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Anoymous: Internet-Feldzug gegen Scientology

Seit Mitte Januar hat es Anonymous, eine lose Verbindung zahlreicher Internetnutzer, auf die Organisation abgesehen. Das Ziel: Scientology aus dem Internet zu drängen. Der Krieg wurde per YouTube-Botschaft erklärt.



"Eure Organisation soll zerstört werden", heißt es in einem Video, dass mit dem Titel "Message to Scientology" seit Mitte Januar bei YouTube zu sehen ist. "Wir werden Euch aus dem Internet vertreiben und die Church of Scientology, wie sie heute besteht, systematisch auseinander nehmen." Dabei sieht man schnell abgespielte Bilder von ziehenden Wolken. Eine Stimme aus dem Off fährt fort: "Ihr könnt Euch nicht verstecken. Wir sind überall. Wir können nicht sterben. Es gibt uns für immer."

Vorgeworfen werden der Organisation, von Anonymous als Kult bezeichnet, in erster Linie ihre "Kampagnen der Fehlinformation", die "Unterdrückung abweichender Meinungen" und ihre "prozesssüchtige Natur". Ihr letztes Propaganda-Video (womit wahrscheinlich das von und mit Tom Cruise gemeint ist) und das Ausmaß des bösartigen Einflusses auf die, die der Organisation vertrauen würden, hätten das Fass zum Überlaufen gebracht. Und so schließt die erste Botschaft mit "Wissen ist frei" und "Wir vergeben nicht. Wir vergessen nicht. Erwartet uns." Scientology hatte vorher von Gawker verlangt, ein Video einer nicht-öffentlichen Feier aus dem Netz zu nehmen, was das Magazin ablehnte.

Wie der erklärte Krieg aussieht, musste Scientology in den vergangenen Wochen schmerzhaft erfahren. Scherzanrufe, Fax-Sendungen von schwarzen Seiten und so genannte Denial-of-Service-Attacken, bei denen die Internetsite so lange mit Anfragen bombardiert wird, bis die Server zusammenbrechen. Die Sprecherin der deutschen Scientology-Abteilung, Sabine Weber, sagte gegenüber WELT ONLINE, die Aktionen hätten "eine Dimension, wie es sie vorher nie gegeben hat."



In weiteren Videobotschaften macht Anonymous, die sich auch als Legion gezeichnen, deutlich, dass physische Gewalt gegen Scientologen zu keinem Zeitpunkt zu ihren Zielen gehöre. Vielmehr wolle man die Öffentlichkeit auf die fragwürdigen Methoden der Organisation aufmerksam machen und zeigen, dass es sich um ein totalitäres Unternehmen handele, das verfassungsfeindlich sei. Die Glaubensfreiheit solle nicht angetastet werden. Derzeit wird Scientology vom Verfassungsschutz überwacht, wogegen unlängst Klage erhoben wurde.

Über die Identität der Angreifer herrscht weitgehend Rätselraten. Der Name, so viel ist sicher, leitet sich von den anonym (engl. anonymous) abgegeben Beiträgen und Kommentaren in Foren und Diskussionsrunden ab. Während Wired sie als "loses Bündnis von online troublemakers" bezeichnet, geht Fox News in einem Beitrag so weit, sie als hackers on steroids zu bezeichnen, die das Web wie ein Real Life Videospiel benutzen würden.




Die Selbstdarstellung von Anonymous weist das zurück. Es handele sich nicht um eine kleine Gruppe von Super-Hackern, sondern um Menschen aus allen Lebensbereichen. "Menschen fast jeden Alters, Glaubens und Berufs, sind in unseren Reihen vertreten." Es sind in jedem Fall nicht nur um "dumme Jungs", denen langweilig ist. Das zeigen auch die verschiedenen Real Life-Proteste gegen Scientology, an denen sich am vergangenen Sonntag rund 7000 Menschen in 93 Städten rund um den Globus beteiligt haben sollen, etwa in Hollywood.

