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Kamera läuft

Im Innenministerium von Baden-Württemberg plant man eine Novelle des Polizeigesetzes. Ab diesem Sommer soll es der Polizei erlaubt sein, sich bei Terrorismusverdacht auf private Kameras hochzuschalten, um selbst ernannte Brennpunkte zu überwachen. fudder hat in Freiburg nachgeschaut, wie das in der Praxis aussehen könnte.

VAG Kameras Munzingerstraße

"Und jetzt bringe ich mal die Johanneskirche auf den Bildschirm", sagt Heinz Gutgsell. Er steuert die Kamera mit einem Joystick, dreht sie und zoomt auf die Position 02. „Da, die Johanneskirche.“ Er dreht weiter und die Kreuzung von Basler Landstraße und Günterstalstraße erscheint im Monitor. Man sieht eine Straßenbahn und ein Auto, das die Schienen blockiert.

Gutgsell zoomt hin und her, bis er den Bildausschnitt hat, der ihn interessiert. Den schaut er sich an, etwa zehn Sekunden. Dann nickt er und erteilt einem anderen über ein Mikrofon eine Information.

VAG Kontrollzentrum

Wir sind hier nicht beim Bundesnachrichtendienst, sondern im Zentrum der Freiburger Verkehrs AG an der Munzingerstraße. Herr Gutgsell ist kein Spitzel, sondern der 46jährige Verkehrsmeister der VAG, in einer Jeans mit Honda-Gürtelschnalle. Gutgsell hat die Aufgabe, den Verkehr der VAG-Fahrzeuge zu überwachen und zu koordinieren.

Das macht er mit Hilfe von 35 Kameras, deren Aufzeichnungen er über ein Mischpult auf seine 12 Monitore spielen kann. Zum Beispiel, ein Knopfdruck genügt, den Maria-von-Rudloff-Platz im Rieselfeld. „Sehen Sie, ein Jugendtreff zwischen den Schienen“, kommentiert VAG-Pressesprecher Andreas Hildebrandt seinen Live-Eindruck.

Kamera

„Wenn man sich das dauernd anschauen würde, könnte man verrückt werden“, sagt Gutgsell. Sein Job ist notwendig und sein Handwerkszeug legitim, sofern die Bilder der Kameras, wie behauptet, nicht aufgezeichnet werden. Allerdings kann man der VAG vorhalten, die sechs mal 16 Zentimeter kleinen Aufkleberchen mit dem Hinweis der Haltestellenobservierung bewusst unmerklich gehalten zu haben. Immerhin sieht die VAG bislang noch keinen Bedarf, ihre Busse und Bahnen „zum Schutze der Kunden“ mit Kameras aufzurüsten. Im Karlsruher Nahverkehr gehören sie seit Oktober zum Fahrgastalltag.

Um einiges beunruhigender ist in diesem Zusammenhang jedoch das, was man gerade im Innenministerium von Baden-Württemberg plant. Innenminister Heribert Rech (CDU) will das Polizeigesetz ändern. In Zukunft soll die Polizei die Möglichkeit haben, bei „entsprechenden Gefährdungslagen“ die Videoüberwachung auch über Kameras von Privatpersonen durchzuführen. Zu diesem Zwecke will man der Polizei ermöglichen, sich in bereits bestehende Überwachungskameras aufzuschalten. Hauptargument aus Stuttgart: Terrorismusverdacht.

Der Gesetzesentwurf wird gerade im Innenministerium diskutiert und mit dem Justizministerium abgestimmt. „Die Novelle soll bis Mitte des Jahres in Kraft treten“, so Günter Loos, Pressesprecher des Innenministeriums.

Kamera

Die geplante Gesetzesnovelle darf man ruhig mit Skepsis betrachten; weil Begriffe wie „terroristische Bedrohungslagen“ schwammig und dehnbar sind; weil sie von Politikern als Freibrief für eine Generalüberwachung missbraucht werden könnten.

