zur Startseite
Passwort vergessen?
 

 

Kameraüberwachung: VAG nennt immer noch keine Zahlen zur Straßenbahn-Kriminalität

Seit knapp sechs Wochen werden Freiburgs Straßenbahnen per Video überwacht. Als Grund für die Überwachung nennt die VAG Gewalt und Vandalismus in den Bahnen. Doch wie viele Straftaten tatsächlich passieren, sagt die VAG nicht. Auch Stadtrat Sebastian Müller (Junges Freiburg) erhielt auf Anfrage keine Zahlen, erfuhr jedoch, dass die VAG plant, die Aufzeichnungen der stationären Kameras, die der Verkehrsüberwachung dienen (fudder berichtete) zu speichern. Was Sebastian Müller von der Antwort der VAG hält, hat er im fudder-Interview erzählt.



Sebastian, aus welchem Grund hast Du die Anfrage an die VAG gestellt? Warum wolltest Du als Stadtrat die Zahl der Straftaten erfahren?


Die VAG überwacht in einem Probelauf zehn Straßenbahnen mit Kameras. Da wäre es ganz schön, wenn sie die Zahlen auf den Tisch legt, damit wir wissen, was wann in den Bahnen passiert. Die alleinige Erklärung, dass es gefährlich sei, zu bestimmten Uhrzeiten mit der Bahn zu fahren, reicht nicht aus.


Warum glaubst Du, werden die Zahlen von der VAG zurückgehalten?


Möglicherweise hat man bei der VAG Angst, dass man dumm dasteht, weil entweder besonders viel oder besonders wenig passiert, das aber dafür sehr extrem erlebt wird.

Glaubst Du, dass die Zahlen gar nicht so hoch sind, wie die VAG es andeutet? Handelt es sich nur eine vorgeschobene Argumentation, um die Überwachung durchzusetzen?


Das weiß ich nicht. Ich bin auch durchaus der Meinung, dass in den Bahnen etwas passiert. Aber solange die VAG nicht transparent informiert, verunsichert sie die Bevölkerung. Das gibt Anlass zu solchen Spekulationen.


In der Antwort auf Deine Anfrage steht, dass die VAG von Seiten der Polizei keine Rückmeldung über die Vergehen erhält. Das ist auch die Information, die wir von der Polizei erhalten haben, denn dort werden die Straftaten nicht nach Tatort gespeichert. Hat man bei der VAG die Zahlen also gar nicht?


Die VAG führt über alles, was in ihren Straßenbahnen passiert, Protokolle. Die Straßenbahnfahrer machen immer eine Meldung an die Zentrale, wenn sie etwas bemerken. Die VAG hat also nach eigenen Aussagen immer ein Lagebild. Meine Fragen waren präzise gestellt und wurden so nicht beantwortet, obwohl die Daten bei der VAG vorliegen.


Du hast auch nach der Höhe des Schadens durch Vandalismus gefragt. Die VAG hat im April mitgeteilt, dass seit 1998 1,6 Millionen Euro zur Behebung der Schäden aufgewendet werden mussten. Ist das Anlass genug für eine Videoüberwachung?


Die Summe ist Anlass genug, um darüber nachzudenken. Die Frage ist, ob mit Videoüberwachung der Vandalismus eingegrenzt werden kann. Das Problem: Es muss bemerkt werden, dass etwas kaputt ist. Das merkt der Fahrer meist erst bei einem Kontrollgang nach Schichtende; ob man auf dem Band sieht, wer etwas gemacht hat, ist fraglich. Dafür sind die meisten Täter zu clever.


Im letzten Absatz der Antwort schreibt die VAG, dass in Zukunft Aufzeichnungen der Verkehrsüberwachungskameras gespeichert werden sollen. Was hältst Du davon?


Es ist nichts dagegen einzuwenden, dass der Verkehrsablauf zu Betriebszwecken überwacht wird. Aber wenn die Aufnahmen gespeichert werden, ist das eine neue Qualität von Überwachung. Besonders, wenn man bedenkt, dass ein großer Teil des Bertoldsbrunnens von ihr betroffen wäre. Wenn ich weiß, dass ich überwacht werde, verändert das auch mein Verhalten, selbst wenn ich nichts Illegales unternehme. Das ist ein Eingriff in meine Privatsphäre und meine Freiheit. Zumal noch nicht geklärt scheint, unter welchen Voraussetzungen die Polizei auf die Bänder zugreifen darf.



Ist das rechtens?


Das weiß ich nicht, aber die genaue Überwachung des öffentlichen Raums durch ein formell privates Unternehmen verlangt doch eine Diskussion, ob man das so haben will. Vor allem: Die VAG teilt in einem Absatz ihrer Antwort ganz nebenbei mit, dass sie Videomaterial speichert. Auf diese Art langsam in die Überwachung einzusteigen, halte ich für fragwürdig. Wir wollen, dass das Material wenigstens unabhängig evaluiert wird, um zu erfahren, ob wirklich die tatsächliche Kriminalitätsbelastung sich verändert, und nicht nur die gefühlte.


Videoüberwachung wird generell ja auch damit begründet, dass mit ihr terroristische Anschläge verhindert werden sollen. Was hältst Du von diesem Argument?


Wenn man davon ausgeht, dass etwas passieren könnte, müsste man alle Schulen überwachen, die komplette Innenstadt und mehr. Es ist dann keine Grenze mehr gesetzt. Das eigentliche Problem ist aber, dass wir ein Gesamtkonzept für Sicherheit in der Öffentlichkeit brauchen und nicht wie derzeit immer mal wieder hier und da eine Einzelmaßnahme.


Was meinst Du, warum gibt es bisher keine großen Proteste gegen Videoüberwachung in Deutschland?