Wie geht Scientology damit um? Bei Drohanrufen werde Anzeige erstattet, so Sabine Weber. Außerdem scheint es, als versuche man, Anonymous mit den eigenen Waffen zu schlagen. So berichtet ein Blog, der IRC-Chat von 711chan.org, einer Webpräsenz von Anonymous, werde "permanent von Scientology Bots geflutet und im Forum gibt es eine Menge Ärger mit Fakes".

Derweil wurde am Dienstag vor einem Gericht in Münster entschieden, dass Scientology auch weiterhin vom Verfassungsschutz beobachtet werden darf. Die Richter sahen "tatsächliche Anhaltspunkte" dafür, dass die Organisation eine Gesellschaftsordnung anstrebe, die der bundesdeutschen Verfassung entgegenstehe. Anonymous sind sich über ihre eigene Strategie im Unklaren. Ein Berliner Blog berichtet von Auseinandersetzungen über das weitere Vorgehen. Auch seien nicht alle, die sich Anonymous zurechnen, mit den bisherigen Aktionen einverstanden, da auch unschuldige Dritte in Mitleidenschaft gezogen worden seien, so ein "Mitglied" im Interview.




Auf YouTube wird die ganze Geschichte zum Anlass genommen, immer wieder neue vermeintliche Botschaften und Antworten zu veröffentlichen, begleitet von Parodien zu Tom Cruises Propagandavideo und den Botschaften von Anonymous. Für den stillen Beobachter jedenfalls bleibt es spannend, denn würde Anonymous es tatsächlich schaffen, Scientology derart zu treffen, dass sie sich aus dem Internet zurückziehen, würde das einen Meilenstein darstellen, ganz egal, wie man das bewerten will. YouTube hat inzwischen die erste Videobotschaft "due to terms of use violations" von der Seite genommen. Natürlich ist sie wieder aufgetaucht.




   




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von cms | 19.02.08, 10:30 | Kommentare (16)
Weitere Artikel zu: Scientology, Anonymous, Legion, Internet, Krieg, Hacker, Tom Cruise, Protest, Religion, Kult, Gawker, Wired, -cms



Kommentare
Anzahl der Kommentare: 16
DerOnkel
Dienstag, 19.02.08 10:58
 

Nette Scientology-Diskussion hier:
http://www.stefan-niggemeier.de/blog/tom-cruise-scientologist/

Mittlerweile fast 900 Kommentare, bei manchen weiß man echt nicht, ob man lachen oder weinen soll... ;-)

summertime
Dienstag, 19.02.08 11:31
 

scientology ist eher beängstigend als der heilbringer, das es versucht zu sein... meiner meinung nach...

ich finde das generell eine gute idee, diese infiltrationsversuche in die deutsche gesellschaft mit diesen mitteln versuchen zu unterdrücken oder abzuschwächen... bevor dieses fiese gedankengut sich in der breiten masse der bevölkerung breit macht!
hat außerdem einen gewissen unterhaltungswert und niemand wird dabei körperlich verletzt!

lalala
Dienstag, 19.02.08 13:20
 

Eine Stimme aus dem Off fährt fort: "Ihr könnt Euch nicht verstecken. Wir sind überall. Wir können nicht sterben. Es gibt uns für immer."
"Wir vergeben nicht. Wir vergessen nicht. Erwartet uns."

klingt tatsächlich eher nach dummen jungs. ich warne vor der klammheimlichen freude an fragwürdigen aktionen die auf unsympathische leute zielen, die aktionen bleiben fragwürdig.

andz
Dienstag, 19.02.08 13:24
 

rickrolled!
http://www.youtube.com/watch?v=OHpjcZNM8_k

Thomas Ernst
Dienstag, 19.02.08 13:59
 

Lange bevor die Scientology Kirche das Ziel von „Anonymous“ wurde, zerstörten sie die Webseiten von Tausenden von „MySpace“-Nutzern. Als Fox-News ihre Aktivitäten bekannt machte, brachten „Anonymous“-Hacker die Fox Webseiten zum Einsturz and gaben im Juli 2007 durch ein Internet-Video eine perverse öffentliche Erklärung ab:

