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Die Design-Vorfahren des iPhone

Seit Ende Juni ist das iPhone auf dem amerikanischen Markt; Apple-Fans standen tagelang Schlange, um als Erste eins der begehrten Geräte in den Händen zu halten. Der Faszination Apple ist auch fudder-Mitarbeiter Marc erlegen, und zwar schon seit seiner Kindheit. Damals zockte Marc Games auf einem Apple II und schlief in Apple-Bettwäsche, während Steve Jobs mit Marcs Dad, Designer Hartmut Esslinger, im Wohnzimmer über Apple-Designs brütete. fudder präsentiert Euch seine persönliche Apple-Geschichte und eine Foto-Galerie mit zum Teil exklusiven Apple-Entwürfen der frühen 80er Jahre.



Seit gut zwei Wochen ist das iPhone in den USA auf dem Markt.

Mein Freund Norbert hatte es letzte Woche in seinen Händen, glänzende Augen und ein "sensationell" mit niederbayrischer Sprachfärbung. Seit Jahren sorgt jede Meldung aus dem Apple-Headquarter in Cupertino für mehr Aufsehen als die Neuheiten der Elektronikmessen CES und CeBIT zusammen. Aber klar, wen interessieren schon die teilweise verzweifelten Versuche der Fast-Follower-Konkurrenz mit Ihren iPod-Klons und "intel jetzt noch mehr inside".

Mein persönlicher Apple-Hype startete Anfang der 80er. Es war in einem Schwarzwaldstädtchen, ich war 11 Jahre alt, spielte Choplifter auf einem Apple II und schlief in Apple-Bettwäsche.

Unten im Haus saß Steve Jobs noch spät abends mit meinem Dad über Handskizzen und Styropormodellen, die Beatles spielten "Revolution" (das weiße Album, aus heutiger Sicht trefflicherweise) aus einer Yamaha Stereo-Anlage. Ich dachte mir, warum kann mein Dad keinen anständigen Beruf haben wie die Väter meiner Klassenkameraden: Lehrer, Versicherungsvertreter oder Stahlstichgraveur. Mit der von ihm 1969 gegründeten Designagentur frog betreute er viele Jahre den damaligen Emporkömmling aus dem Silicon Valley was Produktstrategie und Design anging.

Meine Erinnerungen an Jobs sind vage, und ehrlich gesagt haben mich damals Panini-Fußballbilder, meine E-Gitarre und mein Apple II mehr interessiert als der Geschäftspartner meines Dads.
Ich erinnere mich, dass Jobs für Spätzle nicht zu begeistern war und dass der Inhaber einer kleinen Schwarzwaldpension bis aufs Äußerste in Rage geriet, als er daran zweifelte, ob "der Ami" seine Telefonrechnung wohl bezahlen könne. Und wer dafür aufkomme, sollte dies nicht der Fall sein. Stundenlange Telefonate mit  Cupertino oder Lieferanten in Asien erschienen dem Gastronom suspekt. Und klar: Die ansonsten in der Pension übernachtenden Geschäftskunden des örtlichen Automobilzulieferers trugen im Gegensatz zu Jobs nicht Jeans und T-Shirt.

Auch wenn ich auf dem Schulhof mit den Kumpels (durchweg C64-Burschen) mangels Kompatibilität keine Spiele-Disketten tauschen konnte, blieb ich Apple treu. Bis zum 23. Oktober 2001, dem Tag als der erste iPod vorgestellt wurde, war man als Apple-User Mitglied einer Art Geheimbund des kultivierten Elektronikgeschmacks. Ein freundlich-anerkennendes Kopfnicken gab es, wenn jemand Gleichgesinntes einen Apple-Sticker auf dem Auto hatte. Ein Gefühl, als wenn man als St. Pauli-Fan zwar (ausversehen) in der Bayern-Fankurve, aber trotzdem auf der richtigen Seite steht. Sympathischer Underdog eben und auch ein wenig selbstverliebter Außenseiter. Mitleidiges Kopfschütteln hingegen bei der überwiegenden Mehrzahl der Dosenfreunde.