Es gibt schon Proteste gegen die Videoüberwachung von manchen Seiten. Aber die Leute müssen sich stärker bewusst werden, dass sie eine Menge persönliche Daten über sich preisgeben, schon durch StudiVZ oder Facebook. Man kann darüber diskutieren, ob man Überwachung will, aber man darf es nicht durch die Hintertür machen, wie die VAG das im Moment tut. Statt der Videoüberwachung sollte man überlegen, ob es geschickter wäre, auf gewissen Linien und zu gewissen Zeiten den Schaffner wieder einzuführen, wie es die VAG ja auch tun will.





Die VAG war für eine Stellungnahme heute nicht zu erreichen. Wir versuchen es jedoch weiterhin.



Mehr dazu




Artikel als E-Mail verschicken Artikel auf Facebook weiterempfehlen Artikel twittern Diese Seite zu Mister Wong hinzufügen Diesen Artikel bei del.icio.us bookmarken
 



Kommentare
Anzahl der Kommentare: 30
Karlo
Freitag, 23.05.08 18:33
 

Lieber überwacht als in die Luft gesprengt

Grübler, kopfschüttelnd
Freitag, 23.05.08 19:06
 

@Karlo: weil man das auch mit der Überwachung der Straßenbahn erreichen bzw. verhindern kann, stimmts?

Und selbst wenn, stellt sich für mich irgendwann die Frage, ob ich für eine ständige Sicherheit meine Freiheit und den Rechtsstaat aufgeben will. Und meine Antwort darauf wäre: nein.

Kater
Freitag, 23.05.08 19:14
 

@ Grübler, kopfschüttelnd:

Lieber überwacht als in die Luft gesprengt

Kritiker
Freitag, 23.05.08 19:16
 

"Wer die Freiheit aufgibt um Sicherheit zu gewinnen, der wird am Ende beides verlieren." (Benjamin Franklin)

homer
Freitag, 23.05.08 19:36
 

Ich glaube es ist rein rational das die VAG nicht sagt was, wann, wo in den Bahnen passiert. Es könnten ja Fahrgäste flöten gehen.

Also lieber einen Fahrgast mit 3 Zähnen weniger, als ein Fahrgast weniger. Im Interesse der Menschen! Weiter so!

Good Musicfan
Freitag, 23.05.08 19:41
 

Man muss sich das Problem ganz genau anschauen. Eine Straßenbahn ist doch ganz klar ein Ort wo viele Leute sind. Und wo viele Leute sind passieren auch viele Verbrechen weil einfach viele Leute mehr Verbrechen machen als einer oder was weiß ich zwei. Jetzt sagt die Polizei: "gut, wenn wir eine kamera hinhängen kann man besser beobachten wer die Verbrechen gemacht hat"!!! Und manche machen es vielleicht gar nicht erst weil es mit der Kamera gefährlicher ist. Nur stört das ja natürlich auch welche, die dann sagen "ich bin gegen Kameras weil..." und dann kommen meistens die Gründe. Man kann sich schon beobachtet fühlen wenn eine Kamera in der Straßenbahn ist und man selber auch in der Straßenbahn ist. Man sitzt dann da und denkt dass die einen ja IMMER anguckt. Oder man macht mal was nicht so schlimmes, das man irgendwas hinschmeißt oder mitnimmt-Ok? Jetzt kann man gegen die Kameras sein weil sie einen ja stören. Nur was ist wenn was richtig schlimmes passiert, einer eine Bombe hinlegt, oder einer Frau einfach so an den Busen fasst, ohne dass sie das will??? Dann sagen wir hinterher "klar, wenn die Kamera dagewesen wäre wäre das nicht passiert und ich hätte dann halt nur mit der Kamera auch nichts hingeschmissen oder vielleicht ein bisschen was bezahlt!!!!" Man muss da schauen welches man besser findet. Ich will nicht schimpfen, nur helfen.

fuddy
Freitag, 23.05.08 20:23
 

Warum wird eigentlich NIE über Ursachen von Gewalt und deren Verringerung diskutiert. Die nicht in den Griff zu bekommenden Sozialisationsprobleme (Eltern, Schulen, Vereine, Gesellschaft etc.) landen irgendwann bei der Polizei, dem Staatsanwalt, dem Gericht. Und wenn sich jemand davor schützen will, hier die VAG, die laufend Opfer von Vandalismus ist, dann reitend man auch noch auf denen rum.
Gerne stellt man sich aber als "ach so lieberal" dar ohne ein Patentrezept anzubieten. Seht her, ich bin der Hüter der Freiheit. Super Sebastian Müller (und auch so einfach).

Sebastian Müller
Freitag, 23.05.08 20:46
 

@fuddy: ist denn die Überwachung das Patentrezept?

Habe ich keine Alternativen? Ich schlage ja selbst vor: Schaffner, Gesamtkonzept für Sicherheit und nicht Einzelmaßnahme, ...

Hilft die Überwachung gegen Affekttaten? Eher nein, denn die Täter lassen sich da nicht von irgendwas abhalten, nichtmal wenn die Polizei daneben steht.

Hilft die Kamera gegen Vandalismus? Eher nein, weil die Leute die das machen so geschickt sind, das man sie nicht dabei sieht, schon heute!

Hilft die Kamera gegen Terroisten? Nicht gegen Anschlänge aber unter umständen kann man, wenn der Speicher nicht beschädigt ist, einige Leute etwas schneller ermitteln.

War ich gegen Kameras allgemein? Nein, ließ mal mein Interview genau: " solange die VAG nicht transparent informiert, verunsichert sie die Bevölkerung". Was mich wirklich stört, ist das die VAG nicht die Zahlen auf den Tisch legt und so klammheimlich in die Überwachung driftet: erst Bahnen dann Haltestellen, was dann?

