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Nachtmacher (17): Hardi Hänle und Ulrich Stelter

Hardi Hänle (33) und Ulrich Stelter (52) zeichnen verantwortlich für das Programm der MensaBar in Freiburg. Stelter war sieben Jahre lang Geschäftsführer des ZMF, Hänle kam zu seinem heutigen Job über eine Praktikantenstelle des Studentenwerks. Eine Geschichte über vermeintliche Gegensätze und die Balance zwischen Selber entscheiden und Mitreden lassen.

MensaBar

MensaBar Freiburg, Freitagmittag 13:30 Uhr. Es herrscht noch geschäftiges Treiben in dem recht dunklen Eingangsbereich, so kurz vor dem Ende der Essensausgabe an diesem letzten Tag der Woche.

Der Geräuschpegel ist hoch. Zwischen Chipkartenterminals und Speiseplan wird noch heftig über die soeben zu Ende gegangene Vorlesung diskutiert und nebenbei die Frage geklärt, ob heute Mittag eher Fisch oder doch lieber der berühmte Freitags-Milchreis den Magen füllen soll. Nicht gerade die besten Voraussetzungen für ein Interview.

An der Bar, in ein Gespräch vertieft, sitzen zwei Herren, die in dem Tumult fast untergehen; zwei, wie sie gegensätzlicher kaum sein könnten: Hartmut „Hardi“ Hänle und Ulrich Stelter. Sie sind die Leiter der MensaBar Freiburg. Hänle, der aus dem Schwäbischen stammende Veranstaltungsmanager mit Kapuzenpulli, Baskenmütze, Turnschuhen und Ziegenbart und Stelter, der schlanke, großgewachsene hanseatische Marketing-Mann mit Hemd und Jackett, wirken auf den ersten Blick eher so, als unterhielte sich ein Uni-Dozent mit seinem Hiwi.

MensaBar

Man begibt sich in eine kleine Sofaecke auf der anderen Seite des Raumes und wie sich in der kommenden Stunde herausstellen wird, haben die beiden nicht nur optisch so rein gar nichts gemeinsam, sondern auch ihr Lebensweg ist zunächst von Gegensätzen geprägt.

Rückblende: vor 52 Jahren kommt Ulrich Stelter in Norddeutschland zur Welt. Nach einem Lehramtsstudium in den Fächern Englisch und Sport in Kiel verschlägt es ihn aufgrund des Lehrermangels in den Süden, wo er allerdings die nächsten 20 Jahre nicht im Schuldienst, sondern im Kulturbetrieb tätig ist.

In Freiburg arbeitet Stelter sieben Jahre als Geschäftsführer des ZMF, bevor er im Jahre 2001 beim Studentenwerk anfängt und Leiter der Hochschulgastronomie und Kultur wird. Aus der Nähe von Stuttgart kommt Hardi Hänle, 33. Nachdem er, wie er sagt, ziemlich lange rumstudiert hat, bleibt auch er beim Kulturmanagement hängen und kommt als Praktikant zum Studentenwerk, wo er 2002 Teil einer von Ulrich Stelter gegründeten Arbeitsgruppe wird, die sich mit der Planung und Umsetzung der MensaBar Freiburg als neuer Plattform für studentische Aktivitäten und Kultur beschäftigt. Mittlerweile ist Hänle der Kultur- und Veranstaltungsmanager der MensaBar.

MensaBar

Die MensaBar in ihrer heutigen Form existiert seit November 2003. Die Entstehung fiel genau in die Umbauphase der Mensa Rempartstraße. Der frühere studentische kulturelle Veranstaltungsraum befand sich bis dahin in der Alten Uni, musste dann aber dem Uniseum weichen.

