zur Startseite
Passwort vergessen?

Wo rockt's? Tex im White Rabbit

Der Berliner Tex schreibt und singt großartige und anrührende Songs, ist Musikkollaborateur und Moderator und Gastgeber der Web 2.0-Musikshow TV Noir. Und heute Abend im White Rabbit. Das sollte man nicht verpassen. Caro hat ihm kurz vor dem Konzert noch ein paar Fragen gestellt.



Tex, wir würdest Du Deine Musik einer tauben Person beschreiben?


Einer tauben Person. Das ist echt schwierig, weil es ja schon an der Intensität der Musik liegt. (überlegt) Vielleicht so: was Munch malt, so Texte singe ich.

Dein multimediales Konzeptalbum "Aber Nachts" ist als Projekt mit 20 Künstlern entstanden. Du trittst aber auch, so wie heute abend, alleine auf. Siehst Du Dich primär als Singer/Songwriter oder als Kooperationskünstler?


Es gibt so verschiedene Zwiebelschichten. Im Kern bin ich auf jeden Fall einzelner Singer/Songwriter, ganz klar, und bin auch zur Zeit fast ausschließlich als solcher unterwegs. Es macht mir aber auch wahnsinnigen Spaß, mit anderen zusammen eine gemeinsame Vision zu entwickeln und dann umzusetzen. Zwei Beispiele: Da ist zum einen natürlich TV Noir, wo wir ein Team haben von zehn Leuten, von denen fünf so der engste Kern sind, und das andere ist das Album aber nachts, an dem wir zu zwanzigst dran gearbeitet haben. Der Grundgedanke ist halt die Entdeckung, dass wenn man eine Idee oder ein Projekt extrem genau betrachtet und verdichtet, dann ergeben sich unheimlich viele Anknüpfungspunkte. Und dann kommt der Effekt, dass jeder dazu beiträgt, das Gesamte noch ein bisschen größer machen kann. Das ist eins der Grundgefühle, das ich am allertollsten finde: etwas gemeinsam auf die Beine zu stellen. Zum Beispiel nach der letzten TV Noir-Sendung, wo alles einfach super geklappt hat, das ist einfach so toll, wenn man dann im Team gemeinsam das Gefühl hat: Geil, jetzt haben wir was geschafft, was ganz besonders ist.

Was ist denn überhaupt TV Noir?


TV Noir ist eine monatliche Songwriter-Sendung, die man live, im Internet, als Podcast und bald auch als ganze Sendung zum irgendwann gucken und im Fernsehen sehen kann. Da hab ich eben bei mir in einem schönen Salon in Kreuzberg Songwriter zu Gast, und man sitzt gemütlich beisammen, macht einen Haufen Blödsinn, interviewt sich und spielt natürlich Musik zusammen. Dabei lernt man Leute sehr privat kennen, die man sonst nur von der Bühne herunter erlebt.

Was war deine TV Noir-Lieblingssendung bisher?

Wahnsinng toll war es, als Philipp Poisel da war. Und überhaupt gab es viele tolle Momente. Als Ingo Pohlmann da war, da sind wir dann hinterher noch ewig lang dagesessen und haben uns unsere Songs vorgespielt. Daniel Roth war da auch als Gast, und der und Pohlmann haben sich total ineinander verliebt, das war richtig geil.

TV Noir ist auch ein Internetformat, und Du nutzt diverse Social Neworks und Dienste, wie zum Beispiel Twitter. Welche Bedeutung haben diese Sachen für Dich, und woher kommt Deine Internet-Affinität?


Das ist eine tolle Möglichkeit zur Multiplikation. Ich hab das schon früh entdeckt, durch die Mailingliste einfach intensiver die Verbindung zum Publikum zu pflegen und auch Kontakte zu halten, die sonst vielleicht verpuffen würden. Vor allem ist mir das Netz erstmal eine Dienstleistung, und dann ist es aber auch so, dass ich als Mathematiker, der Spaß an Technik hat, natürlich auch erstmal gerne Sachen ausprobiere. Das mischt sich da auf schöne Art. Dass ich gerade so viel twittere, hat auch ein bisschen damit zu tun, dass ich das Medium erforschen will. Ich mach' zwar viel Musik, aber ich berate nebenbei auch viele Firmen und StartUps, wenn es um das Thema Internet und Kommunikation geht.

Die Legende vom MySpace-Durchbruch ist mittlerweile ziemlich passé. Was meinst Du, welche Bedeutung wird das Internet langfristig für Musiker haben?

Das mit der Legende ist ein gutes Stichwort. Eine Beraterfirma, Gartner, die haben den Begriff des Gartner Hype Cycle geprägt. Das ist eigentlich für Technologie gemeint, aber das passt auch wahnsinnig gut zu anderen Themen. Die Zeichnen eine Kurve auf, die, wenn es etwas Neues gibt, eine neue Technologie, ein neues Thema erstmal wahnsinnig sprunghaft ansteigt, dann kommt das Tal der Enttäuschung, wo es dann gleich wieder rapide 'runter geht, und danach kommt ein sehr viel beständigere Linie, wo es wieder ansteigt, wo sich 'rauskristallisiert, was man langfristig nutzen wird.

