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Wie werde ich Straßenbahnfahrer? (25)

Der Mensch, der da so freundlich grüßt, heißt Jan Husmann. Er ist 38, Wahlfreiburger und seit Juli Straßenbahnfahrer bei der VAG. Wir haben ihn auf einer seiner Fahrten begleitet und danach gefragt, wie man so einen Beruf erlernt.



Mein Job

Ich steuere pro Schicht zwei Straßenbahnen, die auf den vier Freiburger Tramlinien unterwegs sind. Freiburg ist ein toller Ort, um als Straßenbahnfahrer zu arbeiten. Viele Strecken gibt es zwar nicht, die sind dafür aber umso grüner und schöner. Außerdem sind die Bürger sehr umweltbewusst, da gehört es schon zum guten Stil, die Tram zu benutzen. Mit dem besonderen Stellenwert der Straßenbahn in Freiburg steigen allerdings auch die Ansprüche der Kunden. Da müssen wir Fahrer uns anstrengen.

Mein Werdegang

Ich bin erst seit dem 1. Juli als Straßenbahnfahrer dabei. Der Beruf hat mich schon als Schüler gereizt. Damals habe ich allerdings noch im Ruhrgebiet gewohnt. Nach der Schule hat es mich dann in den warmen Süden gezogen und ich habe in Freiburg meinen Zivildienst gemacht. Danach habe ich 17 Jahre als Taxifahrer und als selbstständiger Taxiunternehmer gearbeitet. Im März habe ich mich bei der Freiburger Verkehrs AG (VAG) beworben und die Ausbildung zum Straßenbahnfahrer angefangen.

Der große Unterschied zum Taxifahren ist natürlich, dass man nicht überall herumkommt, sondern auf die Strecke begrenzt ist. Mit der Tram bin ich außerdem die ganze Zeit unterwegs, als Taxifahrer hatte ich auch mal längere Standzeiten, in denen nichts passierte. Für den Taxifahrer ist das zwar ganz nett, weil er sich die Beine vertreten kann, andererseits verdient er in dieser Zeit kein Geld. In meinem jetzigen Job habe ich ein festes Einkommen.

Die Ausbildung

Zur Ausbildung gehört zunächst der theoretische Teil, in dem man die besonderen Signale, Zeichen und Verkehrsregeln kennenlernt, die es im Schienenverkehr gibt. Außerdem gehört die Fahrschule dazu, die etwa drei bis vier Wochen dauert. In dieser Zeit ist man in einer Fahrschulbahn ohne Fahrgäste unterwegs und lernt, eine Tram ruhig und für die Fahrgäste angenehm zu steuern.

In der Ausbildung lernt man auch, wie man seine Bahn wartet, Türstörungen behebt und die Sandvorräte auffüllt. Der Sand wird bei Regen auf die Schienen gestreut, um die Haftung der Räder zu erhöhen. So lässt sich die Straßenbahn leichter abbremsen.

Nach der Fahrschule kommt die vierwöchige Lehrfahrzeit, in der man bereits eine reguläre Linie steuern darf. Dabei schaut einem ein erfahrener Straßenbahnfahrer über die Schulter und gibt einem noch kleine Ratschläge für den Fahrstil.



Der Alltag

Die Schichten dauern in der Regel acht Stunden. Der Frühdienst beginnt um 5 Uhr morgens, der Spätdienst endet um 1 Uhr nachts. Jeden Monat gibt es einen Dienstplan, in den man seine Wünsche eintragen kann. Ich habe die Schichten am Nachmittag am liebsten: Da beginne ich gegen 14 Uhr und arbeite mit einer Pause bis gegen 23 Uhr. So habe ich Zeit, auszuschlafen und vor Arbeitsbeginn noch etwas in der Kantine im Betriebshof zu essen.

Normalerweise fahre ich eine Straßenbahn für drei bis vier Stunden, mache etwa eine halbe Stunde Pause und wechsle für den Rest meiner Schicht auf eine andere Linie. Am liebsten befahre ich die Linie 3, die ist gut ausgebaut und hat moderne Gleisanlagen. Weniger Spaß macht die Linie 1. Die ist meistens recht voll und man kommt sehr schlecht von der Haltestelle weg, weil die Türen so lange offen bleiben müssen.