Angela
Freitag, 23.05.08 21:13
 

hej, als schäuble letzte woche in freiburg war ist er mit der Straba gefahren? wenn ja dann könnte er sich ja jetz sein video anschauen. ;-)

torwart titan
Freitag, 23.05.08 21:20
 

@Sebastian Müller
Die Schaffner, durch die du wohl die Kameras ersetzt haben möchtest, wären zu bemitleiden. Versuch dich mal abends als einzelner Schaffner gegen eine betrunkene Horde Jugendlicher in Pöbellaune durchzusetzen ... da ist das Gejammer dann groß wenn ein Schaffner zusammengeschlagen wurde.
Dass die Kameras kann Heilmittel gegen Gewalt sind behauptet wohl auch niemand ernstlich.
Aber solange sie einmal durch generelle "Abschreckung" vor Ort vielleicht den ein oder anderen von einer möglichen Tat abhalten oder durch die unstrittig vorliegende gute und wichtige Möglichkeit der Verbrechensverfolgung ein Täter zur Rechenschaft gezogen werden kann und sich vielleicht in Zukunft benimmt, sollte das meiner Meinung nach Grund genug sein solche Kamera zu installieren.
Ich denke eine mögliche Verbrechensvereitelung und oder Verbrechensaufklärung sind in jedem Fall höher zu bewerten als ein temporäres Gefühl beobachtet zu sein, das ja völlig unbegründet ist, solange man sich normal verhält und die Aufnahmen wie von Rechtswegen vorgesehen dann auch alsbald gelöscht werden.
Für ein "generelles Sicherheitskonzept" in der Stadt oder die Ursachenbekämpfung, wie es so gerne mal vollmundig in den Raum geworfen wird, kann ja wohl kaum die VAG herangezogen werden.

Angela
Freitag, 23.05.08 21:25
 

unter uns - die Bombenleger von Madrid sind einfach so als totale normalos mit rucksack auf dem rücken in die Züge eingestiegen.

Wenn das morgen in Freiburg einer vor hat, rettet mich keine kamera davor.

Ein Normalo mit rucksack steigt in die Straba. Auf seiner Stirn steht nicht " HALLO ICH ZÜNDE GLEICH NE BOMBE ". und dann zündet er die Bombe.... BUMM... ! ich bin Tot - mit kamera!

Mann kann ja schlieslich nicht beim packen schon zuschauen - auch wenn manche das gerne hätten...

Also wer will bei sich zu Hause d.h. in jedem raum überall wo du bist, also wirklich überall überwacht werden. Wer?

ich denke nicht mal Karlo möchte morgens unter der dusche beim wi... gefilmt werden.

Wo führt das hin? was passier mit den Daten? Wer sichtet die?

gestern wurde gefilm wie ich einem der Bombeleger eine Kippe spendiere, hey der hat mich einfach angequatscht und kippen gibts immer...! und schon waren in einem Zug zwei Bombenleger - also, der wirkliche, und ich - egal sind ja beide tot ,-)

Cheers!

Stan
Freitag, 23.05.08 21:29
 

So ist das! FUDDER! Das ist meiner Meinung nach der Kommentar der Woche!

So aus der Seele hat mir schon lang niemand mehr gesprochen!

Don
Freitag, 23.05.08 21:33
 

nachts bei schäubles im schlafzimmer, würd mich ja schon mal interessieren...

nur will er das auch das wir das alle sehen...?



SPW: kasus - Ja das ist er der kasus knacsus

Random Hippie from Freiburg
Freitag, 23.05.08 21:43
 

Random Hippie from Freiburg #1:

"Hehe, Schäuble sieht ja eh alles!" (Hier kann jeder unnötige Schäuble "Witz" eingefügt werden)

Random Hippie from Freiburg #2:

Hahahahahahaha!!! Der war aber geil!!! HAHHAHAAA!!

Don
Freitag, 23.05.08 21:52
 

mmmh`? Hey @viel zu langer radom name hippie...

was bist du denn für ein seltsamer provokant?

definiere doch mal bitte 'unnötiger Schäuble Witz' ....

Weil von Witzen ist hier meines erachtens weit und breit nichts zu lesen - du verstehst wohl nicht um was es hier geht?! Soll dir das mal einer Aufmalen?


Frühschicht
Samstag, 24.05.08 05:54
 

Welche Schlüsse wurden von der VAG aus den verdeckten Video-Überwachungsmaßnahmen in den GT8Z-Wagen in den letzten sieben Jahren gezogen? Darüber wird leider nur geschwiegen.

1,6 Mio EUR in 10 Jahren für Schadensbehebungen wegen Vandalismus sind durchschnittlich ca. 0,16 Mio pro Jahr. Angesichts des regelmäßig erwirtschafteten Verlusts der Freiburger Verkehrs AG von mehr als 8 Millionen Euro pro Jahr gibt es offenbar im Unternehmen noch viel größere Probleme. Ohne die Quersubventionierung mit den hohen Gewinnen aus dem Strom- und Gasvertrieb der Badenova AG & Co. KG über die Beteiligung der Stadtwerke Freiburg GmbH wäre die VAG schon längst pleite.

Verschleißmaterialien wie Sitzbezüge müssen auch ohne mutwillige Beschädigungen regelmäßig ausgetauscht werden. Man sieht in den Fahrzeugen der VAG nicht selten unansehnlich abgenutzte Stoffbezüge, die offenbar erst dann gewechselt werden, sobald der erste Vandale ein Kaugummi darauf klebt oder den Fasermaler zückt.

Ob die Investitionen in die Überwachungstechnik die Abschreibungen insgesamt deutlich reduzieren, ist fraglich, weil erhebliche Kosten durch Vandalismus vermutlich im unbewachten Bereich der Haltestellen (Wartehäuschen, Automaten, etc.) entstehen. Und ob die tatsächlich aufgezeichneten Vandalen anhand der Videobilder von der Polizei erfolgreich ermittelt werden und gleichzeitig finanziell in der Lage sind, Schadensersatz zu zahlen, ist fraglich.

