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Der NPD-Watchblogger

Das NPD-Blog des Hamburger Redakteurs Patrick Gensing (tagesschau.de) ist eine reichhaltige Informationsquelle zur NPD und liefert aus kritischer Sicht eine Dokumentation über die rechstextreme Partei und ihr Umfeld. Das Weblog ist, wie fudder, für den Grimme Online Award nominiert worden. Ein Interview mit dem Macher des Watchblogs über Motivation, Anspruch, Kampf und Parteienverbot.

NPD

Das NPD-Blog ist eine Internetseite, die als kritische Dokumentation der Ereignisse rund um die rechtsextreme NPD gedacht ist. Die Berichterstattung gliedert sich in eine allgemeine Kategorie und in verschiedene Untergruppen. Ansonsten werden die Neuigkeiten nach Bundesländern unterteilt.

Die NPD ist insbesondere für solche, die sie aus der Tages- und Wochenpresse oder aus den Fernsehnachrichten rezipieren, eine ziemlich oberflächliche, neblige Sache. Zwar vermuten die meisten bereits intuitiv, dass sich dahinter nichts Gutes verbirgt, aber weitere Fragen werden selten gestellt und auch die Klärung dieser Fragen erfordert massive Beinarbeit und das Durchsehen von mehreren Zeitungsjahrgängen.

NPD

NPD-Blog bietet eine gute Möglichkeit, sich ein fundiertes Hintergrundwissen über dieses schwierige Terrain zu verschaffen, vor allem auf eine Art und Weise, die den Beschaffungsaufwand auf ein Minimalmaß reduziert.

Betreiber und Gründer der Seite ist Tagesschau.de-Redakteur Patrick Gensing aus Hamburg.

Herr Gensing, wie kam es dazu, dass Sie NPD-Blog ins Leben gerufen haben?

Patrick Gensing: Die Idee für NPD-BLOG ist durch meine tägliche Arbeit entstanden. Viele interessante Recherche-Ergebnisse waren für tagesschau.de nicht geeignet, weil zu klein und zu regional. Dadurch stellte sich für mich auch die Frage nach einer effektiven Archivierung der Informationen, also einer Recherche-Datenbank.

Da ich mich zusätzlich des Öfteren über die Berichterstattung im Bereich Rechtsextremismus geärgert habe, erschien mir eine Kombination aus Dokumentation und Medienkritik optimal. Dadurch lässt sich oberflächliche Berichterstattung schnell aufdecken, ich kann meine Recherche-Ergebnisse sammeln und es entsteht ein Recherche-Instrument für die interessierte Öffentlichkeit.

NPD

Haben Sie persönliche Erfahrungen mit der NPD gemacht?

Ich habe auf jeden Fall nie mit dieser Partei sympathisiert und betreibe jetzt NPD-BLOG nicht, um meine eigene Vergangenheit aufzuarbeiten. Ich hatte in meiner Jugend und auch später des Öfteren allerdings unangenehme Begegnungen mit Neonazis gehabt, sei es im Umfeld von Fußballspielen, durch die Präsenz von Neonazis im öffentlichen Raum und ähnlichem.

Aber reicht das für solch eine intensive Auseinandersetzung mit dem Thema?

Mich beschäftigen in meinem Leben Dinge, die ich nicht begreife, die ich überhaupt nicht nachvollziehen kann. Ich kann das Handeln und die Motivation fast aller Menschen zumindest ansatzweise verstehen. Dieses Verständnis fehlt mir bei Neonazis komplett. Daher beschäftige ich mich intensiv mit diesem Thema.

Warum gerade eine Internetseite und kein Buch über die NPD?

Der unschätzbare Vorteil des Internets besteht in der einfachen Verlinkung von Quellen und der effektiven Einbindung von Hintergrundinformationen. Diess nicht zu nutzen, wäre töricht. Passiert aber leider oft, auch bei großen Nachrichtenangeboten: Anstatt ältere Meldungen in die aktuelle Berichterstattung einzubinden, stehen Artikel oft nackt da. Eine Einordnung findet dadurch nicht statt, der Leser kann Entwicklungen nicht nachvollziehen - und dadurch bestimmte Prozesse nicht erkennen.

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Beanspruchen Sie einen Informationsauftrag für sich?

