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Ein Satz mit ohne Toleranz

„Man kann nicht immer funktionieren, wie man es sollte, sondern muss seinen Gefühlen auch mal freien Lauf lassen“, pflegte Dirks Bezirksliga-Trainer, der dicke Gerhard von der Post, der mit den weißen Socken in den Deichmann-Sandalen und dem von einer Hasenscharte gepeinigten Schnauzer, immer zu sagen – ein Vorsatz, den sich der fudder-Kolumnist im längsten seiner Sätze zu Herzen genommen hat. (P.S.: Wer den Satz am Stück liest, darf ihn behalten!!!)



Wenn ich so friedlich auf meinem Ikea-Bett liege, die Hast und den Stress des Alltags auf der Straße gelassen habe und mir – so irgendwo zwischen dem 3. und 4. Ring - eine große Leere antwortet, ich ganz nah bei mir bin und die Hohlräume unter der Brust und im Kopf wahrnehme und über das Leben meiner Mitmenschen sinniere, dann scheiße ich sehr oft auf die Grenzen meiner Toleranz und denke mir als Strafe für manche Furzknoten meiner Tagtraumgefährten gerechte Strafen aus, wie etwa drei Wochen ZDF-Fernsehgarten schauen, eine Zwangsduschorgie mit der Kelly-Family, eine lyrische Lesenacht mit Paris Hilton oder einfach auch nur ein gepflegter Wumms auf die Zahnhaltevorrichtung, die Menschen wie dem Zwei-Meter-Riesen mit Bischofsmütze, der sich im viertelvollen Kino auf den Platz vor mich gesetzt hat, oder dem Fußpilz-Züchter in meinem Rücken, der seine schuhlosen Schweinemauken auf meine ICE-Armlehne platziert, alles andere als Unrecht geschehen würden, weil sie nämlich keinen Deut besser sind als etwa diese ach so verständnisvollen und von Jasmintee geschwängerten Super-Mütter, die ihre Kinder überall stillen, wo ich meine Augen hinwerfe, weil es ja auch was total Natürliches ist, wenn ich an der Kasse im Aldi mit zwei Pfund Hackfleisch auf dem Arm von einer angezapften bleichen Titte gestreift werde, oder die politisch so super interessierten Aknefelder, die das, was im Osten passiert, gerade „so unglaublich spannend“ finden, die aber Böhse Onkelz hören, weil die ja „gar nicht mehr rechts“ sind, oder die Golf-Cabrio-Kollegen von der Kreativ-Agentur im Glottertal, die New York im September so zwischen drei und halb fünf Uhr „wirklich unerträglich“ finden und heimlich mit diesen grünhaarigen und intimgepiercten Call-In-Game-Show-Moderatoren um den Gehirntod als Hauptpreis telefonieren, und dann sehe ich bei der öffentlichen Urteilsverkündung, die live von irgendeinem dieser „Ich mach was in Medien“-Arschkrampen mit Motoröl im Haar und Siegelring um die Wurstgreifer, der sich täglich sein „favourite designer pülverchen“ säckeweise durch jede nur erdenkliche Körperöffnung jagt und irgendwann mit einem Strohhalm im Hintern beim „Anwalt seines Vertrauens“ auftaucht, für RTL DOOF moderiert wird, die Zuschauer der Szenerie leiblich vor meinem Auge, während zuhause die Typen mit „Frustrierter Soziologiedoktorant mit Einbauküche und eigener Cordhose sucht junge, selbstbewusste Thailänderin"- Anzeige, die einem mit Mofahelm auf dem Fahrrad die Vorfahrt nehmen, weil sie während der Fahrt ihr Fußkettchen richten müssen, Bedenken am Zustand unserer Mediengesellschaft äußern, und im Geiste mit dem D&G-umhäkelten Gebrauchtwagenhändler mit den Bundfaltenjeans, die sie selbst im Rot-Kreuz-Sack im Mecklenburg-Vorpommern der 80er Jahre verschmäht hätten, anprostet, und auch nicht weniger bescheuert sind als diejenigen Erziehungsberechtigten, die beim Fernsehglotzen maximal zwölf der zehn Milliarden Nervenzellen, die in ihren Hirnlappen elektrochemischen Sex haben, brauchen, um mal wieder so richtig herzhaft lachen können, wenn bei Pups, der Pannenshow, ein Neunjähriger vom Karussell geworfen wird und so richtig dämlich auf seinen offenen Schienbeinbruch starrt, oder als die deutschen Staatswürger, die im Intercity von Basel nach Köln den Japaner am Vierertischchen, den sie mit ihren Leberwurstwecken okkupieren, ein „Ich aus Freiburg – Wo du her?“ an den Kopf werfen, um dann spätestens ab Mannheim und dem siebten Underberg anfangen den Asiaten zwangsweise mit stakkatoartigen „Ha, jetzz chumm, jetzz nimmsch halt no Eina mit ma!“ zum Alemannischen zu missionieren, und diese Zuschauer die sehen alle so aus wie der Berufsschwabe, der sich zwar in sein Höschen pullert, wenn er drei Euro Eintritt im Museum zahlen muss, aber zur Statussicherung seiner lieben Kleinen hübsch freiwillig einen Fünfziger in die freiwillige Elternabend-Sammeltüte steckt, oder der Schriftsteller, der auf 3217 Seiten keinen einzigen Austausch von Körpersäften unterbringt, dafür aber weit über 1500 Personen auf und nur selten wieder abtreten lässt, manchmal auch wie die olle Tante, die einem diese homöopathische Wunderdroge (rein pflanzlich!) in die Hand drückt, von der man bitteschön beim ersten leichten Anzeichen für Schnupfhusten 3000 Tropfen alle zehn Minuten auf die Zungenunterseite tröpfeln muss, und die natürlich Programmkinogängerin ist, mit Vorliebe für Erstlingswerke von Filmhochschulstudenten – weil das so frisch ist –, in denen vorwiegend Kaffeetassen in Großaufnahme gezeigt werden und Laienschauspieler mitspielen, die nicht wie Laien spielen, sondern wie Laien, die erst vor Kurzem das Alphabet gelernt haben, und alle Hypochonder dieser Welt in ihr fettes Herz geschlossen hat, wenn diese in ausgelassener Partyrunde von ihren langwierigen Pilzinfektionen an der Mundschleimhaut oder nässenden Stellen zwischen den Zehen berichten, und während ich das alles so vor mich hin denke, da klingelt das Telefon und ich frage meinen besten Freund, ob die Zehen noch jucken, wie denn noch mal der Name der Wunderkügelchen seiner Mutter ist und erzähle ihm von meinem Treffen mit dem japanischen Studenten auf der Fahrt von Köln nach Freiburg, wo ich gleich Kevin von der Kreativ-Agentur treffen werde, um endlich mal wieder unter lieben Menschen zu sein.