Der Nutzen von Videoüberwachung in Berlin und London

fuddy
Samstag, 24.05.08 08:44
 

@sebastian müller

Mir geht der Zahlenfetischismus auf die Nerven. "Wenn die VAG nicht genau..." Reicht es nicht, dass sie jährlich Millionen aufwenden muss um die Schäden von Vandalismus zu beheben? Bei vielen Politiker muss -typisch deutsch- immer alles in Tabellen nachlesbar sein. Genau katalogisiert, empirisch erfasst sein etc.
Nochmals zum Sozialisationsproblem: Immer mehr Arme, immer mehr Leistungsverweigerer, Schulabbrecher, Kinder und Jugendliche, die Alkoholiker sind, Drogenkonsumenten, steigende Scheidungszahlen, grenzenloser Raffgier der Politiker und der Mächtigen, Auseinanderklaffen der Gerechtigkeitsschere, vernachlässigte Familien, Solidaritätsdefizit. Da könnte ich stundenlang weitermachen. Das, Sebastian Müller, sind die Themen. Nicht die Kameras der VAG.

Spamwort: wohin - zumindest das passt. Wohin triftet die Gesellschaft

b
Samstag, 24.05.08 09:28
 

und irgendwann wird die Überwachung so sein ,wie in einer Szene
des Films Loaded Weapon.

Frühschicht
Samstag, 24.05.08 09:30
 

Wie vergleichsweise gering die Kosten wegen Vandalismus sind, sieht man hieran:

Bezüge des Vorstands im Berichtsjahr 2006 (Dr. Berger und Prof. Dr. Kretschmer, laut Geschäftsbericht): ca. 0,325 Mio EUR
Durchschnittliche Kosten wegen Vandalismus im Jahr (wie oben hergeleitet, laut VAG): ca. 0,16 Mio EUR

Um wieviel Prozent lassen sich diese Kosten durch Kameraüberwachung drücken? Vielleicht bestenfalls um 30 % unter Beachtung der Mehrkosten für die Überwachungstechnik und deren Wartung.

Zwei "normale" Mitarbeiterstellen (von über 600 vorhandenen) durch Nicht-Wiederbesetzung abbauen und man hätte die gleiche Kostenersparnis ohne Videospitzelei.

Pseudo01
Samstag, 24.05.08 11:11
 

Wirklich Ahnung habt ihr ja nicht, auch Herr "Stadtrat" Müller nicht, meiner Meinung nach!

Wollt ihr von Besoffenen Halbstarken angepöbelt werden ?
Wollt ihr sicher von A nach B kommen ?

Wenn ihr das wollt bzw. nicht wollt dann kann man alles so lassen wie es ist.
Schaut mal, eine Straßenbahn oder ein Bus kosten Unsummen von Geld, dieses Geld wird investiert um Fahrgäste sauber und sicher nach Hause zu bringen, da ist es mehr als verständlich das sich die VAG absichern möchte.
Falls jetzt das Argument kommt, der Fahrpreis ist schon teuer genug, überlegt mal, wer alles was von dem Geld abbekommt, das seit auch ihr, in dem ihr, siehe oben, sicher von A nach B kommt.
Es ist richtig das wir eh schon in einem Überwachungsstaat leben, vor allem Herr Schäuble hat, was das angeht, etwas abgehoben, aber das was die VAG macht, finde absolut OK, auch wenn es vielleicht nur der Abschreckung dient.



brite
Samstag, 24.05.08 11:25
 

bei den spontis in der 3 fänd ichs garnicht schlimm

Sebastian Müller
Samstag, 24.05.08 12:39
 

@Pseudo01: richtig, es geht darum die Leute sicher und sauber von einem Ort an den nächsten zu bringen. Helfen gegen pöbelnde "Halbsstarke" Kameras oder ist das denen egal? Halten Kameras sie davon ab zu pöbeln?

Ich sage ja auch nicht das ich generell gegen Kameraüberwachung bin, sondern dass darüber offen diskutiert werden soll - deshalb die Zahlen offen legen, damit wir wissen was passiert. Denn eine Verantwortungsvolle Politik muß sich auch evaluieren lassen. Was wenn überwachen gar nix bringt, objektiv berichtet die Probleme gar nicht weniger werden. Dann geben wir für eine sinnlose Maßnahme Geld aus.

@fuddy: Wir haben immer für mehr Schulsanierung, Maßnahmen gegen Alkoholmißbrauch, Freiflächen, Verbesserung der Bildungschancen für Sozialschwache, Ausbildungsplätze für Hauptschüler, Verbesserung der Kinderbetreung (auch für unter 3 Jährige), Familiencard, Sozialticket, Reduktion der Gemeinderatsbezüge gestimmt.
Aber um zu wissen ob eine soziale Maßnahme etwas bringt, ob sie bei denen ankommt die sie brauchen und für die sie gedacht war brauchen wir eben konkrete Zahlen und nicht nur ein Gefühlt "das alles immer schlimmer wird" und man "etwas tun muß"

Ein generelles Sicherheitskonzept ist nicht Aufgabe der VAG, aber wir werden ständig mit diesen Fragen konfrontiert (Sicherheitsdienst auf Schulhöfen, Komasaufen und Schlägereien, Randale / Vandale in Strassenbahnen, ...) daher sollte man sich von Seiten der Politik darüber Gedanken machen und nicht immer mit Einzelmaßnahmen rummachen.

schöneneuewelt
Samstag, 24.05.08 13:13
 

da hat doch nun der kollege frühschicht sich die mühe gemacht, euch videoüberwachungsfans einen link zu einem ausführlichen text über den nutzen von videoüberwachung in deutlich grösseren städten (berlin, london, new york) zu posten (http://tinyurl.com/5y2l7k) - und dann ignoriert ihr den einfach alle...