„Wir sind das Gesicht des Chaos´, ... Wir ruinieren das Leben anderer Menschen – einfach weil wir es können. ... Hunderte sterben bei einem Flugzeugabsturz. Wir lachen. Die Nation trauert bei einem Schulmassaker, wir lachen. Wir sind die Verkörperung der Menschheit ohne Reue, ohne Sorge, ohne Liebe, ohne jeglichen Sinn für Moral.“ (Siehe http://www.youtube.com/watch ?v=uZ1qi9gz7UU)

Pharisaer
Dienstag, 19.02.08 14:25
 

wer (noch) legales mit illegalen mitteln bekämpft. ist der dann besser ?

ich bin kein scientologykenner und kein hacker.
es stellt sich doch einfach die grundsetzliche frage ob man es für gut heissen kann oder es für zumindest bedenkliche finden sollte, wenn auf eine art der selbstzjustiz eine eben nochlegale kirche mit illegalen mitteln bekämpft wird.


Pharisaer
Dienstag, 19.02.08 14:27
 

wer (noch) legales mit illegalen mitteln bekämpft. ist der dann besser ?

ich bin kein scientologykenner und kein hacker.
es stellt sich doch einfach die grundsetzliche frage ob man es für gut heissen kann oder es für zumindest bedenkliche finden sollte, wenn auf eine art der selbstzjustiz eine eben nochlegale kirche mit illegalen mitteln bekämpft wird.


lalaaa
Dienstag, 19.02.08 17:25
 

machen und machen lassen. die christliche kirche war vor 500 jahren doch genauso, wenn nicht schlimmer.

Anonymous
Mittwoch, 20.02.08 01:42
 

Anonymous hat die illegalen Internet-Aktivitäten gegen Scientology längst eingestellt.
Geplant sind aber weitere legale weltweite Demonstrationen.

Anonymous
Mittwoch, 20.02.08 01:44
 

Link vergessen:
http://www.enturbulation.org

Lothar Kiessl
Mittwoch, 20.02.08 16:08
 

anonymous ist verfassungsfeindlich und vertösst gegen die Menschenrechte. Die Frage, die sich mir stellt ist doch, sollen wir uns eigentlich mit solchen untergrundbewegungen abgeben?

grübler
Donnerstag, 21.02.08 08:46
 

@ Lothar Kiessl:

Scientology ist auch verfassungsfeindlich, viel deutlicher sogar. Da stehen sich also zwei verfassungsfeindliche Gruppen gegenüber. Die eine ist ein pseudo-ideologisch unterfüttertes Wirtschaftsunternehmen, die andere ein sehr lose organisierter Verbund vieler Menschen aus der ganzen Welt.

Aus der Beobachterposition kann ich nur sagen, dass das ein hochinteressantes Szenario ist. Allerdings wird sich zeigen, dass der höhere Grad der Organisiertheit auf Seiten der Scientologen dazu führen wird, dass sie in dieser Angelegenheit die Oberhand behalten.

Übriegns ist nicht nur die Frage, "ob wir uns mit solchen Untergrundbewegungen abgegebn" sollten, sondern auch, ob wir uns mit solch totalitären Gruppierungen wie Scientology abgeben sollten.

Peter M.
Samstag, 23.02.08 12:42
 

Die Scientology führt seit mehr als 10 Jahren einen Krieg gegen das Internet.

* Seiten von Kritikern wurden mit extrem fragwürdigen Taktiken offline gezwungen

* Spambots und Cancelbots wurden/werden auf die Newsgroup alt.religion.scientology gehetzt

* Kritiker werden ausspioniert, bedroht und belästigt und difamiert (siehe religiousfreedomwatch .com, eine von Scientology finanzierte Seite)

* Psychiater werden ständig als blutrünstige Monster dargestellt

* Auch im Internet gilt, dass die Sektenmitglieder sich niemals verteidigen. Es wird grundsätzlich zum Gegenangriff übergegangen. Gegenargumente gegen Kritik? Null!