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von dirk | 10.06.07, 21:17 | Kommentare (22)
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Kommentare
Anzahl der Kommentare: 22
Eigene Cordhose
Sonntag, 10.06.07 22:36
 

krank, aber geil.

moell
Sonntag, 10.06.07 23:36
 

ich nehm den satz als meine gute-nacht-geschichte mit ins bett...und werde nen nachttraum daraus machen... und morgen hab ich den satz drauf: dann is es meiner ... und wehe, es kommt mir jemand zuvor... ich steh um 6:15 uhr auf!!!!

ähm - das svw heißt *stuss*... irritiert mich jetzt...

Peter_Silie
Montag, 11.06.07 00:33
 

Ließt sich wie die letzte Film-Halbestunde von "Good Fellas" - klingt atemlos und gehetzt, wie auf der Flucht.
Jedenfalls nix zum abchillen beim lesen. Aber darauf gibts auch keinen Anspruch im "hübsch leben".

Aber zurück zum Thema: Eine persönliche black-list führe ich auch - wer nicht ?

lobo
Montag, 11.06.07 01:09
 

Mal was ganz anderes, aber wieder mal groß. Wer seine Hassattitüden so formulieren kann, ist wahrhaft grimmepreisverdächtig.

@moell: SVW "gutes": passt irgendwie besser...

hmm
Montag, 11.06.07 07:38
 

naja, gabs schon mal besser.