All das hat sich grundlegend verändert: Heute fällt auf Flughäfen, in der Bahn oder in der Fußgängerzone fast schon mehr auf, wer nicht irgendwo weiße Kabel, Ohrhörer oder den iPod selbst dezent zur Schau trägt. Die Gründe für den Erfolg von Apple sind vielschichtig. Wichtigster Aspekt ist jedoch, dass Apple seine physikalischen und virtuellen Produkte im Gegensatz zu den meisten Herstellern und Anbietern an die Bedürfnisse der Menschen adaptiert, die Wünsche seiner Kunden kennt und erahnt.

Apple denkt "Durst" und nicht nur "Wasserglas"; Ein Elektronikprodukt als kulturelles und menschliches Statement, nicht nur ein Stück Kunststoff und Technik.

Daraus resultiert nicht nur ein zeitlicher Vorteil bei der Besetzung von Marktsegmenten gegenüber der hinterher hechelnden Konkurrenz: Die Loyalität der Anwender und Käufer steigert sich zudem im hohen Maße, genau wie Umsatz und Margen für Apple. Denn die Differenziertheit der Produkte erspart Apple den Geiz-ist-Geil-Kampf, wo sich völlig vergleichbare Produkte nur noch über Rabatte verkaufen lassen.





Bevor ich im Mai 2006 hier bei fudder einstieg, arbeitete ich bei frog design einige Jahre im Kundenneugeschäft. Immer ging es um neue Produkte und Lösungen, die in einem Jahr in den Markt kommen würden oder auch in 8 Jahren, je nachdem wie unterschiedlich die Entwicklungszyklen der verschiedenen Industrien sind. Hier Konsumenten-Produkte wie Handys und dort medizin-technische Produkte wie Nierensteinzertrümmerer. Gemein hatten in diesen Jahren fast alle Kundenbriefings aller Branchen Folgendes: irgendwann kam jedes Mal der jeweilige Marketingchef in den Raum mit einem iPod in der Hand und sagte: "Machen Sie mir den iPod, wir wollen das Apple unserer Branche werden."

Nicht alle Kunden haben jedoch verstanden, was den Erfolg von Apple ausmacht. Nicht alle Kunden waren anschließend im Projektverlauf bereit, wirklich "Durst" und nicht nur "Wasserglas" zu denken. Sehr oft wurde dann in der Realität Pragmatismus dem Wunsch nach Erneuerung vorgezogen, teilweise war es im Detail die richtige Entscheidung. Aber viel öfters wurden tolle Möglichkeiten leichtfertig vergeben, wirklich apple-like was Neues zu schaffen, was fliegt.

Was "Durst denken" heißt, zeigt exemplarisch die fudder-Fotogalerie mit teilweise unveröffentlichten Arbeiten, die Anfang und Mitte der 80er Jahre bei frog design entstanden sind und die als konzeptionelle Ur-Großväter und –Mütter von iPod, iBook, iPhone und iWasdanochkomme angesehen werden können.

Sie entstanden unter anderem an solchen Abenden, als ich mir die Apple-Bettdecke über den Kopf ziehen musste, um einschlafen zu können; als es die Revolution der Beatles noch nur auf Vinyl gab.

Die von Apple jedoch sollte beginnen.






 
Foto-Galerie: frog

Tipp:
Wartet einen Augenblick, bis die Galerie komplett geladen ist. Ihr könnt euch dann ganz bequem jeweils das nächste Foto anzeigen lassen, indem ihr auf eurer Tastatur die Taste "N" (für "next") drückt.








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Kommentare
Anzahl der Kommentare: 30
Leuchtturm
Dienstag, 17.07.07 18:41
 

Die Bilder 9 und 19 sind viiiiel zu groß.

