Uni-Rektor Wolfgang Jäger grinst von einem Ohr bis zum anderen: "Es ist geschafft, unsere Uni ist exzellent!" Für Jäger ist der Elite-Titel der Höhepunkt seines zwölfjährigen Rektorats. Und für die Universität eine lukrative Angelegenheit. Wer auf welche Weise von der Exzellenz profitieren soll, erklärt Aljoscha [mit Foto-Galerie von der fröhlichen Verkündung].








@aljoscha: besten dank fürs fragen stellen.
@jäger: no thänx fürs ausweichende antworten, aber was erwartet man anderes.
aber den vogel schießt ja wohl herr volz ab:
"Die beste Bezahlung für einen Doktoranten ist eine hochkarätige Doktorarbeit." muhaha, und von der kann ich drei jahre lang leben, während ich sie schreibe, oder wie? kommt mal wieder runter aus eurem leuchtturm!
"Wir bemühen uns, dass die Studierenden so viel wie möglich davon mitbekommen."
Ein schönes Lippenbekenntnis. Da gibt es noch viel zu tun:
- vernünftige Betreuung (= mehr Personal, Tutorate etc.)
- eine moderne Bib im 24h-Betrieb mit viel Platz zum Lernen
- neue Gebäude, dringend überfällige Renovierungen
- mit am wichtigsten: Einführung einer (externen) Qualitätskontrolle der Lehre
- Abschaffung der Studiengebühren
- und mehr
Aber das kann Herr Jäger ja ab nächstem Jahr getrost seinem Nachfolger überlassen...
Wie wär's, wenn man versucht, den Doktoranten eine Aussicht zu bieten, dass nach ihrer Promotion eine Stelle auf sie wartet? Das wäre doch mal was. Anstatt noch nen Hörsaal zu bauen, der wieder Millionen kostet *kopfschüttel*
so, jetzt haben die wieder alle diese blau/weissen Fähnchen in der Hand--hat denn endlich einer was zur bedeutung und herkunft herausbekommen? oder kann das sein das in der "elite"-uni nicht mal das einer weiss?
Und Doktorand schreibt man vor unsd nach der Eliteuni-Epoche immer noch mit d am Ende, lieber Aljoscha :-)
frauenhofer institut ???
Warum die Elite-Förderung möglicherweise zum Teil ihr Ziel verfehlt, und zur Vermehrung des akademischen Proletariats beiträgt, zeigt dieser Artikel auf:
http://www.spiegel.de/unispiegel/studium/0 ,1518,512066,00.html
@doktorantin: Siehe einen Beitrag vorher ;-) Und warum sollten Leute, die vor der Eliteuni keine Stelle bekamen, nachher eine bekommen? Das Ziel der Eliteuni sollte doch sein, genau die und nur die Leute zu beschäftigen, die überall spielend eine Stelle bekommen, weil sie so gut sind!
Akademische Karrieren, die bei 42 mit Hartz-IV enden, weil sich niemand von den Professores getraut hat, einfach mal die Wahrheit über die fehlende Eignung auszusprechen, oder weil sie es für sich bequem fanden, billige Assistenten um sich zu haben, ohne Rücksicht auf deren Biographie, sollten in Zukunft lieber schon im Ansatz beendet werden.
Aber wie obiger Spiegelartikel ausführt, werden diese kurzfristig mitgeführten Mittelmaßakademiker/innen leider möglicherweise eher mehr als weniger durch die sog. Elitenförderung.
@holger: die frage ist mir zu spät eingefallen - wär mal interessant gewesen, die auf der pressekonferenz zu stellen ;) ich behalts im hinterkopf fürs nächste mal.
spamwort: spart
@au weia: danke, korrigiert.
"Ab jetzt spielen wir Champions-League!"
genau, da hat herr jäger unfreiwillig recht. wenn in seiner formulierung das "in der" fehlt, tun wir halt nur so, als ob.
