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Night of the Tims: "...die Gitarren bitte lauter!"

"....die Gitarren bitte lauter" - so hätte das Motto lauten können für die Night of the Tims am Freitag im Waldsee. Für alle, die der Meinung sind, dass Blumentöpfe auf den Balkon und nicht auf die Bühne gehören, gab es hier mit Tram, den Septimbears und Tim Beam einen energiegeladenen Dreierpack straighten Gitarrenrocks zu hören. Max war für fudder mit dabei und ließ sich die Ohren durchpusten.

 
Kick off

Den Anfang machen mit Tram die Youngster des Abends. Wer die vier Jungs im Mai im White Rabbit gehört hatte, traute seinen Ohren nicht: kaum wieder zu erkennen scheint die Band zu sein, es liegen Welten zwischen den beiden Gigs. Die unspektakuläre, etwas holpernde Kapelle hat sich in ein kompaktes Rock-Quartett verwandelt, das vom ersten Song an auch vor noch spärlichem Publikum alles gibt und bei letzterem Schweiß und Bier fließen lässt.

Zu bieten haben die Vier soliden Rock mit ein paar Ausflügen in Richtung Grunge und Punk. Sänger und Gitarrist Jens bewegt sich stimmlich irgendwo zwischen Cobain und Kilmister, dazu gibt’s feines zweistimmiges Glam-Rock Guitarworks mit Kollege Fabix. Einzig das ausufernd-selbstverliebte Songwriting strengt manchmal etwas an, weniger wäre hier manchmal mehr. Auch wenn das alles nicht neu ist und einen an die Smokers oder Year long disaster und Konsorten erinnert: es geht nach vorne und rockt.

Prince of beers

Nachdem die Hose des Gitarristen mit Gaffa-Tape erfolgreich an ihrem vorgesehen Platz fixiert ist, kann es weitergehen mit den Septimbears, die mit ihren mitgebrachten Fans den Saal endlich etwas füllen. In Fahrt gebracht von einer ansehnlichen Batterie Alkoholika auf der mehr und mehr mit Bier überschwemmten Bühne, stürzen sich die glorreichen Sieben in eine Runde gepflegten Hardrocks, gewürzt mit ein wenig Metal, Punk und einer NOFX-esken Trompete.




Das Ganze hat zwar sowohl musikalisch als auch textlich einen etwas gewöhnungbedürftigen Mittelalter-Minne Charme – eines fehlt aber auf keinen Fall: der klassische Mitgröhl-Faktor.

Das Publikum wacht auf und der Waldsee hat die wohl eher seltene Gelegenheit, einen kleinen Circle-Pit zu erleben. Nach einem Cover-Ausflug zum schon fast vergessenen Rocky von Dog Eat Dog geht es wieder zurück zur Suche nach dem metallischen Gral inklusive hymnisch-elegischer Instrumental-Passagen à la Ktulu und Orion von den beiden Gitarristen Schiller und Oax.

Mit den vom begeisterten Publikum eingeforderten Zugaben und nochmals in Schwung gebracht vom Schluck aus der Jacky-Flasche geht es dann aber schnell wieder zurück zu den wesentlichen Dingen: Acht Liter Freibier pro Person werden bestellt und zumindest musikalisch ausgeschänkt.

Return of the Outlaw



Auch Tim Beam und Band müssen zunächst modische Probleme aus dem Weg räumen, doch nachdem geklärt ist, dass Gitarrist M.C. Ugh sich nicht nochmal umziehen muss, da er heute ausgesprochen ausgeschlafen und daher gutaussehend ist, konnte es losgehen. Und wie!

Denn auch wenn hier offiziell Tim Beam und Band auf der Bühne standen, geht es doch gleich zur Sache wie vor Jahren bei den Dead Flowers. Die fünf Jungs um die Freiburger Version der Toxic Twins haben die Forderung der Septimbears nach einer Oldschool-Setliste erfüllt und hatten dabei auch selten oder nie live zu hörende Songs wie "When we play" oder "Prince of beers" mit im Gepäck. Und M.C. Ugh hat beim Heraushören der alten Songs ganze Arbeit geleistet: es sitzt, kickt und rockt – fulminate Soli des „Opas an der Solo-Gitarre“ wie bei Hotel California inklusive.

Doch neben staightem Rock ist zwischendurch auch Zeit für ein gediegenes Bier zu den ruhigeren Songs der aktuellen Scheibe von Tim Beam. Altersgemäß installiert auf einem Barhocker mit Lehne „wie damals Cobain“ kann Beam auch hier mit seiner markanten Stimme und erdigen Songs das Publikum überzeugen. Allerdings scheint die Band vor lauter Proben an den alten Sachen die neuen beinahe vergessen zu haben, denn ab und an holpert es gerade bei den aktuellen Stücken etwas im Bandgefüge.

Doch sobald die Jungs mit "Roll with it" wieder eine Schippe drauflegen, ist der Rock-Dampfer wieder auf Kurs, auch wenn manch einer bei der Rhythmussektion ein bisschen „Blei inne Füße“ vermisst.

Doch Beam selbst lässt sich davon nicht bremsen und turnt samt Gitarre auf der Theke herum, um pünktlich zum großen Finale wieder im Kreise seiner Mitstreiter auf der Bühne anzukommen.



Mit einer Prise Wahnsinn im Blick schreit und wühlt er sich durch Songs wie "Kick off und Dream", verlangt seiner Black Beauty alles ab, hebt M.C. Ugh auf seinen Schultern in Richtung Gitarrengott und huldigt mit "Cardboard Town" und einem Medley aus "Louie Louie", "Light my Fire" und "Twist and Shout" einigen seiner musikalischen Ziehvätern.

Insgesamt eine schweißtreibende und rauschende Rock-Nacht und eine würdige Feier des 20-jährigen Bühnen- und Songwriting-Jubiliäums von Tim Beam, der mit seiner spielfreudigen Band wieder einmal gezeigt hat: Rock’n’Roll siegt immer.


 

Foto-Galerie: Max Orlich

Tipp: Wartet einen Augenblick, bis die Galerie komplett geladen ist. Ihr könnt euch dann ganz bequem jeweils das nächste Foto anzeigen lassen, indem ihr auf eurer Tastatur die Taste "N" (für "next") drückt.  




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von max orlich | 13.07.08, 13:57 | Kommentare (0)
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