Eine Überwachung, die ins Leere läuft. Denn die Annahme, man könne durch Videoüberwachung terroristische Anschläge verhindern, ist ein Fehlschluss. Vielleicht lassen sich Handtaschenräuber von Kameras abschrecken, aber Sprengstoffattentäter? Festzustellen bleibt außerdem, dass weder die geltende Regelung im Polizeigesetz noch deren geplante Novelle irgend etwas mit Terrorismus zu tun hat, außer dass natürlich auch Terroristen potentielle Straftäter sind.

Kamera

„Solange wir nur dumme Kameras haben, werden wir sicherlich keine terroristisch motivierten Straftaten verhindern können“, sagt Peter Zimmermann, der Landesbeauftragte für Datenschutz. Dumm in dem Sinn, dass sie nicht erkennen, wer da an der Kamera vorbeigeht. Daran könnte sich bald etwas ändern. Es läuft gerade ein Versuch im Mainzer Hauptbahnhof, bei dem Techniker das personengerechte Erkennungsvermögen von Kameras erproben.

Diese Kameras sollen in der Lage sein, anhand gespeicherter, biometrischer Daten Personenprofile abzugleichen. Verkürzt gesagt: Wenn ein Tatverdächtiger die schlaue Kamera passiert, kann sie das dem Überwacher signalisieren. „Sobald man dieses System fehlerfrei vorliegen hat, dann mag auch Videoüberwachung zur Verhinderung von terroristischen Anschlägen beitragen“, so Zimmermann.

Kamera

Er betont, dass er als Datenschützer die Videoüberwachung nicht generell ablehne. Entscheidend sei die Begründung und die Ausrichtung der Kamera. Zum Beispiel 2003, als es im Westbad und im Haslacher Bad in Freiburg zu einer Reihe von Spindaufbrüchen kam. „Als die Videokameras montiert werden sollten, musste klar sein, dass sie nur die Spinde aufzeichnen und nicht den gesamten Umziehbereich.“

Ob sich der Bürger ab diesem Sommer über eine solche Rücksichtnahme freuen darf, ist nicht abzusehen. Tatsache ist es, dass die Polizei im Dezember eine gründliche Bestandsaufnahme vorgenommen hat; eine landesweite Auflistung all jener privater Videokameras, die Veranstaltungsräume mit hoher Personenkapazität (5000 Menschen und mehr) observieren, außerdem Kameras über Verkehrsknotenpunkten, Bahnhöfen oder anderen „möglichen Anschlagsobjekten“.

Die Kommission registrierte in Baden-Württemberg etwa 4000 Kameras, wohlgemerkt mit dem Hintergedanken, sich des Sichtfelds dieser Geräte ab diesem Sommer zu bemächtigen. Terrorverdacht als Generalargument für die totale Beobachtung.

Kamera

Wie sie zum Beispiel im Freiburger Dreisamstadion stattfindet. Alle Zuschauerbereiche werden dort von schwenkbaren Kameras eingesehen, sogar der Vorplatz an der Schwarzwaldstraße. Diese Filmerei ist das Recht des Hausherrn. Es lohnt sich, mal den Kopf in die Luft zu strecken. Nicht nur im Stadion. Auch vor der Burgerbraterei im so genannten Bermudadreieck, auf dem Rathausplatz (Webcam!), im Hauptbahnhof sowieso. Wer beginnt, sich unwohl zu fühlen, muss nicht unbedingt Paranoiker sein.

So ist es ein schwacher Trost, dass die Polizei in Freiburg derzeit keinen „Kriminalitätsbrennpunkt“ registriert. Den dürfte sie nämlich auch ohne Gesetzesnovelle rund um die Uhr überwachen. Eine „überdurchschnittliche Häufung von Delikten“ legitimiert das staatliche Begucktwerden auch an Punkten im öffentlichen Raum, wie es etwa heute in Mannheim praktiziert wird.