Ansonsten: Schöner Artikel, sage ich als Macuser ;)

caro
Dienstag, 17.07.07 19:09
 

Danke für den Hinweis, Leuchtturm - Hab das repariert! Da sind mir tatsächlich zwei zu große Bilder in die Galerie reingerutscht. Tsk!

Davon abgesehen: Super-Artikel, Marc! Hättest Du Dir damals bloß Deinen Apple II von Steve signieren lassen! :)

Als Frisch-MacUser kann ich nur sagen: Nie wieder PC. Plötzlich macht das Benutzen eines Computers wieder Spaß, und zwar vom allerersten Einschalten an. Alles ist so hübsch und so einfach! Und er stürzt nicht ab! Nie! Ich entdecke gerade immer noch jeden Tag neue Fähigkeiten meines Macs, die mich ihn noch mehr mögen lassen. Und äußerlich hübsch ist er auch.

Stefan²
Dienstag, 17.07.07 19:12
 

Apple ist kult! Toller Artikel. Anschaulich geschrieben.

EiDadaus
Dienstag, 17.07.07 20:03
 

Nix für ungut! Aber Äppel ist was für BWL-Studierende Yuppies und nichts für IT-Pros!!! Frag mich nur wie die "armen armen" Studenten sich die überteurte Apfelkacke leisten können...
Und wessen PC dauernd abstürzt, der sollte die Finger von jeglicher Technik lassen. Ist halt nicht damit getan sich nen Aldi-PC zu kaufen und kein Plan von gar nix zu haben. Und am Ende rumjammern wenn die Dose nicht läuft...

Jupp
Dienstag, 17.07.07 20:15
 

Toller Artikel. Eine schöne Perspektive und lebendig. Und viele der Bilder hätte ich nicht "aus den 80ern" vermutet.

tomtom
Dienstag, 17.07.07 20:42
 

@EiDadaus

Selten so einen Schwachsinn gehört. Mehr braucht man zu deinem Kommentar nicht sagen.

JanB
Dienstag, 17.07.07 20:57
 

@ EiDadaus

schnell zurück ins heise-forum mit dir, husch husch, und hol dir dort deinen

JanB
Dienstag, 17.07.07 20:58
 

Fisch

Achim
Dienstag, 17.07.07 21:01
 

Großer Satz:

Nicht alle Kunden waren anschließend im Projektverlauf bereit, wirklich "Durst" und nicht nur "Wasserglas" zu denken.

Glückwunsch!

lalala
Dienstag, 17.07.07 21:26
 

was heißt denn das mit dem durst und dem wasserglas? ich kapiers nicht. "Ein Elektronikprodukt als kulturelles und menschliches Statement, nicht nur ein Stück Kunststoff und Technik." warum ist der apple durst und der pc wasserglas?

Leuchtturm
Dienstag, 17.07.07 23:04
 

(Mal was total Off Topic..: Ihr habt es schon wieder getan! Dieser Artikel wurde eingestellt, danach wurden andere Artikel eingestellt und plötzlich steht dieser hier wieder ganz oben. Ihr verwirrt mich dabei total! Warum?)

kus (fudder)
Dienstag, 17.07.07 23:23
 

gerade eben hat das geilste Blog der Welt unsere fudder-Story auf seine Frontpage gestellt: BoingBoing

mircoSOFT
Mittwoch, 18.07.07 06:49
 

SChönes DEsign !!!

ABER,

man kauft keine angebissenen Äpfel.

harhar :D

Michael
Mittwoch, 18.07.07 08:13
 

Sollte es nicht
„…als es die Revolution der Beatles noch nur auf Vinyl gab.“
heißen anstatt
„…als es die Revolution der Beatles nur noch auf Vinyl gab.“
?

cattuesday
Mittwoch, 18.07.07 09:20
 

Toller Artikel! Apple ist auch mein 'heimlicher' Schwarm. Hatte das iPhone letzte Woche selbst schon in der Hand und konnte etwas damit rumspielen. Da ist man platt - und will es natürlich sofort haben.

tomtom
Mittwoch, 18.07.07 09:21
 

@marc

Glückwunsch, der Artikel hat es nun auch auf die Startseite von Mac-Essentials.de geschafft. Weitere werden bestimmt bald folgen.

