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Sprachfluss Dreisam

Heute Nachmittag klingelt in der fudder-Redaktion das Telefon: "Du, an der Dreisam stehen so Buchstaben rum." Felix hat nachgeschaut, was es damit auf sich hat: Studenten der Evangelischen Fachhochschule versenken Unwörter im Wasser wie Schiffe.




Die weißen Buchstaben heben sich vom grauen Himmel und daher auch recht farblosen Wasser und den grünen Uferbepflanzung ab. Überwachung steht da in Großbuchstaben.

Zwischen den wohl zwei Meter hohen Buchstaben, die auf Metallständern stehen, stehen Studenten der Evangelischen FH und halten Schilder mit Fingerabdrücken und Texten, die auf dieses "Unwort" Bezug nehmen.




Insgesamt 14 Wörter wollen die Studenten in der Dreisam versenken. Die Begriffe stammen zum Teil aus dem politischen Tagesgeschehen der letzen Monate. "Überwachung ist ein passender Start für Freiburg", findet Prof. Dr. Reinhard Lohmiller, Leiter des Projektes.
Auf "Überwachung" wird "Humankapital" folgen.




Sobald der Wasserstand es zulässt, sollen die Buchstaben auch tatsächlich im Wasser versenkt werden. Vor den Buchstaben sollen weitere Aktionen der Studenten stattfinden, die zum Hinterfragen der Wörter anregen.





Evangelische Fachhochschule Freiburg: Website




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von flx | 05.07.07, 17:05 | Kommentare (30)
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Kommentare
Anzahl der Kommentare: 30
volker racho
Donnerstag, 05.07.07 18:08
 

Hochwasser bitte! Die nächsten acht Wochen!

Lurchi
Donnerstag, 05.07.07 18:27
 

was is den bitte gegen Humankapital einzuwenden?

selli
Donnerstag, 05.07.07 18:38
 

so ne umweltverschmutzung!

;-)

hhm
Donnerstag, 05.07.07 19:17
 

das sind überdurchschnittlich große Buchstaben!

:-)

ines
Donnerstag, 05.07.07 19:35
 

JUHU!!! MEINE FH:)
sehr cool, ich freu mich, endlich mal was von der fh zu lesen!
witzige aktion lohmi!

öko
Donnerstag, 05.07.07 19:58
 

die alte öko hauptstadt verschmutzt ihre lunge....und in zwei jahren wählen sie wieder grün...hehehehe
ganz sellis meinung, aber sind ja alles hochgelehrte. wie wärs mal mit produktivität fürs bip, würd allen mehr bringen. dann hätten wir auch weniger zeit für solche aktionen die die welt nicht braucht.

matze
Donnerstag, 05.07.07 20:09
 

wegen leuten wie euch öko und selli werden solche aktionen überhaupt gestartet, damit ihr mal euer kleines vakuum anstrengt und über euer mainstream-allerwelts-dahinleben nachdenkt...vorausgesetzt, ihr findet doch noch einen teil restgehirn zwischen euern öhrchen?

selli
Donnerstag, 05.07.07 20:19
 

oh, echt? extra wegen mir? danke, liebe efh!

Ich
Donnerstag, 05.07.07 20:25
 

Schön wie einfach man in Freiburg die Welt verbessern kann. Zum Beispiel indem man Wörter-bildende Holzlatten in einem Fluß versenkt.
Mich erinnert das an Sündenböcke die am allgemeinen Böstum der Welt schuld sein sollen. Die werden dann symbolisch verbrannt, versenkt oder zerstückelt.
Theoretisch wird die Welt so besser, denkt der Student der evangelischen FH Freiburgs.
Praktisch hat er die Latte eher vor dem Kopf als im Fluß. Und praktisch wäre es auch besser das scheiß Holz mit fein spitzen Nägeln drin aus dem Fluß zu holen. Da würde die Welt zwar nicht theoretisch verbessert aber praktisch könnte niemand reintreten.

Obwohl... vieleicht tritt ja beim allabendlichen Komabesäufnis der Freiburger Studentenschaft jemand in einen der Nägel. Man könnte diskutieren ob daran nicht dann wieder das böse Kapital schuld ist dass ja auch die tapfernen Ph-Studenten dazu gebracht hat diese Aktion zu starten. Die Diskussion wäre genauso sinnvoll die Welt verbessend wie die versenkten Holzlatten.

Gibt es in dieser Stadt eigentlich noch vernünftige Menschen ?

Müllmann
Donnerstag, 05.07.07 21:04
 

Und schon hat diese Aktion ihren Zweck erreicht:

Die Leute diskutieren und denken nach....