Dort macht die Polizei von ihrem Recht Gebrauch. Darf sie doch die Treffpunkte von Straftätern (Polizeigesetz BaWü, § 26 I Nr. 2) dauerhaft beobachten, sowie die meisten sonstigen öffentlichen Objekte, wenn dort eine konkrete Gefahr von Straftaten besteht (§ 26 I Nr. 3). Legitim ist darüber hinaus die mobile Videoüberwachung, wie sie heuer erstmals während der Villinger Fasnet eingesetzt wurde.

Kamera

Angesichts all jener mehr oder minder vesteckten Augen, die auf jeden von uns gerichtet sind, sobald wir das Haus verlassen - braucht es da wirklich eine weitere Ausweitung der Polizeikompetenz?

Wir wollten uns über die Kamerathematik auch mit dem Leiter des Freiburger Hauptbahnhofs, Wolf-Dieter Sutter, unterhalten. Seine  formale Abschmetterung liest sich wiefolgt: "Wir bitten Sie um Verständnis, dass wir aufgrund unserer Sicherheitsdisposition keine Informationen über dieses Thema geben können."
               




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Kommentare
Anzahl der Kommentare: 40
anne-julie
Freitag, 23.03.07 11:15
 

mannomann, ich hab solche Warnaufkleber echt noch nie gesehen. bisher habe ich diese ganze überwachungs-arie immer recht humorvoll genommen, aber solangsam nimmt das ja ausmaße an.... neee neee

ps - was bedeutet mein anti-spam-wort "bayeux" ?

Andrés
Freitag, 23.03.07 11:20
 

nicht zu vergessen die kaum sichtbaren minikameras, die den verkehr auf der granda-, lemberg- und mooswaldallee filmen. von wem auch immer.

mit dem schreckgespenst terrorismus wird heutzutage versucht einfach alles zu rechtfertigen. ob sinnvoll oder nicht. das ist teilweise ganz schön lächerlich.

o
Freitag, 23.03.07 11:23
 

And every move that I make
Gets recorded to tape
So somebody up there
Can keep me safe

I'm going out tonight
I've got my hair just right
I'm always looking good
For the spotlight

Stick 'em up
Give me the money
A winning smile
Up to the gallery
I'm gonna get my face on the 6 'o' clock news

We're the stars of CCTV
Making movies out on the street
We're the stars of CCTV
Can't you see the camera loves me?

On every corner, every street
Down every underpass you'll see
Somebody's stealing the show
Somebody looking like me

I'll see you out tonight
Just got the pose just right
We're always looking good
For the spotlight

We turn it on
And so we're full of speed
We fill the screen
Can't help but notice me
I'm gonna get my face on the 6 'o' clock news

We're the stars of CCTV
Making movies out on the street
Flashing blue lights, camera, action
Watching my life, main attraction
We're the stars of CCTV
Can't you see the camera loves me?

We're the stars of CCTV
Making movies out on the street
Flashing blue lights, camera, action
Watching my life, main attraction
We're the stars of CCTV
Can't you see the camera loves me?

Hard-Fi "Stars of CCTV"

lalala
Freitag, 23.03.07 11:26
 

weiß gar nicht, was du hast, überwachung funktioniert doch. wann hatten wir den letzten anschlag an einer überwachten haltestelle? also.

Leuchtturm
Freitag, 23.03.07 11:27
 

@anne-julie: Bayeux ist eine französische Stadt - bekannt vorallem durch den Teppich: http://de.wikipedia.org/wiki/Teppich_von_Bayeux

Und zum Thema:
Orwell war ein Optimist.

cms
Freitag, 23.03.07 11:48
 

@ david: Hoch interessanter Artikel! Er macht meiner Ansicht nach überdeutlich, was passiert, wenn sich Angst und Dummheit in den Chefetagen der Sicherheitskräfte mischt. Welcher Terrorist ist denn wirklich so doof, sich nicht vorher zu informieren, wo die Kameras stehen? Noch viel interessanter wäre natürlich zu wissen, wie die Leute auf die Idee kommen, dass irgendein Terrorist in Freiburg was wegsprengen will? Die kennen das doch gar nicht. Und wenn sie's kennen, kommen sie zum Urlaub machen.

