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Armee der Bäuerlemacher

Die Generation Praktikum praktiziert sich zu Tode. Jetzt gibt es sogar schon Angebote, in denen Jugendliche die Herausforderung des Elterndaseins eine Woche lang testen können.

drogenkind Luigi schreit. Er hat Hunger oder will gewogen werden. Genau weiß Eva das nicht. Schließlich ist die 15-jährige Schülerin erst seit zwei Tagen Mutter. Viel Zeit, sich an Luigi zu gewöhnen, bleibt ihr nicht. Eine Woche, um genau zu sein. Dann muss sie ihn wieder abgeben. Danach kommt Luigi zurück in seine Verpackung und wartet auf die nächste Zeitmama. Luigi ist nämlich kein menschliches Wesen, sondern eine Puppe. Besser, ein Babysimulator. Die Unterscheidung zwischen Luigi und anderen Babypuppen fällt schwer. Die Simulatoren jedoch können viel mehr.

Dank eines eingebauten Computerchips weinen sie, wollen gefüttert, auf den Arm genommen und gewickelt werden. Sogar die Funktion des Bäuerchenmachens fehlt nicht. Babyborn meets Tamagotchi.

Spielzeug sind die Simulatoren aber nicht. Im Gegenteil, dahinter steckt ein pädagogisches Konzept. Jugendliche zwischen 13 und 18 Jahren sollen das Elterndasein testen und am eigenen Leib erfahren, dass Mutter- und Vaterschaft eben vor allem Verantwortung bedeutet und zuweilen schlaflose Nächte mit sich bringt.

Ursprünglich kommen die im Fachjargon „Realcarebabys“ genannten Wesen aus den USA. Dort entwickelte das Ehepaar Rick und Mary Jurmain 1993 den ersten Prototypen, um Jugendlichen „realistische Lernerfahrungen“ zu vermitteln.alkikindIn Deutschland vertreibt die Firma Babybedenkzeit die Simulatoren, Die Firma leiten die Diplom-Pädagoginnen Edith Stemmler-Schaich und Uta Schultz-Brunn.

Die Idee zu Babybedenkzeit habe sich aus der Berufserfahrung der Sozialpädagoginnen entwickelt, so Uta Schultz-Brunn. Mit dem RealCare Baby sei ein „pädagogisches Instrument gefunden worden, das erfolgreich als Vorbereitung auf Elternschaft eingesetzt werden könnte.“ Hintergrund sei die Prävention von Kindesvernachlässigung und Kindesmisshandlung. „So, wie ein Pilot am Flugsimulator Fliegen üben kann, können Jugendliche mit den Realcare-Babys üben“, beschreibt sie den Sinn der Elternpraktika.

Im Programm hat Babybedenkzeit auch ein Alkohol- und ein Drogenbaby; Puppen, die typische körperliche Merkmale von Säuglingen aufweisen, deren Mütter während der Schwangerschaft Alkohol und/oder Drogen konsumiert haben.tollAngeboten werden die Workshops an Haupt-, Real- und Berufsschulen, aber auch von sozialen Vereinen. Begeisterte Projektberichte finden sich zuhauf im Netz.

Auch, als das evangelische (Online-)Magazin Chrismon seine Leser fragte, ob Babysimulatoren eine gute oder eine schlechte Nachricht sind, waren die Forumsbeiträge durchweg positiv. Viele stammen von jungen Frauen, die Luigi und seine Geschwister in der Schule oder anderswo selbst getestet haben. Viele wollten wissen, wo man die tollen Babys kaufen könne.

Zwar sind die Modelle für den Privatgebrauch nicht käuflich, jedoch zeigt diese Reaktion, dass es sich eben doch nur um Puppen handelt.  


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von meike | 27.11.06, 08:00
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Kommentare
Anzahl der Kommentare: 6
dirk
Montag, 27.11.06 10:13
 

interessante geschichte! aber ich weiß nicht, irgendwie find ich es bei allem pädagogischen enthusiasmus doch arg befremdlich. gibt es bei den simulatoren einen aus-knopf? ich meine - auch wenn dies projekt von ganz lieben menschen fürsorglich betreut wird - wo sind wir um himmels willen nur hingekommen? ist das leben so schwer zu bewältigen, dass man dafür trainieren muss? gibt es bald ein life-tryout - wer´s nicht packt, fliegt raus? bekomme ich im edeka bald meine simulationspartnerin? ich will es nicht verteufeln, zumal hier von hoffentlich geschulten leuten (und keinen geldgiersäcken) hoffentlich nur auf missstände reagiert wird, aber ich find das alles nur noch in höchstem maße KRANK. ich will mein leben leben und nicht simulieren.

mo
Montag, 27.11.06 19:40
 

meike, schreib bitte sofort, dass das ein fake ist... bitte !!!!
andernfalls ist dieser instrumentelle pädagogische versuch erschreckend... oder wie schon geschrieben wurde: krank

Till
Freitag, 15.12.06 11:13
 

Ich muss sagen die beiden kommentare sind wohl von leuten geschrieben worden sind die selbst krank sind, denn.....
Diese Babys sollen nicht das Leben simulieren, weil man meint das man es nicht schafft. Sie sollen jungen Schülern und Schülerinnen den vollen Umfang zeigen, der Auftritt wennn man selbst ein Kind hat. Dies wird also als Präventionsmaßnahme genutzt und soll die "Kinder" davor bewahren selbst ein Kind zu bekommen, für das sie noch nicht bereit sind. Dazu muss gesagt werden, wer eines haben will, lässt sich nicht abschrecken, aber die Idee dahinter ist sehr lobenswert. Und jeder der das anders sieht ist meiner Meinung nach Krank...

Danke

lexicographer
Freitag, 15.12.06 13:26
 

die dinger haben auch sensoren und zeichnen auf, ob sie rumgeschmissen werden oder stundenlang plärren müssen, bevor sich die "mama" drum kümmert. in amerika läuft das dann wohl so, daß die dinger dann vom lehrer ausgewertet werden und er feedback gibt, also "zu grob" oder "zu lange alleingelassen". ist ein ausgezeichnetes lernmittel und verhindert nach allem was ich weiß wohl ne menge teenagerschwangerschaften.

außerdem "zuweilen" schlaflose nächte ist ein lolocaust. die jungen elternpaare, die ich kenne, haben ein halbes jahr keine nacht durchgeschlafen. babys sind ne menge ärger.

mo
Freitag, 15.12.06 16:55
 

@Till - ... es geht mir nicht darum, individuen als krank zu bezeichnen, ich meine damit vielmehr das system bzw. die gesellschaft...! prävention muss woanders greifen und themen ansprechen, wie verhütungsmaßnahmen, sexualität jugendlicher, etc. ... erschreckend finde ich zudem, dass die sozialisation des kindes (elternhaus, familiäre umgebung) ausgeblendet wird... hier muss prävention greifen!
es kann meines erachtens nicht sein, dass man dieses thema bzw. den versuch, kindern das kinder kriegen zu veranschaulichen, auf instrumentelle puppen-spiel-projekte reduziert... tut mir leid, das finde ich krank!!

Babymami
Donnerstag, 25.09.08 21:08
 

Wo kann man diese Simulatoren denn nun kaufen?

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