Ich möchte mit meiner Seite einen Mehrwert im Gegensatz zu der klassischen Berichterstattung bieten: Keine ständigen Wiederholungen von schon Bekanntem, wie es oft in großen Medien passiert, und das Ganze mit mehr Hintergrundinformationen verbinden. Dazu - wenn zeitlich möglich - auch noch eine Bewertung der Vorgänge.

Wie beurteilen Sie den Informationswert Ihrer Seite?

Da bin ich mir nicht ganz sicher. Denn ich denke, oft ist meine Berichterstattung sehr kleinteilig - und nur wenn man die Teile zusammensetzt, entsteht ein Bild, auf dem sich etwas erkennen lässt für Menschen, die nicht so im Thema sind. Ich denke, einige Informationen, die ich dokumentiere, bringen dem einzelnen Leser nicht viel. Aber die Dokumentation ist wichtig. Je länger man Informationen sammelt und verbindet, um so besser und fundierter wird die Berichterstattung.

Die Schwächen der Seite?

Wahrscheinlich wäre es für die Leser hilfreich, wenn ich öfter Überblicksartikel zu bestimmten Themen veröffentlichen würde. Doch dafür bleibt mir leider keine Zeit. Allerdings ist mein Angebot auch nicht für die breite Masse gedacht, es soll ein Instrument für Personen sein, die sich mit Rechtsextremismus und Neonazis beschäftigen. Wenn ich bestimmte Suchbegriffe bei Google zu diesem Komplex eingebe, erscheint meine Seite oft, von daher meine ich, dass sie einen vernünftigen Informationswert bietet.

NPD

NPD-Blog ist bewusst im Blog-Aufbau gehalten. Welche Funktion erfüllt dieses Website-Design Ihrer Ansicht nach besser im Vergleich zu einem "typischen" statischen Webdesign und wie wird es von den Lesern rezipiert?

Für mich gab es zu dem Blog-Aufbau keine Alternative. Erstens habe ich keine Zeit, um eine komplizierte Struktur für das Angebot zu entwerfen. Zweitens ist das auch gar nicht notwendig, denn es geht um Inhalte, weniger um die Darstellungsform. Drittens ist diese Darstellungsform in meinen Augen benutzerfreundlich, denn sie ist a) übersichtlich und b) immer gleich. Das Aktuellste ganz oben eben.

Ich denke, die meisten Internet-Nutzer sind mit Blogs vertraut und haben keine Probleme mit dieser Darstellungsform. Eine Rückmeldung habe ich allerdings noch nicht eingeholt, es wurde bislang aber auch von niemandem kritisiert.

Wie bewerten Sie die Legitimation der NPD in Bezug auf Verfassungstreue? Finden Sie, dass sie eine legitime Partei ist oder gehört sie mit allen Mitteln bekämpft?

Die NPD ist keine normale Partei. Ganz wichtig ist: Die NPD grenzt sich selbst aus. Dadurch, dass sie universelle Werte nicht anerkennt. Sie geht von einer Ungleichwertigkeit von Menschen aus, wie Holger Apfel jüngst in einer Parlamentsrede wieder eindrucksvoll bewiesen hat.

Sie ist eine völkische Partei, das Individuum steht nicht ganz oben, sondern das Volk. Der Mensch definiert sich nicht über seine eigene Person, sondern über sein Deutschsein, meint die NPD. Damit missachtet sie Artikel 1 des Grundgesetzes. Diese Positionen sind nicht verhandelbar, genauso wenig wie man mit Islamisten über Einschränkungen bei der Gleichberechtigung von Frauen verhandeln darf.

Eine Alternative zu der gegenwärtigen Ordnung anzustreben, halte ich für absolut legitim, das kann jeder halten wie er will. Aber die Ordnung aggressiv zu bekämpfen, gegen Menschen zu hetzen und damit Gewalttaten Vorschub zu leisten, das geht nicht. Und wenn man dann noch die Ungleichwertigkeit von Menschen propagiert, gibt es sowieso keine gemeinsame Basis mehr.

NPD

Nochmal konkret: NPD-Verbot ja oder nein?

Ich war bislang gegen ein NPD-Verbot, da ich eine politische Bekämpfung der NPD für sinnvoller erachtet hatte. Ich habe meine Meinung in den vergangenen Monaten dazu geändert: Es findet keine weiterführende politische Auseinandersetzung mit den GRÜNDEN für den Neonazismus in Deutschland statt, die NPD gilt den anderen Parteien als das Böse, gegen das man bequem wettern kann. Daher könnte ein Verbot die inhaltliche Auseinandersetzung möglicherweise fördern.