*edit*
Freitag, 23.03.07 11:54
 

Wie lang darf der Username hier eigentlich sein? Gleich mal ausprobieren, also net über den Usernamen wundern...! :)

@ lalalalalalalala:

"weiß gar nicht, was du hast, überwachung funktioniert doch. wann hatten wir den letzten anschlag an einer überwachten haltestelle? also."

Hab ich was verpasst oder gab es vor Einführung massiver Überwachung Anschläge auf Freiburger Haltestellen? Meinst Du so richtig, mit mehreren voll besetzten Passagiermaschinen, die in ein Haltestellenhäuschen krachen, oder wie muss man sich das vorstellen? ;)

anne-julie
Freitag, 23.03.07 11:55
 

@cms

und vorher wären zumindest Berlin und Frankfurt noch dran. Genug Zeit, um noch was zu tun.

@leuchtturm

hui, danke. ich glaub, da war ich sogar schon mal in der Nähe. Asche auf mein Haupt.

*edit*
Freitag, 23.03.07 11:56
 

*edit*

Hm, schade. Dann muss ich mir einen anderen ausdenken oder den alten beibehalten. :)

Warum wird bei Verwendung eines Zoll-Zeichens als Anführungszeichen-Ersatz im Usernamen automatisiert ein Backslash (\) generiert?

lalala
Freitag, 23.03.07 12:06
 

@edit

was war denn der alte username?

ansonsten: sarkasmus.

dao
Freitag, 23.03.07 12:08
 

Das ist ja schrecklich. Big Brother is watchin´ you!

Der Pendler
Freitag, 23.03.07 12:20
 

@*Edit* Weil er die Zeichen für die Datenbank escaped. Natürlich kann man die wieder automatisch beim anzeigen rauslöschen ;). *Programmierer den hint geb*
Typo3 halt :D

@Thema:
Dieses ganze Überwachungsthema ist doch schon seit Jahren das selbe und es ist immer der selbe Grund. "Wir wollen nur schützen".
Diese Hightech Kameras mit Gesichtserkennung sind dann der nächste Schritt in sachen gläserner Mensch.
Wer sich durchleuchten lassen will, soll sich nen RFID einpflanzen lassen, aber diese Kamerakakke, was soll denn das.
Dadurch wird, wenn überhaupt nur wenig verhindert. Man kann ja nicht überall gleichzeitig hinschauen und die Auflösung von den Kameras wird auch nicht so hochauflösend sein, dass ich von einem größen Platz aus der totalen bis in die Gesichter der Personen reinzoomen kann.

Gutes Beispiel: In einer Tiefgarage in Freiburg (mit Kameraüberwachung) wurde ein Auto zerkratzt. Sie suchen den Täter, aber nicht mit den Videokameras, sondern mit Ausgehängten Handzetteln.

Soviel zum Thema "Kameras verhindern Straftaten"

Der Pendler
Freitag, 23.03.07 12:22
 

Ich Meinte natürlich:
..."Kameras wird auch nicht so hochauflösend sein, dass ich in einer Aufzeichnun von einem großen Platz aus der totalen bis in die Gesichter der Personen reinzoomen kann (Digitalzoom)."

Sophrolaeliocattleya
Freitag, 23.03.07 12:22
 

Komisch, fast jeden stört es! aber dadurch allein ändert sich halt auch nichts.

o
Freitag, 23.03.07 12:25
 

was machst du denn dagegen?oder stört es dich gar nicht?

Sophrolaeliocattleya
Freitag, 23.03.07 12:29
 

Natürlich finde ich das nicht toll, aber bei der Masse an Bürgern die dagegen ist, müsste es eigentlich ein leichtes sein, sowas zu verhindern, komischerweise ist dem aber nicht so.