aber so sieht es nunmal aus - in london, wo prozentual mehr kameras die bürger überwachen als irgendwo sonst auf der welt, ist der effekt einfach nur minimal.

ich schätze, einen gewissen abschreckungseffekt mögen (sichtbar angebrachte) kameras durchaus haben (wie auch bei leeren blitzautomaten an kreuzungen etc.), aber wenn dann plötzlich deren daten einfach gespeichert werden sollen (wo? wie lange? für wen zugänglich?), dann wird die schraube halt doch sinnlos einige runden weitergedreht in richtung überwachungsstaat.

interessant ist schon, dass das inzwischen eh nur noch wenige menschen überhaupt interessiert - in den 80ern hätte sich die vag noch nicht mal getraut, sowas überhaupt vorzuschlagen...

Lou
Samstag, 24.05.08 20:24
 

@ schöneneuewelt

Wahrscheinlich weil sich die ganze Überwachungsparanoia mit ihrer These vom Überwachungsstaat bisher nicht bewahrheitet hat, obwohl inzwischen in zahlreichen Ländern Kameras tagtäglich eingesetzt werden.
Fakt ist, dass die Staaten in denen man diktatorisch und menschenrechtsverletzend regiert meist ohne Kameras als grundlegende Hilfsmittel arbeiten (siehe: China, Birma, Nordkorea, viele afrikanische Staaten). Sie benutzen viel mehr Kontrolle der Grenzen, der Menschen selbst und vor allem der Medien wie Zeitung, Hörfunk, Fernsehen und Internet.

Eine Kamera hat dann den meisten Sinn, wenn ihr Daten für einen gewissen Zeitraum (sagen wir ein paar Tage) aufgezeichnet und gleichzeitig live durch Sicherheitspersonal beobachtet werden, die einen direkten Draht zur Polizei haben.
Die Aufklärungsquote bei Sachbeschädigung/Vandalismus beträgt in Freiburg beispielsweise nur 21,3 %, nachzulesen in der polizeilichen Kriminalstatistik 2007 (http://www.bmi.bund.de/Internet/Content/Nachrichten/Pressemitteilungen/2008/05/PKS__2007.html)
Es wäre doch schön, wenn wir diesen Prozentsatz in die Höhe treiben könnten.

Ich bin kein Freund von Überwachungskameras, aber auch dagegen neue Ideen, ohne zumindest einen Testlauf durchzuführen, sofort rigoros abzulehnen, nur mit dem Argument, dass sie einem Überwachungsstaat dienlich sein könnten. Das ist zweifellos richtig, jedoch tun das viele andere Dinge wie z.B. Datenbanken von BKA und Polizei oder die Eintragungen im Einwohnernmeldeamt oder bei Versicherungen auch.

Ich bin selber skeptisch was die Überwachung der Bahnen mit Kameras die nur aufzeichnen selbst angeht, halte aber die von der Leitstelle der VAG aus bedienlichen Kameras über größeren Haltestellen für eine gute Sache.

Lou
Samstag, 24.05.08 20:26
 

Nachtrag Kriminalstatstik 2007:

http://www.bmi.bund.de

und dann die derzeit zweite Nachrichtenmeldung von oben.

schöneneuewelt
Sonntag, 25.05.08 00:13
 

@ lou:

"Ich bin kein Freund von Überwachungskameras, aber auch dagegen neue Ideen, ohne zumindest einen Testlauf durchzuführen, sofort rigoros abzulehnen,"

ja, dann lies doch mal bei dem oben genannten link nach, da werden eben solche testläufe bzw. erfahrungen mit kameraüberwachung anderswo besprochen. und die sind eben recht eindeutig.

Angelina
Sonntag, 25.05.08 13:35
 



Der 'lauscher' an der Wand, hört seine eigene Schand.



ladida
Dienstag, 27.05.08 12:13
 

es geht nicht darum, dass sie vag für ihre zwecke die kameraufnahmen nutzt, sondern dass sie das recht hat die aufnahmen an andere weiterzugeben und das macht die sache so "gefährlich". ganz ehrlich kann ich mir nicht vorstellen, dass auch nur ein einziger von euch gerne rund um die uhr bei allem was er tut überwacht wird. und sobald einer damit anfängt so etwas durchzuführen wird sich das ganze verteilen und es werden überall kameras angebracht sein.
ich find den gedanken daran nicht schön. denkt mal drüber nach.. und ne kamera ob angebracht oder nicht, mal ehrlich schützt nicht vor straftaten..

Jona
Mittwoch, 30.07.08 09:02
 

Ändern kann man durch Privat-Diskussionen i.d.R. nicht viel. Das kümmert weder die VAG noch die Polizei. Die Polizei filmt ja jetzt auch alles, was geht. Also... nur der Boykott kann etwas ändern. In diesem Fall einfach nicht mehr mit der Straba fahren. Holt das Fahrrad raus oder kauft euch einen Roller o.ä. Wir leben in einem Wirtschaftssystem und nur dieses wird ihr Verhalten ändern, wenn man es nicht mehr unterstützt.