Außerdem muss die NPD weg von den Futtertöpfen, sie zieht sich das Geld aus dem System, das sie bekämpft und abwickeln will. Sie erhält hunderttausende Euro aus Steuermitteln für ihre Landtagsfraktionen, dort arbeiten teilweise verurteilte Gewalttäter als Vollzeitkräfte im Beruf Neonazi. Die rechtsextreme Bewegung in Deutschland wäre ohne dieses Geld erst einmal gelähmt.

Man kann durch ein Parteienverbot in den Köpfen der ideologisch gefestigten Kader natürlich nichts ändern - aber das kann man ohne Parteienverbot auch nicht. Aber man kann durch ein NPD-Verbot verhindern, dass diese ideologisch völlig verblendeten Personen ihre Hetze weiter verbreiten.

NPD

Für wie gefährlich für das demokratische System unserer Nation halten Sie Parteien wie die NPD? Was würden Sie den Lesern im Umgang mit diesen Vereinigungen raten?

Ich denke nicht, dass die NPD ernsthaft eine Chance hat, das System abzuwickeln, so wie sie es gerne möchte. Allerdings ist der gewalttätige Neonazismus eine Gefahr für Menschen, die zur falschen Zeit am falschen Ort sind, oder die vielleicht die falsche Hautfarbe oder die falsche politische Einstellung haben.

Jeden Tag gab es in Deutschland im vergangenen Jahr drei Gewalttaten von Rechtsextremisten. Viele Beobachter und Opferberatungen zählen noch weit mehr Fälle. Das heißt, im vergangenen Jahr wurden in Deutschland mehrere hundert Menschen von rechtsextremen Schlägern verletzt, seit 1990 gibt es mehr als 100 Tote durch rechte Gewalt in Deutschland. Das ist eine Gefahr, die vollkommen unterschätzt wird. Weil die Opfer keine Lobby haben. Es kann einfach nicht sein, das ganze Dörfer für schwarze Menschen zu No-go-Areas werden.

Dagegen sollte man vorgehen - und dazu gehört der Kampf gegen die NPD, weil sie dem gewalttätigen Rechtsextremismus unterstützt: Durch die Integration in die Partei sowie durch ihre Propaganda und Hetze.

Nennen Sie drei Tatsachen, die jeder über den Streitpunkt NPD wissen sollte.

Erstens: Die NPD grenzt sich selbst aus, da sie die Ungleichwertigkeit von Menschen propagiert.

Zweitens: die NPD ist daher kein Gesprächspartner. Sie auszugrenzen, ist nicht undemokratisch.

Drittens: die NPD ist nicht die Ursache des Rechtsextremismus in Deutschland, sondern ein Symptom.

Bildmaterial: Homepage NPD


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Kommentare
Anzahl der Kommentare: 22
lalala
Freitag, 18.05.07 15:49
 

cool. werde ich mir bookmarken. eine weitere gute quelle ist das infomaterial der partei selber, zu bestellen etwa über http://www.npd.de. ich hab mir mal das "große infopaket" kommen lassen (etwa ein halbes kilo zeug). ist gratis, allerdings weiß die npd jetzt wo ich wohne.

fuenf
Freitag, 18.05.07 16:17
 

Auch beim nur kurzen Überfliegen der Seite, fiel mir auf, wie viel Mühe sich Herr Gensing mit ihr gemacht. Für Interessierte sehr zu empfehlen!

fuenf
Freitag, 18.05.07 18:03
 

@Redaktion:
Vielleicht noch die Überschrift korrigieren? (Positionen)

redaktion fudder
Freitag, 18.05.07 18:13
 

@ fuenf

yep

jörn
Freitag, 18.05.07 19:41
 

Die Sache mit dem Türkei Beitritt macht die NPD richtig sympatisch

lobo
Freitag, 18.05.07 20:43
 

"Ich kann das Handeln und die Motivation fast aller Menschen zumindest ansatzweise verstehen. Dieses Verständnis fehlt mir bei Neonazis komplett."

Mehr ist dazu wirklich nicht zu sagen. Guter Mann!