Andrés
Freitag, 23.03.07 12:39
 

"bei der Masse an Bürgern die dagegen ist, müsste es eigentlich ein leichtes sein, sowas zu verhindern, komischerweise ist dem aber nicht so"

nun das ist halt ein grundlegendes problem in unserer bundesdeutschen repräsentativen demokratie. die kaste der berufspolitiker macht halt meistens, was sie will und nicht was die wähler wollen. das kann das richtige oder das falsche sein. darüber kann man streiten. darüber wurde doch kürzlich schon mal in einem anderenthread diskutiert.

o
Freitag, 23.03.07 12:41
 

ein leichtes?stimmt.leicht war es ja auch den biometrischen pass zu verhindern.wo doch so viele leute dagegen waren.ein bisschen naiv,findeste nicht?

Sophrolaeliocattleya
Freitag, 23.03.07 12:48
 

Ich hatte mal einen Lehrer, der hat gesagt, wenn euch etwas in der Politik stört, wenn ihr damit nicht zufrieden seid und wenn ihr etwas ändern wollt, werdet selbst aktiv, ich seh z.b.jeden Montag seit über! 2 Jahren eine HANDVOLL Leute, die gegen Hartz 4 und andere soziale Ungerechtigkeiten demonstriert, warum sind das so wenige und was würde passieren, wenn es 10 000 wären.

lalala
Freitag, 23.03.07 12:55
 

mit dem technischen harmlosigkeitsargument wäre ich vorsichtig. die software wird langsam aber sicher richtig gut, man sollte sich da keinen illusionen hingeben. sie arbeiten daran, algorithmen zu entwickeln, die leute am gang zu erkennen, also auch von hinten oder mit maske. eigentlich faszinierend.

zum thema noch, wenn die überwachung tatsächlich kriminalität reduziert - und nicht nur verlagert - oder die aufklärung erleichtert wäre ich dafür, solange die privatsphäre und die unverletzlichkeit der wohnung gewahrt bleibt. "gläserner mensch" alleine ist kein gegenargument, ich würde gerne wissen, was für beeinträchtigungen ihr von eurer verglasung konkret befürchtet.

Andrés
Freitag, 23.03.07 13:20
 

"wenn die überwachung tatsächlich kriminalität reduziert - und nicht verlagert - oder die aufklärung erleichtert "
das ist quasi das gute alte wer-nix-zu-verbergen-hat-der-brauch-auch-kein-angst-haben argument.
wenn man das so sieht kann man auch von jedem, der sich in der brd oder eu aufhält einen genetischen fingerabdruck nehmen, damit könnte dann jedes verbrechen aufgeklärt werden, bei dem spuren hinterlassen werden. für die fälle, bei denen es keine spuren gibt bekommt jeder einen rfid chip eingepflanzt, da könnt man bei bekanntwerden eines verbrechens auch gleich anhand der gespeicherten chipsignaturen abfragen wer um die fraglich zeit vor ort war. damit wär dann ein grossteil allerverbrechen aufklärbar.
aber wollen wir, willst du lalala das denn?

der nächste schritt ist dann verbrechen verhindern bevor sie geschene, so wie im minority report. auch das ist keine fiktion mehr. scotland yard lässt aktuell experimente in diese richtung laufen.
http://www.heise.de/newsticker/meldung/81606

Kapöllmeista
Freitag, 23.03.07 13:38
 

Dass die Aufklärungsrate von kriminellen Delikten aller Art in einem Polizei-/überwachungsstaat deutlich höher ist als in einem Rechtsstaat, der Freiheit und Würde garantieren soll, wer würde das ernsthaft bestreiten? Schäuble, Beckstein und Co argumentieren leider genau in Richtung Polizeistaat, möglicherweise, ohne es zu merken. Bedenkt man, dass das Ende der Fahnenstange in punkto technischer Fortschritt in unendlicher Ferne liegt, wird einem Angst und Bange. Die Argumente FüR den Einsatz noch zu erfindender Technik werden schon heute geliefert.