Ganz so gemütlich, wie man sich das Leben als Straßenbahnfahrer vorstellt, ist es allerdings nicht. Man braucht ruhiges Blut und ein gutes Reaktionsvermögen, um sich schnell auf gefährliche Situationen einzustellen, die immer wieder auftauchen. Gerade in der Innenstadt muss man ständig auf der Hut sein und aufpassen, ob die Schienen frei sind.

Besonders nervenaufreibend ist es, wenn Passanten vor die Tram laufen ohne zu schauen oder Vorwarnung zu geben. So eine Straßenbahn kann schließlich nicht ausweichen und ist auch recht schwer zu bremsen. Da wäre es nett, wenn die Passanten dem Fahrer wenigstens ein Signal geben könnten.



Berufsperspektiven

Für Straßenbahnfahrer gibt es bei der VAG interessante Berufsperspektiven. Es gibt zum Beispiel die Möglichkeit, in der Leitstelle den Verkehr zu koordinieren oder in der Planungsabteilung neue Fahrpläne zu entwerfen. Da ich bereits in der Taxizentrale gearbeitet habe, könnte ich mir vorstellen, dass mir so ein Job auch Spaß machen würde. Eine besonders anspruchsvolle Aufgabe hat auch der so genannte Verkehrsmeister. Er muss in Ausnahmesituationen, beispielsweise bei einem SC-Spiel, dafür sorgen, dass alles glatt läuft.

Tipps für Interessierte

Der einfachste und einzige Weg, Straßenbahnfahrer in Freiburg zu werden, führt über eine Bewerbung bei der VAG. Man sollte viel Freude an der Arbeit mitbringen und Spaß am Umgang mit Menschen haben. Man sollte sich aber im Klaren darüber sein, dass der Beruf nicht aus gemütlichem Pendeln zwischen den Endhaltestellen besteht. Der enge Fahrplan und der Stress bei Innenstadtfahrten sind teilweise nicht ohne. Abgesehen davon macht der Beruf aber eine Menge Spaß.

Mehr dazu

Web: VAG
fudder.de: Freiburger Straßenbahnfahrten im Zeitraffer

Foto-Galerie: Ruben Sakowsky

Tipp: Wartet einen Augenblick, bis die Galerie komplett geladen ist. Ihr könnt euch dann ganz bequem jeweils das nächste Foto anzeigen lassen, indem ihr auf eurer Tastatur die Taste "N" (für "Next") drückt.

 




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von ruben | 05.08.08, 18:06 | Kommentare (9)
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Kommentare
Anzahl der Kommentare: 9
Fets
Dienstag, 05.08.08 21:56
 

Danke für den interessanten Beitrag. Wollte schon immer das mal wissen, wie das mit den Schichten ist. Das Linie 1 am stressigsten ist, kann ich gut nachvollziehen. Dafür fährt man da immer die neuen Trams.

fuenf
Dienstag, 05.08.08 23:04
 

@Fets
"Das[s] Linie 1 am stressigsten ist, kann ich gut nachvollziehen. Dafür fährt man da immer die neuen Trams."

Ja, die die so unangenehm stinken und mit ungemütlichem Plastik ausgekleidet sind. Als Fahrgast fühlt man sich ständig wie in 'ner Sardinendose.
Abschließend mag ich noch bemerken, dass die Klimaanlage, dank der Metallverstrebungen, die Außenwelt im Sommer kühlt und im Winter heizt, einfach genial.
Passend dazu folgendes Zitat aus dem Artikel: "Außerdem sind die Bürger sehr umweltbewusst, da gehört es schon zum guten Stil, die Tram zu benutzen." ^^

fuenf
Dienstag, 05.08.08 23:08
 

Achso, was mir noch zu Linie 1 einfällt: häufig begegne ich pubertierenden Mädchen, die sich mit Alk zuschütten und laut rumkrakelen. Brrr.... :S

Al Pepone
Mittwoch, 06.08.08 03:11
 

Wir singen:
Blau Weiße Scheis..
Blauuu Weiße Scheis..