Freitag, 14.11.08 17:21
 

"Durch Wände und Kleider sehen

Susanne Härpfer 27.10.2008
Der jetzt heiß diskutierte "Nacktscanner" ist eine Technik, die von der Bundesregierung und der EU schon seit Jahren gefördert wird
Zwar beteuert Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble, er sei gegen den Einsatz der Durchleuchter an Flughäfen. Gleichzeitig fördert jedoch die Bundesregierung die Entwicklung dieser Technik mit € 29 Millionen. Ein bisschen viel für eine Technik, über die behauptet wird, man wolle sie nicht einsetzen. Nicht einzelne, enthemmte Wissenschaftler forschen im Verborgenen an der Terahertz-Technik. Vielmehr geschieht dies mit ausdrücklicher [extern] Unterstützung des Bundesforschungsministeriums (BMBF). Also entweder gibt es einen Dissenz zwischen dem Bundesinnenministerium und dem Bundesforschungsministerium, oder der Bundesinnenminister sagt nicht die ganze Wahrheit.

download

Die [extern] Projekte laufen unter den Code-Namen TEKZAS, TeraCam, TeraTom, THZ und andere. Diese Spezialkameras sollen gefährliche Materialien aufspüren – chemische, biologische, nukleare und konventionelle Sprengstoffe entdecken. Diese kündigte das BMBF im Januar dieses Jahres an.

Die Terahetz-Technik basiert darauf, dass jeder und alles bestimmte elektromagnetische Wellen erzeugt. Das Spektrum liegt zwischen Infrarot und Mikrowellen. Aufgrund der individuellen Handschrift der Wellen, werden Menschen, Waffen und Sprengstoffe unterschieden und dies selbst durch Wände.

Doch die Dimension der Anwendungsmöglichkeiten ist noch viel größer: Im Spielfilm "Staatsfeind Nummer 1" werden Will Smith und Gene Hackman gejagt, weil sie zuviel wissen. Verstecken unmöglich, denn der Nachrichtendienst kann durch Wände sehen, ihre Bewegungen selbst in Hochhäusern verfolgen. Bald könnte aus dem Spielfilm Realität werden, denn die Europäische Kommission hat bereits im Jahr 2004 im 6. Forschungsrahmenprogramm [extern] RADIOTECT (Ultra Wideband Radio Application for Localisation of Hidden People and Detection of Unauthorised Objects) angekündigt. In dem vertraulichen EU-Papier, das der Autorin vorliegt, heißt es in der Projektbeschreibung, es gehe darum, Menschen, die sich versteckt halten, aufzuspüren.

Unter dem Namen [extern] PROBANT wurde dann 2005 offiziell im 7. Forschungsrahmenprogramm eine vergleichbare Technik auf der Homepage der Europäischen Kommission angekündigt. Im Kontext des Antiterrorkampfes soll die Technik erprobt werden. Unter der Leitung der französischen Société d'Applications Technologiques de l'Imagerie Micro-Onde (Satimo) soll ein Konsortium von fünf Partnern aus drei Ländern die Technik erproben. Mit dabei: eine holländische Universität und zwei [extern] Polizeibehörden.

Satimo-Entwicklungsmanager Luc Duchesne antwortete auf Aufrage der Autorin im September 2005: "Das Projekt ist noch nicht offiziell genehmigt. Wir befinden uns noch immer in Verhandlungen mit der Europäischen Kommission. Daher werde ich Ihre Fragen im September oder Oktober beantworten." Es kam der Dezember 2005 und Herr Duchesne antwortete auf Nachfrage der Autorin: "Wir verhandeln noch immer." Aber im Februar 2006 bestimmt. Wir ahnen es. Es verstrich der Februar 2006, es wurde Juni 2006, Oktober 2006, und stets lautete die Antwort des Monsieurs gleich. Selbst als die Autorin im Frühjahr dieses Jahres für STERN online fragte, änderte sich nichts.

Zu diesem Zeitpunkt verfügte die Autorin aber bereits über die Bestätigung des Projekts durch Dr. Joaquim Fortuny-Guasch vom Institut für Bürger-Schutz und Sicherheit des Joint Research Centers (JRC) in Italien: "PROBANT ist ein Zwei-Jahres-Projekt, das durch die Europäische Kommission gefördert wird. Ziel ist es, Bewegungen und Verhalten von Menschen hinter Mauern zu verfolgen. Hauptanwender dieser Technik wird die Polizei sein."

Seltsam, dass erst jetzt, drei Jahre nach der Ankündigung auf der Homepage der Europäischen Kommission, das Europaparlament mehr Aufklärung verlangt. Schließlich lag sogar schon eine ethische Unbedenklichkeitserklärung in der Schublade. Die Tübinger Ethikerin [extern] Regina Ammicht-Quinn hatte 2007 auf 25 Seiten der Überwachungstechnik [extern] ihren Segen erteilt. Dennoch erhält sie unter den Codenamen Theben und Terasec weiterhin Geld vom Forschungsministerium für [extern] Sicherheitsethik. Fünf Terahertzforschergruppen soll sie begleiten und Ethikfragen ergründen.

Die Aufregung kommt zu spät

An alles ist also offenkundig gedacht. Nur nicht an die Gesundheit. Plötzlich soll innerhalb von drei Monaten geprüft werden, welche möglichen Gesundheitsgefahren die Geräte haben können. Dies ist kaum zu leisten. Immerhin kündigten die Physikalisch-Technische Bundesanstalt, die Universität Würzburg und die Uni Braunschweig jetzt an, sich einmal über dieselbe Frage Gedanken machen zu wollen. Das Ergebnis steht allerdings schon heute fest: unbedenklich sei die neue Technik. Dennoch werde man Tests durchführen, das Resultat dann in 1,5 Jahren [extern] verkünden

Etwas anderes ist vermutlich in Wahrheit auch gar nicht gewünscht. Denn die Technik ist – wie zuvor schon in anderen, vergleichbaren Fällen – jetzt nur noch schwer rückholbar. Die Aufregung um die Nackt-Scanner kommt zu spät. Wer es wirklich hätte verhindern wollen, hätte vor Jahren politischen Druck machen müssen. Seit zu langer Zeit wird längst weltweit mit zu vielen Wissenschaftlern und Millionen bis Milliarden Euro daran geforscht, wie aus der bloßen Technik viele Anwendungen entwickelt werden können, die sich verkaufen lassen.

