FairTrade, Bio-Lebensmittel und Eco-Fashion liegen gerade voll im Trend. Auch der Begriff Nachhaltigkeit fällt immer öfter. Doch was bedeutet das eigentlich? Im Internet gibt es mittlerweile über 90 deutschsprachige Blogs, die sich mit dem Thema beschäftigen. Einer davon ist Sebastian Backhaus aus Freiburg. Im fudder-Interview erzählt er, worum es in seinem Blog geht und was es mit den Ökos von heute auf sich hat.







@fudder
den hier solltet ihr euch nochmals zu Gemüte führen:
"Als ich vor circa 3 Wochen auf der BioFach-Messe und da findet man mittlerweile auch fast jeden Hersteller, der bisher nur konventionelle Lebensmittel angeboten hat. Die BioFach hat dieses Jahr ihr 20jähriges Jubiläum gefeiert. Die Gründer haben damals relativ trocken und idealistisch angefangen, in ihren in Nürnberg war, ist die wirklich aus allen Nähten geplatztselbstgestrickten Pullis, aber sie sind immer noch dabei."
Bio alleine macht die Welt aber nicht besser.
Ist es nachhaltig, Biostrom aus Biogasanlagen zu verwenden, wenn sich dafür irgendwann eure Nachbarn keine Lebensmittel aus Deutschland mehr leisten können? Oder wenn durch permanenten Maisanbau die Fruchtbarkeit der Böden verschwindet?
Ist es nachhaltig, Strom aus Wasser zu gewinnen, wenn dabei Fische in den Turbinen sterben?
Ist es nachhaltig, Strom aus Wind zu produzieren, wenn dort durch den Ton im Ultraschallbereich viele Tiere in der Umgebung verjagt werden?
ISt es nachhaltig, die Biokarotten aus Norddeutschland zu essen, wenn die Produktion hier ums Eck mit viel weniger Energieinput auskommt, weil der Transport wegfällt. Oder die hiesige Molkerei ihre Mich an den Bodensee fährt und dort ihre Butterproduziert und dann wieder zurück nach Freiburg bringt?
Nachhaltigkeit beginnt beim Kauf REGIONALER Produkte (egal was) und ist nicht auf "Bio" zu beschränken. Jetzt mal noch ein neues Fremdwort: Energiebilanz:
Und genau diese ist bei Bioproduktion und konventioneller unterm Strich gleich!
VIelleicht kommt man irgendwann mal davon weg, Bio und Nachhaltigkeit zu vermischen, weil die Überschneidungen definitiv nicht so groß sind, wie die meisten denken.
@caro
wobei "aus allen Nähten geplatztselbstgestrickten Pullis" auch nicht zu verachten sind *grins*
Klar, Bio ist nicht die Wunderwaffe schlechthin, um die Probleme der Welt zu lösen. Aber es ist ein richtiger Ansatz. Bio-Produkte sind unter anderem frei von Gentechnik, ohne Einsatz von Pflanzenschutzmitteln, schützen Böden und Grundwasser, helfen die Artenvielfalt zu erhalten und unterstützen eine Kreislaufwirtschaft mit möglichst geschlossenen Nährstoffzyklen. In Hinsicht auf den Fleischkonsum wird auf eine artgerechte Tierhaltung geachtet. Also nicht nur gesund für Verbraucher sondern auch pro Umwelt. Regionale und saisonale Produkte sind genauso wichtig wie der ökologische Anbau. Denn weder der Umwelt noch den Herstellern vor Ort ist geholfen wenn Bio-Produkte um die halbe Welt geschifft werden müssen.
"Der Anteil des Umsatzes von Bio-Lebensmitteln im Discounter am Gesamtumsatz ist, glaube ich, noch relativ gering. Das liegt auch daran, dass die Einkäufer, die Bio-Lebensmittel kaufen wollen, nicht unbedingt zu Aldi oder Lidl gehen."
Dein Glaube täuscht dich.
In Deutschland wurden 2006 z.B. knapp 70 Prozent aller in Deutschland verkauften Bio-Möhren von den Lebensmittel-Discountern verkauft.
Quelle: Landwirtschaftskammer NRW / ZMP
Daten für Januar bis Juni 2007: Von der Gesamtmenge in Deutschland bei Discountern verkauft:
Bio-Eier: 48 %
Bio-Käse: 46 %
Bio-Kartoffeln: 45 %
Bio-Obst: 42 %
Bio-Gemüse: 41 %
Bio-Brot: 24 %
Quelle: ZMP
Weitere Adressen von Blogs, Journalen, Podcasts und Twitterern zum Thema Nachhaltigkeit gibt es hier:
Blogverzeichnis: http://bioemma.de/nachhaltige-blogs-und-journale
Twitter: http://www.bessergehtsimmer.at/2009/01/nachhaltigkeit-auf-twitter
@ Harddiscount-Fan
Die Daten, die Du gefunden hast beziehen sich ja nur auf Bio-Frischeprodukte und sind demnach nicht repräsentativ für die Gesamtheit aller verkauften Bio-Lebensmittel. Ich habe keine Daten gefunden, die den Umsatz der Discounter mit Bio-Lebensmitteln (ohne LEH!) verglichen zum Gesamtumsatz mit Bio-Lebensmitteln aller Einkaufsstätten darstellen.
Ich habe aber kurz bei der GFK und dem Bund Ökologischer Lebensmittelwirtschaft angefragt. Mal sehen, ob die irgendwelche Zahlen zur Verfügung haben. In den meisten Statistiken werden die klassischen Discounter nämlich unter LEH geführt, wodurch keine eindeutige Aussage zu den Discountern möglich ist.
Ansonsten gibt es auf Seite 7 des Ökobarometers 2008 eine Angabe zu den bevorzugten Einkaufsstätten für Bio-Lebensmittel: http://www.oekolandbau.de/fileadmin/redaktion/dokumente/journalisten/publikationen/OEkobarometer_Erg[..] gesehen legen die Discounter natürlich zu, keine Frage. Gemessen am Gesamtumsatz der Bio-Lebensmittel (nicht nur Frische-Produkte und ohne LEH) führen sie aber meiner Meinung nach die Statistik noch nicht an.
Anteil am Biomarkt 2007 in Deutschland (erste Grafik):
Discounter: 28 %
Naturkostfachgeschäfte: 21 %
SB-Warenhäuser: 13 %
Supermarkt / trad. LEH: 10 %
Prognostizierte Werte für 2013 (zweite Grafik):
Discounter: 39 %
Naturkostfachgeschäfte: 17 %
SB-Warenhäuser: 12 %
Supermarkt / trad. LEH: 23 %
Quelle: BBE Retail Experts