@au weia
wichtiger punkt. zu viele leute machen nen doktor sich um noch ein paar jahre dem arbeitsmarkt nicht stellen zu müssen, und für die profs ist das natürlich super.
elite-uni, das ist ein witz. nur weil die politik den titel "elite" verleiht und ein paar milliönchen ausschüttet, wird eine graue durchschnittsuni (im int. vergleich) nicht zu einer weltweit anerkannten spitzenuniversität. einen "elite-ruf" erwirbt eine uni sich über jahrzehnte oder gar jahrhunderte - wenn allerdings diesem titel lediglicher ein mittelmäßiger beschluss deutscher politiker vorangeht, dann macht man sich auf internationaler ebene lächerlich.
eine zusätzliche und fokussierte förderung gut aufgestellter deutscher unis ist mit sicherheit wünschenswert, nur passen die begrifflichkeiten bei dieser initiative einfach nicht.
anmaßend ist auch, wie stark sich sowohl die selbstwahrnehmung der betroffenen unis als auch vieler studenten verändert hat: dank der (im int. vergleich wiederum lächerlichen) finanziellen förderung und eben der offiziellen ernennung hält man sich nun wirklich für eine eliteuni - und das von einem tag auf den anderen, ohne dass sich grundlegende dinge in der praxis geändert hätten oder die uni im internationalen vergleich plätze gut gemacht hätte. und genau da liegt das problem des oktroyierten elite-begriffes: er führt zu einer völlig verzerrten selbstwahrnehmung, die die weiterhin bestehenden und eigentlich nicht zu übersehenden schwächen einfach unter den tisch kehrt.
ein letzter punkt zur erläuterung: wenn die irakische regierung beschließt, dass die uni bagdad nun eine eliteuni ist (weil sie im nationalen vergleich am besten abschneidet und zukünftig zusätzliche mittel erhält), und die uni bagdad sich mit diesem titel international vermarkten würde, so wäre das nicht ernstzunehmen. ähnliches gilt in meinen augen für die deutschen unis, wenn man als vergleichsmasse wirkliche int. spitzenunis ("elite-unis") heranzieht.
anders ausgedrückt: nein, wir spielen bislang nicht in der champions league, keine deutsche uni. auch wenn es traurig ist.
Hm, bei all diesen Miesmachern muss vielleicht auch mal Freude darüber ausgedrückt werden, dass unsere Uni nun eine ordentliche (wenn auch nicht weltbewegende) Finanzspritze erhält. Freut euch doch drüber! Schaden wirds uns mit Sicherheit nicht!
Desweiteren find ich es echt schwach, wenn hier mal wieder in Stammtischmanier dahingehend auf der Unileitung rumgehackt wird, dass sie das Geld ja sowieso wieder nur für Mist ausgeben wird und die Studis nix davon haben.
Erstens wurde der Wettbewerb in erster Linie mit den vorgestellten Forschungsprojekten gewonnen - dafür sind die Millionen auch gedacht. Natürlich darf auch die Lehre nicht vergessen werden, aber wann kapiert ihr Leute endlich, dass das Hand in Hand geht?! Ich denke die Verwendung der Studiengebühren hat doch ganz gut gezeigt, dass durchaus gesunder Menschenverstand am Werk ist. So wurden allein in meinem Studiengang im letzten und kommenden Semester zahlreiche neue Lehrveranstaltungen für uns aus dem Boden gestampft, an die vor den Studiengebühren nicht zu denken gewesen wäre.
Ferner versteh ich nicht, wieso man sich denn nun tatsächlich darüber ärgern kann (!), dass Freiburg unter den Gewinnern ist!?
Klar reißt uns das im internationalen Vergleich nicht von einem Tag auf den andern in den 7. Himmel, jedoch ist es immer noch ein nationales Gütesiegel und deutsche Unis haben ja nun auch keine schlechte Reputation - sie befinden sich eben insgesamt nur nicht unter den besten der besten. Außerdem frage ich mich, ob ihr euch eigentlich restlos alle nur international auf Jobsuche begeben wollt...
Der Vergleich mit dem Irak hinkt nicht nur ganz fies, sondern ist geradezu lächerlich.
Klar wird die Uni nicht zur Elite, indem man ihr diesen Namen gibt aber der Ruf wird trotzdem besser, da könnt ihr so viel motzen wie ihr wollt.