DerOnkel
Montag, 11.06.07 09:49
 

nicht schlecht - aber bitte bitte nicht immer diese hirnlosen Kommentare über die Onkelz. Einfach mal richtig informieren statt bei den geschätzten Kollegen abzuschreiben...

http://www.onkelz.de

Sophrolaeliocattleya
Montag, 11.06.07 10:09
 

Mir kann kein Satz zu lang sein!

Die Hutschnur
Montag, 11.06.07 10:10
 

...bin soeben gerissen!

Richtig informieren also??? Auf der Bandhomepage??? Man,man,man... für mich bleibt eine "Band", die mal "Schlitz die Türkenfotze..." gesungen hat UNERTRÄGLICH!!!

DerOnkel
Montag, 11.06.07 10:16
 

Haben sie nicht, aber macht ja nix - und ja: auf der Bandhomepage. Da findest Du nämlich sämtliche Infos inkl. aller Zeitungsartikel, Stellungnahmen etc. p.p..
Aber warum informieren wenn man sich in seinen Vorurteilen suhlen kann??

DerOnkel
Montag, 11.06.07 10:19
 

http://de.wikipedia.org/wiki/B %C3%B6hse_Onkelz

oder hier, aber geht ja nicht mit gerissener Hutschnur...

Jupp
Montag, 11.06.07 10:28
 

@ Die Hutschnur: 100% agree

dings
Montag, 11.06.07 10:40
 

was!? habe mich gerade wirklich auf der bandhomepage "informiert", und da stehen sachen, wie "Daß die Böhsen Onkelz in den nächsten 5 Jahren eine ausländerfeindliche Haltung anehmen, ist dagegen unbestritten und soll hier nicht unerwähnt bleiben." oder "Die noch kleine Skinheadszene feiert die Onkelz als ihre Helden und die rechten Parteien sehen ihre Chance zur gezielten Einmischung." oder "Den vierten und größten Gig vor einer Skinheadgemeinde spielen die Onkelz zusammen mit der englischen Band "Indecent Exposure" und den deutschen "Die Hards" im August '85 in der Nähe von Lübeck. Vor rund 700 Glatzen und Glatzenähnlichen, von denen man einige ganz klar dem rechten Lager zuordnen muß, läßt sich Kevin zu einer weiteren Dummheit hinreißen. Obwohl die Band den Aufforderungen "Türken raus" oder "Deutschland den Deutschen" vom Demotape zu spielen, nicht nachkommt, tragen sie dennoch den Song "Deutschland" vom ersten Album vor. Die originale Textzeile "deutsche Frauen, deutsches Bier - schwarz rot gold wir steh'n zu Dir" wird während des Gigs von Kevin auf eigene Faust umgestaltet und er singt nun "deutsche Frauen, deutsches Bier - schwarz weiß rot wir steh'n zu Dir" Die Band ist außer sich vor Wut über diesen Alleingang und es kommt zu Spannungen innerhalb der Band." usw.

was soll das jetzt heissen?!
fehler sind gut, aus denen kann man lernen?!

DerOnkel
Montag, 11.06.07 10:54
 

genau darum geht es.
Mir ist jemand, der Fehler begeht aber einsieht und daraus lernt deutlich lieber als jemand, der die Unfehlbarkeit für sich gepachtet hat...

dings
Montag, 11.06.07 11:05
 

aber aber; sind derarte "fehler" nicht "schonmal" von "jamendem" gemacht worden, und auch dem langsamsten unter den blöden hinlänglich bekannt, dass es bereits 1980 schon für's lernen gerteicht hätte?

DerOnkel
Montag, 11.06.07 11:14
 

Schön dass Du entscheidest, wer wann was aus welchen Fehlern zu lernen hat...

"Im Laufe der Zeit bekamen die Onkelz auch außerhalb der Musikbranche prominente Fürsprecher, wie die Ausländerbeauftragte des Landes Bremen Dagmar Lill, den Grünen-Politiker Daniel Cohn-Bendit oder die Journalistin Alice Schwarzer [7] [8] [9]."
Die sind dann bestimmt auch blöd, nicht wahr? Oder haben sie sich einfach mal intensiver mit dem Thema beschäftigt?

