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"Vertrautes Terrain" im ZKM Karlsruhe

Das Zentrum für Kunst und Medien in Karlsruhe (ZKM) präsentiert mit „Vertrautes Terrain“ eine gelungene Ausstellung aktueller Kunst von deutschen und internationalen Künstlern der Gegenwart zum Thema Deutschland. Ein kleiner Rundgang.

Installationsansicht der Ausstellung »Vertrautes Terrain – Aktuelle Kunst in/über Deutschland« mit Arbeiten von Rirkrit Tiravanija und Jürgen Stollhans Foto: ONUK © ZKM | Zentrum für Kunst und Medientechnologie

Die Ausstellung schlägt einen Bogen beginnend bei „Von hier aus – Zwei Monate deutsche Kunst in Düsseldorf“ von 1984 bis „Made in Germany“, 2007 in Hannover und ergänzt die 70 vertretenen Künstler mit 40 Arbeiten aus privaten Sammlungen unter der Überschrift „Vertrautes Terrain – Collector’s Choice“.

Das Plakat zur Ausstellung begrüßt den Besucher mit einer typischen Bergwiese, darauf der Schriftzug „Vertrautes Terrain / Aktuelle Kunst in & über Deutschland“ und ein Logo, das an die Schwingen des Bundesadlers erinnert. Das scheint ein wenig kitschig, bis man erfährt, dass hier Azaleen und Rhododendren stehen – auf einer typisch japanischen Bergwiese.

Im Erdgeschoss fallen drei große Arbeiten auf. Rirkrit Tiravanija richtet eine Sitzecke hinter Kunstbüchern ein, die er (wie Jörg Immendorffs Bilderzyklus) „Café Deutschland“ nennt und lädt zum verweilen, blättern und Genuss türkischen Kaffees ein. Kaffee, Wasser und Kochplatte sind ebenso Teil der Arbeit, wie eine gerahmte Anleitung. Der kann man leider nicht folgen, denn der Herd ist nicht angeschlossen. Schade! Wenn schon, denn schon...

Uwe Henneken Es ist meine Party und ich werde weinen, wenn ich Dich will, 2005, Öl auf Leinwand, 300 x 220 cm, Sammlung Boros, Berlin, Foto: Sammlung Boros, Wuppertal

An der Wand dahinter hängen Gemälde in Blau, auf denen Jürgen Stollhans sich mit dem Berliner Bankenskandal auseinandersetzt. Obwohl das Ereignis keine zehn Jahre her ist, wirkt es wie aus einer fernen Epoche, ein Mosaikstein im riesigen Bild staatlicher Misswirtschaft. Warum macht ein Künstler sich die Mühe, eine solche Fußnote der Hauptstadtgeschichte zu bearbeiten? Vielleicht, weil es eben keine Fußnote sein sollte.

Daneben steht das „Vitale Archiv“, in dem Sandra Kuhne 600 Gegenstände aus geschlossenen DDR-Fabriken sammelte und nun zum Verleih bereithält. Wer selbst künstlerisch tätig werden möchte, etwa mit der „Dia-Serie R 1043 - Schönes Gebrauchsgut - Zeugnis unseres Lebens/Teil II“ oder dem „Stempel ‚Verdauungssystem / Mensch’“ kann sich die Archivinhalte bei der Künstlerin im vitalen Archiv ausleihen. Hier wäre eine dauerhafte Betreuung wünschenswert, damit das Archiv vor Ort nicht nur betrachtet, sondern wie geplant auch durchsucht werden kann.

Michaela Melián, Föhrenwald, 2005, Dia-Installation mit Tonspur, Courtesy Barbara Gross Galerie, München© VG Bild-Kunst, Bonn 2008

Ebenfalls im Erdgeschoss der Ausstellung findet sich der „Resonanzraum“, wo eine Audiothek ebenso zur Verfügung steht wie eine Bibliothek mit kulturell einflussreichen Zeitschriften aus Deutschland. Im „Schauraum 1“ nebenan findet man bis Sonntag eine schöne Übersicht über die derzeit gehypte „Leipziger Schule“, ab dem 27.6. soll hier unter dem Titel „streng verdaulich“ eine Auseinandersetzung mit deutschem Humor stattfinden. Markus Vaters „Regenbogen...“ sieht schon mal vielversprechend aus. Weitere Veranstaltungen werden auf der Website der Ausstellung annonciert.

Ecke Bonk, buch der woerter/book of words: random reading, 2002, Verschiedene Materialien, Maße variabel © the artist, Foto: Werner Maschmann, Kassel

In der „Collectors Choice“ finden sich Cosima von Bonins knuddelige Stoffpilze neben Thomas Demands hintergründigen Pappmodellfotos, Jonathan Meese kalt berechneten Irrsinnsmalereien, Fotos der Thomasse Ruff und Struth und einem schönen „Gerät zum Erschrecken von Personen, die sich nachts in Parks aufhalten“ von Fallenbauer Andreas Slominski. Art- und Monopolleser werden trotz der fiesen Neonbeleuchtung ihren Spaß an dieser Sonderausstellung haben.

Wer zeitgenössische Kunst aus spezifisch deutscher Perspektive erleben möchte, dem bietet „Vertrautes Terrain“ noch bis zum 21. September eine gute Möglichkeit dazu. Mit dem Zug dauert die Anreise vom HBF Freiburg keine 90 Minuten (ab dem Karlsruher Hauptbahnhof fährt die Straßenbahn Nr. 2. direkt zum ZKM). Man sollte sich für die Ausstellung Zeit nehmen.

Mehr dazu

 Was: "Vertrautes Terrain" im ZKM Karlsruhe (Website)
 Wann: noch bis 21. September, Mi - Fr 10-18 Uhr, Sa - So 11-18 Uhr, Mo - Di geschlossen
 Wo: Lorenzstraße 19, 6135 Karlsruhe




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Kommentare
Anzahl der Kommentare: 4
Sophrolaeliocattleya
Donnerstag, 19.06.08 16:54
 

Passt super, schau ich mir nämlich am Samstag an, freu mich jetzt besonders auf Fotos von Thomas Ruff, den finde ich genial.

ABlogworkOrange
Donnerstag, 19.06.08 17:39
 

(achtung! es folgt ein POSITIVER kommentar von ABlogworkOrange)

ich finde es immer wieder schade, dass ich's nicht so oft nach karlsruhe ins ZKM schaffe! wiedermal eine tolle sache! das letzte mal war ich bei dieser new-york-geschichte da. hat mir auch sehr gut gefallen.

vielleicht schaff ich es ja, "neues terrain" zu betreten.

hoffnung.

Alex
Freitag, 20.06.08 10:07
 

@david harnasch:
sehr schöner rundgang über (un)vertrautes terrain!

wenn ich mir etwas wünschen dürfte: etwas mehr infos zu den exponaten von Thomas 1 bis 3 (Demand, Ruff, Struth), Meese und Slominski - das sind doch einige der topstars/topleute der kunstszene - mit teils, ja, berückenden werken

muss selber unbedingt hin!...

@ABlogworkOrange
...aber schaffe es viel zu selten, ganz recht...

Gregor Jansen
Sonntag, 22.06.08 14:27
 

vielen dank für den schönen artikel. ich möchte noch anmerken, dass es einen kleinen aber inhaltsreichen kurzführer zur ausstellung gibt, der hilfreiche informationen und viele erläuterungen zu den werken bereithält. preis im museumsshop ist 4 euro. besten gruss, gregor jansen

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