
MensaBar Freiburg,
Freitagmittag 13:30 Uhr. Es herrscht noch geschäftiges Treiben in dem recht dunklen Eingangsbereich, so kurz vor dem Ende der Essensausgabe an diesem letzten Tag der Woche.
Der Geräuschpegel ist hoch. Zwischen
Chipkartenterminals und Speiseplan wird noch heftig über die soeben zu Ende gegangene Vorlesung diskutiert und nebenbei die Frage geklärt, ob heute Mittag eher Fisch oder doch lieber der berühmte Freitags-Milchreis den Magen füllen soll. Nicht gerade die besten Voraussetzungen für ein Interview.
An der Bar, in ein Gespräch vertieft, sitzen zwei Herren, die in dem Tumult fast untergehen; zwei, wie sie gegensätzlicher kaum sein könnten:
Hartmut „Hardi“ Hänle und Ulrich Stelter. Sie sind die Leiter der MensaBar Freiburg. Hänle, der aus dem Schwäbischen stammende Veranstaltungsmanager mit Kapuzenpulli, Baskenmütze, Turnschuhen und Ziegenbart und Stelter, der schlanke, großgewachsene hanseatische Marketing-Mann mit Hemd und Jackett, wirken auf den ersten Blick eher so, als unterhielte sich ein
Uni-Dozent mit seinem Hiwi.

Man begibt sich in eine kleine
Sofaecke auf der anderen Seite des Raumes und wie sich in der kommenden Stunde herausstellen wird, haben die beiden nicht nur optisch so rein gar nichts gemeinsam, sondern auch ihr Lebensweg ist zunächst von Gegensätzen geprägt.
Rückblende: vor 52 Jahren kommt Ulrich Stelter in Norddeutschland zur Welt. Nach einem Lehramtsstudium in den Fächern Englisch und Sport in Kiel verschlägt es ihn aufgrund des Lehrermangels in den Süden, wo er allerdings die nächsten 20 Jahre nicht im Schuldienst, sondern im Kulturbetrieb tätig ist.
In Freiburg arbeitet Stelter sieben Jahre als
Geschäftsführer des ZMF, bevor er im Jahre 2001 beim Studentenwerk anfängt und Leiter der Hochschulgastronomie und Kultur wird.
Aus der Nähe von Stuttgart kommt Hardi Hänle, 33. Nachdem er, wie er sagt, ziemlich lange rumstudiert hat, bleibt auch er beim
Kulturmanagement hängen und kommt als Praktikant zum Studentenwerk, wo er 2002 Teil einer von Ulrich Stelter gegründeten Arbeitsgruppe wird, die sich mit der Planung und Umsetzung der
MensaBar Freiburg als neuer Plattform für studentische Aktivitäten und Kultur beschäftigt. Mittlerweile ist Hänle der Kultur- und Veranstaltungsmanager der MensaBar.

Die MensaBar in ihrer heutigen Form existiert seit
November 2003. Die Entstehung fiel genau in die Umbauphase der Mensa Rempartstraße. Der frühere studentische kulturelle Veranstaltungsraum befand sich bis dahin in der
Alten Uni, musste dann aber dem Uniseum weichen.
„Als wir zum ersten Mal diesen neuen Eingangsbereich hier in der MensaBar betraten, war uns klar, dass man hier eigentlich wunderbar eine Bühne hinbauen könnte. Und durch den leicht ansteigenden Boden können bei entsprechender Bestuhlung selbst kleinere Menschen auch in den hinteren Reihen noch was sehen. Das war ideal“, so Ulrich Stelter, als er auf die große Bühne und die sich dahinter befindende Leinwand blickt.
Die Probephase fand im Sommer 2002 während der
Fußball-WM in Korea und Japan statt. Stelter sagt: „Da haben wir hier eine Großbildleinwand aufgebaut. Immer mehr Studenten kamen vor oder nach dem Essen und zwischen den Vorlesungen, um sich hier die Spiele anzuschauen. Das kam richtig gut an. Teilweise waren es bis zu 500 Personen. Bei der EM 2008 waren es dann schon so viele Besucher, dass der Raum hier gar nicht mehr ausgereicht hat und wir die Leinwand fürs Public Viewing nach draußen in den Mensagarten verlegen mussten.“