Einen großen unterschied sehe ich da nicht...zu grün!

mc
Mittwoch, 06.08.08 08:06
 

Eine weitere Berufsperspektive könnte "Straßenbahneinkäufer" sein. Wer die letzten Bahnen bestellt hat dürfte ja wohl längst in vorzeitigen Ruhestand versetzt worden sein. Abgesehen davon, wie man so eine Bahn überhaupt bauen kann stellt sich für mich noch mehr die Frage, wie ein "erfahrener" Betrieb solche Teile kaufen kann. Die Innenraumaufteilung ist sowas von unpraktisch, ich kann`s bis heute nicht verstehen. Haben sich die Produzenten / Einkäufer mal auf die z.B. gegenübergestellten Einzelstühle gesetzt?? Unmöglich, dass sich 2 Personen gegenüber sitzen weil nicht mal die Füße Platz haben, sprich immer einer quer Richtung Durchgang sitzen muss. Nur 1 Beispiel...

Ein weiterer Job wäre Benimmtriner. Denn: Was mich auch nervt ist die teilweise schon unverschämte Unfreundlichkeit der Bahnfahrer. Sei es bei diversen Durchsagen (da schäme ich mich echt manchmal als Freiburger wenn ich merke, dass z.B. Touristen in der Bahn sitzen) oder bei der Durchfahrt durch die Fußgängerzone. Natürlich müssen (sollten) Fahrpläne eingehalten werden. Dennoch handelt es sich um eine FUßGÄNGERZONE - und das auch für die Straßenbahnfahrer, die mit ihrem Fuß an der "Bimmel" und vor allem noch entsprechenden Gestiken denken, sie seien die "Kings of the road".

Gebessert hat sich meiner Meinung nach das Verhalten der Kontrolleure. Die scheinen ein Verhaltenstraining durchlaufen und zum großen Teil verstanden zu haben. In früheren jahren dachten die meisten wohl, sie seien eine Art SEK-Einheit. Also, hier auch mal ein Pluspunkt.

mc
Mittwoch, 06.08.08 08:07
 

Benimmtrainer

Andrés
Mittwoch, 06.08.08 16:26
 

interessant, dass die auch noch leute mit 38 jahren ausbilden. normalerweise heissts doch immer, dass man ne ausbildung vergessen kann wenn man älter als 25 oder so ist. entweder ist er so ausserordentlich gut oder die haben schwierigkeiten (brauchbare) junge menschen für die ausbildung zu finden.

Junimond
Freitag, 08.08.08 11:40
 

Finde ich sehr unverschämt, dass die Regiokarte für Junioren einfach mal wieder 2€ teurer wird! Wenn das so weitergeht sind die Freiburger bald noch umweltbewusster und fahren alle mit dem Rad!

Hangi
Sonntag, 07.06.09 13:56
 

Zuerst mal: Vielen Dank Jan, für diesen schönen Bericht.
Was noch fehlt: Wer sich bewerben will, muss auch den Busführeschein haben, da bei VAG nur Zweisytemfahrer (Bus und Bahn) eingestellt werden.

Eine Ausnahme bilden so genannte Aushilfsfahrer. Diese fahren nur Stadbahn, aus Passion und Freude; Neben ihrer normalen Arbeit. Eingestellt werden ur Menschen, die eine abgeschlossene Berufsausbildung haben. @Andres:Daher auch das forgeschrittene Alter.

@mc: Eingeschränkte Zustimmung. Trifft aber nur auf einige wenige zu. Glaub mir, diese werden auch bekannt und man führt dann Gepräche mit Ihnen. Die Combino wurden durch einen Markenhersteller geliefert: Siemens! Das diese nicht den erwarteten Bedürfnissen entprachen, konnte man zum Zeitpunkt des Erwerbes nicht vorraussehen. Schließlich ist das kein PKW, den man erst mal Probefahren darf. Die Probefahrten auf dem Werksgelände in Düsseldorf verliefen einwandfrei.

@Junimond: Die Preise der Regio- und sonstigen Karten werden NICHT durch die VAG festgelegt, sondern durch den RVF (RegioVerkehrsVerbund Freiburg)

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