Aber was soll´s, ohne Schubladen finden sich halt manche nicht so gut zurecht...;-)

sophie
Montag, 11.06.07 11:37
 

@ DerOnkel: ....die einzige Einsicht, die diese Band gewonnen hat, ist, dass diese Möchtegern-Erkenntnis der einzige Weg ist, um Geld zu verdienen.

Melchahim
Montag, 11.06.07 11:44
 

viel schlimmer ob rechts oder nicht ist allerdings die Tatsache das dieser "Sänger" mal ne Stimme hat die Brechreiz in mir hervorruft.

man kann die lieder halt besoffen auf partys gut mitgröhlen. oft sind diese lieben tanten deshalb so beliebt ;)

mir gefällt es nicht, aber das wird euch eh nicht interessieren, dafür gefallen mir dirks texte um so besser ;)

und bei vielen aspekten die er in seinem kurzsatz versteckt habe ich für mich selbst gedacht... ja er hat recht

Jupp
Montag, 11.06.07 11:47
 

Bin jetzt kein großer Onkelz-Experte. Ja, vielleicht auch ignorant, da sie für mich immer in dieser (rechten) Schublade bleiben werden.

Kann nur von meinen Erfahrungen erzählen, die jeweils mit brauner Gewalt zu tun hatten: Gewalt von Offenbacher Hools (Anti-Sozial-Front) in Onkelz-Shirts gegen St Pauli Fans (ich war einer davon) mit, sagen wir harmlos, menschenverachteten Parolen. Und all die Dorf-Bauwagenparties mit Typen mit Weizenbierschaum im Oberlippenflaum, den rechten Arm verdächtig hoch, das von Hutschnur zitierte Lied gröhlend und Onkelz-Shirts tragend. Ok, lange her.
Aber - ehrlich gesagt - war auch das Pro Pain Konzert neulich im Atlantik eher unangenehm (dort waren 80% der Leute in Onkelz-Shirts anwesend).

Ist ja toll, wenn die Band geläutert ist. Ein Interview im vorletzten Metal Hammer zeigt das ein wenig. Aber solange es noch viele Onkelz-Fans gibt, die "doitsch-national" rumproleten und in Südfrankreich (und das ist genau 1 Jahr her) dann gegen später doch die unsäglichen alten Songs brüllen, sind Meinungen wie Hutschnur's, ding's und meiner doch keine Überraschung, oder?

DerOnkel
Montag, 11.06.07 12:09
 

@ jupp: ist nachvollziehbar, ich werde auch den Teufel tun, solche Schwachmaten zu verteidigen - aber geh mal davon aus, dass die gleichen Typen auch auf Metallica oder Maiden abfahren. Manche lernen es eben nie, und was willst Du als Musiker dagegen machen?
Fakt ist, das die Onkelz sich seit mehr als 15 Jahren glaubhaft von dem Scheiss der frühen 80er distanziert haben - auch wenn jetzt wieder alle Besserwisser und Neunmalklugen aufjaulen.

Was mich einfach nervt ist, das so viele "Journalisten" sich nicht mal die Mühe machen, ordentlich zu recherchieren (was ihr Job wäre), sondern einfach nur weiter Halb- und Unwahrheiten voneinander abschreiben...
Übrigens waren so viele mit Onkelz-Shirt beim Pro Pain - Konzert, weil Gary Mescil jedem mit BO-Shirt eine Gratis-CD versprochen hat.. ;-)

@sophie: Aua-Aua

Jupp
Montag, 11.06.07 12:19
 

@ DerOnkel:
zu: Übrigens waren so viele mit Onkelz-Shirt beim Pro Pain - Konzert, weil Gary Mescil jedem mit BO-Shirt eine Gratis-CD versprochen hat.. ;-)

Und hat er das Versprechen eingehalten? ;-)

DerOnkel
Montag, 11.06.07 12:34
 

jep, das gilt auf der gesamten Pro Pain - Tour.
Pro Pain waren mehr als 7 Jahre lang Vorband bei zahlreichen Onkelz-Konzerten, auf der vorletzten CD findet der geneigte Hörer sogar eine Cover-Version von Terpentin ;-)

perle
Montag, 11.06.07 21:13
 

ach herrje, da hat aber jemand nen schlechten tag gehabt.

;)

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