Fluffi
Freitag, 18.05.07 21:22
 

braun is einfach nich meine Farbe ...

roman
Freitag, 18.05.07 22:53
 

*edit* Ich würde am liebsten jeden einzeln besuchen und seinen Kopf mit meinem Schlagtstock massieren. Ich finde es eine Frechheit das Fudder den Nazis hier noch eine Plattform gibt. Ich bin sehr enttäuscht.

fuenf
Freitag, 18.05.07 23:37
 

@roman:
Ähm, fudder bietet der NPD eben gerade keine Plattform. Lesen hilft. Deine Parolen weniger.

Jörn
Samstag, 19.05.07 11:38
 

Als ob sich jeder Nazi von nem kleinen Freiheitskämpfer namens "Roman" mit nem Schlagstock massieren lassen würde.

Will ich sehen

marc (fudder)
Samstag, 19.05.07 11:55
 

Bevor das hier ausartet: Mit Hinweis auf unsere Netiquette nochmal die Anmerkung eure Beiträge vorher zu überdenken. Verstöße werden editiert. Gracias.

Joern
Samstag, 19.05.07 12:31
 

Zitat: *edit*

Ist das etwa kein Verstoss?????

JustPunk
Samstag, 19.05.07 13:27
 

Schön das Joern die Menschenrechte der Faschisten so ernst nimmt.

Alex
Samstag, 19.05.07 17:53
 

@just punk: "joern" glaubt wahrscheinlich auch noch wir haben das jahr 1944. so ein dämlicher kommentar!

lalala
Samstag, 19.05.07 18:30
 

jörn hat recht. daß ich das mal sagen würde. fühle mich schmutzig etc., aber er hat recht. warum nicht *edit*? schließlich sind wir alle demokraten, und demokratie bedeutet, daß leute mit ekelhaften meinungen freiwild sind. richtig?

@ alex

1944 war nazis sprengen quasi europäische breitensportart mit ziemlich hoher beteiligung.

naja
Samstag, 19.05.07 20:50
 

nich breitensport genug wuerde ich mal sagen. ich meine nicht sprengen sondern die verfolgung der verbrechen und die aufklaerung derer.

auch faschisten gehoeren weder vergast noch in die luft gesprengt. sind schliesslich auch menschen.

JustPunk
Montag, 21.05.07 19:55
 

Seid mal lieber froh dass es diese Sportart damals gab und dass die Beteiligung so gut war.
Mal provokant gefragt... darf man diese Sportart erst wieder betreiben, wenn sie den nächsten Weltkrieg vom Zaun brechen?

"Naja" hat völlig recht. Gerade im Westen wurde viel zu wenig getan um die NS Zeit aufzuklären...
Allerdings muss man sich eins vor Augen halten: Wenn 1945 jeder Deutsche gekriegt hätte was er verdient hat... Das Land wäre leer gewesen.

Ich seh das so.... Ich bin nicht unbedingt dafür Nazis zu verklopfen... aber wenns einer macht, halt ich ihn nicht auf. Ich spar mir mein Mitleid doch lieber für Menschen auf dies verdient haben.

Johann
Montag, 21.05.07 20:04
 

Da Roman ein paar Posts weiter oben anscheinend "Rechte gehören *edit* schreiben darf ohne zensiert zu werden, nehme ich mir mein demokratisches Recht und sage:

"Linke gehören *edit*

fudder-redaktion
Montag, 21.05.07 20:43
 

@Johann: Wir haben die entsprechende Passage editiert - bei dir und bei dem User, auf den du dich bezogen hast

Thor
Sonntag, 11.11.07 22:03
 

am besten du besuchst mich mal @roman, dann kannste bei mir anfangen ....ich liebe massagen

kus
Samstag, 06.09.08 17:06
 

Markus Huendgen, Video-Journalist von "Der Westen" (WAZ), überträgt heute mit seinem Handy eine NPD-Demo in Dortmund. Aufzeichnungen des Streams gibt's bei Qik

--> Das Blog von Markus Huendgen

Micha Schm
Sonntag, 26.04.09 13:23
 

Zum Thema NPD Blog sage ich nur eins. Eine feine Sache, wenn da nicht die leidige Geschichte wäre, dass Patrick G. diesen Blog leider auch zum Internet-Mobbing gegen völlig harmlose Leute nutzt, die weder rechtsextrem sind noch der NPD angehören. Damit wird der Blog Unglaubwürdig. Schade!

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