David Harnasch
Freitag, 06.07.07 00:06
 

"Humankapital" war ja tatsächlich mal irgendwo zu einem "Unwort" gekürt worden. (Völlig zu Unrecht, denn es bezeichnet ja eben den kaum überschätzbaren Wert des Menschen für "die Wirtschaft" und eben genau NICHT, seine Ersetzbarkeit.)
"Kollateralschaden" ist ein treffendes Unwort, ein widerlicher Euphemismus für Tod und Leid.
"Überwachung" hingegen ist absolut KEIN Unwort, denn es drückt ohne jede Beschönigung eine unangenehme Sache aus. Max Goldt hat völlig recht: Über sowas sollten Fachleute entscheiden. Der Plebs denkt auch, "Liebe" sei ein schönes Wort, dabei bezeichnet es nur ein schönes Ding, ist als Wort aber nicht schöner als z.B. "Säge". Das wundervolle Wort, das ihn zu solchen Gedanken inspiriert ist übrigens die "Rohlingsspindel". "QQ" heißt das großartige Buch aus dem diese Gedanken stammen.

Berndi
Freitag, 06.07.07 00:08
 

Überwachung mag zwar kein Unwort sein, aber die Idee sie die Dreisam runterzuspülen, finde ich trotzdem Klasse!

wider
Freitag, 06.07.07 16:21
 

tolle Aktion. Mehr davon wäre toll.

an alle Meckerpötte:

Ich wette ihr habt selbst noch nie so was gemacht und verschwendet euer Leben mit drei Stunden fernsehen pro Tag. Die Fernsehcouch ist die Gosse des 21. Jahrhunderts. Loser.

asa nisi masa
Freitag, 06.07.07 17:47
 

@ david harnasch

dein argument für das wort "humankapital" deckt wider willens die perversion auf, die das wort zum ausdruck bringt: der mensch ist das mittel zum zweck, die wirtschaft.

das problem liegt darin, es zum unwort zu erklären. diese deklaration ist eine sprachkritik, die sich elegant der kritik an der sache enthebt. lediglich der gebrauch des "unwortes" wird gebrandmarkt, die struktur, die sich dahinter verbürgt, bleibt weitgehend unangetastet. man sollte dem schöpfer dieses wortes vielleicht dankbar sein - er gibt uns einblick in das wesen der teilweise un-menschlichen wirtschaft.

Andrés
Freitag, 06.07.07 21:51
 

@asa nisi masa: dein vorwurf greift etwas kurz. so einfach ist es nun mal nicht mit: die böse wirtschaft.
wenn die wirtschaftswissenschaft konstatiert, dass für den produktionsablauf auch der mensch mit all seinem wissen und fähigkeiten von nöten ist, das humankapital also ein produktionsfaktor ist, sagt das noch lange nichts darüber aus, wem die produktion denn dienen soll. deine behauptung, die wirtschaft diene nur sich selbst und die menschen sind arme opfer, lässt sich daraus jedenfalls nicht ableiten.
ein unternehmen wird in der regel geründet, um das eigentum seines des unternehmensgründers zu mehren. es sollen güter produziert werden, die kunden kaufen sollen. dazu muss erstens nachfrage bestehen, das gut muss also den menschen nutzen bringen, und zweitens müssen menschen vorhanden sein, die in dem unternehmen die güter produzieren. durch ihr wissen ihre ausbildung, erfahrung und mit ihren ideen, sprich ihrem humankapital. damit sich das eigentum des unternehmers weiter vermehrt muss das unternehmen wachsen, es muss mehr für kunden interessante güter produzieren und mehr mitarbeiter einstellen. das unternehmen ist also auf beiden seiten von menschen abhängig und dient nicht nur sich selbst (zumindest nicht in zweiter linie)
man mag jetzt einwenden, dass das unternehmen nur die arbeitskraft ausbeutet und die mitarbeiter nur als kostenfaktor sieht, aber genau an diesem punkt kommt die humankapital theorie ins spiel. das humankapital definiert sich als mentale und physische fähigkeiten und fertigkeiten, die durch erziehung, bildung und erfahrung erworben wurden. 8damit können durchaus auch musische oder sportliche fähigkeiten gemeint sein) je mehr davon vorhanden ist, desto höher ist das humankapital und desto höher ist der nutzen für das unternehmen ABER auch für den innehaber des humankapitals und die gesellschaft.
das äussert sich dadurch, dass der mitarbeiter mit hohem humankapital weniger ersetzbar wird und dadurch auch mehr verdienen kann. die gesellschaft profitiert bei einem durchweg hohen hc, also einem hohen bildungsgrad, von einem höheren lohnniveau und einer florierenden wirtschaft (=mehr jobs und mehr einkommen)
massiver stellenabbau und ausbeutung von arbeitnehmern hat indes mit der hc theorie nichts zu tun. sie widerspricht ihr sogar. da schlechte bezahlung und entlssungen (verlust von know how) dem unternehmen langfristig schaden.
dieser theorie nach ist das wort humankapital also durchaus positiv zu bewerten.