„Als wir zum ersten Mal diesen neuen Eingangsbereich hier in der MensaBar betraten, war uns klar, dass man hier eigentlich wunderbar eine Bühne hinbauen könnte. Und durch den leicht ansteigenden Boden können bei entsprechender Bestuhlung selbst kleinere Menschen auch in den hinteren Reihen noch was sehen. Das war ideal“, so Ulrich Stelter, als er auf die große Bühne und die sich dahinter befindende Leinwand blickt.

Die Probephase fand im Sommer 2002 während der Fußball-WM in Korea und Japan statt. Stelter sagt: „Da haben wir hier eine Großbildleinwand aufgebaut. Immer mehr Studenten kamen vor oder nach dem Essen und zwischen den Vorlesungen, um sich hier die Spiele anzuschauen. Das kam richtig gut an. Teilweise waren es bis zu 500 Personen. Bei der EM 2008 waren es dann schon so viele Besucher, dass der Raum hier gar nicht mehr ausgereicht hat und wir die Leinwand fürs Public Viewing nach draußen in den Mensagarten verlegen mussten.“

MensaBar

Mit der Improsoap Egonstraße und Florian Schroeders Blauer Couch avancierte die MensaBar rasch zu einer bekannten Größe im kulturellen Leben der Studenten. Literaturabende, Live-Musik-Acts, Theateraufführungen, all dies findet hier statt, obendrein Talk-Shows, Lesungen, Kochduelle oder gemeinsames „Tatort“-Schauen am Sonntag bei Suppe und Mörderraten.

Ursprünglich war die MensaBar als kultureller Veranstaltungsort für Studenten gedacht, mittlerweile sind sie auch selbst zu Protagonisten geworden. „Jeder kann mit seinen Ideen zu uns kommen und sich auf der Bühne ausprobieren, was aber nicht heißen soll, dass wir selbst keine neuen Ideen hätten“, sagt Hänle. „Wir sehen uns aber nicht als übergeordnete Instanz, die alle Entscheidungen alleine trifft.

Wir versuchen, das Beste gemeinsam mit den Studenten zu machen, stehen gern helfend zur Seite und versuchen, die Ideen mit ihnen umzusetzen.“ Hänle scheint selbst noch so tief im studentischen Milieu verwurzelt, dass man ihm das abnimmt.

MensaBar

Natürlich war dieses Konzept am Anfang ein Wagnis. „Wir wussten ja nicht, ob es funktionieren würde, zumal wir mit der Idee, eine Mensa nicht nur tagsüber, sondern auch am Abend  zu nutzen, damals ziemliche Vorreiter waren. Aber wir hatten Glück." Pluspunkte: Die zentrale Lage an der Rempartstraße und der Kessel Buntes im Programmheft. "Plötzlich waren nicht mehr nur 20 oder 30 Leute am Abend hier, sondern mehrere Hundert“, so Ulrich Stelter, während er in seiner Latte macchiato rührt und ab und zu auf die vor ihm auf dem Tisch liegenden, ausgedruckten A4-Seiten blickt.

Heute organisiert er in der MensaBar etwa 150 Veranstaltungen im Jahr. Neben Dauerformaten wie dem wöchentlichen Länderabend des Internationalen Clubs, dem VideoSlam oder Shakes on Rock, wo sich Studentenbands vor Publikum präsentieren können, gibt es jedes Semester auch immer wieder neue Konzepte, wie beispielsweise die Do you know?-Show!, eine Experimentiershow im Stil von Knoff-Hoff.

Am 29. Januar startet erstmals die „Impro-WG-Küchenshow“, bei der wechselnde Gäste mit einer fiktiven Studenten-WG ein Überraschungsmenü kochen. Unter den Gästen werden neben einem Sternekoch auch der Rektor der Universität Hans-Jochen Schiewer und OB Dieter Salomon sein.

MensaBar

Apropos kochen und Prominente: sogar Alfred Biolek, Alumnus der Freiburger Universität, hat schon die MensaBar besucht und gemeinsam im „Kochduell“ mit Studenten auf der Bühne den Kochlöffel geschwungen, um ein 3-Gänge-Menü zuzubereiten.

