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Utopie-Aktion: Friede, Freude, Rhabarberkuchen

Mit einem utopischen Stadtspaziergang haben am gestrigen Samstag 20 Freiburger Gruppen einen Aktionsmonat eingeläutet. Eine bunte, laute, fröhliche und sogar leckere Veranstaltung wurde daraus - ganz ohne Anmeldung bei der Polizei. Stephan Elsemann hat für fudder hereingeschmeckt.



Es ist 11.30 Uhr und die Stimmung könnte nicht friedlicher sein auf dem Platz der Alten Synagoge. Rund sechzig Leute sitzen auf dem Rasen beim Frühstück. Das Buffet ist reichlich gedeckt. Gesunde Sachen gibt's und alles ist umsonst. Eine Besucherin erfreut sich am Rhabarberkuchen. Das Leben könnte so schön sein.



Leider Utopie. Unter dem Motto "Utopie leben" haben sich 20 Freiburger Gruppen (darunter Greenpeace, das Freiburger Friedensforum und die Schattenparker) zusammen getan, um zu zeigen, dass es auch anders geht. Anders gehen könnte. Felix, einer der Sprecher des Aktionsmonats, weist darauf hin, dass die schönen Utopien Wirklichkeit werden könnten, wenn – ja, wenn – nicht "Überwachungsstaat und Ordnungsmächte was dagegen hätten". Und damit man gleich mal sieht, wie angenehm das Leben sein kann, gibt's lecker Kuchen, Brötchen und Kaffee – einfach so.



Sich anmelden bei der Stadt mit den Aktionen, das gehe nun wirklich nicht. Darin sind sich Sarah und Felix von der Pressegruppe einig. Das Spontane sei nun mal Teil des Protests und des Selbstverständnisses. Ein Spaziergang soll's heute werden, kein klassischer Demonstrationszug. Man sei aber im ständigen Gespräch mit den Ordnungshütern. Das bestätigt auch deren Einsatzleiter Harry Hochuli, Chef des Polizeireviers Freiburg-Nord. Der wirkt auch deshalb sehr entspannt. Die Polizei – an diesem Samstag war sie auf Kuschelkurs.



Ganz glücklich ist Herr Hochuli aber trotzdem nicht. „Wenn's angemeldet wäre, hätte man ja auch mit weniger Polizei auskommen können”, sagt er, denn „auch wir hätten ja gern am Wochenende mal frei.” So aber sieht man überall die Fahrzeuge der Bereitschaftspolizei mit dem Kennzeichen GP (für Göppingen) herumfahren und im Hof der Polizei parken.



Große Befürchtungen bestehen dennoch nicht. Für den Einsatzleiter ist das was ganz anderes als vor zwei Jahren, als es im Rahmen des DIY-Festivals zum so genannten Freiburger Kessel kam (vorangegangen war ein Konflikt zwischen Polizei und Linksalternativen, bei dem ein Polizist schwer verletzt worden war). Die Leute hier hätten ja ein Motto, sie wollen mehr Wohnraum. Besänftigend dürfte auch wirken, dass die Zahl der Aktionisten am Nachmittag nicht mehr wesentlich zunahm.

Am Augustinerplatz, wo man sich um 14.30 Uhr zusammenfindet, ist es vor allem die Sam Basta, die Action-Sambaband, die bunt kostümiert, sehr lautstark und fröhlich in Erscheinung tritt. Nur rund 20 Polizisten stehen recht beschäftigungslos am Rand des Geschehens.



Aus Sympathie ist Michael (42), als Softwarentwickler gut etabliert in einer Freiburger Firma, vor Ort. Er war vor zwei Jahren zusammen mit seiner vierjährigen Tochter in den Polizei-Kessel geraten. Die Ideen findet er richtig, aber er verspricht sich gar nichts davon. Für ihn sind die Vorstellungen sehr weit außerhalb von dem, was sich in der Gesellschaft bewegen lässt.

Die Wünsche der Aktionsteilnehmer sind vielfältig. Jeder Besucher kann einen Karton mit seinen ganz eigenen Utopien beschreiben. Die Kartons türmen sich zu einer Mauer auf (Foto unten): Freie Bildung wünscht sich jemand. Ein anderer eine Welt ohne Tierversuche. Eine Welt ohne Waffen und ohne Ausbeutung – das wünschen viele.



Fast ein Jahr hat die Vorbereitung des Aktionsmonats gedauert. "Die Gruppen und ihre Anliegen sind sehr verschieden", sagt Sarah vom Pressebüro. Man ist stolz darauf, auch "bürgerliche" Gruppen einbezogen zu haben. Auch so jemand wie der 71-jährige Tierversuchsgegner und ehemalige Automonteur Hans-Jörg Blum hat sich mit seiner Gruppe angeschlossen und verteilt nun fleißig Taschen und Prospekte. Nicht immer verstehen die Passanten und Samstags-Shopper, was der bunte Aufzug eigentlich soll. Aber bei fast allen weckt er freundliches Interesse. Bei Simona Gollay (31) und Sylvia Rodriguez (32) zum Beispiel, die Spaß an der Musik haben und sich freuen, dass mehr Leben in die Stadt gekommen ist.