Finde ich ja soooo geil :-)

Der Dank und die Annerkennung von vielen Mac Usern ist dir sicher.

Eva
Mittwoch, 18.07.07 09:51
 

Tolle Story, Marc!
Schade, dass es von dir nicht öfter mal was zu lesen gibt.

Achim
Mittwoch, 18.07.07 09:54
 

@marc und @tomtom:

Das mit den Mac-Essentials war ganz einfach: ich habe gestern eine Mail an die geschrieben, ich wusste ja, dass die auf sowas stehen ;-)

tomtom
Mittwoch, 18.07.07 10:18
 

@Achim

Hast du gut gemacht ! :-)

mark
Donnerstag, 19.07.07 13:45
 

Kompliment, Marc! schöner Artikel, tolle Bilder, auch (oder gerade) für Mac-Veteranen interessant.. und ich dachte immer ich kenn die meisten der Apple-Geräte :-)

Marcus Hammerschmitt
Freitag, 20.07.07 14:51
 

Kleiner Hinweis auf einen fehlenden Ahnen des iPhones, der tatsächlich in die Massenproduktion ging: das auf Apple-Newton-Technolgie basierende Siemens-Notephone.

pefi
Freitag, 20.07.07 15:02
 

Gut geschrieben.

zingo
Montag, 23.07.07 17:35
 

Mich würden mal Designstudien brennend interessieren, die frog design für NeXT Inc. (http://de.wikipedia.org/wiki/NeXT) erstellt hat.

myks
Donnerstag, 03.01.08 18:22
 


wäre es nicht auch sinnvoll und erwähnenswert, dass neben Hartmut Esslinger auch Andreas Haug sass ?
Beide sind die Gründer von frog design.

Die spätere Trennung der beiden, scheint das Vergessen auf seiten frog design sehr gefördert zu haben.

Sehr schade.

Design-Chronist
Donnerstag, 03.01.08 19:29
 

@myks: ich muss Dich korrigieren:

Andreas Haug ist NICHT Co-Gründer von frog design bzw. damals esslinger design. Die Firma wurde 1969 als esslinger design in Schwäbisch Gmünd gegründet. Andreas Haug und Georg Spreng kamen 1972 dazu und wurden 1977 Partner. frog design heißt erst ab 1982 frog design. (Quelle meine Semesterarbeit von 1996, Infos vom Steidl Verlag/Uta Brandes)

Ob Andreas Haug abends mit Jobs auch dabei saß, entzieht sich jedoch meine Kenntnis;-) Zweifelsfrei ist hingegen, dass Andreas Haugs Agentur Phönix Design erstklassiges Design macht.

Charles Pé Rosinha
Mittwoch, 01.10.08 18:55
 

Eu não entendo alemão, mas acredito que vocês estão falando de maquininhas de entrar na internet, positivo operante?

Ah, e eu tenho pé rosa...

Charles Pé Rosa
Mittwoch, 01.10.08 19:00
 

EU TENHO PÉ ROSA DE TANTO ENFIÁ-LO NA MINHA PRÓPRIA BUNDA, É APERTADINHO, O SANGUE NÃO CIRCULA E ELE FICA ROSINHA, LEVEMENTE ARROXEADO

Dienstag, 14.02.12 10:06
 

Alle Apple-Designs in 30 Sekunden

Video: http://www.youtube.com/watch?v=ScHTwrvkOXA

Sonntag, 06.01.13 18:48
 

Hartmut Esslinger bei BILD.de

http://bit.ly/UtoVbT

Freitag, 10.01.14 19:11
 

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