Die Debatte ist ein Beleg dafür, wie schleichend und anscheinend unabwendbar eine Gesellschaftsform im Entstehen ist, die EIGENTLICH niemand will. Hatten wir so etwas nicht schon mal im letzten Jahrhundert? Plötzlich werden Dinge diskutiert, die Jahre zuvor noch indiskutabel waren.

Nicht nur die Tatsache, sondern allein schon das inzwischen immerwährende GEFüHL, überwacht werden zu können, hat mit Freiheit und Würde, wie ich sie mir vorstelle, nichts zu tun. Was früher noch als paranoid abgetan wurde, ist heute Realität. Einen Ausweis mit biometrischem Foto wird es von mir nie geben. Niemals! Wie ein Stück Vieh vermessen zu werden, verstößt gegen die Menschenwürde.

Die Innenminister von Bund und Ländern sollten sich mal Gedanken machen, ob sie mit ihren fragwürdigen Mitteln, uns vor Terroristen zu schützen, nicht neue erzeugen. Dann hätten wir in 30-50 Jahren wieder eine Art Klar/Mohnhaupt-Debatte.

*edit*
Freitag, 23.03.07 13:40
 

Au ja, dann bin ich ab heute der "*edit*". "*edit*" ist eine gute Idee, das schreibt sich schön schnell. :)

Ich hoffe, ich erinnere Euch damit nicht allzu sehr und nicht allzu regelmäßig an Euer exzessives Zensurverhalten. :)

Andrés
Freitag, 23.03.07 13:40
 

@sophrolaeliocattleya: das hats bei uns in der schule auch immer geheissen.
aber wenn mans mal realistsicht sieht ist es so: du musst in eine partei eintreten (eine neue gründen ist unrealsitisch) und dich dann gaaaanz langsam hocharbeiten. jahrelanges ärschelecken über einen mini posten zum nächst höheren. und nach vielen jahren bist du vielleicht soweit, dass du als kandidat für den bundestag aufgestellt wirst. aber bis dahin bist du zwangsläufig so geworden, wie alle anderen politiker auch sind - ein berufspolitiker eben.ein mensch des systems vom system gemacht.
und selbst wenn nicht, als einer der anders ist und im bundestag allein ist, kannst du auch nix ändern.
ich habs gesehen bei einem mitschüler von mir. der ist jetzt mdb. bis der soweit war, auf die landesliste zu kommen.....

lalala
Freitag, 23.03.07 14:29
 

@andres:
ein zentral gespeicherter genetischer fingerabdruck oder verpflichtender rfid chip ist also dasselbe wie eine kamera an der wand eines öffentlichen gebäudes? du würdest nicht sagen, daß das eine ein größerer eingriff in die privatsphäre ist als das andere? körperliche unversehrtheit etc? weiterhin, daß ein unterschied besteht zwischen der speicherung personenbezogener daten und der speicherung ortsbezogener daten?

du würdest weiterhin nicht sagen, daß man von leuten, die durch gewalttätigkeit aufgefallen sind, persönlichkeitsprofile erstellen könnte, um zu entscheiden, ob sie wohl rückfällig werden? das ist nämlich, was in dem heise-artikel beschrieben wird. die leute sollen nicht präventiv wegen mordes verurteilt werden.

ich würde dir ausnahmsweise hier nicht zustimmen. außer bei dem teil über berufspolitiker. ich bin auch in eine partei eingetreten, aber die praxis ist ganz schön desillusionierend. da findet de facto eine knallharte selektion auf ein paar sehr unerfreuliche charaktermerkmale hin statt.

lalala
Freitag, 23.03.07 14:35
 

@kapöllmeista

die aufklärungsrate ist tatsächlich niedriger, da der polizeistaat seinen bürgern keine rechenschaft schuldig ist und so in der regel sündenböcke gesucht werden bzw. gar nicht erst ermittelt wird.

ich bin ja sehr pro liberalität, aber hier sehe ich keine bürgerrechte gefährdet.

der onkel
Freitag, 23.03.07 14:46
 

"Just because you´re paranoid, doesn´t mean they´re not out to get you!"

