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Das C.M.O.N.S.-Virus

Wann genau es losging, lässt sich heute kaum noch richtig abschätzen. Ist es drei Monate her oder vier? Irgendwann waren sie einfach da, bei MTVs ‚Under the Radar’, auf MySpace, bei Youtube und in Blogs: die niedliche kleine Strick-Puppenband ‚The C.M.O.N.S.’. „Wie süss! Wie kultig!“ hiess es allerorten. Seit einigen Wochen ist klar, dass hinter den putzigen C.M.O.N.S der Opel-Konzern steckt, der mit den Puppen Werbung für den neuen Opel Corsa macht und einer jüngeren Zielgruppe klarmachen will, dass Opel eigentlich doch ganz hip sein kann. Virales Marketing, galore.



Virales Marketing ist eine Marketingform, die existierende soziale Netzwerke ausnutzt, um Aufmerksamkeit auf Marken, Produkte oder Kampagnen zu lenken, indem Nachrichten sich epidemisch, wie ein Virus ausbreiten, eben über Community-Sites wie MySpace, Videoplattformen wie Youtube, StreetArt oder, ganz altmodisch, Mund-zu-Mund-Propaganda.

Alles getreu dem Motto: Dem Film, den mein Kumpel mir emailt, dem Video aus meiner Internetcommunity und der StreetArt an meiner Bushaltestelle trau’ ich eher als der klassischen Werbung. Legendärstes Beispiel für erfolgreiches Virales Marketing ist immer noch der Film Blair Witch Project, der 1999 trotz Low-Budget Produktion dank viralem Marketing, das die Grenzen zwischen Wahrheit und Fiktion verwischte, einen mehr als nur ansehnlichen kommerziellen Erfolg verbuchen konnte.

Der Opel-Konzern ist der erste Autohersteller, der global virales Marketing und Branded Entertainment einsetzt.
Die C.M.O.N.S. Puppen Red, Moo, Blue, Cherri und White erlebten in den kleinen Online-Filmchen zunächst banale, aber unterhaltsame Abenteuer. Blue ging pinkeln, die Pupppen hatten Affären miteinander und angebliche Weggefährten erzählten auf MTV von Groupies, Exzessen und Brustvergrößerungen und den Songs der Band, die ausschließlich aus der Wiederholung des Wortes ‚C’Mon!’ bestehen. Auf der Website konnte man Vorlagen für StreetArt herunterladen, T-Shirts kaufen, Bilder anschauen und die Songs anhören. Die User wurde gezielt zum Mitmachen animiert. Erst in späteren C.M.O.N.S. Filmen tauchte plötzlich der Opel Corsa  auf, und nahm nach und nach einen immer größeren Raum einnahm, bis vor gut sechs Wochen, gelüftet wurde, dass es hier die ganze Zeit um Werbung gegangen war, und zwar mit ganz klassischen Plakaten und Fernsehspots.

Ziel des Ganzen, klar, endlich vom verstaubten, lahmen Jeder-Popel-fährt-nen-Opel Image wegzukommen, cooler und hipper zu wirken; es sollte gezielt die Gruppe der jungen Autokäufer zwischen 20 und 30 erreicht werden. Ob die niedlichen kleinen Puppen tatsächlich dazu führt, dass mehr Opel Corsas gekauft werden, kann letztendlich nur der Konzern bewerten. Erfolgreicher als die Opel-Astra-Blog-Kampagne dieses Frühjahrs, bei der deutschen A-List Bloggern Opel zur Verfügung gestellt wurden, sind die C.M.O.N.S. aber sicherlich.

Letzte Woche sponsorte Opel mit den C.M.O.N.S auch die MTV European Music Awards in Kopenhagen, und die C.M.O.N.S. waren endlich in Gesellschaft echter Stars, Stars, die sie die ganze Zeit vorgaben zu sein. Erfunden hat die Puppen übrigens der Designer Boris Hoppek, der schon seit Jahren die Welt mit Strickpuppen erfreut. Auf seiner Website kann man sich an tollen Fotos von C.M.O.N.S.-artiger Puppen und Street-Art erfreuen. Und zwar ganz ohne versteckte Werbung für Kleinwagen dahinter.


 




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von caro | 10.11.06, 18:00 | Kommentare (3)
Weitere Artikel zu: Opel, C.M.O.N.S., Boris Hoppek, Astra-Blog, Virales Marketing, -caro, Autos, virales Marketing



Kommentare
Anzahl der Kommentare: 3
olum
Freitag, 10.11.06 18:17
 

Naja, besser als ein CMOS-Virus.

David Harnasch
Samstag, 11.11.06 11:40
 

Geil, ne Struckpuppe - der Ex-Verteidigunsminister aus Plüsch ;-)

atn
Samstag, 31.03.07 05:10
 

Schlecht wird mir, wenn man "ugly dolls" - oder eben die offroad-puppen von Boris Hoppek- derartig misbraucht bzw. den dazugehörigen künstler... man könnte genauso gut papst benedikt als wachsfigur verwenden... aber dazu gehören ja immer mindestens zwei - und hoppek war sicherlich jung und brauchte das geld... opel hatte sicher ein argument, das hoppek nicht ausschlagen konnte... wer kann's ihm verdenken...

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