In Deutschland gibt es mittlerweile an der Universität Bochum einen eigenen Lehrstuhl. Auf der Dritten Fraunhofer Konferenz "Future Security" ([local] Die Juwelen der Sicherheit) Mitte September dieses Jahres in Karlsruhe wurde die Technikspezialisten vorgestellt – eingebettet in den Kontext, in dem sie angewendet werden soll: Gebäude-Überwachung und -Security; und natürlich nicht unter dem griffigen Namen Nackt-Scanner. Fachleute für Explosiv- und andere Gefahrstoffe sowie Statik- und Bau-Experten präsentierten ihre Erkenntnisse. Dieses Mal fehlte allerdings der Hinweis auf die Satellitentechnik Galileo, die auch zum sogenannten indoor-tracing eingesetzt werden kann und soll, also dem Verfolgen innerhalb von Gebäuden. Auf der Zweiten Fraunhofer Konferenz gab es diesen [extern] Hinweis noch.

Versteckte Menschen aufspüren, daran arbeiten Wissenschaftler der Technischen Universität Ilmenau, der Slowakischen Republik gemeinsam mit der Vrije Universität Brüssel, der Technischen Universität Delft sowie Unternehmen aus Litauen, der Slowakei, Schweden und Deutschland. Bislang werden die Kosten auf 2,3 Mio. Euro geschätzt. Diese hochsicherheitsrelevante Forschung hat Vorläufer: Unter Bezeichnungen DEMINE und DEMAND des 4. und 5. Forschungsrahmenprogramms, also bereits vor sechs Jahren, nämlich 2002, wurde an der Technik gearbeitet, die heute für soviel Furore sorgt. Der Einsatzzweck klang damals harmlos: neuartige Georadargeräte mit Metalldetektoren und Biosensoren. Was damals Minen sichtbar machte, zieht heute Menschen aus, und nur der Name Nackt-Scanner sorgt für Empörung. Die Technik ist aber dieselbe. Und wer nicht hellhörig wird, wenn unter komplizierten Namen im Kleingedruckten der EU eine neue Technik vorgestellt wird, die auch zur Überwachung aller eingesetzt werden kann, sieht die Anwendung erst, wenn Fotos gezeigt werden. Das war schon bei den biometrischen Sicherheitssystemen so, auf die die Autorin im "Spiegel" 1989 hingewiesen hat. Die politische Aufregung kam fast 20 Jahre später.

Vermisste bergen, Menschenleben retten, das klingt gut, dafür geben wir alle gern unsere Zustimmung. Und so wurden nur wenige misstrauisch, als unter der Codenummer COOP-CT-2006-032744 Radiotect bei der Europäischen Kommission registriert wurde. High-Tech-Unternehmen und Institute aus Schweden, Großbritannien, Belgien, Österreich, Italien, Spanien bis hin zu Erfurter Firmen schlossen sich zusammen und dachten über Anwendungen nach im Bauwesen, Lebensmittelindustrie, Landwirtschaft, Biotechnologie, Medizin, Umweltschutz, betriebliche Abläufe, Transportwesen, vor allem aber für Überwachungs- und Sicherheitszwecke. Und so wundert es nicht, dass sich in Erfurt Beamte mit der Entwicklung des neuen Einsatzmittels beschäftigen.

Feuerwehrleute [extern] freuen sich seit zwei Jahren in internen Foren über die Möglichkeit, durch Wände sehen zu können. Wer will nicht einen Brandherd von außen beurteilen können. Auch Rettungskräfte könnten Verschüttete leichter bergen. Mit solchen positivistischen Begründungen lässt sich eine breite Unterstützung durch viele mögliche Anwender aufbauen.

Verschwiegen wird dabei die betriebswirtschaftliche Komponente. Solche Technik rechnet sich nur, wenn sie von Militär und Polizei genutzt wird. Denn die Entwicklung verschlingt Millionen bis Milliarden, zumal wenn in jedem Land das Rad neu erfunden, Arbeit doppelt gemacht wird. Natürlich wird auch in den USA die Technik seit langem entwickelt ([local] Die Stadt und ihre Gebäude sollen zum Panopticon werden).

Das doppelte Gesicht der Technik

So unterschiedliche Medien wie der [extern] Telegraph und "Welt der Wunder" brachten vor zwei Jahren die Meldung, Chris Phillips vom Imperial College arbeitet in London an einem anderen Ansatz, durch Wände zu sehen. Gemeinsam mit Dr Mattias Beck von der ETH Zürich und Prof. Jerome Faist von der Universität Neuchatel bastelt er quasi an der umkehrbaren Tarnkappe ([local] Ich sehe, dass du mich nicht siehst). Faist sprach Anfang April dieses Jahres mit der Autorin über seinen fast esoterischen Ansatz. Demnach sind Dinge sichtbar durch die Art, wie ihre Atome mit einem Lichtstrahl interagieren. "Wenn der Lichtstrahl, eine elektromagnetische Welle, auf ein Atom trifft, dann absorbieren die Elektronen mit dem niedrigsten Energiezustand die Energie der Welle und kommen so zu einem höheren Energiezustand", erläutert der Wissenschaftler auf Anfrage. Nur das Licht mit der richtigen Farbe, das nämlich, das korrespondiert mit der Energiedifferenz zwischen den beiden Zuständen, werde absorbiert, alle anderen Farben passieren. Was so kompliziert klingt, ist nicht weniger als die Widerlegung einer These Albert Einsteins. Faist erklärt seinen Ansatz: "Ein Elektron kann davon abgehalten werden, ein Teilchen Laser zu absorbieren und auf ein höheres Energieniveau zu springen, wenn ein zweiter Laserstrahl dazu benutzt wird, die beiden Energielevel mit einem dritten zu verbinden." Verblüffendes Ergebnis der eidgenössischen Harry Potter-Versuche: Die künstlichen Atome wurden gegenüber einem Strahl durchsichtig.