Hans Dampf
Freitag, 23.03.07 15:17
 

Mir ist es egal, ob ich von einer Kamera gefilmt werde.
Wenn ich die zerstörten und demolierten Haltestellen sehe, die mit meinem Fahrpreis und meinen Steuergelder wieder hergerichtet werden müssen, dann kann ich nur sagen.....Mehr Video Überwachung!!!
Ich hab nichts zu verbergen.....

der onkel
Freitag, 23.03.07 16:39
 

@ hans dampf: jaja, und zwar genau bis zu dem Zeitpunkt, an dem Du wegen einer Verwechslung oder eines Datenfehlers ins Visier der Fahnder gerätst.
Aber Hauptsache, die Haltestellen sind immer schön schnieke, schließlich werden Deine Steuergelder ja nur dafür verwendet, und nicht z.B. für Tornado-Einsätze in Afghanistan oder das Gehalt von Guido Westerwelle oder Johannes B. Kerner...
Heinrich Mann würde sich im Grabe umdrehen, schließlich war "Der Untertan" doch mal Schullektüre an deutschen Schulen, oder nicht?

Aua-aua

Jules
Freitag, 23.03.07 17:31
 

Man hat immer und überall was zu verbergen. Meine Privatsphäre geht den Staat einfach nichts an, ganz einfach.

Andrés
Freitag, 23.03.07 21:29
 

@lalala: nein das ist natürlich nicht das selbe. aber die frage ist immer: was kommt als nächstes. die sicherheits-hardliner gehen ja hier mit der salamitaktik vor sich. alle 10 jahre gibts was neues.
ich kann da kapöllmeista nur zustimmen, es ist ein schleichender prozess der gewöhnung.
einsehbar mag die überwachung von kriminalitätsschwerpunkten sein, doch das sorgt dann wie du ja sagst oft nur für verlagerung. und wenn ich ab und zu mal von einer kamera gefilmt werde ist das noch nicht schlimm.
schaut man aber nach england, sieht man wie es mit der videoüberwachung auch laufen kann. dort gibt es soviele kameras, dass man mit dem cctv problemlos bewegungsprofile erstellen kann. nimmt man noch die vom handy ausgestrahlten signale hinzu kann sich jmd bald nirgendwo mehr "ungesehen" aufhalten. aus den ortsbezogenen daten können dann sehr schnell personenbezogene daten generiert werden. ist ja vielleicht toll, wenn man einen verbrecher jagt, aber was ist wenn wie in den usa die sicherheitsdienste mal durchdrehen (bsp hier die illegale "willkürliche" telefonüberwachung von bürgern zum "schutz" vor terror) und aus irgendwelchen fadenscheinigen gründen anfangen potentiell verdächtige zu observieren? wenn sich dann rausstellt, dass ich kein terrorist bin, passiert mir zwar nix, wahrscheinlich merk ich noch nicht mal was. aber ich will schlichtweg nicht, dass mich der staat permanent beobachtet (oder das finanzamt in mein konto schauen kann). ärgerlich fände ich auch "abfallprodukte" einer überwachung, bsplswse dass ich strafzettel bekomme weil mich eine kamera gefilmt hat, wie ich nachts besoffen in den park gepinkelt habe oder die serviette von meinem döner nicht in den mülleimer sondern auf den boden geworfen habe. irgendwas zu verbergen hat nämlich jeder mal, wie jules schon sagte.
wie man aus der praxis auch weiss, kann es schnell gehen, dass unbescholtene bürger für immer in polizeilichen akten/datenbanken geführt werden nur weil sie einmal kontrolliert gefilmt etc wurden. das hat erst neulich der bayr datenschutzbeauftragte kritisiert. genauso gibt es lt der presse jede menge unbescholtene menschen, die bei der einreise in die usa massive probleme bekommen weil sie aus irgendwelchen gründen in einer antiterrordatenbank vermerkt sind.
das hat jetzt natürlich alles nichts mehr direkt mit ein paar kameras an der haltestelle zu tun. aber diese kameras sind halt teil eines grundsätzlichen problems: wohin führt das noch?