Dass man das Internet überhaupt täglich benutzt, da sind wir über das Tal der Enttäuschung schon lange hinweg. Wir wissen, in dem Bereich wo man nicht Popstar ist, und über die ganz großen Medien wie Radio und Fernsehen verfügt, da ist das Internet das Kommunikationsmedium überhaupt. Live spielen ist natürlich total toll, aber Du kannst nicht wirklich über Live deine Popularität vernünftig erhöhen, außer es ist eingebettet in ein Konzept, wo Du zum Beispiel auch Support von einer großen Band bist und automatisch mit vielen Leuten in Kontakt kommst. Aber so von selber aus ist es nicht realistisch dich über Live aufzubauen, da ist das Internet das wesentliche Medium, um überhaupt eine Sichtbarkeit zu schaffen. MySpace da vielleicht nicht das Wichtigste, aber auf jeden Fall ein Baustein.



 

Was: Tex
Wann: Montag, 2. Februar 2009, 21 Uhr
Wo: White Rabbit


Tex: Heil mich
Quelle: YouTube  




Artikel als E-Mail verschicken Artikel auf Facebook weiterempfehlen Artikel twittern Diese Seite zu Mister Wong hinzufügen Diesen Artikel bei del.icio.us bookmarken
 
von caro | 02.02.09, 17:11 | Kommentare (3)
Weitere Artikel zu: Musik, Konzerte, Interview, Tex, White Rabbit, -caro



Kommentare
Anzahl der Kommentare: 3
Montag, 02.02.09 19:15
 

"Meine Nachbarn im ICE sind erleichtert das das fudder.de interview vorbei ist." (Tex)

weltklasse.

Dienstag, 03.02.09 14:41
 

Wenn ich mich recht erinnere war Tex bei Rock am Ring 2001 unmittelbar vor H-Blockx und Godsmack auf der Alternastage, und da hats übel Becher gehagelt. Zur falschen Zeit am falschen Ort würd ich ma sagen :D
Da war er denk ich ma gestern Abend im White Rabbit besser aufgehoben.
Hätte mich aber brennend interessiert wie er das erlebt hat damals!

Tex
Mittwoch, 04.02.09 01:46
 

Cool Caro, danke fürs hierauf hinweisen! -

Hallo Joosef. Rock am Ring / Rock im Park 2001 war in der Tat eine bizarre Out-of-body-experience. Die Leute waren nicht nur genervt, sondern richtig total wütend und verzweifelt dass so ein schwuler Liedermacher ihr betreutes Turnen kaputt macht. Noch zwei Wochen nach der Show war unser Gästebuch voll mit Einträgen von denen "Hass schwul wixer ficksau" noch die zivilisierteren waren. Vielleicht findest du noch was auf archive.org! Lustige upnote: Die WDR Leute die da waren, waren nicht gerade eingefleischte Papa Roach oder Thumb Fans, sie waren schon im Vorfeld ziemlich auf uns abgefahren und hatten 30 CDs in die Redaktion bestellt. Die Fernsehaufnahmen sind super geworden und als es dann zwei Monate später gesendet wurde hben die zuschauer begeisterte Mails geschickt, die hatten gar nichts gemerkt! Falscher Zeit, falscher Ort - Falsches Medium
Es war für uns echt nicht schön damals; nach RaR haben wir uns noch gesagt, na ja RiP kann ja eigentleich nur besser werden. War aber fast noch schlimmer.
Vorteil: Seitdem trägt mich eine wunderbare Gleichmut durch jedes Konzert, und wenn noch so viel schiefgeht. Ich bin von NICHTS MEHR erschütterbar :)

Um einen Kommentar zu verfassen, benötigst du ein fudder-Profil. Registriere dich kostenlos oben rechts auf fudder.






Diese Funktion steht nur für eingeloggte fudder-User zur Verfügung.

» fudder-Netiquette





» Jan K.

re: Badische Zeitung offline?
Naja nachdem ich nicht dr...

» Griptape

re: Badische Zeitung offline?
also bei mir klappts.

» Jan K.

Badische Zeitung offline?
Heyho. Die Badische Zeit...

» christianhauck

re: PN
das war ein Standard-Antw...

» ja/nein

re: PN
lokis gedanken hatte ich ...

» Chuckie

re: Neuer Stammtisch der Piraten
Ist das eine offfizielle ...

» Anon

Scientology-CHRONIK des BÖSEN
Hier dokumentieren wir in...

» christianhauck

re: Planetarium Freiburg - oder wie man Marketing betreibt
Ist nicht unorganisieret,...