß es in der Anzeige. Und tatsächlich habe schon jemand mit einem Zwanzigmarkschein bezahlt, versichert mir die Bedienung. Die Preise scheinen indes unverändert, was man gelassen hinnimmt, wenn ein Vodka Lemon faire 3,50 EUR kostet. Die Limone suche ich vergeblich.

Einziges Jubiläumsindiz ist ein improvisiertes Buffet, an dem sich unendgeldlich laben kann, wer Hunger hat, beziehungsweise, wer sich traut. Schinken, Brie und halbe Eier. Und ein rumänischer Pilzsalat, der auf mich nicht gerade einladend wirkt. „Mit viel Knoblauch,“ erläutert die Frau des Chefs und fordert mich auf, mir doch unbedingt den Bauch voll zu schlagen.

Ich tue mir eine kleine Alibi-Portion auf und hoffe, dabei nicht allzu negativ aufzufallen. Das Gegenteil ist der Fall: Die Initiation scheint vollzogen und man akzeptiert mich mehr und mehr als neues Mitglied der Trink-Community.

Wum Stüble

Aufheiterle

In einem Karton neben mir liegen Zeitschriften: „Life & Style“, „Madame“, „Bunte“. Auf der Suche nach Unterhaltung blättere ich eine Illu nach der anderen durch und erfahre, dass Natalie Portman monatlich für bescheidene 3000 US-Dollar shoppen geht und am liebsten in vegane Kleidung investiert.

Vielleicht sollte ihr mal jemand Freiburgs Selbstverständnis als „Green City“ stecken. Auf dass im „Wochenbericht“ endlich nicht mehr nur über C-Promis im Schneerot berichtet wird, sondern über A-Promis im Alnatura.

Wum Stüble

Fazit

Das Wum-Stüble ist kein Ort ausgelassener Feieratmosphäre. Dafür kann man hier ohne große Aufregung sein Bierchen zischen und anschließend in seliger Trunkenheit nach Hause torkeln. Und das nunmehr seit 13 Jahren.

Mehr dazu

fudder.de: Verborgene Theke - Wum-Stüble
fudder.de: Serie Nightlife-Guru




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von nightlife guru | 06.04.09, 15:44 | Kommentare (11)
Weitere Artikel zu: Wumstüble, Kneipen, Nightlife Guru, -nightlife-guru, Wum-Stüble



Kommentare
Anzahl der Kommentare: 11
Montag, 06.04.09 16:06
 

Der Laden hat was, woll?!

hehe
Montag, 06.04.09 17:08
 

Du wirst es ja mit Sicherheit wissen, Ralph :)

"[...]Außer mir nur Stammgäste – die meisten ausm Viertel, manche aus dem Freiburger Umland. Sie hören auf Namen wie Peter, Bruno und Ralph[...]

Montag, 06.04.09 18:19
 

@ hehe, war noch da drinnen.

Montag, 06.04.09 18:34
 

@ralph:


von wann ab ? :-D




Montag, 06.04.09 20:45
 

ja das wumstüble ...
sind aber immer ganz nette leute da ;)

Montag, 06.04.09 22:49
 

"Ich hab mich vorbereitet: unauffällige, unprätentiöse Klamotten, ’ne frische Packung Kippen..."

ich hätt' ja die packung kippen davor noch stilecht zerknittert.

Baum
Dienstag, 07.04.09 09:30
 

schade, hätte gerne mehr bilder der gäste gesehen.
aber respekt, ich hätte mich vermutlich nicht rein getraut.

Dienstag, 07.04.09 09:41
 

also wum stüble gibt es sicher schon einige jahre länger wie 13.
bin da schon hin und wieder in den frühen achzigern drin gewesen....

Dienstag, 07.04.09 11:32
 

weil es so romantisch war/ist ? :-D :-D :-D

Dienstag, 07.04.09 17:13
 

...oder nur des essens wegen?
Die Butze ist wohl wesentlich älter, zumindest Anfang der 90er gab es diese Abschluckbude schon.

Schön, dass mal wieder ein Bericht darüber drin war, weiter so!

Mittwoch, 08.04.09 05:01
 

joah .. süsser Bericht .. du Nightlife-Guru, Du ..
Komm sag doch mal, woher du persönlich den Begriff "trashig" hast und wie du den für dich und uns definierst ..
Ich fürcht, da redet wieder jemand mit Termini jenseits seines sonstigen Spektrums .. tztz ..

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