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Wie werde ich Opernsängerin? (19)

Yaroslava Vikhrova ist Opernsängerin am Freiburger Theater. Die 27-jährige Ukrainerin spielt zur Zeit eine Hauptrolle im "Barbier von Sevilla". Auf fudder erzählt sie von ihrem beruflichen Initialerlebnis (Abifeier) und sie sagt, was man in ihrem Job noch alles haben muss außer einer guten Stimme.

Yaroslava Vikhrova, Foto: Jessica Alice Hath

Yaroslava, zur Zeit spielst du die Rosina im „Barbier von Sevilla“. Wie läuft so ein Tag für dich ab, wenn du am Abend in einer großen Rolle vor 900 Menschen auf der Bühne stehst?

Ich stehe nicht zu spät auf. Nach dem Frühstück gehe ich ans Theater und singe mich ein. Ich wecke sozusagen meinen Körper und schaue, ob alles mit meiner Stimme funktioniert. Am Nachmittag mache ich vielleicht noch einen Spaziergang. Ich versuche, jede Belastung für die Stimme zu vermeiden. Deshalb spreche ich sehr wenig. Am besten gar nicht.

Wann musst du in die Maske?

Für die Rolle der Rosina muss ich eine Stunde vor Vorstellungsbeginn in die Maske. Das dauert ungefähr 45 Minuten, bis die Haare versorgt, die Perücke aufgesetzt und mein Gesicht gepudert und geschminkt ist. Und dann geht’s auch schon los.

Yaroslava Vikhrova

Wann wusstest du, dass du Opernsängerin werden willst?

Das war am Tag unserer Abiturfeier in Simferopol, das ist die Hauptstadt der Halbinsel Krim. Ich habe dort auf der Bühne ein paar Poplieder gesungen mit umgedichteten Texten. Danach sind viele Freunde und Eltern zu mir gekommen und haben mich gelobt. Eine Lehrerin hat gesagt: „So ein Talent darfst Du nicht vergraben.”

Mein Vater, der Balletttänzer ist, hat den Kontakt zu einem Gesangslehrer hergestellt. Und nach zwei Wochen Üben habe ich die Aufnahmeprüfung an der Musikakademie Simferopol bestanden.

Du hattest vorher nie gesungen und kein Instrument gespielt?

Nein, eigentlich nicht. Ein Jahr lang habe ich mal Klavier gespielt, aber es dann wieder gelassen. Getanzt habe ich immer sehr gerne – und auch mal ein paar Kostüme von meinem Vater genommen und in der Klasse eine Modenschau veranstaltet. Diese Liebe zur Bühne war eigentlich schon immer da.

Yaroslava Vikhrova

Was hast du gelernt auf der Musikakademie?

Zunächst mal Grundlagen wie Notenlesen, Musikgeschichte und Italienisch. Das Studium war sehr verschult, alle mussten das Gleiche machen. Mein Mann, von dem ich inzwischen getrennt bin, ging dann im Jahr 2000 zum Studium nach Darmstadt. Und da bin ich mitgekommen. Ich habe Deutsch gelernt und mich an der Musikakademie Darmstadt eingeschrieben.

Das sechsjährige Studium in Deutschland war viel individueller und praktischer aufgebaut als das in der Ukraine. 2006 hörte ich von meiner Agentur, dass am Theater Freiburg ein Mezzosopran gesucht wird. Ich sang vor und erhielt einen Anfängervertrag über zwei Jahre.

Yaroslava Vikhrova

Welche Fähigkeiten muss man außer einer gut ausgebildeten Stimme noch haben, um Opernsängerin zu werden?

Man muss sehr flexibel sein und diszipliniert. Es kann auch mal vorkommen, dass man vier Wochen am Stück durcharbeiten muss oder für einen einzigen Gastauftritt quer durch die Republik reist. Man braucht ein dickes Fell im Theaterbetrieb. Und man muss das, was man tut, unbedingt wollen.

Was sind die Schattenseiten des Berufs?

Als junge Opernsängerin hat man wenig Sicherheiten. Es kann immer passieren, dass dein Vertrag nicht verlängert wird. Auch die Stimme ist zerbrechlich.

Und was ist das Schöne?

In den Rollen, die ich spiele, kann ich neue Facetten an mir entdecken. Ich leuchte in die Winkel meiner Seele, die mir sonst verborgen blieben. Und es ist immer wieder wunderbar, das Publikum zu berühren.

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» Biber

re: Probanden für Studie gesucht, 30 Euro!
Ich stelle mir das so vor...

» laz4056

re: Wissen, das oft erst kommt, wenn alles zu spät ist
Ach, wie ist das blöde ;)

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