Mit der Improsoap
Egonstraße und Florian Schroeders
Blauer Couch avancierte die MensaBar rasch zu einer bekannten Größe im kulturellen Leben der Studenten. Literaturabende, Live-Musik-Acts, Theateraufführungen, all dies findet hier statt, obendrein Talk-Shows, Lesungen, Kochduelle oder gemeinsames „Tatort“-Schauen am Sonntag bei Suppe und Mörderraten.
Ursprünglich war die MensaBar als kultureller Veranstaltungsort für Studenten gedacht, mittlerweile sind sie auch
selbst zu Protagonisten geworden. „Jeder kann mit seinen Ideen zu uns kommen und sich auf der Bühne ausprobieren, was aber nicht heißen soll, dass wir selbst keine neuen Ideen hätten“, sagt Hänle. „Wir sehen uns aber nicht als übergeordnete Instanz, die alle Entscheidungen alleine trifft.
Wir versuchen, das Beste gemeinsam mit den Studenten zu machen, stehen gern helfend zur Seite und versuchen, die Ideen mit ihnen umzusetzen.“ Hänle scheint selbst noch so tief im
studentischen Milieu verwurzelt, dass man ihm das abnimmt.

Natürlich war dieses Konzept am Anfang ein
Wagnis. „Wir wussten ja nicht, ob es funktionieren würde, zumal wir mit der Idee, eine Mensa nicht nur tagsüber, sondern auch am Abend zu nutzen, damals ziemliche Vorreiter waren. Aber wir hatten Glück." Pluspunkte: Die zentrale Lage an der Rempartstraße und der Kessel Buntes im Programmheft. "Plötzlich waren nicht mehr nur 20 oder 30 Leute am Abend hier, sondern mehrere Hundert“, so
Ulrich Stelter, während er in seiner Latte macchiato rührt und ab und zu auf die vor ihm auf dem Tisch liegenden, ausgedruckten A4-Seiten blickt.
Heute organisiert er in der MensaBar etwa 150 Veranstaltungen im Jahr. Neben
Dauerformaten wie dem wöchentlichen Länderabend des Internationalen Clubs, dem VideoSlam oder Shakes on Rock, wo sich Studentenbands vor Publikum präsentieren können, gibt es jedes Semester auch immer wieder neue Konzepte, wie beispielsweise die
Do you know?-Show!, eine Experimentiershow im Stil von Knoff-Hoff.
Am 29. Januar startet erstmals die „Impro-WG-Küchenshow“, bei der wechselnde Gäste mit einer fiktiven Studenten-WG ein Überraschungsmenü kochen. Unter den Gästen werden neben einem Sternekoch auch der Rektor der Universität
Hans-Jochen Schiewer und OB
Dieter Salomon sein.

Apropos kochen und Prominente: sogar
Alfred Biolek, Alumnus der Freiburger Universität, hat schon die MensaBar besucht und gemeinsam im „Kochduell“ mit Studenten auf der Bühne den Kochlöffel geschwungen, um ein 3-Gänge-Menü zuzubereiten.
Was sich Hardi Hänle und Ulrich Stelter für die Zukunft wünschen? Endlich Mal wieder eine richtig große
Mensaparty, wenn möglich noch dieses Jahr. „Aber studentisch niveauvoll“, betont Hänle. Was immer das heißen mag.
Sie haben also doch
etwas gemeinsam, diese beiden anfänglich so verschiedenen Menschen, nämlich ihre Zielstrebigkeit, ihr Engagement und ihre Freude, mit der sie das Projekt MensaBar verfolgen. Sie sind stolz darauf, etwas Einzigartiges in der regionalen und überregionalen kulturellen studentischen Szene geschaffen zu haben. Dabei bleibt es ihr Bestreben, sich von anderen Einrichtungen, Bars und Clubs abzuheben. Bisher klappt das ganz gut.
Web:
MensaBarfudder.de:
Nachtmacher Serie