Mit der neuen Technik ist es möglich, Wundermaterialien zu entwickeln, die quasi perfekte Stealth-Eigenschaften besitzen – also Dinge zu verbergen. Und so ist eine neue Rüstungsspirale längst in Gang gesetzt: Die Technik ermöglicht es zwar einerseits, u.a. verborgene Waffen aufzuspüren. Aber andererseits können durch dieselbe Technik neue Waffen und Militärausrüstung aus Materialien entwickelt werden, die nicht aufspürbar sind.

Ironie der Geschichte: Ausgerechnet der Flüchtling Albert Einstein und seine Theorie bzw. die Widerlegung derselben soll jetzt u.a. dabei helfen, Flüchtlinge aufzuspüren. Denn mit Hilfe der neuen Technologien – sei es Terahertz, sei es Laser, könnten z.B. Flüchtlinge in LKWs, Containern, etc. aufgespürt werden. So ist auf der Homepage der Europäischen Grenzschutzbehörde [extern] FRONTEX unter dem Kapitel Forschung und Entwicklung zu lesen, man teste die Entwicklung neuer Algorithmen, um durch Wände sehen zu können. Als die Autorin den FRONTEX-Direktor Ilkka Laitinen im Februar dieses Jahres auf dem Europäischen Polizeikongress danach fragte, hieß es, er kenne das Projekt PROBANT nicht: Gut möglich, dann heißt es eben anders.

Das Strickmuster kennen investigative Journalisten: als vor einiger Zeit nach dem Napalm-Einsatz gefragt wurde, kam ein Dementi. Später stellte sich heraus, eine Substanz, die Napalm entspricht, wurde natürlich eingesetzt, nur der Verkaufsname geändert. Und so ist auch erklärlich, weshalb so viele unterschiedliche Ressorts zuständig sind: Bei der Europäischen Kommission sind es die Abteilungen Informationsgesellschaft, aber auch Justiz und Sicherheit, Forschung, Umwelt und viele andere mehr. Ebenso vielseitig, die Anzahl der Projektnamen für Nackt-Scanner, auch wenn sie alle auf demselben Prinzip basieren. PROBANT, RADIOTECT, DEMINE, TEKZAS, TeraCam, TeraTom, THZ, etc. – wer soll da noch durchsteigen?

Wenn die optische Wohnraumüberwachung genehmigt ist, wird sie auch schon obsolet sein, denn dann brauchen Polizisten nicht mehr einzubrechen und Kameras zu installieren, dann können die Polizisten von außen durch Wände gucken – Terahertz sei dank. Einen Terroranschlag mit Geiselnahme wird es bestimmt wieder geben, und dann werden sich alle freuen, über die Möglichkeit, durch Wände zu sehen. Für solche lebensrettende Maßnahmen wird es bestimmt eine breite Zustimmung unter den Abgeordneten geben.

Und so macht plötzlich auch das angebliche Dementi Wolfgang Schäubles Sinn. "Natürlich wird ein solches Instrument in Deutschland nicht eingesetzt, wenn es solche Bilder produzieren sollte", sagte er. Ein Dementi klingt anders. Denn dann werden die fraglichen Geräte eben andere Bilder erzeugen – oder gar keine öffentlich sichtbaren. Denn der eigentlich interessante Ansatz der Nackt-Scanner ist aus Security-Sicht sowieso der, durch Wände sehen zu können. Und das bekommt der Bürger nicht mit. Und bekanntermaßen gilt: Was man nicht weiß,...

Wer Schäuble genau [extern] gelesen hat, bemerkt, in Wahrheit kritisierte er gar nicht die Technik, das wäre ja auch überraschend gewesen. Im Gegenteil, die technischen Möglichkeiten elektrisierten ihn. Der Bundesinnenminister kritisierte vielmehr die ungeschickte PR des Bundesverkehrsministeriums, die für den möglichen Einsatz auf Flughäfen zuständig seien.

Auch ist die angebliche Empörung und Überraschung über die Nackt-Scanner keineswegs einhellig. Der CDU-Abgeordnete Gerald Weiß [extern] verkündet stolz, dass in seinem Kreis Groß-Gerau das BMBF eben diese Terahertz-Echtzeit-Kamera fördert - für Anwendungen in der Sicherheitstechnik (TEKZAS) "zur Personenkontrolle". Das war im Juli."

*************************************************

Quelle: http://www.heise.de/tp/r4/artikel/29/29010/1.html

Um einen Kommentar zu verfassen, benötigst du ein fudder-Profil. Registriere dich kostenlos oben rechts auf fudder.






Diese Funktion steht nur für eingeloggte fudder-User zur Verfügung.

» fudder-Netiquette





» Chinaski

re: Was hört ihr gerade?
Sylvain Chauveau – Nuage ...

» Biber

re: re: re: mobilnetz-abdeckung freiburg & umgebung
Die Vodafone-Abdeckung ...

» Chinaski

re: Was hört ihr gerade?
US Maple zerlegen AC/DC's...

» YUT

re: Was hört ihr gerade?
http://www.youtube.com/wa...

» Chinaski

re: re: mobilnetz-abdeckung freiburg & umgebung
Ich kann mit 200%iger S...

» Tatoocheck

re: mobilnetz-abdeckung freiburg & umgebung
Ich bin beim rosa Riesen....

» Windlichtblick

re: mobilnetz-abdeckung freiburg & umgebung
Ich persönlich bin mit de...

» Windlichtblick

re: mobilnetz-abdeckung freiburg & umgebung
.
doppelt
.

» Necronomicon

re: mobilnetz-abdeckung freiburg & umgebung
Vodafone....puh, ruhig Bl...

» Kathleen

re: mobilnetz-abdeckung freiburg & umgebung
Von E-Plus, da schließe i...