die schöpfer des begriffs, denen du dankbar sein willst, nennen sich übrigens gary becker und theodore w. schultz.

lalala
Samstag, 07.07.07 07:52
 

>es sollen güter produziert werden, die kunden kaufen sollen. dazu >muss erstens nachfrage bestehen, das gut muss also den >menschen nutzen bringen,

letzteres ist ja nicht immer gegeben. die menschen müssen das ding wollen, ob es ihnen nützt ist wurscht. wackeldackel und blinkende fußballleuchtketten sind vom glücksstandpunkt her mittelfristig eher bedeutungslos, und plasmafernseher sind eher ein problem, weil vati den eins a funktionierenden alten fernseher wegschmeißt um sich das plasmamonster an die wand zu hängen. was nützt ihm das? hätt er mal lieber weniger überstunden gemacht und mutti die füße massiert, das hätte seine wohlfahrt wohl eher gesteigert. und die seines penisses.

David Harnasch
Samstag, 07.07.07 14:29
 

@lalala
Schon richtig, aber das lassen wir Vati mal selbst entscheiden. Es geht uns nämlich nix an, wie andere Leute nach Glück streben und ob der Kauf eines Wackeldackels hierzu gehört.

lalala
Samstag, 07.07.07 15:58
 

ich weiß. aber der wohlfahrtsbegriff in der vwl ist ne fragwürdige sache und das sollte man nicht verschweigen. hast du den zeit-artikel zum glück gelesen?

Andrés
Samstag, 07.07.07 19:55
 

vielleicht ist sein penis ja ausser betrieb und seine frau asexuell. dann bringt ihnen der fernseher mehr *ggg*
wenn die menschen was wollen, weil es der konsum davon ihre bedürfnisse befriedigt, bringt es ihnen auch nutzen. ob der dann sinnvoll ist oder nicht, ist natürlich eine andere frage. aber wer will das schon feststellen und unter welcher massgabe?
was bringt einem der konsum von erdbeereis, eines mp3 players, einer pauschalreise. da hat ja jeder eine andere auffassung.
ganz heiss wird es, wenn man versucht den nutzen des einzelnen auf den der gesellschaft zu übertragen. bsp konsum von zigatetten oder der kauf eines dicken autos unter verzicht auf nachwuchs. was ja noch vertretbar ist. aber wenn man das gesamte wirtschaften eines einzelnen dem nutzen der gesellschaft unterwirft, kommt man ganz schnell zu einem kollektivistischen, etatistischen ansatz, der heute nur noch in nordkorea zu finden ist.

asa nisi masa
Sonntag, 08.07.07 13:06
 

aber selbstverständlich geht es mich etwas an, wie andere leute nach glück streben. schließlich lebe ich mehr oder weniger eng mit ihnen zusammen und also hat ihr glücksstreben einfluss auf mein leben und das meiner mitmenschen.
in der tat ein heißes gebiet. aber wer aus angst, sich die finger zu verbrennen, jeden lebensentwurf als gut und aus sich gerechtfertigt hinnimmt, entzieht sich der verantwortung. bewußtes desinteresse (toleranz) ist sowohl unpolitisch als auch ohne mitgefühl. nutzen und sinn zu entkoppeln versuchen, ist absurd und bestätigt die selbstzweckhafte tendenz (tendenz!) unseres wirtschaftlichen systems.
und eins ist sicher: "die wirtschaft" setzt sich auch für die wohlfahrt des penis ein - bom chicka wahwah!

Andrés
Montag, 09.07.07 11:37
 

;-)

klar wenn das streben nach glück deines nachbars dich beeinflusst, weil er beispielsweise zur verschönerung seines gartens einen funktionierenden kunstvulkan vom gartenbauunternehmen seines vertrauens anlegen lässt, der deine veranda mitsamt spielender kinder durch eruptionen bedroht und dich vor lautem getöse nicht schlafen lässt, dann geht dich das was an.
aber ob er seine kröten für tamagotchis, fernseher, nutten oder lieber für volkshochschulkurse, mountainbikes und kunstvereinsmitgliedschaft raushaut, sollte dich dringlichst nichts angehen

matthiaskie
Montag, 09.07.07 14:22
 

Häh? Wieso ist denn "Überwachung" so ein schlimmes Wort? Weil Überwachung eine doofe Sache ist? Ist "Magengeschwür" dann auch ein Unwort?