Gegen 16 Uhr ist der kleine Zug am Ende der Kajo angelangt, wo es eine Ansprache zur Geschichte des Siegesdenkmals zu hören gibt und dazu, wie sehr, so die Darstellung von Teilnehmern der Kundgebung, Freiburger Firmen und Institutionen in Rüstungsgeschäfte verwickelt seien. Dabei werden die Schienen der Straßenbahn blockiert – aber auch nur beinahe.



Etwas später geht es zum Denkmal selbst, das kurzzeitig besetzt wird und fast schon erobert werden muss. Denn bei der Polizei war man sich für einen Moment lang nicht einig, ob's nun erlaubt werden darf oder nicht. Fast wäre man eingeschritten. So aber zierte für einige Minuten ein Antikriegstransparent das Denkmal. Danach fängt es an, kräftiger zu regnen. Nach einem kurzen Stopp in der Stefan-Meier-Straße wird der Abschluss des Aktionstages vom Stühlinger Kirchplatz in die KTS verlegt – mit einer warmen Suppe aus der "Volxküche". fudder.de





Foto-Galerie (Bilder: Stephan Elsemann)




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Kommentare
Anzahl der Kommentare: 20
Banana Joe
Sonntag, 18.05.08 17:52
 

"Das Buffet ist reichlich gedeckt. Gesunde Sachen gibt's und alles ist umsonst." (...)
"Felix, einer der Sprecher des Aktionsmonats, weist darauf hin, dass die schönen Utopien Wirklichkeit werden könnten, wenn – ja, wenn – nicht "Überwachungsstaat und Ordnungsmächte was dagegen hätten"."


Wenn der Felix und seine Freunde für ganz Deutschland umsonst Essen bereitstellen würden das in der Tat funktionieren.


soooooooooo lächerlich.

Lurchi
Sonntag, 18.05.08 18:00
 

Für Solidarität und Bildung.

Solidarität ist eine Waffe.

Den nächsten Krieg verhindern.


joah gut, dass macht Sinn, da nehm ich mir mal ein leckeres Stück Käse aus der Tüte.

asd
Sonntag, 18.05.08 18:06
 

@ Lurchi und Banana Joe

"Ohne Mampf kein Kampf!"
oder aktuell
"Ohne Kampf kein Mampf" http://jungle-world.com/artikel/2008/16/

Andrés
Sonntag, 18.05.08 18:28
 

"unsere utopie: ... eine welt ohne fleischkonsum"
na herzlichen dank. da will ein veganer weltverbesserer seinen minderheitenlebensstil der mehrheit aufdrücken.

meine utopie: eine welt ohne totalitarismus, in der "neue" menschen auf grund von bestimmten weltanschauungen geformt werden sollen.

Andrés
Sonntag, 18.05.08 18:34
 

dass die polizei sich allen ernstes überlegt, ob sie es denn gestatten kann, dass das denkmal für einige minuten mit plakaten "besetzt" werden darf, finde ich allerdings auch äusserst befremdlich.

CS
Sonntag, 18.05.08 18:51
 

ich mag trotzdem Milka-Schokolade

Volker Racho
Sonntag, 18.05.08 18:52
 

Also eigentlich widersprechen sich die Aussagen

"Sich anmelden bei der Stadt mit den Aktionen, das gehe nun wirklich nicht. Darin sind sich Sarah und Felix von der Pressegruppe einig. Das Spontane sei nun mal Teil des Protests und des Selbstverständnisses."

und

"Fast ein Jahr hat die Vorbereitung des Aktionsmonats gedauert."

schon ein wenig. Komische Einstellungen hat dieser Volksteil...

Rudi
Sonntag, 18.05.08 19:14
 

*wir wünschen uns keine beleidigenden Kommentare auf fudder --> siehe fudder-Netiquette*

lalala
Sonntag, 18.05.08 19:43
 

das maß an fleischkonsum in den industrieländern auch in china und indien durchzusetzen können wir uns abschminken. "ohne" fleischkonsum wird die welt sicher nicht, aber weniger wirds wohl schon werden, d.h. wahrscheinlich steigende preise.

Rudi
Sonntag, 18.05.08 19:47
 

Fudder, jetzt gehts aber los..

das wort "Nichtsnutz" ist vergleichsweise harmlos, wenn man sich andere Topics durchliest in denen zb. Leute als "Nazischweine" beschimpft werden, nur weil sie sich gegen linke Ansichten äußern.

Neutralität und so, ist klar.

PS: Ich kauf mir jetzt erstmal 3 Kilo saftiges Fleisch und geh ARBEITEN!!!!