* Die englischen Scientologen im Internet sind grundsätzlich der Meinung, dass die Proteste von Anonymous in Wirklichkeit von deutschen Nazi-Psychiatern gesteuert werden.

* Es werden legale Waren auf E-Bay gelöscht (gebrauchtes E-Meter)

* Scientology schickt ständig irgendwelche Leute ins Internet, die so Sachen posten wie "Ich bin zwar kein Scientologe... aber ihr seid alles Hassverbrecher"

Und das ist nur ein kleiner Bruchteil der Frechheiten, die sich die "Kirche" von Scientology im Internet erlaubt.

Es war nur eine Frage der Zeit, bis grössere Gruppen wie Anonymous zurückschlagen.
Die Aktionen und Proteste von Anonymous hat sich die Scientology Organisation selbst zuzuschreiben. Sie haben sich ihre eigenen Feinde erschaffen.
Seit Januar 2008 sind die Gegner von Scientology im Netz in der Überzahl. Und dazu noch Anonym. Die bisherigen Taktiken gegen das Internet werden kläglich versagen.

"Religiöse" Schriften von Scientology, die für mehrere 1000 Dollar verkauft werden, sind frei im Netz erhältlich (Filehoster, Torrents). Und dazu noch vertrauliche Dokumente, wie Scientology mit Kritikern umgeht.
Auch die Aufklärung von Verbrechen von der Scientology "Kirche" wird nun mehr und mehr im Internet verbreitet.

Die hätten sich besser nie mit dem Internet angelegt. Denn das Internet kann letztendlich tatsächlich das Ende der Scientology Organisation wie sie heute besteht bedeuten.

PS: Die "religiösen" Ansichten der Scientologen sind nicht das Angriffsziel. Das Angriffsziel ist die Organisation, die ihre Mitglieder ausbeutet, Kritiker bedroht und hierfür einen eigenen Geheimdienst unterhält.

Peter M.
Samstag, 23.02.08 12:53
 

zu "machen und machen lassen".
Ja, so hab ich auch erst gedacht. Ist doch nur eine Religion unter vielen? -> Falsch.

Scientology ist gefährlich. Sie versuchen Jugendliche über angebliche Nachhilfekurse vom Auditing abhängig zu machen.
Da steht dann "Nachhilfe" drauf, aber in Wirklichkeit wird hier den Kindern Scientology über die Hintertür ins Gehirn gesetzt.

Auditing ist eine Technik die starke Ähnlichkeit mit Hypnose hat. Es werden hier praktisch Kinder hypnotisiert, damit sie später Scientology Mitglieder werden.
Selbst intelligente Menschen können hypnotisiert werden!

Ein Psychiater sagte dazu, dass er niemandem raten würde, den Selbsttest zu machen. Ebensowenig würde er jemandem raten, Heroin auszuprobieren.

Übrigens ist die Organisation dafür bekannt, dass sie versuchen Behörden und Parteien zu infilitrieren. Um Informationen zu sammeln, und um ihre Drückermethoden ungestörter anwenden zu können.

Es werden auch Kurse für grössere Unternehmen angeboten, die letztendlich nichts anderes als Auditing sind. Auch in diesem Fall , wie bei der Nachhilfe, wird der Manager nicht erfahren, dass es sich in Wirklichkeit um Scientology handelt.
Und wenn er es rausfindet, ist es womöglich schon zu spät...


deprogrammierer
Dienstag, 03.06.08 17:42
 

zu "machen und machen lassen".
Würde die christliche Kirche heute mit solchen Dingen wie Kreuzzügen, Hexenjagd anfangen, sollte man sie das gerade NICHT machen lassen.
Dass die katholische Kirche früher (und heute teilweise immer noch) Mist baut, kann doch wohl nicht als Rechtfertigung dazu dienen, dass Scientology das auch darf, nur weil sie sich als Religion bezeichnen.
Vollkommenes Schwachsinnsargument.

kus
Donnerstag, 13.08.09 21:52
 

In den USA scheint Scientology stark unter Druck zu stehen - spannende Reportage in der Berliner Zeitung

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