Jetzt, wo der Frühling endgültig aus allen Nähten bricht, die Allergiker rote Nasen bekommen und sich die an menschlichen Körpern befindliche Textilmenge zusehends halbiert, kommen sie wieder in all ihren Ab- und Unterarten aus den Kellern und Verschlägen heraus: Die Radfahrer. Eine Typolodie über die größten Rowdies, Hindernisse und Blickfänge des Verkehrs in einer Studentenstadt.

Der Fahrrad-Kurier existiert wirklich! Entgegen vielen Vermutungen, er sei nur eine urbane Legende wie der Yeti oder das Krokodil im Abwasserkanal, ist er wirklich manchmal wahrzunehmen. In diesen Genuss kommen allerdings nur die Kunden, in deren Büro er ein vorsichtig verpacktes Poststück aus seinem unförmigen Rucksack hervorwült. Die Erinnerung, die an ihn bleibt, ist jedoch nur von olfaktorischer Natur; Gerüche, die durch die durchgeschwitzten Leggings mit Ledersackschutz dringen. Dann steigt dieser Jan Ullrich ohne medizinische Kontakte nach Spanien bei jedem Wetter wieder auf sein auf NASA-Technologie basierendes Kohlefaser-Titan-Rennrad mit dem viel zu kleinen Vorderrad und düst zu seinem nächsten Auftrag. Dabei erreicht er Geschwindigkeiten, die es dem menschlichen Auge fast unmöglich machen, seinen Wegen zu Folgen. Und da er schon lange durch die Straßen der Stadt fährt, kennt er jede unebene Stelle an jedem PKW-Modell, wo er sich festhalten und ziehen lassen kann. Außerdem benutzt er verschlungene Abkürzungen, die in keinem Falk-Plan zu finden sind.
Der Jungakademiker ist daran zu erkennen, dass er stets mit einem sein Humankapital schützendem Helm und Nickelbrille bestückt zum Institutsviertel oder Flughafen unterwegs ist. Sein in dezenten dunklen Tönen gehaltenes Rad enthält dabei die neuesten Erkenntnisse der Sicherheitsforschungen der ADFC-Abteilung des Max-Planck-Instituts: Halogenstrahler, die auch drei Tage nach dem Abstellen des Rades noch leuchten, die roten Nabenscheibenbremsen eines Schuffenhausener Automobilherstellers und, ganz wichtig, das mehrkörbige Gepäckträgerset, auf und in dem er seine Aktentasche samt Laptop und Stullenbüchse sicher verstauen und anschnallen kann. Dieses Rad war die erste Anschaffung, die er sich von dem halben BAT II-Gehalt des ersten Jahres vom Munde abgespart hat, um seine gehobene gesellschaftliche Stellung als Doktorand dezent zu repräsentieren.

ich fahre sehr gerne im String-Schatten.
Es fehlt das Hollandrad mit dem Fahrradkorb am Lenker und vor allem den zierenden Sonnenblumen. Die Studentin oder Schülerin, die dieses Rad fährt muss oft aufpassen, das sie sich nicht mit ihren langen Röcken beim fahren oder absteigen verheddert und fährt eher gemütlich um lächelnd ihre Umwelt und Mitmenschen wahrzunehmen.
netter bericht
aber
"Leggings mit Ledersackschutz"? zu meiner perVelo Zeit hatte so etwas niemand
grandios... zum Abschluß eines beschissenen Bürotages noch mal ein Highlight...
Wenn ein Modell "Knackarsch" an mir vorbei fährt kann es vorkommen dass mir mal die Hand ausrutscht. Bisher waren die Frauen darüber sehr entzückt. Aber was solls, bin ja auch ich.
Und weil es wichtig ist:
Petition zur Abschaffung der Benutzungspflicht von Radwegen. Es gibt schon viele Unterschriften, muessen noch mehr werden. Also mitmachen:
http://www.radwege-petition.de/
Es fehlt auch noch der Samstagsshoppper:
Akademiker, Anfang 50, gut, wenn auch recht konservativ gekleidet schiebt sein Rad über den gerammelt vollen Platz am Münster in aller Seelenruhe durch die Menge. Den Bastkorb auf dem Gepäcksträger mit edlem Obst und Gemüse unter Verbrauch eines studentischen Monatsbudgets füllend, diskutiert er gerne ausgiebig mit dem jeweiligen Bauern über die Lage der Landwirtschaft und stört sich nicht im geringsten daran, dass er gerade den (ohnehin fast kaum möglichen) Verkehr blockiert.
@ jörn: ja genau, und wenn so ein Modell wie Du an mir vorbei fährt, kann es durchaus auch passieren, dass mir die Hand ausrutscht...
Du hast ja wohl echt den Schuß nicht gehört, Junge...
Macht doch mal eine Taxifahrer-Typologie, das ist einfacher, es gibt nämlich nur zwei in Freiburg.
Taxifahrer, die Fahrradfahrern grundsätzlich die Vorfahrt nehmen, weil sie ihnen keine 20km/h und aufwärts zutrauen.
Taxifahrer, die Fahrradfahrern grundsätzlich die Vorfahrt nehmen, weil sie glauben, dass es reicht, noch mal schnell aufs Gas zu drücken, um schneller zu sein, besonders bei Überholmanövern in der engen Herrenstraße, wo Schritt-Tempo wegen Fußgängerzone ja nur für Normalsterbliche gilt und nicht für die Elfenbein-Götter.
Freiburg radfrei! Jetzt!
Ich fahre in Freiburg absichtlich mit Licht und funktionierenden Bremsen.
Man muss sich ja irgendwie von dem gemeinen Freiburger Fahrradfahrer absetzen.
Denn sie sind nicht gerade eine Gruppe der man zugehoeren moechte. :(