Was sich Hardi Hänle und Ulrich Stelter für die Zukunft wünschen? Endlich Mal wieder eine richtig große Mensaparty, wenn möglich noch dieses Jahr. „Aber studentisch niveauvoll“, betont Hänle. Was immer das heißen mag.

Sie haben also doch etwas gemeinsam, diese beiden anfänglich so verschiedenen Menschen, nämlich ihre Zielstrebigkeit, ihr Engagement und ihre Freude, mit der sie das Projekt MensaBar verfolgen. Sie sind stolz darauf, etwas Einzigartiges in der regionalen und überregionalen kulturellen studentischen Szene geschaffen zu haben. Dabei bleibt es ihr Bestreben, sich von anderen Einrichtungen, Bars und Clubs abzuheben. Bisher klappt das ganz gut.

Mehr dazu

Web: MensaBar
fudder.de: Nachtmacher Serie    




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Kommentare
Anzahl der Kommentare: 11
Ex-Moskito
Dienstag, 20.01.09 11:05
 

„Aber studentisch niveauvoll“, betont Hänle. Was immer das heißen mag.

Ja das würd ich auch gern wissen!

Dienstag, 20.01.09 12:02
 

.....nach 13 Bier und 6 Kurzen wird nur gekotzt aber nicht geschlagen vielleicht?

Dienstag, 20.01.09 13:28
 

@ ex, dann kommt mal mit ins Trainingslager auf ein Sauerländer Freibier Schützenfest, danach kannste mehr als 13 Bier schlucken.

eicke
Dienstag, 20.01.09 14:12
 

nette veranstaltung, zum teil aber leider inzwischen auch völlig kommerzgeil, wie so vieles in freiburg. sogar beim tatort muss man jetzt eintritt zahle.
und der hardi is ja nicht gerade ein sympath, leider etwas abgehoben und arrogant, aber das is ja nur meine meinung...

Dienstag, 20.01.09 14:40
 

@ralph: kann ich mir vorstellen! Brauchste aber gar nicht soweit fahren, einfach mal aufs Land, z.B. Ebringen beim Weinfest, Feuerwehrhock oder ins AZ (Alkoholzentrum) gehen, da wird das Abschlucken auch noch traditionell konditioniert.

Dienstag, 20.01.09 15:33
 

letztes foto unten links: JAWOLL!!! das sind die freundlichen mitarbeiterinnen, die aussehen wie russische knastaufseherinnen, die früher immer am fliessband an der essensausgabe gehockt sind, wo das fressi rausgefahren kam, und deren job es war, die essensmarken in die zählmaschine zu stecken.

nachschlag? PFLATSCH!

Dienstag, 20.01.09 15:37
 

Das SIND russische Kanstaufseherinnen.

Die arbeiten allerdings jetzt aufgrund eines Austauschprogramms in der Mensa.

Dienstag, 20.01.09 15:38
 

Das SIND russische Knastaufseherinnen.

Die arbeiten allerdings jetzt aufgrund eines Austauschprogramms in der Mensa.

Dienstag, 20.01.09 15:40
 

Der Wandel in der Mensa:

2009: Die Küchenmädels (hust) mit Kippe im Gesicht rauchend vor der Mensatür

1999: Die Küchenmädels mit Kippe im Gesicht rauchend in der Mensa über den Kochtöpfen



Dienstag, 20.01.09 15:43
 

@jos: achso, daher auch der kasernenhofton. :-)

@ex: stimmt, früher war man noch nicht so vornehm. ^^

Dienstag, 20.01.09 15:52
 

Der Hohn ist sowieso der "Mensagarten".

Sowas von Misswirtschaft im wahrsten Sinne des Wortes erlebt man selten.

Die schaffen es, die Leute selbst bei allerbesten Biergartentemperaturen draußen zu halten.

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