
Pandora's Ball
Los geht‘s mit den Newcomern
Pandora's Ball, denen die Freude über die trotz oder wegen des
Monkey Jump Festivals zahlreichen Zuschauer anzumerken ist. Die vier Freiburger um Mastermind
Arthur haben verglichen mit ihrem Gig im Atlantik vor ein paar Monaten dazugelernt – souveräner und straighter wirken ihre Songs diesmal. Musikalisch irgendwo zwischen
Grunge der alten Schule und
Industrial-Einflüssen à la NIN geht es abwechslungreich nach vorn.
Dabei steht die Gitarrenarbeit von
Daniel und Arthur im Mittelpunkt, die Rhythmussektion wirkt etwas schwächer. Ein wenig fühlt man sich also an Slash und Steven Adler erinnert. Ähnliche Unterschiede werden bei den Stimmen deutlich: während Arthur sich souverän durch Alice-in-Chains-artige Gesangslinien singt und schreit, grenzen die Backings doch teilweise an Körperverletzung. Ein bisschen Arbeit haben die Jungs also noch vor sich, aber insgesamt sind sie definitv eine
Bereicherung der Freiburger Rockszene.
Sunson
Mit
deutlich mehr Bühnenpräsenz und Show geht es dann weiter, als Sunson die Backline übernehmen und noch ein paar Kohlen drauflegen. Mit ihrer gelungenen Mischung aus Rock, Metal und hymnischen Stücken haben sie das Publikum sofort auf ihrer Seite. Vor allem dank des neuen Sängers
Jan-Hendrik ist das, was die Fünf an diesem Abend bieten, weit besser als zu
Feed-Your-Mind-Zeiten. Doch trotz charismatischem Frontmann bleiben Sunson stets eine kompakte Band mit einer im Vergleich zu Pandora's Ball tighten und überzeugenden Rhythmusfraktion.
Auch als Sänger Jan-Hendrik und Basser
Stefan die Rollen tauschen, können sie das musikalische Niveau halten – kein bloßes effekthaschendes Bäumchen-Wechsel-Dich-Spiel also, sondern eine echte musikalische Bereicherung. Stefan, mittlerweile abermals vom Basser zum gitarrespielenden Sänger mutiert, überzeugt beim balladesken Intermezzo
Behind Zero auch stimmlich auf ganzer Linie.
Nachdem die Instrumente wieder an ihre rechtmäßigen Besitzer verteilt sind, geht’s bei den letzten Songs nochmal richtig zur Sache. Wenn sich Sunson so weiterentwickeln, müssen sich
Black Fuel als bisherige Platzhirsche in diesem Revier langsam warm anziehen.
Wilson
Als Wilson übernehmen, werden die musikalischen Daumenschrauben etwas gelockert. Runter mit dem Tempo, rüber in Richtung
Mainstream-Rock. Auch wenn der Abend schon fortgeschritten ist, sehen die Leute noch nicht doppelt: nein, Arthur von Pandora's Ball ist auch bei Wilson an der Gitarre mit von der Partie und hat nochmal die Gelegenheit, den Slash rauszulassen. Doch im Mittelpunkt steht hier eindeutig Sänger und Sonnyboy
Jan, der sich – angetrieben vom präzisen Drummer mit leichtem U2-Faktor und zuckersüßen Backing-Vocals – eine gute Stunde lang durch
melodisch-poppige Gute-Laune-Musik singt.
Doch ebendiese will nicht so recht aufs Publikum überspringen – etwas zu glatt, zu perfekt wirkt das alles. Zweifelsohne sehr kompakt, mit gutem Songwriting und professioneller als die beiden anderen Bands, aber nicht zuletzt deshalb auch
etwas blutleer. Überproduziert beim Live-Konzert, wenn man so will. Lediglich bei den wenigen Stücken, die das Ruder wieder etwas in Richtung Garagen-Rock rumreißen, zeigen die Jungs, dass sie den Weichspüler eigentlich gar nicht brauchen.
Sounder
Genau da machen Sounder als
Headliner des Abends weiter: ohne Weichspüler immer schön die Garage rocken. Die erste Hälfte des Sets lassen es die Stuttgarter noch ruhig angehen und bieten eingängigen Barhocker-Indierock mit erdiger Stimme. Straighter Sound, ein überraschend präziser Aushilfsdrummer und die markante Stimme von Sänger
Ebe,
ergänzt durch die Chöre von Basser
Geige, kombiniert mit musikalischen Einflüssen irgendwo zwischen den Lemonheads und Izzy Stradlin‘, ergeben ein schlüssiges Gesamtbild.

Im Laufe des Gigs schieben Sounder die
Barhocker beiseite, singen deutsche Texte
und für alle Stimmungs(un)fälle werden die Ärzte herbeigerufen. Fast als stünde nun eine andere Band auf der Bühne, wird es nun energischer, lauter, tanzbarer. Auch wenn es manchmal arg nach Berlin klingt – die Songs sind auf jeden Fall rockbar. Richtig in Fahrt gekommen, drücken Sounder am Ende notgedrungen auf Repeat und verfeuern das halbe Set nochmal als Zugabe, denn „jetzt müsst Ihr uns den Strom abdrehen, wenn Ihr uns von der Bühne haben wollt.“
Von diesem Schwung angesteckt und als wollten sie den Zuschauern beweisen, dass sie auch richtig rocken können,
entern Wilson nach Sounders Zugabenfeuerwerk
noch mal die Bühne und beschließen mit einem arschtretenden Cover von
Suck my kiss den gelungenen Rock-Viererpack.