@Rudi
Sonntag, 18.05.08 19:51
 

Wie jetzt? Wurde Dein Beitrag wegen des Gebrauchs des Wortes "Nichtsnutz" in Zusammenhang mit der auf der Demo versammelten Wagenburglern, Veganern, KTSlern und sonstigen zensiert? Lächerlich Fudder!

btw isst der Mensch seit ca 2.5 Millionen Jahren Fleisch :)

baum
Sonntag, 18.05.08 23:37
 

in übrigen stammen die primaten und damit der mensch von insektivoren ab. zu deutsch sind das insektenfresser. insekten mag zwar auch ich nicht aber man könnte mal drüber nachdenken bevor man fleisch verteufelt.

ansonsten fand ich es mal wieder beeindruckend wie paranoid man reagieren kann wenn ein paar bunt gekleidete menschen sich versammeln um für eine friedlichere welt zu demonstrieren ähh spazieren. wenn dann nämlich die gesammte innenstadt mit gepanzerten grünen menschen (sollten die nicht auch blau werden) durchtränkt ist finde auch ich das befremdlich.

Elsterglanz
Montag, 19.05.08 10:23
 

Ist doch logisch, dass so viel Polizei unterwegs ist, wenn man bedenkt was die in der Vergangenheit für schlechte Erfahrungen gemacht haben.
Wenn die Veranstalter es dazu ablehnen eine derartige Veranstaltung anzumelden und damit die Verantwortung gegenüber der Stadt und der Öffentlichkeit zu übernehmen, ist es doch klar, dass da bei der Polizei alle Alarmglocken schrillen.
Wie Herr Hochuli gesagt hat, wäre die Sache angemeldet worden, wäre man mit deutlich weniger Polizei ausgekommen.

exfr
Montag, 19.05.08 11:40
 

..seh ich da etwa Ausbeuteroragensaft und Käse in Plastikverpacknungen?

Das kaufe ich ja nichteinmal Pfui, die zerstören meine Utopie

elpisso
Montag, 19.05.08 14:49
 

Ist schon spannend.
Die Utopien, für welche am Samstag getanzt wurden kommen nicht wirklich gut bei den Menschen an. Irreales Gehopse mit einem Schuss Überheblichkeit.
Aber bitte liebe Fudder-Leser:
Werft die Utopie-Leute nicht in den "linken Topf". Lasst sie als Randgruppe spinnen und Purzelbäume schlagen.
Die Probleme in dieser Gesellschaft müssen anders gelöst werden. Die Ausbeutung des Menschen durch den Menschen muss überwunden werden. Der Arbeitsprozess muss neu organisiert werden.
Und zwar wirklich alles für alle und zwar umsonst und zwar mit Beteiligung aller.

Grundi
Montag, 19.05.08 16:01
 

Da gibt es auf Fudder einen Artikel über eine Art "Demo" und schon fühlen sich manche berufen, ihre Abscheu gegenüber anders denkenden Kund zu tun. Das fällt mir bei allen Artikeln auf, die in´s politische gehen. Warum muss die konservative Ecke, deren Meinung ich durchaus respektiere, eigentlich hier immer so derbe und völlig unsachlich drauf los knüppeln? Ja, mich nerven auch die Schnorrer in der Innnenstadt, aber bei der KTS Ecke, mein Gott, wenn es die Leute glücklich macht barfuß und bunt durch die Stadt zu rennen, lasst sie doch, wovor habt ihr eigentlich Angst? In diesem Provinznest schadet ein bißchen Farbe doch keinem, und ganz im Ernst, der deutsche Steuerzahler leidet bestimmt nicht unter solchen Demos/Aktionen, da gibt es doch Dinge die wesentlich mehr Geld verschlingen.

Christoph
Montag, 19.05.08 17:27
 

Was bitte ist an Schnorrern störend? Unsere Gesellschaft kann sich Arbeitsverweigerer leisten. Muße ist ein wichtiges Gut, das man nicht nur den- gesamtwirtschaftlich gesehen- auch zumeist eher unproduktiven Künstlern zugestehen sollte.
Bevor prophylaktisch mein Modebewusstsein oder meine Körperhygiene angegriffen wird: ich bin Jurastudent und kleide mich recht langweilig, stelle aber immer wieder fest, dass der eine oder andere betrunkene Punk eine profundere Bildung besitzt, als so mancher Kommilitone.
BTT

boing
Dienstag, 20.05.08 11:48
 

> Für Solidarität und Bildung.
> Solidarität ist eine Waffe.
> Den nächsten Krieg verhindern.
>> joah gut, dass macht Sinn, da nehm ich mir mal ein leckeres Stück Käse aus der Tüte.
(Lurchi)

>> "unsere utopie: ... eine welt ohne fleischkonsum"
(Andrés)

Hallo! Wie am Artikel klargeworden sein sollte, sind das die Beiträge von Einzelnen. Natürlich widersprechen sich die Utopien, wäre doch langweilig, wenn jeder die gleiche Meinung hätte.

es grüßt
die boing

carmen
Sonntag, 25.05.08 20:48
 

schöne idee - das ganze, finde ich.

gähn
Sonntag, 25.05.08 21:35
 

gähn, musste gerade auf Freiburg TV das kurze Utopie-Interview mit Volker? oder so ertragen...

egal

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