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Peter Vogel: Rrrrr... Schrädäng...Blink...Surrrr

Er ist der renommierteste und vielleicht auch der durchgeknallteste Künstler, den Freiburg hervorgebracht hat: Peter Vogel. Endlich gibt es, noch bis zum 12. August, die Gesamtschau zu seinem Werk. Rebecca war bei der Vernissage im Museum für Neue Kunst. Sie hat Vogels Kunstwerken alles abverlangt. Zum Piepen.

Vogel

Der Hirnforscher künstelt

Man kommt rein, der Klang bricht los. Eine Kakophonie piepsender, schnatternder, klopfender und zupfender Laute. Allesamt erzeugt durch die Erregung mechanisch-elektronischer Sensoren. Eine Vielzahl von Licht- und Klangobjekten, meist aus Drähten, elektronischen Teilchen und Lautsprechern.

Vogel, der Physiker. Viele Jahre hat der Künstler in der Gehirnforschung gearbeitet. Dann der Weg des Künstlers: Malerei, die Auseinandersetzung mit Bewegungsformen, Tanz, Musik, insbesondere elektronische. 1969 baute Peter Vogel seine ersten kybernetischen Objekte.


Scheibe, die irgendwelche Laute von sich gibt

Im Eingangsbereich erwarten den Besucher blinkende Botschaften an den Wänden und eine Installation filigraner Schmetterlingsflügel aus feinem Drahtgeflecht, deren elektromechanisch erzeugten Bewegungen schöne Schattenmuster an der Wand hervorrufen.


Filigrane Schmetterlingsflügel

Ratlos vorm Drahtgewirr

Etwas ratlos steht man im zweiten Raum vor einem Quadrat mit verschiedenfarbig blinkenden Feldern in Minimal Art-Manier, umrahmt von einem Netz aus Drähten, Elektroden und Sensoren. Dank der kleinen Einführung in das Werk Peter Vogels weiß man: Der Betrachter soll eben nicht statisch und in musealer Ehrfurchtsstarre vor dem Objekt stehen, sondern sein „Erwachsenenschauen“ ausschalten und selbst aktiv werden.

Denn fast alle Werke Vogels reagieren auf Bewegung, Schatten oder Schall. Man weiß jedoch nie, auf welche Arten man sie beeinflussen kann und es gibt keinerlei Hinweise für den Museumsbesucher, wie er sich zu verhalten hat.

Etwas schüchtern beginnt man also, zu schnalzen, zu husten und zu pusten, mit den Armen zu wedeln und zu schütteln. Viel passiert nicht. Das Farbquadrat vor einem blinkt ganz von allein, es interessiert sich offenbar nicht für die Anstrengungen, die man unternimmt, um dem Objekt eine individuelle Reaktion zu entlocken.


Eigensinnige Farbfelder

Verspulte Reaktionen

Mehr Erfolg hat man bei einem Werk mit dem Titel „Rhythms II“, einem elektromagnetischen Geflecht aus Drähten, die sich als schmales Band über die ganze Wand erstrecken. Sobald man vorbeigeht, werden rhythmische Klänge erzeugt, die je nach Bewegung variieren. Flattert man dabei mit den Armen, verstärkt sich der Beat, verhält man sich ruhig, verebbt er allmählich.

Doch die Sensoren sind eigensinnig. Gerade, wenn man denkt, das Interaktionsmuster zu durchschauen, reagieren die Objekte wieder anders, verstummen oder geben neue, ungeahnte Klänge von sich.


"Rhythms II"

Kinder mögen sowas

Gerade diese Mischung aus Gesetzmäßigkeit und Zufall ist es, die die Kunst Vogels so spannend macht. Seine Gegenstände sind nie isoliert vom Betrachter erfassbar, ohne seine Aktion bleiben sie stumm und tot. Interessant ist es, das Verhalten der anderen Museumsbesucher zu beobachten. Ihr anfängliches Zögern, unmotivierte Bewegungen auszuführen oder gar vor den Kunstwerken zu sprechen und zu singen. Kinder dagegen interagieren ganz selbstverständlich mit den Kunstwerken.

Man hört die schrillen Schreie dreier Mädchen, die versuchen, einen Tischtennisball, der auf einer Platte über einer elektronischen Drahtkonstruktion thront, zum Hüpfen zu bringen. Ein anderes steht schüchtern davor. Es passiert nichts.


Schauen reicht nicht

Schattenorchester

Das wohl faszinierendste Werk Vogels, das „Schattenorchester“, befindet sich in einem abgedunkelten Raum. Man sieht eine Reihe von Instrumenten, Harfen, Zimbeln, Trommeln, Tamburins, die als Schattenorchester an die Wand projiziert werden.

Davor steht ein Kasten mit sieben elektromagnetischen Sensoren. Sobald ein Sensor durch Bewegung erregt wird, bringt er ein bestimmtes Instrument zum Klingen, jede weitere Bewegung erzeugt neue Klänge oder variiert die melodische oder rhythmische Struktur.


Die Sensoren des "Schattenorchesters" reagieren auf Bewegung

Man ist erstaunt, wenn die eigene Handbewegung tatsächlich übersetzt wird in die Bewegung der Instrumente, die sich als Schattenspiel an der Wand abzeichnen.

Zwar ist das Zusammenspiel der Instrumente nie vorhersehbar, die Klangkörper gehorchen aber immer einem Grundtakt, so dass nie Krach dabei herauskommt. Auch hier vermischen sich also Zufall und Determiniertheit in der Interaktion von Mensch und Maschine.


"Schattenorchester"

Ruhe nach dem Gebimmel

Nach und nach legt sich der Trubel, die Säle lichten sich und es kehrt Ruhe ein. Etwas erschöpft und reizüberflutet sitzt man auf einer Bank vor der Klangwand und beobachtet, wie zwei Besucher an der Wand vorbeilaufen und dadurch die Sensoren zum Schwingen bringen.

Aus Schweigen wird plötzlich Rhythmus, und aus Rhythmus wird Bewegung. Es ist schön, den fließenden und tänzerischen Bewegungen der beiden zu folgen.

Eine Ausstellung, für die man etwas Zeit und Ruhe mitbringen sollte. Denn die Komplexität der Objekte erfordert Lust am wiederholten Spiel und Experiment.

Und vielleicht hat der alte Mann in der Eingangshalle auch ein bisschen Recht mit seinem Resümee: „Alles ja ganz witzig und originell hier, aber einen Vogel hat der Vogel doch.“

Mehr dazu

Was: Klang - Bewegung - Licht. Peter Vogel: 40 Jahre interaktive Objekte
Wann: bis zum 12. August, dienstags bis sonntags von 10 bis 17 Uhr, Eintritt 5, ermäßigt 3 Euro, Führungen sonntags um 11 Uhr und 15 Uhr
Wo: Museum für Neue Kunst, Marienstraße 10 a

Specials:  
  • Video-Tagebuch "New York und Montevideo" am Donnerstag, 21. Juni, und "Tokyo und Barcelona" am Donnerstag, 28. Juni, jeweils um 20 Uhr im Museum für Neue Kunst
  • Konzert mit Improvisationen mit Rei Nakamura (Klavier) und Peter Vogel (Elektronik) am Samstag, 14. Juli, um 20 Uhr in der Elisabeth-Schneider-Stiftung, Wilhelmstraße 17a
  • Im Rahmen der Museumsnächte: Performances "Klangwand" am Freitag, 20. Juli, und "Schattenorchester" am Samstag, 21. Juli, jeweils um 20 Uhr im Museum für Neue Kunst.




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