Wenn ihr euch so auf den internationalen Vergleich stürzt und unsere "minderwertige" Uni dagegen so abwertet, vergesst ihr dabei wohl ein wenig, dass man anderswo Studiengebühren in abstrusen Höhen bezahlt, um entsprechende Qualität zu ermöglichen. (Harvard, Yale, etc.)
Die wollt ihr ja aber auch nicht berappen... Was, frage ich mich, wollt ihr denn nun eigentlich?
In erster Linie motzen - komme was wolle?
Gesunde Kritik ist ja wichtig und gut aber es wär schon nett, wenn sie ein bisschen tatsächliche Grundlage hätte...
Word up, Sebastian!
Da kann ich nur mein zustimmendstes Nicken auspacken und den ganzen Meckerheinis, die auch den guten Dingen nur schlechtes abgewinnen wollen, empfehlen sich zur Beruhigung mal ein halb volles Glas eines Elite-Getränks ihrer Wahl zu genehmingen.
@sebastian&rumo: Es gibt sicher nicht nur schwarz und nicht nur weiß, insofern habt Ihr ganz sicher auch ein Stückweit recht, im Hinblick auf den missratenen Irakvergleich schon drei mal.
Es ist aber zu billig, Menschen, die Vorgänge hinterfragen, Ideen dazu entwickeln, berechtigte Kritik anbringen und sich damit im Gegensatz zu so manch tumben Jubler (egal wo, egal was, Hauptsache, es gibt Freibier) konstruktiv mit dem Thema auseinanderzusetzen als Meckerheinis zu diffamieren. Zumal ich nicht sehe, dass die kritischeren Geister sich nicht dennoch für ihre Uni freuen würden - ich tue es jedenfalls :-)
Nicht zuletzt ist dieser Wunsch, alle mögen laut und synchron Hurra und Sieg schreien und schreiben, und jeder Versuch, auf mögliche wunde Punkte hinzuweisen wird gleich als Form der Nestbeschmutzung diffamiert, doch im schlechten Sinne sehr deutsch, macht aber eine Uni leider nicht einen Deut besser.
Gerade für Eliten gilt: Das Bessere ist der Feind des Guten. Wenn nun die Uni Freiburg zu den Guten gehören will, dann ist ab sofort nichts wichtiger, als gerade den Kritikern sehr gut zuzuhören, denn ihre Ideen liefern vielleicht öfter mal die Kondensationskerne für die Diskussionen, die die Uni besser machen könnten. Zu tun gibt es jedenfalls genug, und dass die moderne und junge Uni Konstanz ohne 500jährige Geschichte so viel besser als die Freiburger bewertet wurde, spricht auch dafür, dass die eher verkrusteten Freiburger Institutsstrukturen möglicherweise ein Hindernis auf dem Weg in die Zukunft sein könnten. Abgesehen davon, dass die Uni in Konstanz Öffnungszeiten der Bibliotheken von 24h schon von Beginn an hatte, während bei uns erst darüber diskutiert wird. Zu viel selbsgefällige Eitelkeit ist also nicht unbedingt angesagt.
Die Doktorandengehälter werden tatsächlich vom Land Baden-Württemberg festgelegt, da kann der Rektor so schnell nix dran ändern. Von daher hat er Aljoschas Frage doch korrekt beantwortet.
@ Jäger
Das ist so nicht richtig. Doktoranden erhalten je nach Lehrstuhl, eine drittel BAT Stelle, eine halbe oder sogar eine ganze. Da ließe sich also schon etwas ändern.
Allerdings wäre das natürlich nicht im Sinn der Exzellenz, dann könnte man ja gleich jemdem Studenten:
123,000,000 Euro / 20000 = 6150 Euro in die Hand drücken
@leu
Du sagst Freiburg sei eine graue durchschnittsuni im int. vergleich.
Dann schau die mal das Shanghai Ranking an, die unabhängigste Rangliste der Universitäten. (Liste auch bei Wikipedia)
Da ist Freiburg auf Platz 93 weltweit, und das ist verdammt gut.