JustPunk
Mittwoch, 11.07.07 09:40
 

Das Problem das ich mit dem Wort Humankapital habe, ist dass Kapital etwas bezeichnet das jemand (ein sog. Kapitalist) besitzt.
Human heißt menschlich wir folgern also das Humankapital mit "Menschenbesitz" treffend übersetzt wäre.
Menschenbesitz.... das ist ein neues Wort, aber es gibt schon ein anderes dafür. Sklaverei.

kuckuck
Mittwoch, 11.07.07 14:36
 

wieder ne aktion die die welt nicht braucht....gratulation....

Au weia
Mittwoch, 11.07.07 15:08
 

@kuckuck: Mal wieder jemand, der mit Kunst nichts anfangen kann. Genau das zeigt, wie wichtig solche Aktionen sind.

Mir gefällt die Idee. Und anders als David finde ich - und das als Unternehmer - durchaus, dass das Wort Humankapital nicht unbedingt glücklich gewählt ist. Warum denn nicht einfach Mitarbeiter? Humankapital klingt nach toter, nur nach Nutzen bemessener und in rein quantitativen Einheiten verfügbarer, verschiebbarer und handelbarer Materie. Und genau das sind Mitarbeiter nicht - sie leisten mehr als Maschinen, brauchen aber auch mehr als nur etwas Strom, sie haben Ideen, Wünsche, Hoffnungen, Visionen, sie sind mehr als die Summe einzelner Zahnräder, die man ölen muß, und die man wegwirft, wenn sich erste Abschürfungen zeigen.

Wer sich anschauen will, um wie viel erfolgreicher Unternehmen sind, die Menschen als Menschen behandeln, soll sich nur mal im direkten Vergleich Schlecker und DM ansehen. Götz Werber ist für sein humanistisches Menschenbild bekannt, Anton Schlecker ist der Prototyp eines echten Ausbeuters, der lieber seine Mitarbeiterinnen Raubüberfällen aussetzt, als ein Telefon in der Filiale zu haben, das nur Kosten verursacht und missbraucht werden könnte für Privatgespräche. Und wer hat die besseren Wachstumsraten? DM.

Sophrolaeliocattleya
Mittwoch, 11.07.07 15:12
 

Götz Werner ist klasse, der hat mit einer Drogerie in Karlsruhe angefangen und ist sich selbst treu geblieben.

Andrés
Mittwoch, 11.07.07 17:14
 

@justpunk: immer so verstehen, wie mans gern will, oder?
das kapital muss der kapitalist nicht besitzen, es muss ihm nur zur verfügung stehen. wenn es ihm nicht gehört, muss er für die nutzung bezahlen. fremdkapital ist ja auch nicht das eigentum des unternehmers, deshalb zahlt er nutzungsgebühr, sprich zinsen. genauso besitzt er nicht seine mitarbeiter, wei ein sklavenhalter es tut, sondern bezahlt sie für die zurverfügungstellung ihres kapitals. der mitarbeiter hingegen besitz sich selbst, also sein humankapital.

sissi
Mittwoch, 11.07.07 19:31
 

Apropos Max Goldt : " Noch mehr allerdings als der musikalische Wert trägt zur Schönheit eines Wortes dessen Assoziationsfülle bei :..." ( QQ, S.58 ) - übertragen wir das mal auf die Un-Schönheit, passt es doch hervorragend. Hängt euch nicht so auf an dem Wort Unwort. Wenn die Worte die Diskussion anregen, ist doch o.k. . Gruß

drago
Mittwoch, 11.07.07 19:48
 

dm ist viel toller als schlecker, also echt jetzt . ikea ist auch gut zu seinen mitarbeitern und kommt groß raus . Human und Kapital passt einfach nicht zusammen, weil : Kapital kann man doch zählen - Menschen, vielmehr deren WERT natürlich nicht .
Früher haben Heranwachsende den kleinen Prinzen gelesen, da ists gut erklärt.

Age
Freitag, 13.07.07 12:47
 

... ich finde die Diskussionen um das Wort "HUMANKAPITAL" äußerst interessant. Um aber trotz des schlechten Wetters die letzten Tage auch die Aktualität der Diskussion zu wahren: die letzten Tage wurde "BIOMETRIE" versenkt ... seit heute geht an der Dreisam "TERROR" unter. Mit dem nun aufkommenden guten Wetter kann ich aber auch einen oder mehrere Ortstermine wärmstens empfehlen. In der Regel könnt ihr dort alle 2 Tage ein neues Wort untergehen sehen ...

weiterhin viel Spass mit diesen und den kommenden (UN)WÖRTERN und natürlich auch der Diskussionsrunde, die sich hier ergeben hat...

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