noch ein anderes schönes beispiel aus england: irgendjmd hatte dort mal die idee auf den autobahnen alle 500 m kameras aufzustellen die auch nummernschilder lesen können. mit dem system soll dann JEDE tempoüberschreitung geahndet werden können. ein computer merkt sich nämliches jedes nummernschild und berechnet anhand der vergangenen zeit die geschwindigkeit zwischen jeder kameraaufnahme. ist die geschwindigkeit zu hoch wird sofort das strafmandat verschickt. pretty clever, indeed!

Andrés
Freitag, 23.03.07 22:06
 

@lalala nochmal: dass wir da etwas auseinander liegen liegt glaub ich daran, dass du oben gefragt hast: "ich würde gerne wissen, was für beeinträchtigungen ihr von eurer verglasung konkret befürchtet." unter "verlglasung" verstehe ich nämlich nicht blosse ortsbezogene kameraaufnahmen, sondern personenbezogene daten und diese so komplett wie möglich. da würde dann meinem verständnis nach auch die speicherung von genmaterial dazugehören.
wenn du jetzt das blosse gefilme meinst, wie es momentan praktiziert wird, sehe ich aktuell zumindest noch keine grossen beeinträchtigungen in den bürgerrechten. da hast du schon recht.

so und jetzt ab ins städle! ;-)

Small Brother
Freitag, 23.03.07 23:27
 

Scheinbar sind die auch rumgegangen und haben alle ganz privaten WEBCAMS im Land untersucht, wie man auf Telepolis nachlesen kann, wo auch noch Freiburg drin vor kommt:

http://www.heise.de/tp/r4/artikel/24/24669/1.html

Bilbo 55
Sonntag, 25.03.07 23:34
 

Also mich macht sowas immer wieder agressiv.
Es ist doch einfach nur traurig,was da passiert.
Das Interessante daran ist für mich,was die Politiker damit erreichen wollen,des Terrorschutz läuft anderst...
Ich hoffe dass diese Richtung nicht beibehalten wird,sondern es lieber wieder etwas freier wird.Mein Motto ist:
Kontrolle is doof,freiwillig verantwortlich handeln is gut!

Andrés
Freitag, 30.03.07 10:32
 

kommt alles noch viel

Andrés
Freitag, 30.03.07 10:35
 

huch wo ist der link hin? irgendwas ist kaputt gegangen.....
was hab ich getan??????

also noch mal die adresse ohne link:
http://www.stern.de/computer-technik/computer/:Passagierdaten-Tr %E4ume-gl%E4sernen-Reisenden/[..]

steph
Dienstag, 04.12.07 13:21
 

http://www.youtube.com/watch?v=0x6dx_F6OlU

das macht man wenn man in der bahn dem bahnfahrer auf den geist geht, man gibt ein ordentliches trinkgeld, der bahnfahrer traut sich nicht seine gerührtheit zu zeigen und schaut stur geradeaus ...
ein herliches video ich hoffe der bahnfahrer bekommt es ma zu sehen und falls ja: "entschuldigung das wir in der bahn gesoffen haben, wir kamen straight aus den prüfungen:)"

david
Dienstag, 04.12.07 13:43
 

@ steph

entspannte aktion, danke für den link!

fuenf
Mittwoch, 26.03.08 23:50
 

Hatte ja schonmal jemand gelinkt:
http://www.youtube.com/watch?v=1oeVBjr0fwc

ddd
Freitag, 11.04.08 11:03
 

Das nächste könnte eine Geruchsüberwachung sein. Dann kann man endlich diese Sesselfurzer im Bus und in der Straba bestrafen. Was auch gut wäre für die Datensammlung des Staats ist, dass jeder gegen eine kleine Provision oder einem anderem Vorteil Informationen über seine Mitmenschen sammelt und diese dem BND weitergibt. Und so weiter und so weiter. DDR läßt grüßen!

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