@doktorandengehälter: dein letzter vorschlag ist doch ne super rechnung ;-)
nee, mal im ernst: es geht ja vor allem darum, daß es nicht gerechtfertigt ist, den so oft erwähnten "wissenschaftlichen nachwuchs" für umme in der lehre zu verheizen...so groß ist die ehre, in den "heiligen hallen der uni" lehren zu dürfen dann auch nicht, vor allem wenn diese unbezahlten lehraufträge dauerhaft dafür verwendet werden, um überhaupt noch eine akzeptable vielfalt von veranstaltungen anbieten zu können.
das ist die sytematisierte generation praktikum an der uni.
@ graue durchschnittsuni:
ist das wirklich "verdammt gut"? für eine "eliteuni" der dritt- bzw. viergrößten wirtschaftsnation der welt? sehe ich nicht so. verdammt gut wäre platz 1-30.
@ graue durchschnittsuni:
ist das wirklich "verdammt gut"? für eine "eliteuni" der dritt- bzw. viergrößten wirtschaftsnation der welt? sehe ich nicht so. verdammt gut wäre platz 1-30.
@leu
Es gibt weltweit etwa 3000 Unis, da finde ich Platz 93 eigentlich ganz gut.
Da sind wir wieder - mitten in einer exzellenten Darbietung in Deutschlands Spitzenfach Nr. 1: dem Nörgeln!
Nichts für ungut. Ihr habt recht, wenn ihr die absolut nervigen und ineffizienten Verwaltungsstrukturen anprangert, wenn ihr die Ausbeutung von Leistungen, die während der Diplom- und Doktorarbeiten erbracht werden ansprecht. Aber mal ehrlich dürfen wir uns nicht trotzdem darüber freuen, zumindest in Deutschland zu den priviligierten Universitäten zu gehören, die eine finanzielle Aufwertung für Ihre Forschungsarbeit erhalten?
Bei all den Forderungen sollte auch nie vergessen werden, dass die Finanzierung der Lehre und die der Forschung trotz zahlreicher Überschneidungen getrennt voneinander betrachtet werden sollten.
Für die Aufbesserung der Lehre wurden die Studiengebühren eingeführt und sie werden zumindest in der 8. Fakultät vortrefflich eingesetzt. Ein großes Lob für die neuen Tutorate, die Finanzierung von Verschleißmaterialien und Skripten, die notwendigen Software-Lizenzen und die damit verbundene Ausbildung! Hier sollte sich deutlich der Zusammenhang "bessere Lehre" = "bessere + schnellere Ausbildung" = "besserer + schnellerer Einstieg in die Forschung/das Arbeitsleben" zeigen
Nun gilt es das Geld aus der Exzellenzinitiative sinnvoll für Forschungsprojekte zu verwenden. Und selbst wenn es sich dort um international betrachtet symbolische Summen handelt, so sollte es ohne Probleme möglich sein, diesen Betrag um ein Vielfaches durch zusätzliche Drittmittel zu vermehren, welche es ohne den Elite-Status und die damit verbundenen zusätzlichen Arbeitsgruppen und Stellen nicht gegeben hätte.
Ich freue mich auf die kommenden Semester und Jahre und bin gespannt was sich hieraus entwickelt!
@ ???:
absolut, die initiative an sich ist begrüßenswert. und die zusätzliche förderung auch. darum geht es mir auch gar nicht. es geht mir um die augenwischerei, die mit dem elite-begriff verbunden ist und die selbstgefälligkeit die sich vielerorts aufgrund dieses titels breit macht (v.a. auch unter den studenten). ich bleibe dabei: ein student an der LMU, in freiburg oder sonstwo ist noch lange kein elitestudent, nur weil die uni sich nun (irreführenderweise) so nennen darf.
@uniuni: mag ja sein, dass platz 93 global betrachtet in ordnung ist. einverstanden. aber rechtfertigt ein platz 93 die bezeichnung elite-uni? ich glaube nicht.
und: was den irak-vergleich angeht: es ging nur darum zu illustrieren, dass eine rein nationale betrachtung des ganzen aufgrund der immer höheren internationalen mobilität der studenten einfach nicht angemessen ist. und die idee, eine uni offiziell "elite" zu nennen, nur weil sie im nationalen rahmen gut abschneidet, ist einfach provinziell. sicherlich mag die uni freiburg näher am oberen ende sein als die uni bagdad, keinesfalls jedoch so nahe, dass der elite-begriff aus internationaler perspektive hier nicht ähnlich deplatziert wirkt.