
Irgendwann passiert es, während eines jeden Klee-Gig, und so passierte es auch Mittwochabend im Jazzhaus.
Gerade hatte da noch eine bezaubernde Blondine mit Puppengesicht am Mikro gestanden, zwischen den Strähnen ihrer langen Haare hindurch ins Nirgendwo geschaut, mit den Wimpern geklimpert und
Schnuckeligkeiten ins Micro gehaucht.
Und dann, vielleicht hatte man für eine Sekunde die Augen zugehabt, geblinzelt, das Bier ausgetrunken, zack, plötzlich saß die bezaubernde Blondine, Suzie Kerstgens, mitten auf der Bass-Drum ihres Drummers Daniel Klingen und forderte mit zuckersüßer Stimme und schelmischen Lächeln schnellere Tritte auf die Trommel.
Schneller! Schneller!
Das Ganze fühle sich an, wie 'Harley Davidson' fahren, erklärte sie, nur um im nächsten Moment zu gestehen, dass sie das natürlich noch nie getan habe, aber immerhin mal die Vespa einer Freundin kaputt gemacht .
Willkommen zur
Suzie-Show, dem wunderbar netten Wahn einer jeden guten Klee-Show.
Suzie Kerstgens, Klees Frontfrau, die Frau die Klee ist, sie ist nicht nur Sängerin sondern auch Entertainerin. Oder sowas. Und zwar sowas von.
Suzie wirft
Glitter, sich selbst lasziv auf dem Jazzhaus-Bühnenboden umher, zieht sich behende unter das Podest des Drum-Sets, ext Bier mit einem Tempo, auf das ein jeder Studentenverbindungs-Fux neidisch wäre, posiert als Judith Holofernes und malt mit Taschenlampen Muster in den dunklen Saal, und all' das mit einer Intensität und unaufgesetzten Unschuld, dass einem der Atem weg bleibt und während sie zeitgleich die bezaubernden Songs singt, die sie mit ihrer Band schon seit 3 Alben unter die Menschen bringt.
Suzie Kerstgens, kleines Mädchen, ausgelassener Teenager und ausgewachsene Frau in einer Person raubt einem damit den Atem. Oft, weil man einfach nicht fassen kann, das sich jemand tatsächlich diese
Ausgelassenheit bewahrt hat, und manchmal einfach, weil man nicht mehr aufhören kann zu lachen, weil das was sie sagt und macht und tut einfach nur bescheuert ist.
Und man eigentlich gerne mitmachen würde.

Dank Suzie werden eingie Besucher des Konzerts Teile unserer hübschen kleinen Stadt und diesem feinen Landstrich nun anders sehen: Die Rolltreppen in der Drogerie Müller zum Beispiel, den Titisee und vor allem
Geschenke Hansen am Münsterplatz, deren Souvenir-Angebot einen nicht zu verachtenden Anteil am Gelingen des gestrigen Gigs hatte.
Die Lektion des gestrigen Abends: Jeder Song wird mehr Rock'n'Roll durch eine hölzerne Kuckuck-Pfeife, und eine hübsche Frau wird auch durch einen
Mini-Bollenhut nicht entstellt.
Aber das sind eigentlich alles Äußerlichkeiten, von denen der gestrige Abend natürlich nicht abhing, so wie Klee ohnehin nicht von diesen Spielereien abhängen.
Musikalisch war die Band, trotz diverser Zipperlein und allgemeiner Tour-Krankheit, so gut wie eh und je und der Sound im Jazzhaus passte auch während des gesamten feinen Best-Of-Sets voller Highlights und Herumspringereien.
Überhaupt sind die schönen Pop-Songs der Kölner-Band ja ohnehin schlicht und einfach so gut, dass es schon sehr viel brauchen würde, sie kaputt zu kriegen. Nein, das stimmt nicht, eigentlich bräuchte es nicht viel:
Es müsste sie nur jemand anderes singen als Suzie Kerstgens.

Klee-Konzerte lassen einem eine
klare Wahl: Entweder man liebt Suzie und ihre Sperenzchen danach genau so wie ihre Songs, oder man kann nach einem ersten Klee-Konzert beides nicht mehr ertragen; Entweder man hebt am Ende des Gigs die Arme und 'zeigt seine Sterne' oder eben nicht.
Ein Dazwischen gibt es nicht bei Klee, nur ein
Entweder/Oder, ein Schwarz oder Weiss.
Aber das ist ja nur gut. Denn Grau ist schließlich arg langweilig.
Findet Suzie bestimmt auch.
Und, wie war's?
Nina, Melly, Martin, Natalie & Lydia
Nina, 23: Das war heute ein sehr Freiburg-bezogenes Konzert und sehr unterhaltsam und super lustig.
Melly, 23: Ich wusste gar nicht, dass die Jungs so süß sind!
Martin, 24: Dank Geschenke Hansen hatte das heute einen sehr hohen Unterhaltungswert.
Natalie, 24: Schöne Musik, teils lustig und viele tolle Effekte!
Lydia, 23: Geiler Bassist!
Daniel, 24
Anfangs fand ich's ziemlich langweilig und eintönig, aber am Ende war es toll. Am besten fand ich die Cabaret-Einlagen der Sängerin. Vielleicht sollte sie lieber Theater spielen als singen.
Massimo & Davide
Massimo, 22: Das war das erste Mal, dass ich Klee live gehört habe, und es war super.
Davide, 22: Ich fand' es gut, aber sie haben so viel gesprochen! In Italien spricht man nicht so viel bei Konzerten und ich habe nicht alles verstanden. Aber die Musik war toll.
Ela & Andi
Ela, 26: Es war das erste Mal, dass ich bei Klee war, und ich fand's toll! Ich würde sie auf jeden Fall noch mal angucken.
Andi, 26: Geil! Das war heute ein tolles Erlebnis. Immer, immer wieder!
Pele, 27 und Bassist von Klee
Gut! Schön! Ein Hochgenuß, mit Sahne verziert. Und ich esse gerne Pfannkuchen.
Cpt. Klee, Liane, Sebastian & Ralf
Cpt. Klee, 42: Ich bin mit Sebastian für das Klee-Tour-Tagebuch unterwegs. Das Konzert heute Abend war ein weiteres Konzert meiner Lieblingsband; Ich bin froh, dass Suzie heute nicht so heiser war wie gestern in Konstanz.
Liane, 35: Ich bin extra aus Zürich hierher gekommen. Das sagt schon alles, oder?! Und ich fahr' auch Morgen nach Weinheim.
Sebastian, 21: Ich fand' es sehr geil. Das war heute ein super Publikum, alle waren sehr angenehm und sind gut mitgegangen. Heute war es mal wieder spitzenmäßig und alles hat durchweg gepasst.
Ralf, 36: Das war mein 154. Klee-Konzert. Jedes Konzert ist toll und einzigartig. Das war heute nicht der absolute Höhepunkt, das sind von so vielen Konzerten vielleicht gerade einmal fünf, aber es war schon sehr schön.
